Unangenehmes Symptom

Juckende Scheide: Häufige Ursachen und was tun?

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Juckreiz in der Scheide ist ein unangenehmes Symptom, das häufig auftritt. Eine juckende Scheide kann unterschiedliche Ursachen haben – obwohl oft eine Pilzinfektion vorliegt, gibt es weitere Auslöser. Welche das sind und wie man das lästige Symptom behandeln kann.

Frau bei der gynäkologischen Untersuchung
© Getty Images/EmirMemedovski

Genitaler Juckreiz kann unterschiedlich lokalisiert sein: In den meisten Fällen sind der Scheideneingang oder die äußeren Schamlippen betroffen, viele Frauen juckt es aber auch in der Scheide. Ob es sich um das Symptom einer Erkrankung handelt, hängt davon ab, wie oft der Juckreiz auftritt und wie stark er ausgeprägt ist.

Artikelinhalte im Überblick:

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Ursachen für Juckreiz in der Scheide

Die möglichen Auslöser für Juckreiz in der Scheide sind breit gefächert und können von einer falschen Intimhygiene über Veränderungen des natürlichen Scheidenmilieus bis hin zu Hautkrankheiten reichen. In den meisten Fällen treten bei Infektionen und anderen Erkrankungen neben der juckenden Scheide weitere Beschwerden auf. Teilweise ist die Kombination sehr charakteristisch, was die Diagnose erleichtert.

Mögliche Gründe für vaginalen Juckreiz:

  • Bakterielle Vaginose: Das Ungleichgewicht der Scheidenflora ist einer der häufigsten Gründe für eine juckende Scheide. Wichtiger Bestandteil der vaginalen Flora sind Milchsäurebakterien (Laktobazillen), die für ein saures Scheidenmilieu mit niedrigem pH-Wert sorgen. Dieser wiederum dient als Schutz vor krankmachenden Bakterien oder Pilzen. Eine bakterielle Vaginose kann durch verschiedene Faktoren wie Stress, Geschlechtsverkehr, Antibiotika oder auch falsche Stuhlhygiene hervorgerufen werden.

  • Scheidenpilz (Vaginalmykose): Auch Hefepilze (Candida albicans) sind ein häufiger Auslöser für eine juckende Scheide. Meistens kommt es zusätzlich zu weißlichem, bröckeligem Ausfluss, Rötungen und Brennen. Risikofaktoren sind hormonelle Veränderungen, falsche Intimhygiene, Geschlechtsverkehr, ein geschwächtes Immunsystem, Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder eng anliegende Kleidung aus synthetischen Fasern.

  • Kontaktallergie: Manche Frauen reagieren allergisch auf bestimmte Stoffe, was sich als juckende Hautirritationen im Genitalbereich bemerkbar macht. Auslöser können Latex (Kondome), Duft- oder Zusatzstoffe in Gleitgels, Rückstände von Waschmitteln sowie synthetische Fasern in der Unterwäsche sein. Auch eine allergische Reaktion auf bestimmte Inhaltsstoffe von Medikamenten ist möglich. Neben dem Juckreiz kommt es meist zu Rötungen und einer verdickten Haut der äußeren Schamlippen.

  • Sexuell-übertragbare Krankheiten: Durch ungeschützten Geschlechtsverkehr kann man sich mit Erregern von sexuell übertragbaren Infektionen anstecken. Zu solchen Infektionen, die unter anderem genitalen Juckreiz auslösen, zählen Chlamydien, Genitalherpes, Gonorrhoe (Tripper), Trichomoniasis sowie Filzläuse und Krätze (Skabies). Weitere typische Anzeichen sind Schmerzen beim Sex und Wasserlassen, veränderter Ausfluss sowie Bläschen im Intimbereich.

  • Entzündungen: Eine Scheidenentzündung (Vaginitis, Kolpitis) oder Entzündung der äußeren Geschlechtsorgane (Vulvitis) können ebenfalls Juckreiz auslösen.

  • Hormonelle Veränderungen: Sie treten in der Schwangerschaft, den Wechseljahren oder während der Menstruation auf und können die Zusammensetzung der Scheidenflora verändern oder sich direkt auf die Haut auswirken. Zum Beispiel führt ein Östrogenmangel oft zu Scheidentrockenheit. Das wiederum ruft häufig auch Juckreiz hervor.

  • Stress: Auch psychosozialer Stress kann die Vaginalflora, die ein wichtiger Schutzschild gegenüber Keimen ist, sowie das Immunsystem schwächen. Pilze, Viren und andere Erreger können sich leichter vermehren.

  • Trockene Haut: Menschen mit trockener Haut können auch im Genitalbereich damit zu kämpfen haben und leiden dann unter Juckreiz. Auch Diabetes mellitus verursacht in dieser Körperregion oft eine Hauttrockenheit.

  • Übertriebene Intimhygiene: Häufiges Waschen, oft in Kombination mit speziellen Lotionen für den Intimbereich, aber auch nicht geeignete Duschgels oder Seifen können die Scheidenflora schädigen. Außerdem können enthaltene Duft- und Zusatzstoffe allergische Reaktionen mit Juckreiz hervorrufen.

  • Schuppenflechte (Psoriasis): Da die Haut im Genitalbereich normalerweise gut mit Feuchtigkeit versorgt ist, zeigen sich hier meist nicht die typischen Schuppen der Autoimmunkrankheit. Dennoch ist die Haut gerötet, nässt und juckt sehr stark.

  • Lichen sclerosus genitalis: Die chronisch-entzündliche Hautkrankheit der Genitalregion zeichnet sich durch weißliche Hautknoten und starken Juckreiz aus.

Mögliche Begleitsymptome von juckender Scheide

In vielen Fällen tritt der Juckreiz im Intimbereich nicht allein auf, sondern wird von weiteren Symptomen begleitet. Dabei muss nicht zwingend nur die Intimregion betroffen sein, auch die Innenseite der Oberschenkel und die Haut rund um den After kann Veränderungen aufweisen.

Häufige Begleitsymptome von Scheidenjucken:

  • Verstärkter Ausfluss, es können sich auch Farbe, Geruch und Konsistenz verändern
  • Rötung
  • Schwellung
  • Schmerzen
  • Scheidenbrennen
  • Nässen und Wundsein

Diagnose: Welche Untersuchungen bei juckender Scheide?

Zu Beginn der Diagnostik befragt der*die Gynäkolog*in Betroffene nach den genauen Symptomen, seit wann der Juckreiz besteht, wie stark ausgeprägt er ist und ob weitere Beschwerden vorhanden sind. Auch Vorerkrankungen, Allergien und die Hygiene im Genitalbereich sind im Rahmen der Anamnese von Interesse. Anhand dieser Angaben ergibt sich meistens bereits ein Verdacht auf die auslösende Ursache des vaginalen Juckreizes.

Anschließend folgt die körperliche Untersuchung, bei der die äußeren weiblichen Genitalien betrachtet werden. Besonderes Augenmerk liegt auf den Innenseiten der äußeren Schamlippen und der Scheide. Veränderungen in der Scheide werden mithilfe eines Spekulums beurteilt. Es wird beispielsweise untersucht, ob Rötungen, Beläge auf der Schleimhaut oder Bläschen vorhanden sind. Außerdem kann die*der Ärztin*Arzt dabei einen Abstrich entnehmen. Dieser ermöglicht Aussagen darüber, ob die Scheidenflora intakt oder verändert ist. Bei Bedarf können auch Urin- und Blutproben entnommen und im Labor auf Entzündungsmarker und bestimmte Erreger untersucht werden.


Juckende Scheide behandeln

So vielfältig die möglichen Auslöser für eine juckende Scheide sind, so verschieden sind auch die Behandlungsmöglichkeiten. Wurde die Intimhygiene als Grund identifiziert, reicht es in der Regel, diese zu verändern: Im Grunde genügt tägliches Waschen des Intimbereichs mit lauwarmem Wasser. Wer hierfür einen Waschlappen benutzt, sollte diesen gut auswaschen und regelmäßig wechseln.

Spezielle Waschlotionen sind dagegen nicht notwendig, vor allem sollten sie gemieden werden, wenn sie im Verdacht stehen, den Juckreiz ausgelöst zu haben. Auch bei einer Kontaktallergie sollte der allergieauslösende Stoff zukünftig gemieden werden. Dann empfiehlt sich etwa der Wechsel auf latexfreie Kondome, die Verwendung eines anderen Gleitgels oder nach ärztlicher Rücksprache auch die Einnahme eines anderen Medikaments. In stark ausgeprägten Fällen können Antihistaminika helfen, die allergische Reaktion und das Jucken zu lindern.

Scheidenmilieu erhalten und Scheidenflora stärken

Wer häufiger unter Scheidenpilz oder einer bakteriellen Vaginose leidet, kann seine vaginale Flora gezielt unterstützen: Eine für den Intimbereich geeignete atmungsaktive Fettsalbe legt sich schützend auf die Oberfläche, sie hilft auch bei der Intimpflege von trockener Haut. Vor allem nach einer Behandlung gegen Scheidenpilz oder der Anwendung von Antibiotika kann es nach ärztlicher Rücksprache sinnvoll sein, die Scheidenflora durch Zäpfchen mit Milchsäure und Laktobazillen zu stärken und das Gleichgewicht wiederherzustellen. Hormonelle Veränderungen können durch den Einsatz von Östrogen und anderen weiblichen Hormonen ausgeglichen werden.

Medikamentöse Behandlung richtet sich nach Erreger

Infektionen wie Chlamydien oder Tripper werden mit Antibiotika behandelt. Da sexuell übertragbare Krankheiten auch Spätfolgen wie eine verminderte Fruchtbarkeit haben können, sollten entsprechende Symptome ernst genommen und behandelt werden. Frühzeitig therapiert, sind in der Regel keine Komplikationen zu erwarten. Infektionen mit Viren wie Genitalherpes werden mit virushemmenden Wirkstoffen (Virustatika) behandelt. Scheidenpilz kann meistens mit einer kurzzeitigen Anwendung von Vaginaltabletten und Antipilz-Cremes (Antimykotika) behandelt werden, die es rezeptfrei in der Apotheke gibt. Um einen Rückfall zu verhindern, sollte der*die Partner*in mitbehandelt werden. Die chronische Hautkrankheit Lichen sclerosus genitalis wird medikamentös mit Kortison, einer Operation oder Lasertherapie behandelt.

Hausmittel gegen Juckreiz in der Scheide?

Viele Frauen versuchen, das vaginale Jucken natürlich mit Hausmitteln zu lindern. Vor der Anwendung sollten Betroffene dennoch besser ihre*n Frauenärztin*Frauenarzt fragen, da manche Hausmittel die Symptome verstärken statt bessern können. Im Zusammenhang mit Beschwerden im Intimbereich wird immer wieder Joghurt als Hausmittel genannt, um das Scheidenmilieu anzusäuern. Da in ihm jedoch nicht nur Laktobazillen, sondern auch andere Bakterien enthalten sein können, sollten Betroffene besser keinen in Joghurt getränkten Tampon verwenden.

Trockene Haut im Intimbereich kann mit Kokosöl gepflegt und geschmeidiger gemacht werden. Allerdings sollte nur reines Öl in Bio-Qualität ohne Zusatzstoffe verwendet und die Verträglichkeit zunächst auf einem kleinen Hautareal getestet werden. Weitere Naturprodukte sind Honig oder Teebaumöl – aus hygienischen Gründen und weil sie ebenfalls Allergien auslösen können, sollten sie nicht angewendet werden. Auch von Hausmitteln wie Apfelessig sollten Betroffene besser die Finger lassen, um die angegriffene Haut nicht weiter zu reizen. Kamille wirkt dagegen entzündungshemmend, deshalb kann ein warmes Sitzbad mit der Heilpflanze bei juckender Scheide durchaus helfen.

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