Rötung und Jucken bei Mykose

Pilzinfektion: Lästige Symptome, aber meistens harmlos

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Pilze befinden sich überall. Beim Menschen können sie Haut und Nägel infizieren oder ins Körperinnere eindringen – insbesondere, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Welche Arten von Pilzen es gibt, wie gefährlich sie sind und was dagegen hilft.

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Um einer Pilzinfektion, wie beispielsweise Fußpilz, vorzubeugen, sollten auch die Zehenzwischenräume nach dem Duschen gut abgetrocknet werden.
© Getty Images/Peter Dazeley

Schätzungsweise jeder zehnte Mensch in Deutschland leidet unter einer Pilzinfektion (Mykose). Fast jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens eine oder mehrere Mykosen durch. Besonders verbreitet sind Fuß-, Nagel- und Scheidenpilz. Doch es gibt sehr unterschiedliche Arten von Pilzen, die verschiedene Körperregionen befallen können. Bei einem gesunden Menschen verursachen die Pilze zwar lästige, aber meist nur leichte Erkrankungen. Diese lassen sich mit Medikamenten in der Regel gut behandeln. Hat ein Infizierter jedoch ein schwaches Immunsystem, etwa durch eine Grunderkrankung, so kann eine Pilzinfektion zu einer systemischen Mykose und damit gefährlich werden. Zunehmend entdecken Mediziner Pilzarten, die gegen die gängigen Medikamente (Antimykotika) resistent sind. Auf Intensivstationen gelten Pilzinfektionen als lebensbedrohliche Zusatzerkrankungen, die jedoch schwer zu erkennen sind.

Im Überblick:

Fußpilz: Bilder zum Erkennen und Tipps für die Behandlung

Diese Erreger verursachen Pilzinfektionen

Mykosen können durch unterschiedliche Erreger verursacht werden. Von jeder Gattung gibt es wiederum zahlreiche Unterarten. Manche gehören zur normalen Flora der Haut oder der Schleimhäute und machen nur bei übermäßiger Vermehrung krank. Andere gelten direkt als Krankheitserreger. Fadenpilze sind für rund 70 Prozent aller Pilzinfektionen verantwortlich, Hefepilze für knapp ein Viertel, Schimmelpilze nur für fünf Prozent der Erkrankungen.

Fadenpilze (Dermatophyten)

Fadenpilze haben ihren Namen nach ihrer Erscheinung unter dem Mikroskop. Sie verursachen nur Erkrankungen an der Körperoberfläche, insbesondere Fußpilz, Nagelpilz, Hautpilz oder eine Mykose von Kopfhaut und Haaren. Besonders häufig sind die Gattungen Epidermophyton, Mikrosporum und Trichophyten.

Candida

Die einzelligen Hefepilze sind besonders stark verbreitet und besiedeln oft die Haut und Schleimhäute gesunder Menschen. Besonders häufig sind die Arten Candida albicans und Candida glabrata. Seit einigen Jahren breitet sich der neue Erreger Candida auris aus, der gegen viele Antimykotika resistent ist und häufig in Krankenhäusern von Patient zu Patient übertragen wird. Bei krankhafter Vermehrung kann Candida Infektionen im Mund (Soor), Hautpilz oder Scheidenpilz (Vaginalmykose) auslösen. Solch eine Pilzinfektion kann bei Mann und Frau gleichermaßen auftreten.

Schimmelpilze

Schimmelpilze verbreiten ihre Sporen vor allem durch die Luft und finden sich überall. Viele davon sind unschädlich, doch die Gattung Aspergillus kann bei immungeschwächten Menschen Erkrankungen der inneren Organe auslösen. Meist geraten die Erreger über die Lunge oder die Nebenhöhlen in den Körper. Bei empfindlichen Menschen oder solchen mit Asthma bronchiale können eingeatmete Pilzsporen auch eine allergische Reaktion auslösen.

Pilze werden über die Luft oder Türklinken übertragen

Viele Pilze befinden sich natürlich auf der Haut der Menschen. Bei anderen sind die Sporen praktisch überall in der Luft zu finden und werden eingeatmet. Nur bei einem geschwächten Immunsystem – etwa durch eine Krankheit, eine Operation oder durch Stress – führen sie zum Ausbruch der Mykose. Auch die Einnahme von Antibiotika kann eine Pilzinfektion hervorrufen, weil der Wirkstoff neben Krankheitserregern auch positive Bakterien schwächt, die normalerweise eine Mykose verhindern. Manche Pilze werden durch eine Schmierinfektion übertragen. Das kann beispielsweise durch gemeinsam genutzte Handtücher oder Türklinken passieren oder beim Barfußlaufen im Schwimmbad.

Symptome: Mykose äußert sich mit Juckreiz und Rötung

Je nachdem, welcher Pilz für die Mykose verantwortlich ist, sind auch die Symptome unterschiedlich. Candida sorgt häufig für starken Juckreiz oder Brennen der Schleimhäute, beispielsweise bei einer Pilzinfektion der Scheide. Fadenpilze sind oft an der Rötung der betroffenen Hautstellen zu erkennen, teilweise ebenfalls verbunden mit Jucken. Manche Pilzinfektionen der Haut sind allerdings schwer zu identifizieren, etwa die Mokassin-Mykose. Sie ist kaum von den Symptomen einer trockenen Haut zu unterscheiden. Hat der Pilz auf den ganzen Körper übergegriffen (systemische Mykose), zeigt sich das mit Fieber, Kreislaufbeschwerden und einem schlechten Allgemeinzustand. Manchmal führt eine systemische Mykose auch zu einem septischen Schock.

So diagnostiziert der Arzt gefährliche Pilzinfektionen

Hat der Arzt den Verdacht, dass eine Mykose die Ursache für Juckreiz oder eine Hautrötung ist, so entnimmt er eine Probe, beispielsweise an der Schleimhaut mit einem Abstrich. Diese Probe untersucht er unter dem Mikroskop. Dort sieht er, welche Pilze sich in welcher Zahl in der Probe befinden. Bestehen noch Zweifel, wird der Pilz im Labor in einer Kultur vermehrt. Das passiert auch bei Hautschuppen. Dadurch können Experten genauer bestimmen, um welche Unterart eines Pilzes es sich handelt. Bei schweren Verläufen im Krankenhaus können auch Antigen-Tests und andere molekulare Testmethoden sowie bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen.

Behandlung einer Mykose mit Salbe oder Tabletten

Einfache Pilzinfektionen wie Fußpilz oder Vaginalpilz sind meist mit einem Antimykotikum gut zu behandeln. Es hemmt das Wachstum von Pilzen oder tötet sie ab. Viele Antipilz-Mittel wirken dabei gegen diverse Pilzarten (Breitband-Antimykotika). Sie werden als Salbe, Creme oder Nagellack aufgetragen. Wichtig ist dabei, das Medikament entsprechend der Anweisung auf dem Beipackzettel bis zum Schluss anzuwenden, auch wenn die Symptome sich bereits gebessert haben. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die Pilze bei Absetzen des Medikaments wieder ausbreiten. Bei manchen Mykosen wie etwa Nagelpilz ist eine sehr langwierige Behandlung erforderlich. Führt eine Salbe nicht zum Erfolg, kann das Antimykotikum auch systemisch eingesetzt werden, also als Wirkstoff im gesamten Körper, etwa mit Tabletten. Für die Anwendung im Krankenhaus stehen Infusionen zur Verfügung.

Pilzgifte

Auch in Nahrungsmitteln können Pilze auftreten. Ungefährlich ist der Weiß- oder Blauschimmel bei Weichkäse. Doch Schimmel an Brot, Milchprodukten, Marmelade oder Hartkäse kann gefährlich für den Menschen werden. Denn Pilze erzeugen Gifte, die schon in kleinen Mengen schädlich sind und auch durch Hitze nicht abgetötet werden. Dabei ist die giftige Wirkung nicht unbedingt sofort sichtbar, sondern greift langfristig die Leber an, kann das Erbgut schädigen oder kann sogar Krebs begünstigen.

Sieben Tipps zur Vermeidung von Pilzinfektionen

Gegen viele Arten von Pilzinfektionen lässt sich gut vorbeugen. Hier ein paar Tipps, wie Mykosen vermieden werden können:

  • Nach dem Duschen oder Baden die Zwischenräume der Zehen sorgfältig abtrocknen, denn Pilze wachsen besonders gut in einem feuchten, warmen Klima.

  • Alle Handtücher und Badteppiche häufig bei 60 Grad waschen (Richtwert: einmal pro Woche).

  • Keine Handtücher mit anderen Menschen tauschen.

  • In Schwimmbädern und Turnhallen Badeschlappen tragen.

  • Unterwäsche und Strümpfe täglich wechseln.

  • Auffällige Hautpartien sofort behandeln.

  • Das Immunsystem durch gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und viel Bewegung an der frischen Luft stärken.

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