Riss am After

Analfissur: Symptome und ihre Behandlung von Salbe bis OP

Menschen mit einer Analfissur meiden die Toilette, solange sie können. Denn ihr Leiden verursacht heftige Schmerzen während des Stuhlgangs, danach juckt und brennt es. Der häufigste Grund für den Riss in der Analschleimhaut ist Verstopfung. Der Stuhl ist hart und Betroffene pressen beim Stuhlgang zu stark. Dringen in die Wunde Darmbakterien ein, entzündet sie sich und heilt schlecht ab. Der Analriss lässt sich gut mit Schmerzmitteln behandeln, die gleichzeitig abschwellend wirken und die Entzündung hemmen.

Analfissur
Eine Analfissur führt zu stechenden Schmerzen beim Stuhlgang.
iStock

Menschen, die an einer Analfissur leiden, sind doppelt gestraft: Sie ertragen große Schmerzen und genieren sich gleichzeitig für ihr Problem. Das Schamgefühl mancher Betroffener ist so groß, dass sie sich nicht einmal trauen, einen Arzt aufzusuchen.

Stuhlgang: Das verraten Ihnen Farbe und Konsistenz

Der Afterriss ist eine längliche Verletzung der Schleimhaut, die den Enddarm von innen wie eine Tapete auskleidet. Die Wunde entsteht meist an der Rückseite des Analkanals in Richtung Steißbein und ist äußerst quälend: Betroffene verspüren stechende Schmerzen während des Stuhlgangs, zudem juckt und brennt es. Gefährlich ist die Verletzung, wenn Keime, etwa Darmbakterien, in die Wunde eindringen. Entzündet sie sich, ist die Heilung deutlich erschwert.

Teufelskreis durch das Meiden der Toilette

Es handelt sich um eine recht häufige Erkrankung des Enddarms. Sie kann in jedem Lebensalter auftreten, Kinder und Senioren gleichermaßen betreffen. Zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr entwickelt sie sich jedoch besonders häufig.

Viele Patienten meiden aus Angst vor der Quälerei die Toilette. So geraten sie in einen Teufelskreis: Weil sie den Darm nicht entleeren, dickt der Stuhl weiter ein, wird härter und macht den Stuhlgang noch schmerzhafter als zuvor. Zudem verkrampft sich der Schließmuskel zunehmend, was die Durchblutung verringert und den Heilungsprozess bremst. Die Anspannung des Schließmuskels kann wiederum weitere Risse verursachen.

Verursacht der Stuhlgang Schmerzen, ist der Arztbesuch Pflicht

Zunächst kurieren die meisten Betroffenen ihre Beschwerden selbst mit verschiedenen Hausmitteln, Salben oder Cremes. Diese Selbstbehandlung kann allerdings die Heilung verzögern, weil die Wunde an einer empfindlichen Stelle liegt und Keimen Tür und Tor offen stehen. Die Dichte von Bakterien und anderen Erregern ist im Analbereich besonders hoch, so dass erhebliche Infektionsgefahr besteht.

Aus Scham suchen Betroffen oft erst dann einen Arzt auf, wenn der Leidensdruck aufgrund der Schmerzen und Blutungen kaum mehr auszuhalten ist.

Je nach Art, Ausmaß und Dauer der Erkrankung unterscheiden Ärzte einen akuten oder chronischen Verlauf der Analfissur.

Analfissur: Diese Symptome sind typisch

Typische Symptome einer Analfissur sind stechende Schmerzen, Brennen und Juckreiz im Analbereich. Die Beschwerden treten während des Stuhlgangs auf, aber auch danach. Außerdem lässt sich Blut im Stuhl nachweisen.

Der Schließmuskel verkrampft, der Schmerz nimmt zu

Die Analhaut am Übergang zum After ist äußerst schmerzempfindlich. Dort liegen viele Nervenenden, die Empfindungsreize registrieren. Charakteristische Anzeichen einer Verletzung in dieser Region sind deshalb stechende Schmerzen während und nach dem Toilettenbesuch. Vielen Patienten gelingt überhaupt kein schmerzfreier Stuhlgang mehr. In der Folge verkrampft der Schließmuskel, was zu weiteren Rissen führt. Auch vorhandene Risse vertiefen sich manchmal. Entstehen die Fissuren zusätzlich in der Schließmuskelregion, bildet sich verstärkt Bindegewebe und der Schließmuskel verhärtet.

Verstopfung und Blut im Stuhl bei Analfissur

Auch Verstopfung ist als Folge des Risses in der Analregion möglich. Wenn Patienten sich wegen der Schmerzen nicht mehr zur Toilette trauen und den Stuhl zurückhalten, dickt er immer weiter ein und wird hart. Das Pressen beim Stuhlgang verursacht dann noch mehr Schmerzen. Auch Krämpfe in und um den Schließmuskel herum sind möglich. So können weitere Risse und noch schlimmere Beschwerden entstehen.

Daneben treten Brennen, Juckreiz und Schleimabsonderungen im Analbereich auf. Hellrotes Blut im Stuhl ist zu finden, wenn der Riss blutet. Blut im Stuhl sollte immer ein Arzt abklären. Dahinter können harmlose Ursachen wie Hämorrhoiden, aber auch ernste wie Darmkrebs (Kolonkarzinom) stecken.

Ursachen: Wie entsteht eine Analfissur?

Die schmerzhafte Verletzung der Schleimhaut hat verschiedene Ursachen, allen voran die Verstopfung. Sie entsteht oft durch falsche Ernährung und mangelnde Bewegung.

Zu einem Riss in der Schleimhaut kommt es am häufigsten, wenn der Stuhl hart ist und der Betroffene beim Stuhlgang zu stark presst, etwa bei akuter oder chronischer Verstopfung. Die Verletzungen entwickeln sich außerdem oft im Rahmen bestimmter Magen-Darm-Erkrankungen, zum Beispiel dem chronisch-entzündlichen Darmleiden Morbus Crohn. Eine Schädigung entsteht manchmal auch, wenn der Stuhl weich ist, dauerhafter Durchfall auftritt und die Betroffenen trotzdem zu stark pressen.

Verkrampfter Schließmuskel begünstigt Risse

Das Einreißen der Analhaut ist quälend, weil der gesamte Analbereich äußerst schmerzempfindlich ist. Es entsteht eine Wunde, die sich entzünden kann, wenn Keime aus der natürlichen Darmflora eindringen. Die Wundheilung verzögert sich aufgrund der Infektion, etwa mit Bakterien.

Die Verletzung lässt den Schließmuskel zunehmend verkrampfen. Das setzt einen Teufelskreis ein Gang, in dem sich die Symptome immer weiter verstärken: Betroffene pressen jetzt noch stärker gegen die Verkrampfungen an, die Schmerzen nehmen zu und die Patienten versuchen schließlich, den Stuhlgang zu vermeiden. Die Folge ist, dass der Stuhl weiter eindickt und sich noch mehr verhärtet. Und das verschlimmert wiederum die Schmerzen. Manchmal verursacht der verkrampfte Schließmuskel auch noch selbst eine Verletzung der Schleimhaut.

Unelastische Analhaut und Analverkehr als Risiken

Daneben gehört ein Elastizitätsverlust der Analhaut zu den möglichen Auslösern. Er geht in der Regel auf Entzündungen in benachbarten Bereichen zurück, zum Beispiel auf Analfisteln oder -abszesse. Die Schmerzen sind hier weniger stark ausgeprägt, weil sich der Schließmuskel selten verkrampft. Analfisteln sind entzündlich veränderte Gänge im Analbereich. Analabszesse dagegen eitrige Entzündungen der Analregion, die sich als Blasen im Gewebe abkapseln. Beide Entzündungsformen treten oft bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auf, etwa Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.

Auch bestimmte Sexualpraktiken erhöhen das Risiko. Dazu zählen der Analverkehr und das Einführen von Gegenständen in den Enddarm. Andere Faktoren, die einen Analriss begünstigen, sind Hämorrhoiden, Tuberkulose, Syphilis oder eine HIV-Infektion/Aids.

Analfissur-Diagnose: Diese Untersuchung nimmt der Arzt vor

Der richtige Ansprechpartner für das Leiden ist ein Proktologe, also ein Facharzt für den Bereich des Enddarms. Die Diagnose stellt er, indem er zunächst Fragen zu den Beschwerden und der Krankengeschichte stellt (Anamnese):

  • Bestehen Schmerzen beim Stuhlgang oder in anderen Situationen?
  • Kommt es zu Brennen oder Juckreiz während des Stuhlgangs oder danach?
  • Befindet sich Blut im Stuhl?
  • Besteht eine Verstopfung, die starkes Pressen beim Stuhlgang notwendig macht?
  • Kommt es häufig zu Durchfall?
  • Sind Krankheiten bekannt, zum Beispiel Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa?

Abtasten des Afters und Enddarms

Für die Diagnose untersucht der Arzt zuerst den äußeren Analbereich und dann den Enddarm mit dem Finger. Da diese Region äußerst schmerzempfindlich ist, betäubt er den Analbereich vor der Untersuchung. Der Analriss entsteht meist zum Steißbein hin, seltener in Richtung Damm. Beim Abtasten des Afters ist ein schmerzhaftes Geschwür oder ein schmerzempfindlicher Strang spürbar. Meist ist der Schließmuskel verkrampft.

Andere Erkrankungen ausschließen

  • zum Lexikon

    Im Lifeline-Lexikon sind Diagnosen von A wie Angiographie bis Z wie Zystoskopie ausführlich und auch für medizinische Laien verständlich beschrieben.

Besteht Verdacht auf andere Erkrankungen, folgt eine Enddarmspiegelung, die sogenannte Proktoskopie. Die Methode deckt Veränderungen im Bereich des Enddarms auf. Mögliche Gewebeveränderungen, wie sie beispielsweise durch ein Analkarzinom auftreten, lassen sich durch Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) nachweisen. Bei Unklarheiten sind weitere Untersuchungen nötig, etwa eine Darmspiegelung (Koloskopie), Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT, auch Kernspintomographie).

Therapie: Analfissur behandeln mit Salbe oder OP

Für eine erfolgreiche Therapie brauchen Patienten Geduld und Ausdauer, denn sie müssen die Behandlung konsequent durchführen. Zum Einsatz kommen schmerzstillende Salben, Zäpfchen und Analtampons, die zudem entzündungshemmend und abschwellend wirken. Bestehen ausgeprägte Schmerzen, helfen zusätzliche Schmerzmittel in Tablettenform. Zudem gibt es die Möglichkeit, die betroffene Region örtlich zu betäuben, um den Schmerzkreislauf zu unterbrechen und die Heilung zu beschleunigen.

Weitere Tipps zur Behandlung

  • Analdehner: Er eignet sich für die begleitende Behandlung. Der Patient wendet ihn mehrmals täglich an und dehnt den Schließmuskel vorsichtig. Das Training verringert die Muskelspannung und Verkrampfungen des Schließmuskels.

  • Ernährung: Betroffenen hilft es, ihre Ernährung umzustellen, um der Verstopfung entgegenzuwirken. Hilfreich sind Nahrungsmittel, die viele Ballaststoffe enthalten, zum Beispiel Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse.

  • Ausreichend trinken: Genug Flüssigkeit macht den Stuhl weicher und erleichtert den Stuhlgang. Empfehlenswert sind 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit pro Tag.

  • Abführmittel: Manchen Patienten helfen sie gegen die Verstopfung. Sie sollten sie aber nicht zu lange und nur in Absprache mit dem Arzt anwenden. Ein zu hoher und langer Konsum von Abführmitteln kann langfristig eine Verstopfung begünstigen. Umgekehrt reizt ein häufiger, flüssiger Stuhlgang den Analbereich und verstärkt Entzündungen, die sich durch den Riss in der Schleimhaut gebildet haben.

Die besten Hausmittel gegen Verstopfung

Wann hilft eine Operation?

Bleibt das Leiden über mehrere Wochen oder sogar Monate bestehen, ohne dass die Wunde abheilt, ist eine Operation unumgänglich. Im Rahmen der sogenannten Fissurektomie entfernen Chirurgen die Fissur samt vernarbtem Gewebe und möglichen Analfisteln. Die Heilung dauert etwa vier bis sechs Wochen, weil die Wunde nicht vernäht wird.

Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Sphinkterotomie. Dabei durchtrennt der Chirurg den Schließmuskel vorsichtig zum Teil. Die Sphinkterotomie ist in fast allen Fällen erfolgreich, weil sie den Druck auf den Riss deutlich verringert. Der Nachteil: Bei Patienten in höherem Alter kann der Eingriff zu leichter Stuhlinkontinenz führen, da der Schließmuskel nicht mehr vollständig funktioniert.

Eine Alternative zur Operation kann das Nervengift Botulinumtoxin sein, kurz Botox. Es ist aus der Schönheitschirurgie bekannt und wird im Kampf gegen Falten eingesetzt. Botox lähmt den inneren Schließmuskel für mehrere Monate und wirkt Muskelverkrampfungen entgegen.

(Chronischer) Verlauf und mögliche Komplikationen

Eine Therapie ohne Operation genügt in vielen Fällen. Meist heilt der Analriss innerhalb von ein bis zwei Wochen ohne Komplikationen aus, wenn er rechtzeitig und ausreichend behandelt wird. Patienten können auch selbst etwas zur Heilung beitragen, indem sie auf eine gute Analhygiene achten. Selten mündet der Analriss in chronischen Entzündungen, die die Wundheilung bremsen oder verhindern. Die Folgen der Entzündungen sind manchmal Analfisteln oder Analabszesse, die Betroffene wiederum behandeln lassen sollten.

So beugen Sie Analfissuren vor

Eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeit (1,5 bis zwei Liter pro Tag) und viel Bewegung können vorbeugen – alle Maßnahmen bringen den Darm in Schwung, machen den Stuhl weich und schützen vor einer Verstopfung. Wer bestimmte Sexualpraktiken anwenden, zum Beispiel Analverkehr, oder Gegenstände in den Enddarm einführen will, der sollte dabei Gleitmittel verwenden, damit keine Risse und Verletzungen entstehen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 21. Juli 2017
Durch:
Quellen: Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Gefäß- und Kinderchirurgie an der Universitätsklinik Würzburg, http://www.zom-wuerzburg.de (Abruf: 27.5.2017); End- und Dickdarmzentrum Essen, http://enddarmzentrum-essen.de/index.php/erkrankungen/analfissur-afterriss (Abruf: 27.5.2017); Berufsverband der Coloproktologen, www.coloproktologen.de (Abruf: 27.5.2017); Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 265. Auflage, Berlin 2013 Herold, G.: Innere Medizin 2014. Selbstverlag, Köln 2014 Hirner, A., Weise, K.: Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2008

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang