Otalgie ist weit verbreitet

Ohrenschmerzen: Wann Hausmittel gut helfen können

Ohrenschmerzen kommen besonders häufig bei Kindern vor und können stark und anhaltend sein. Häufig treten sie plötzlich und einseitig auf. Mit Hausmitteln lassen sich die Symptome lindern. Doch wenn weitere Symptome wie Fieber dazu kommen, ist ein Arztbesuch nötig.

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Beim Kind treten Ohrenschmerzen besonders häufig auf.
© iStock.com/TatyanaGl

Unter Ohrenschmerzen (Otalgie) leiden Kinder und Erwachsene. Wenn plötzlich ein Stechen, Ziehen oder Brennen im Ohr einsetzt, fließen gerade bei Kleinkindern oft Tränen. Der Schmerz kann bis in den Kopf ziehen und wird als äußerst unangenehm empfunden, weshalb viele Betroffene sehr schnell einen Arzt aufsuchen.

Nicht immer gehen Ohrenschmerzen auf Erkrankungen des Ohrs selbst zurück (wie zum Beispiel Mittelohrentzündung, Fremdkörper im Gehörgang, Verletzungen, Schmerzen durch einen fehlenden Druckausgleich). Stattdessen haben Ohrenschmerzen ihren Ursprung oft in anderen Organen oder in den Regionen im Kopf-Hals-Bereich (zum Beispiel Nebenhöhlenentzündung, Mandelentzündung, Kiefergelenkschädigung). Die Schmerzen strahlen in diesen Fällen ins Ohr aus oder werden durch Nervenbahnen, die durch das Ohr verlaufen, dorthin geleitet.

Tipps für gesunde Ohren

Ohrenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden

Mit Ohrenschmerzen sollte frühzeitig der Haus- oder Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO-Arzt), aufgesucht werden, denn es können schlimmstenfalls schwerwiegende Komplikationen bei Erkrankungen des Ohrs auftreten. Viele Betroffene klagen auch über Gehöreinschränkungen bis hin zum (vorübergehenden) Hörverlust auf dem betroffenen Ohr. Meist beschreiben sie das Hören "wie durch Watte". Es können zusätzlich Kopfschmerzen, aber auch Schwindelgefühle, Gang- und Standunsicherheit oder Übelkeit auftreten. Grund: Es existiert eine direkte Verbindung von Innenohr und Gleichgewichtsorgan.

Ohrenschmerzen bei Kindern

Säuglinge und Kinder leiden besonders oft an Mittelohr- oder Rachenentzündungen. Die Schmerzen sind besonders bei einer Mittelohrentzündung ausgesprochen stark. Meist sind sie sehr anhaltend und Schmerzmittel helfen wenig. Es können aber auch klassische Kinderkrankheiten wie Mumps dahinterstecken, bei denen sich die Ohrspeicheldrüse entzündet.

Bei Jugendlichen stehen eher Entzündungen des äußeren Ohrs im Vordergrund. Auch Gehörgangsverschlüsse durch Ohrenschmalz und Fremdköper, Verletzung des Trommelfells oder Gehörgangs sind nicht selten. Erwachsene wiederum leiden eher an Kiefergelenkserkrankungen oder auch Zahnentzündungen, die ins Ohr ausstrahlen.

Was kann hinter Ohrenschmerzen stecken?

Die Ursachen und Auslöser für Ohrenschmerzen können sehr vielfältig sein. Häufig können sie Folge einer starken oder verschleppten Erkältung mit intensivem Schnupfen sein, weil die Erreger durch die Eustachische Röhre ins Ohr gelangen. Das sehr kleine Röhrchen verbindet den Nasen- und Rachenraum mit dem Mittelohr.

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Ohrenschmerzen sind natürlich auch ein typisches Symptom für eine Mittelohrentzündung. Oft geht der Schmerz nicht direkt vom Ohr selbst aus. Auch Erkrankungen der Zähne oder Infektionen im Hals-Rachenraum, eine Halsentzündung, eine Kiefergelenksentzündung, Bakterien oder sogar Pilze können Schmerzen am Ohr verursachen. Im Zweifelsfall sollten die Ursachen für Ohrenschmerzen immer vom Arzt abgeklärt werden.

Ursachen für Ohrenschmerzen im Ohr selbst:

  • Mittelohrentzündung (Otitis media): Heftige, plötzlich auftretende Ohrenschmerzen, meist einseitig. Typisch ist auch Schwerhörigkeit und eitriger Ausfluss aus dem Ohr, eventuell auch Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel. Eine Mittelohrentzündung tritt oft während und auch nach einer Erkältung auf.

  • Entzündung des äußeren Gehörgangs (äußere Ohrentzündung): Schmerzen, Juckreiz bis hin zu eitrigem Ausfluß aus dem Ohr. Auslöser können kleinste Verletzungen sein, die zum Beispiel durch das Reinigen des Gehörgangs mit Wattestäbchen verursacht wurden. Auch nach dem Tauchen oder langen Baden kann der äußere Gehörgang gereizt sein und ist anfällig für Entzündungen ("Swimmer´s Ear").

  • Warzenfortsatzentzündung (Mastoiditis): Meist einseitige Ohrenschmerzen, starke Druckempfindlichkeit der geschwollenen Stelle hinter dem Ohr (Warzenfortsatz), eitriger Ausfluss, abstehende Ohrmuschel als Folge der Schwellung.

  • Tubenkatarrh: Es entsteht ein Unterdruck im Mittelohr, der eine Entzündung nach sich zieht. Das passiert, wenn der Druckausgleich durch den Verbindungsgang zum Rachen nicht erfolgen kann, etwa wegen einer Racheninfektion mit Schwellung. Der Unterdruck im Ohr tritt aufgrund der Druckveränderungen in der Flugzeugkabine insbesondere nach Flugreisen auf; typisch ist ein Druckgefühl und ein Rauschen im Ohr, sowie Schwerhörigkeit.

  • Furunkel im äußeren Gehörgang oder an der Ohrmuschel

  • Trommelfellverletzungen  (nach lautem Knall in Ohrnähe oder nach Explosionen: „Knalltrauma“)

  • Fremdkörper im Gehörgang (Ohrschmalz, aber auch Insekten, Hülsenfrüchte, Murmeln, Spielzeug etc.)

  • Verletzung (Trauma) des Ohrs

  • Druckschmerzen: Beim Fliegen oder Tauchen durch veränderten Druck im Ohr.

Äußerliche Auslöser und Krankheiten:

  • Mumps (Entzündung der Ohrspeicheldrüse, Parotitis) – betroffen sind vorwiegend Säuglinge und Kinder; typisch ist eine Schwellung vor und unter dem Ohr, Schmerzen beim Essen und Kauen sowie Fieber.

  • Rachenentzündung () mit Hustenreiz und Kratzen im Hals

  • Mandelentzündung (Tonsillitis) mit den charakteristischen, starken Schluckbeschwerden und weißlich-gelben Belagen auf den Rachenmandeln

  • Durchbrechen der Weisheitszähne

  • Kiefergelenkserkrankungen (Kiefergelenksarthropathie)

  • Karies (Zahnfäule) der Backenzähne und andere Zahnschäden

  • Nervenschmerzen im Bereich der Gesichtsnerven (Trigeminusneuralgie), die sich blitzartig einstellen und meist kaum erträglich sind.

  • Nervenbeeinträchtigung im Bereich der Halswirbelsäule (Zervikalneuralgie)

  • Gürtelrose (Herpes zoster) im Bereich des Ohrs

  • Krebserkrankungen im Rachenraum Rachenkrebs (Pharynxkarzinom)

So untersucht der Arzt die Ohrenschmerzen

Der Hausarzt oder HNO-Arzt schaut bei Ohrenschmerzen nicht allein ins Ohr, sondern hat den ganzen Körper des Patienten im Blick. Ihm stehen unterschiedliche Diagnoseverfahren zur Verfügung, um die Ursache der Schmerzen zu finden.

Die Diagnose bei Ohrenschmerzen stützt sich auf die Krankengeschichte, eine körperliche Untersuchung, Ohrspiegelung (Otoskopie) sowie die Ermittlung des Hörvermögens (Audiometrie). Blutanalysen und bildgebende Verfahren wie Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen können ebenfalls herangezogen werden.

Ohrenschmerzen sollten in der Regel durch einen Arzt abgeklärt werden, da es aufgrund der Empfindlichkeit des Hörorgans selbst bei vielen harmlos erscheinenden Erkrankungen zu Komplikationen und bleibenden Hörschäden kommen kann. Breitet sich die Entzündung aus, sollte ein Arztbesuch nicht hinausgezögert werden, damit die Erkrankung nicht auf das Mittelohr oder den Ohrknorpel übergreift.

Untersuchungen des Ohrs

Die körperliche Untersuchung – insbesondere von Kopf und Hals – und die Krankheitsgeschichte geben in der Regel bereits Hinweise zur Ursache von Ohrenschmerzen. Dabei ist von besonderem Interesse, ob sich der Schmerz langsam oder schnell entwickelte, einseitig oder beidseitig auftritt, anhaltend ist oder schwankt, ob Hörbeeinträchtigungen vorliegen und wie lange diese bereits bestehen. Schwellungen, Rötungen und Druckempfindlichkeit zeigen oft den genauen Ausgangspunkt der Beschwerden an.

Mittels Ohrspiegelung (Otoskopie) können die inneren Abschnitte des äußeren Gehörgangs und Veränderungen am beziehungsweise hinter dem Trommelfell beurteilt werden. Die Audiometrie erfasst Beeinträchtigungen des Hörvermögens.

In manchen Fällen können zusätzliche Untersuchungsverfahren wie beispielsweise eine Laboruntersuchung oder auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall-  oder Röntgenuntersuchung nötig sein.

Hilfe bei Ohrenschmerzen durch Hausmittel

Bei starken Ohrenschmerzen werden Schmerzmittel, Nasensprays und notfalls Antibiotika eingesetzt. Die Medikamente richten sich nach der Ursache. Auch altbewährte Hausmittel können eine schnelle Linderung bringen. Ebenfalls eignen sich homöopathische Arzneimittel bei Ohrenschmerzen.

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Die Behandlung von Ohrenschmerzen richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. Wichtig ist immer eine ausreichende Schmerztherapie. Dazu wird entweder die Schmerzursache behoben, indem man zum Beispiel ein Furunkel öffnet und den Eiter ableitet oder die auslösende Virusinfektion und deren Symptome behandelt. Bei einer bakteriellen Infektion sind notfalls auch Antibiotika notwendig.

Was kann man gegen Ohrenschmerzen machen?

Der erste Schritt ist eigentlich immer die Schmerzlinderung. Im Idealfall geschieht das durch Beheben der Schmerzursache. Ist ein Fremdkörper im Ohr der Auslöser, wird dieser entfernt. Verletzungen werden hingegen chirurgisch behandelt. Wenn eine Nervenbeeinträchtigung im Bereich der Halswirbelsäule die Ursche ist, werden sie durch Physiotherapie indirekt gebessert. Eventuell ist auch eine Zahnbehandlung zum Beispiel bei Karies oder bei Problemen mit den Weisheitszähnen nötig. Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen bringen zumeist sofort eine Linderung.

Wichtig ist die richtige Belüftung der Kanäle und Röhren zwischen dem Hals-Nasen-Raum und dem Mittelohr. Besonders bei geschwollenen Schleimhäuten und Schnupfen kann es deshalb zu Schmerzen kommen. Dies hat oft eine Mittelohrentzündung zur Folge. Hier haben sich mitunter abschwellende Nasentropfen zur Tubenbelüftung bewährt. Sie sorgen für eine Druckentlastung des zugeschwollenen Ohres über den Mund-Rachen-Raum. In seltenen Fällen kann ein vonnöten sein – hier sollte im individuellen Fall gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entschieden werden.

Hausmittel: Zwiebelwickel und Wärme lindern die Schmerzen

Zur Selbsthilfe bei Ohrenschmerzen haben sich Hausmittel bewährt. Das bekannteste sind warme Zwiebelwickel oder ein Zwiebelsäckchen. Sie lindern gerade bei Kindern häufig die Ohrenschmerzen. Die ätherischen Öle der Zwiebel wirken dabei schmerz- und entzündungshemmend. Der Zwiebelwickel wird mehrmals täglich für etwa 30 Minuten auf das betroffene Ohr aufgelegt. Auch eine Behandlung mit Wärme zum Beispiel mit einer Rotlicht-Lampe kann die Schmerzen lindern. Zugluft sollte auf alle Fälle vermieden werden. Eine Mütze für draußen ist bei Ohrenschmerzen sinnvoll.

Hausmittel bei Ohrenschmerzen im Überblick:

  • Zwiebelsäckchen: Zwiebelsaft wirkt entzündungshemmend. Hacken Sie eine kleine Zwiebel in Stückchen und erwärmen Sie diese dann in der Mikrowelle. Wickeln Sie die Zwiebelstücke in ein sauberes Stück Baumwollstoff, zum Beispiel ein Stofftaschentuch. Legen Sie es auf das schmerzende Ohr und befestigen Sie es mit einem Schal oder Stirnband. Dort belassen Sie es zwei Stunden. Bedenken Sie, dass der Zwiebelgeruch in dem Schal oder Stirnband haften bleibt.

  • Kamillesäckchen: Packen Sie zwei Esslöffel Kamilleblüten, zusammen mit etwas Watte, in ein Baumwolltuch. Erwärmen Sie das Päckchen auf der Heizung oder einer Wärmflaschen auf Körpertemperatur. Legen Sie das Kamillesäckchen auf das von den Ohrenschmerzen betroffene Ohr und befestigen Sie es mit einem Stirnband oder einer Mütze.

  • Wenn Ohrenschmerzen mit einer Erkältung einhergehen, sollten Sie viel trinken, damit sich der Schleim verflüssigt. Trinken Sie viel Wasser oder Tee. Mit verdünnten Fruchtsäften, die Vitamin C enthalten, können Sie Ihr Immunsystem unterstützen.

  • Bei Ohrenschmerzen kann eine Behandlung mit Wärme die Entzündung eindämmen. Bestrahlen Sie das betroffene Ohr beispielsweise mit einer Infrarot-Lampe. Achten Sie darauf, Ihre Augen zu schützen.

Vorbeugend gegen Ohrenschmerzen beim Fliegen wirkt Kaugummi kauen. Durch die Kieferbewegung beim Kauen wird die "Belüftung" des Ohres gefördert. Gerade bei Schmerzen wegen Druckausgleich beim Fliegen kann Kaugummi kauen Wunder wirken. Der Gebrauch von Wattestäbchen hingegen sollte generell vermieden werden. Sie können den Gehörgang und das Trommelfell nicht nur verletzten, sondern auch auch den Ohrenschmalz nach hinten schieben und so den Gang erst recht verstopfen.

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