Otalgie ist weit verbreitet

Ohrenschmerzen: Plötzlich, heftig und äußerst unangenehm!

Häufig steckt hinter den Schmerzattacken im Außen- oder Innenohr eine Entzündung oder ein Virus

Ohrenschmerzen treten sehr häufig auf und können je nach Ursache stark und anhaltend sein. Häufig trifft es einen plötzlich und unerwartet und der Schmerz ist nur einseitig. Mit Hausmitteln lassen sich die Symptome lindern. Doch wenn Schwindel oder Gangunsicherheit dazu kommen, ist ein Arztbesuch angezeigt.

Lexikon-Ohrenschmerzen
Besonders eine Mittelohrentzündung ist sehr schmerzhaft.
(c) Stockbyte

Bei Ohrenschmerzen leiden Kinder wie Erwachsene. Wenn plötzlich ein Stechen, Ziehen oder Brennen im Ohr einsetzt, fließen gerade bei den kleinen Kindern oft Tränen. Der Schmerz kann bis in den Kopf ziehen und wird als äußerst unangenehm empfunden, weshalb viele Betroffene sehr schnell den Arzt aufsuchen. Unter dem Begriff Ohrenschmerzen (Otalgie) werden Schmerzen im Bereich der Ohrmuschel, des äußeren Gehörgangs, des Trommelfells, des Mittelohrs sowie des ohr-nahen Schädels zusammengefasst. Nicht immer gehen Ohrenschmerzen auf  Erkrankungen des Ohrs selbst zurück (wie zum Beispiel Mittelohrentzündung, Fremdkörper im Gehörgang, Verletzungen, Schmerzen durch einen fehlenden Druckausgleich). Nicht selten haben die Schmerzen in anderen Organen oder Regionen im Kopf-Hals-Bereich ihren Ursprung (zum Beispiel Nebenhöhlenentzündung, Mandelentzündung , Kiefergelenkschädigung). Die Schmerzen strahlen in diesen Fällen einfach ins Ohr aus oder werden durch Nervenbahnen, die durch das Ohr verlaufen, dorthin geleitet.

Ohrenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden

Patienten mit Ohrenschmerzen suchen frühzeitig Hilfe beim Haus- oder Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO-Arzt), Ohrenschmerzen sind eine der häufigsten Beschwerden in Arztpraxen. Das ist auch sehr ratsam, denn es können schlimmstenfalls schwerwiegende Komplikationen bei Erkrankungen des Ohrs auftreten wie Entzündungen des Schädelknochens und Hirnhautentzündungen sein. Viele Patienten klagen auch über ein Gehöreinschränkungen bis gar zum Hörverlust auf dem betroffenen Ohr. Meist beschreiben sie ein Hören "wie durch Watte". Es können zusätzlich Kopfschmerzen, aber auch Schwindelgefühl, Gang- und Standunsicherheit oder Übelkeit auftreten. Grund: Es existiert eine direkte Verbindung von Innenohr und Gleichgewichtsorgan.

Die Ursachen und Auslöser für Ohrenschmerzen können sehr vielfältig sein. Häufig können sie eine Folge von einer starken oder verschleppten Erkältung mit starken Schnupfen sein, weil die Erreger durch die Eustachische Röhre ins Ohr gelangen. Das sehr kleine Röhrchen verbindet den Nasen- und Rachenraum mit dem Mittelohr. Auch Bakterien oder Pilze können die Schmerzen verursachen.

Säuglinge und Kinder leiden besonders oft an Mittelohr- oder Rachenentzündungen. Die Schmerzen sind besonders bei einer Mittelohrentzündung ausgesprochen stark. Meist sind sie sehr anhaltend und Schmerzmittel helfen wenig. Es können aber auch klassische Kinderkrankheiten wie Mumps dahinterstecken, bei denen sich die Ohrspeicheldrüse entzündet. Bei Jugendlichen stehen mehr Entzündungen des äußeren Ohrs im Vordergrund. Auch Gehörgangverschlüsse durch Ohrenschmalz und andere Fremdköper, Verletzung des Trommelfells oder  sind nicht selten. Erwachsene wiederum leiden eher an Kiefergelenkserkrankungen oder auch Zahnentzündungen, die ins Ohr ausstrahlen. Ohrenschmerzen: Plötzlich, heftig und äußerst unangenehm!

 

 

 

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Was kann hinter Ohrenschmerzen stecken?

Ohrenschmerzen sind ein typisches Symptom für eine Mittelohrentzündung. Oft geht der Schmerz nicht direkt vom Ohr selbst aus. Auch Erkrankungen der Zähne oder Infektionen im Hals-Rachenraum, Bakterien oder sogar Pilze können Schmerzen am Ohr verursachen.

Häufig spielen zum Beispiel auch die Zähne (Karies (Zahnfäule)), eine Kiefergelenksentzündung oder auch eine Halsentzündung eine Rolle. Im Zweifelsfall sollten die Ursachen für Ohrenschmerzen immer vom Arzt abgeklärt werden.

Ursachen, die im Ohr selbst liegen:

  • Mittelohrentzündung (Otitis media): Heftige, plötzlich auftretende Ohrenschmerzen, meist einseitig. Typisch ist auch Schwerhörigkeit und eitriger Ausfluss aus dem Ohr, eventuell auch Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel. Eine Mittelohrentzündung tritt oft während und auch nach einer Erkältung auf.
  • Entzündung des äußeren Gehörgangs (äußere Ohrentzündung): Schmerzen, Juckreiz bishin zu eitrigem Ausfluß aus dem Ohr. Auslöser können kleinste Verletzungen sein, die zum Beispiel durch das Reinigen des Gehörgangs mit Wattestäbchen verursacht wurden. Auch nach dem Tauchen oder langen Baden kann der äußere Gehörgang gereizt sein und ist anfällig für Entzündungen („Swimmer´s Ear“).
  • Warzenfortsatzentzündung (Mastoiditis): Meist einseitige Ohrenschmerzen, starke Druckempfindlichkeit der geschwollenen Stelle hinter dem Ohr (Warzenfortsatz), eitriger Ausfluss, abstehende Ohrmuschel als Folge der Schwellung.
  • Tubenkatarrh: Es entsteht ein Unterdruck im Mittelohr, der eine Entzündung nach sich zieht. Das passiert, wenn der Druckausgleich durch den Verbindungsgang zum Rachen nicht erfolgen kann, etwa aufgrund einer Racheninfektion mit Schwellung) – tritt aufgrund der Druckveränderungen in der Flugzeugkabine insbesondere nach Flugreisen auf; typisch ist ein Druckgefühl und ein Rauschen im Ohr, sowie Schwerhörigkeit.
  • Furunkel im äußeren Gehörgang oder an der Ohrmuschel
  • Trommelfellverletzungen  (nach lautem Knall in Ohrnähe oder nach Explosionen: „Knalltrauma“)
  • Fremdkörper im Gehörgang ( Ohrschmalz, aber auch Insekten, Hülsenfrüchte, Murmeln, Spielzeug etc.)
  • Verletzung (Trauma) des Ohrs

Äußerliche Auslöser und Krankheiten:

  • Mumps (Entzündung der Ohrspeicheldrüse, Parotitis) – betroffen sind vorwiegend Säuglinge und Kinder; typisch ist eine Schwellung vor und unter dem Ohr, Schmerzen beim Essen und Kauen sowie Fieber.
  • Rachenentzündung (Halsentzündung (Pharyngitis)) mit Hustenreiz und Kratzen im Hals
  • Mandelentzündung (Tonsillitis) mit den charakteristischen, starken Schluckbeschwerden und weißlich-gelben Belegen auf den Rachenmandeln
  • Durchbrechen der Weisheitszähne
  • Kiefergelenkserkrankungen (Kiefergelenksarthropathie)
  • Karies (Zahnfäule) der Backenzähne und andere Zahnschäden
  • Nervenschmerzen im Bereich des Gesichtsnerven (Trigeminusneuralgie), die sich blitzartig einstellen und meist kaum erträglich sind.
  • Nervenbeeinträchtigung im Bereich der Halswirbelsäule (Zervikalneuralgie)
  • Gürtelrose (Herpes zoster) im Bereich des Ohrs
  • Krebserkrankungen im Rachenraum Rachenkrebs (Pharynxkarzinom)

So untersucht der Arzt die Ohrenschmerzen

Der Hausarzt oder HNO-Arzt schaut bei Ohrenschmerzen nicht allein ins Ohr, sondern hat den ganzen Körper des Patienten im Blick. Er hat unterschiedliche Diagnoseverfahren zu Verfügung, um die Ursache der Schmerzen zu finden.

Die Diagnose bei Ohrenschmerzen stützt sich auf die Krankengeschichte, die körperliche Untersuchung, die Ohrspiegelung (Otoskopie) sowie die Ermittlung des Hörvermögens (Audiometrie). Blutanalysen und bildgebende Verfahren wie Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen können ebenfalls herangezogen werden.

Ohrenschmerzen sollten in der Regel durch einen Arzt abgeklärt werden, da es aufgrund der Empfindlichkeit des Hörorgans selbst bei vielen harmlos erscheinenden Erkrankungen zu Komplikationen und bleibenden Hörschäden kommen kann. Bagatellerkrankungen, die nicht unbedingt einen Arztbesuch erfordern wie beispielsweise ein schmerzender Pickel im Gehörgang, sollten regelmäßig kontrolliert werden. Breitet sich die Entzündung aus, sollte mit einem Arztbesuch nicht gezögert werden, damit die Erkrankung nicht auf das Mittelohr oder den Ohrknorpel übergreift.

Die körperliche Untersuchung – insbesondere von Kopf und Hals – und die Krankheitsgeschichte der Betroffenen weisen in der Regel bereits den Weg zur Ursache von Ohrenschmerzen. Dabei ist von besonderem Interesse, ob sich der Schmerz langsam oder schnell entwickelte, einseitig oder beidseitig auftritt, anhaltend ist oder schwankt und ob Hörbeeinträchtigungen vorliegen und wie lange diese bereits bestehen. Schwellungen, Rötungen und Druckempfindlichkeit zeigen oft den genauen Ausgangspunkt der Beschwerden an.

Mittels Ohrspiegelung (Otoskopie) können die inneren Abschnitte des äußeren Gehörgangs und Veränderungen am bzw. hinter dem Trommelfell beurteilt werden. Die Audiometrie erfasst Beeinträchtigungen des Hörvermögens.

In manchen Fällen können zusätzliche Untersuchungsverfahren wie beispielsweise eine Laboruntersuchung oder auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall-  oder Röntgenuntersuchung angezeigt sein.

Was hilft bei Ohrenschmerzen?

Bei starken Ohrenschmerzen werden Schmerzmittel, Nasensprays und notfalls Antibiotika eingesetzt. Die Medikamente richten sich nach der Ursache. Auch altbewährte Hausmittel können schnelle Linderung bringen.  Ebenfalls können Homöoopathika helfen.

Die Behandlung von Ohrenschmerzen richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. Wichtig ist immer eine ausreichende Schmerztherapie. Dazu wird entweder die Schmerzursache behoben, indem man zum Beispiel ein Furunkel eröffnet und der Eiter ableitet oder die auslösende Virusinfektion und deren Symptome behandelt. Bei einer bakteriellen Infektion sind notfalls auch Antibiotika notwendig.

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Der erste Schritt ist eigentlich immer die Schmerzlinderung. Im Idealfall geschieht das durch Beheben der Schmerzursache. Ist ein Fremdkörper im Ohr Auslöser, wird dieser entfernt. Verletzungen werden hingegen chirurgisch behandelt. Wenn eine Nervenbeeinträchtigung im Bereich der Halswirbelsäule die Schmerzen auslöst, werden sie durch Physiotherapie indirekt gebessert. Eventuell ist auch eine Zahnbehandlung zum Beispiel bei Karies oder bei Problemen mit den Weisheitszähnen nötig. Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen bringen zumeist sofort eine Linderung.

Wichtig ist die richtige Belüftung der Kanäle und Rörhren zwischen dem Hals-Nasen-Raum und dem Mittelohr. Besonders bei geschwollenen Schleimhäuten und Schnupfen kann es deshalb zu Schmerzen kommen. Dies kann oft eine  Mittelohrentzündung lzur Folge haben. Hier haben sich mitunter abschwellende Nasentropfen zur Tubenbelüftung bewährt. Diese sorgen für eine Druckentlastung des zugeschwollenen Ohres über den Mund-Rachen-Raum. In seltenen Fällen kann ein vonnöten sein – hier sollte im individuellen Fall gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entschieden werden.

Hausmittel: Zwiebelwickel und Wärme lindern die Schmerzen

Zur Selbsthilfe haben sich verschiedene Hausmittel bewährt. Das bekannteste sind warme Zwiebelwickel, sie lindern gerade bei Kindern häufig die Ohrenschmerzen. Die ätherischen Öle der Zwiebel wirken dabei schmerz- und entzündungshemmend: Zwiebel klein schneiden, leicht erwärmen und in ein Leinentuch einschlagen. Die Zwiebelwickel wird mehrmals täglich für etwa 30 Minuten auf das betroffene Ohr aufgelegt. Auch eine Behandlung mit Wärme zum Beispiel mit einer Rotlicht-Lampe kann die Schmerzen lindern. Zugluft sollte auf alle Fälle vermieden werden. Eine Mütze ist in dieser Zeit ein guter Begleiter.

Vorbeugend gegen Ohrenschmerzen wirkt Kaugummikauen. Durch die Kieferbewegung beim Kauen wird die "Belüftung" des Ohres gefördert. Gerade bei Schmerzen bei Druckausgleich im Flugzeug kann Kaugummikauen Wunder wirken. Der Gebrauch von Wattestäbchen hingegen sollten sie meiden. Sie können den Gehörgang und das Trommelfell nicht nur verletzten, sie können auch den Ohrenschmalz dadurch nach hinten schieben und so den Gang erst recht verstopfen. 

Tipps für gesunde Ohren

Autor:
Letzte Aktualisierung: 22. März 2017
Durch: / Eva Schiwarth / Lifeline
Quellen: Siddiq MA, Samra MJ. 10-MINUTE CONSULTATION. Otalgia. BMJ 2008; 336: 276-7. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2223060/pdf/bmj-336-7638-prac-00276.pdf Ely JW, et al. Diagnosis of Ear Pain. Am Fam Physician. 2008; 77: 621-8. URL: http://www.aafp.org/afp/2008/0301/p621.pdf Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. DEGAM Leitlinie Nr. 7. Ohrenschmerzen. Stand: 09/2005. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-009_S3_Ohrenschmerzen_Lang_09-2005_12-2010.pdf

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