Süßes, Salziges oder Fleisch

Heißhunger: Was dahinter steckt, was dagegen wirkt

Jetzt unbedingt ein Stück Pizza mit viel Käse essen, Schokolade, salzige Chips oder ein saftiges Steak. Die Ursache: wertvolle Nährstoffe fehlen. Wie Sie ihre Gelüste entschlüsseln und gesund befriedigen.

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Unfassbar viel Lust auf Fleisch? Ein erschöpfter Eisenspeicher im Körper kann der Grund sein.
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Jeder kennt das, wenn plötzlich ein schier unwiderstehliches Verlangen nach einem bestimmten Lebensmittel aufkommt oder auch der dringende Wunsch, sofort etwas Süßes oder Salziges zu essen. Dabei handelt es sich nicht um simple Heißhungerattacken, sondern um Signale des Körpers, dass er von einem wichtigen Nährstoff einfach zu wenig hat. Sie sollten diesen Gelüsten also durchaus nachgeben. Doch was bedeuten die unterschiedlichen Wünsche – und wie lassen sie sich ohne Kalorienexzess befriedigen?

Heißhunger: Was der Appetit auf Süßes oder Salziges bedeutet

 

Was bedeutet Heißhunger auf Süßigkeiten?

Wenn Sie sich nach Süßigkeiten egal welcher Art sehnen, könnte Ihr Blutzuckerspiegel im Ungleichgewicht sein. Wenn Sie jetzt diesem Heißhunger nachgeben und Torte, Pralinen, Marzipan und Karamellriegel in sich hineinstopfen, hat das nur neue Heißhungerattacken zur Folge. Der Blutzuckerspiegel fährt sozusagen Achterbahn. Abgesehen davon enthalten Süßigkeiten jede Menge Kalorien.

Besser: Essen Sie Obst, etwa einen Apfel oder eine Birne. Das befriedigt die Lust auf Süßes ebenso. Auch Nüsse zählen zu den gesunden Snacks. Und damit der Blutzuckerspiegel auf Dauer konstant bleibt: Vermeiden Sie zu lange Essenspausen und bevorzugen Sie Vollkornprodukte in Kombination mit Gemüse und Milchprodukten. Die so aufgenommenen Kohlenhydrate stabilisieren den Blutzuckerspiegel und beugen Gelüsten vor.

Woher kommt Heißhunger auf Schokolade?

Die starke Lust auf Schokolade könnte mit einem Magnesiummangel zusammenhängen. Zwar bietet Schokolade Mineralstoffe und Antioxidantien, vor allem aber viele Kalorien.

13 gesunde Schoko-Fakten: Darum ist Schokolade fast Medizin!

 

Genießen Sie deshalb am besten dunkle Schokolade, die besonders reich an den wertvollen Inhaltsstoffen ist, aber etwas weniger Zucker enthält. Essen sie außerdem regelmäßig Nahrungsmittel, die reich an Magnesium sind, etwa Nüsse, Fisch und Blattgemüse.

Was steckt hinter Gelüsten nach Salzigem?

Starker Appetit auf Salziges aller Art, vor allem Chips, Salzstangen und anderes Knabberzeug, deutet darauf hin, dass Sie unter Stress stehen. Dann müssen die Nebennieren nämlich viel Kortisol ausschütten. Die Produktion dieses Stresshormons verlangt Salz und Fett.

Versuchen sie, Stress zu reduzieren – zum Beispiel mit Meditation und Entspannungstechniken. Bereits kleine Schritte zeigen dabei große Wirkung. Eine Untersuchung der Universität von Utah in Salt Lake City zeigt, dass jeder, der vor dem Genuss salziger Snacks kurz innehält und ein paar Mal tief durchatmet, die Ausschüttung der Stresshormone um 25 Prozent und sein Salzverlangen um die Hälfte reduziert.

Wie entsteht Heißhunger auf Fleisch?

Wer Heißhunger auf Steak, Frikadellen und Braten hat, leidet vermutlich unter Eisenmangel. Meistens sind Frauen davon betroffen, die das Spurenelement über die Menstruation verstärkt verlieren. Hoher Fleischkonsum birgt jedoch eine ganze Reihe von Gesundheitsrisiken wie Krebs und Probleme mit den Nieren. Besser: Weichen Sie auf Hülsenfrüchte und Trockenfrüchte aus, sie sind ebenfalls reich an Eisen. Trockenfrüchte enthalten jedoch meist viel Zucker, daher ist eine kleine Menge ausreichend.

Warum kommt es zu plötzlichem Appetit auf Käse?

Wenn jemandem bereits beim Gedanken an eine Pizza oder Lasagne mit viel Käse das Wasser im Mund zusammenläuft, liegt das oft an einem Fettsäuremangel. Es fehlen speziell Omega-3-Fettsäuren, die nicht nur Energie liefern, sondern auch einen gewissen Schutz vor Gefäßerkrankungen, Krebs und Gelenkentzündungen bieten.

Weil Käse jedoch keine Omega-3-Fettsäuren enthält, sondern tierische Fette, die vor allem in größeren Mengen den Gefäßen schaden, sollten Sie auf optimale Omega-3-Fettlieferanten ausweichen: fetten Seefisch wie Lachs, Walnüsse, Leinsamen und hochwertige Pflanzenöle.

Tipps gegen Heißhunger

Im Grunde jedoch sind die meisten Heißhungerattacken Signale des Körpers, dass er dehydriert ist. Wenn Sie bei Gier nach Süßem zuerst ein großes Glas Wasser oder ungesüßten Tee trinken, geben Sie Ihrem Körper wahrscheinlich genau das, was er braucht und lindern sein Verlangen. Warten Sie eine halbe Stunde – dann ist der Heißhunger vermutlich verschwunden. Vielen von Heißhunger Geplagten hilft auch Zähneputzen oder Kaugummi mit Minzgeschmack, um die Gelüste zu vertreiben.

Körperliche Aktivität kann die Lust auf Süßes ebenfalls verringern. Schon 15 Minuten schnelles Gehen sollen dabei helfen, einen Bogen um Schokoriegel, Pralinen und Co. zu schlagen. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der Universität von Exeter in Großbritannien im Zuge einer Studie. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte physische Aktivität neuronale Botenstoffe beeinflussen, die dazu beitragen, Süchte zu bekämpfen. Wer sich täglich 30 Minuten bewegt, kann daher nicht nur eine Menge für seine körperliche und mentale Gesundheit tun, sondern hat es obendrein leichter, seine Energieaufnahme zu regulieren.

Auch ausreichend Schlaf könnte vor Heißhunger schützen: Wissenschaftliche Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Übergewicht hin. Vereinfacht gesagt zeigte sich: Wer wenig schläft, ist dicker. Warum das so ist, können Wissenschaftler nicht abschließend erklären. Eine Theorie geht davon aus, dass durch einen verkürzten Schlaf appetitsteigernde Hormone die Oberhand gewinnen.

Abendlicher Heißhunger – was tun?

Tagsüber kann man selbst den Brownies der Kollegin trotzen. Doch wenn mit dem Feierabend die Dämmerung anbricht, fehlt von Kontrolle jede Spur. Die Heißhungerattacke bahnt sich ihren Weg und es wird geschlemmt, als gäbe es kein Morgen mehr: ein wohlbekanntes Szenario für viele Menschen.

Abends stellt sich der Heißhunger häufig dann ein, wenn wir uns tagsüber beim Essen zu stark gezügelt haben. Der Blutzuckerspiegel sinkt ins Bodenlose und der Körper lechzt spätestens im Feierabend nach kohlenhydratreichen Snacks. Ein weiterer Faktor ist die Gewohnheit. Was wir einmal lieb gewonnen haben, legen wir so schnell nicht mehr ab. Wer also stets in Begleitung der Chipstüte vor dem Fernseher hockt, kann so leicht nicht mehr vom Knabberzeug lassen.

Acht Tipps gegen abendlichen Appetit

Weitere Ursachen von Essanfällen

Nicht nur ein Mangel an Nährstoffen oder ein niedriger Blutzuckerspiegel, sondern auch Krankheiten können hinter regelmäßigen Heißhungerattacken stecken. Essstörungen wie Bulimie, Magersucht oder eine Binge-Eating-Störung sind mögliche Ursachen. Auch eine körperliche Erkrankung wie beispielsweise Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Schilddrüsenüberfunktion oder eine Schwangerschaft können verantwortlich sein.

Bei wiederholten Heißhungerattacken mit Verdacht auf eine Essstörung oder Diabetes können diese Anlaufstellen für Sie von Interesse sein:

Autor:
Letzte Aktualisierung: 19. Dezember 2016
Durch:
Quellen: Diagnostik und Therapie der Essstörungen. Gemeinsame S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (DGPM), des Deutschen Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM), der Deutschen Ärztlichen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DÄVT), der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (DGKJP), der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) und der Deutschen Gesellschaft für Verhaltensmedizin und Verhaltensmodifikation (DGVM). AWMF-Register Nr. 051/026 (Stand: Dezember 2010). Bühren, K.: Anorexia und Bulimia nervosa im Kindes- und Jugendalter. In: Monatsschrift Kinderheilkunde 159(1), (2011), S. 67-80. Matthaei, S. & Kellerer, M.: Therapie des Typ-1-Diabetes. S3-Leitlinie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). AWMF-Register Nr. 057/013 (Stand: September 2011)

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