MRSA aus der Tiermast

Antibiotika-Resistenz durch Gülle aus Schweinemast

Zu viele Antibiotika in der Tiermast machen Keime resistent. Mit der Gülle gelangen sie aufs Feld - und wer in der Nähe der Felder wohnt, hat ein besonders großes Risiko, mit diesen gefährlichen Bakterien infiziert zu werden.

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Schweinemast erzeugt Antibiotika-Resistenz - die Medikamente sind wirkungslos gegen viele Bakterien.
Getty Images/iStockphoto

Seit langem schlagen die Ärzte in Deutschland Alarm - die Zahl der Antibiotika-Resistenzen nimmt dramatisch zu. Dabei handelt es sich um multiresistente Keime, die beinahe gegen alle Antibiotika immun sind. Vor allem Staphylococcus-aureus-Stämme spielen bei Antibiotika-Resistenzen eine Rolle. Diese Bakterien leben bei etwa einem Drittel der Menschen auf der Haut und den oberen Schleimhäuten. Sie lösen dort keine Krankheitsanzeichen aus. Erst wenn sie - etwa bei Immunschwäche, durch Verletzung oder Operation - in den Blutkreislauf gelangen, können sie schwere Infektionen auslösen.

Antibiotika-Resistenz verursacht Todesfälle

Durch den zu häufigen und unkontrollierten Einsatz von Antibiotika sind viele dieser Bakterien immun gegen diese Medikamente geworden. Gängige Antibiotika helfen bei einer Infektion nicht mehr. Diese sogenannten Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämme (MRSA) sind besonders in Kliniken hochgefährlich und verantwortlich für zahlreiche Todesfälle.

Verseuchte Gülle aus der Schweinemast

Fieberhaft wird deshalb danach geforscht, mehr über die Antibiotika-Resistenzen zu erfahren, um ihre steigende Zahl abzubremsen. Interessante, neue Informationen gab es zu diesem Thema auf einem Treffen von Internisten in München. Die Experten betonten, dass zwar in der Vergangenheit MRSA vor allem in Krankenhäusern anzutreffen waren. Heute zeichnet sich ab, dass sich viele Menschen jedoch außerhalb einer Klinik damit infizieren. Die wichtigste Infektionsquelle: verseuchte Gülle auf den Feldern aus Schweinemast. Dabei verläuft die Infektionskette wie folgt:

  • In der Tiermast werden immer mehr Antibiotika eingesetzt. 85 Prozent aller Antibiotika in Deutschland werden in der Tiermast genutzt, nur 15 Prozent für den Menschen.
  • Durch die Überbehandlung mit Antibiotika werden viele Keime resistent (Antibiotika-Resistenzen). Die Tiere scheiden somit resistente Erreger aus, vor allem MRSA.
  • Die verseuchte Gülle aus der Schweinemast dient teilweise als Dünger auf den Feldern. "Je näher man an diesen Feldern wohnt, desto höher ist das Risiko, sich mit MRSA-Erregern zu infizieren", warnt Prof. Gerd Fätkenheuer, Köln, in der Ärztezeitung. Er weist darauf hin, dass viele der MRSA-Infektionen im Krankenhaus auf tierische Stämme dieser Bakterien zurückgehen.

In Nordrhein-Westfalen, wo bekanntlich besonders große Tiermastanlagen sind, sei die Blutstrominfektion mit MRSA besonders hoch, am niedrigsten dagegen in Bayern, wo sich viele Biohöfe befinden und wenig Großmastfabriken. Hier ist die Gefahr von Antibiotika-Resistenzen durch Gülle aus der Schweinemast geringer.

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Letzte Aktualisierung: 13. Januar 2014
Quellen: Ärztezeitung

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