Pyelonephritis

Nierenbeckenentzündung: Symptome, Dauer, Behandlung

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Bei einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) sitzt der Großteil der meist einseitigen Infektion im Nierengewebe. Das trichterförmige Nierenbecken, in dem der Urin gesammelt wird, ist aber mitbetroffen. Erfahren Sie hier hier mehr über Symptome, Ursachen, Dauer und Behandlung einer Nierenbeckenentzündung.

nierenultraschall
Mittels Ultraschall kann der Urologe eine Nierenbeckenentzündung feststellen.
© iStock.com/endopack

Eine Nierenbeckenentzündung entsteht in den meisten Fällen durch eine Blasenentzündung (Zystitis), die entlang der Harnwege nach oben zu den Nieren gewandert ist (aufsteigender Harnwegsinfekt). Meist greift die Infektion auf das Nierengewebe über, eine reine Nierenbeckenentzündung ohne Nierenbeteiligung heißt Pyelitis.

Erste-Hilfe-Tipps bei Nierenbeckenentzündung

Typische Symptome bei Nierenbeckenentzündung

Eine akute Nierenbeckenentzündung erkennen Betroffene an einem starken Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Fieber und Nierenschmerzen (Klopfschmerzen an der betroffenen Körperseite). Selten sind die Nierenbecken beidseitig von der Infektion betroffen. Außerdem schmerzt bei einer Pyelonephritis das Wasserlassen, der Harndrang ist häufig und heftig.

Die chronische Nierenbeckenentzündung dagegen verläuft symptomarm bis symptomlos oder ruft nur unspezifische Krankheitszeichen hervor. Zu den Symptomen während der Schübe gehören zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden, ein hoher Blutdruck oder Gewichtsverlust.

Anzeichen der akuten Nierenbeckenentzündung im Überblick:

  • allgemeines Krankheitsgefühl und Abgeschlagenheit

  • hohes Fieber (bis 40 Grad Celsius)

  • Schüttelfrost (teilweise)

  • dumpfe bis anfallartige Rücken- und/oder Flankenschmerzen, die bis ins Becken ausstrahlen

  • Beschwerden beim Wasserlassen (Brennen, Drangbeschwerden, alle zehn Minuten Wasserlassen)

  • Herzrasen

  • Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit

  • akute Blasenentzündung, die voraus- oder mit der Pyelonephritis einhergeht, mit Rotfärbung des Urins

Symptome der chronischen Nierenbeckenentzündung im Überblick:

Bleibt die chronische Nierenbeckenentzündung unentdeckt und damit unbehandelt, leidet die Leistungsfähigkeit der Niere. Eine Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) entsteht, die schlimmstenfalls eine Dialyse nötig macht. Weitere Komplikationen umfassen Abszessbildung und Sepsis.

Blasenentzündung: Was die Beschwerden lindert

Ursachen und Risikofaktoren für Nierenbeckenentzündung

Die Pyelonephritis ist eine bakterielle Entzündung des Nierengewebes. In rund 80 Prozent ist das Bakterium Escherichia coli schuld an der Infektion. E. coli lebt normalerweise im Darm. Weitere Keime, die Nierenbeckenentzündung auslösen können, gehören zu den Gattungen Proteus, Klebsiella, Enterobacter, Pseudomonas, Serratia und Citrobacter.

Die Nierenbeckenentzündung wird durch Bakterien ausgelöst, die in der Regel über die Harnwege ins Nierengewebe gelangen. Die bakterielle Infektion des Nierengewebes erfolgt in den meisten Krankheitsfällen von außen über die Harnröhre und dann aufsteigend über Harnblase und Harnleiter zur Niere. Entzündungen des Nierengewebes durch Bakterienstreuung über die Blutbahn sind dagegen selten Auslöser einer Nierenbeckenentzündung. Erkrankungen des Harnsystems mit Urinabflussbehinderung begünstigen die Entstehung einer akuten Nierenbeckenentzündung.

Begünstigende Vorerkrankungen

Der Infektionsweg ist meistens aufsteigend, das heißt, die Erreger werden von außen über die Harnröhre, in die Harnblase, weiter über die Harnleiter, hin zur Niere eingeschleppt. Dieses Risiko ist insbesondere erhöht durch:

  • bestehende Erkrankungen im Harnröhren- und Blasenbereich (zum Beispiel Harnröhrenverengung, Blasenfunktionsstörung): Durch eine Abflussstörung kommt es zum sogenannten Restharn in der Harnblase. Dadurch kann es zu Entzündungen kommen, die sich aufsteigend in einen Harnleiter ausbreiten können und dann eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) verursachen können.

  • Vorliegen einer Blasenfunktionsstörung: Durch eine unvollständige Entleerung oder Blasenschwäche kann es zu Restharn in der Blase kommen. Restharn begünstigt Entzündungen, die sich bis in die Nieren ausbreiten können.

  • Geschlechtsverkehr: Bei Frauen besteht beim Sex die potenzielle Gefahr einer Pyelonephritis. Diese Gefahr ergibt sich aus den anatomischen Gegebenheiten – bei Frauen befindet sich die Harnröhrenmündung in der Nähe des Afters, aber auch der Scheide. Über die kurze Harnröhre der Frau können Bakterien leichter in Blase, Harnleiter und damit in die Niere gelangen, wo sie unter Umständen die Nierenbeckenentzündung auslösen.

  • Durchführung ärztlicher Untersuchungen und Behandlungen an den Harnwegen (zum Beispiel Blasenspiegelung, Blasenoperation): Das Risiko einer aufsteigenden Infektion ist zwar selten. Trotz steriler Bedingungen können Bakterien aber dabei über den anatomischen Weg (Blase – Harnleiter – Niere) eine entzündliche Erkrankung von Nierenbeckensystem und Nierengewebe (Pyelonephritis) verursachen.

  • Blasenverweilkatheter: Im Alter nimmt die Abwehrkraft der Schleimhäute des Urogenitaltraktes ab und liegende Blasenverweilkatheter begünstigen die Einwanderung von Bakterien in den Harntrakt. Blasenverweilkatheter können bei älteren Menschen eingesetzt werden, wenn eine Blasenentleerungsstörung oder eine Harninkontinenz vorliegt. Bedingt durch diese Gefahr der aufsteigenden Infektion, ist die ärztliche Indikation eines Blasenverweilkatheters sehr streng zu stellen.

  • Blasenentzündung: Oft liegt primär eine akute Blasenentzündung vor. Von dort aus breitet sich das entzündliche Geschehen über den Harnleiter zur Niere aus.

  • Steine oder Urinabflussstörung aus der Niere: Weitere Erkrankungen des Harnsystems, wie Steine in Niere, Harnleiter oder Blase, Urinabflussstörung aus der Niere und unvollständige Blasenentleerung, begünstigen die Entwicklung einer akuten Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis).

Diagnose der Nierenbeckenentzündung: Das macht der Arzt

Um eine Nierenbeckenentzündung festzustellen, stützt sich der behandelnde Arzt vor allem aufs Gespräch mit dem Betroffenen (Anamnese) sowie eine körperliche Untersuchung und eine Urinanalyse. Außerdem eignen sich zur Diagnose eine Blutuntersuchung (zum Beispiel Blutsenkung), Ultraschall- und/oder Röntgen-Untersuchung. Körperliche Symptome wie erhöhte Temperatur, Klopf- und Druckschmerz untermauern den Verdacht einer Nierenbeckenentzündung.

Um die Diagnose zu sichern, wird eine Urinprobe (Mittelstrahlurin) analysiert – zuerst mit einem Teststreifen, später im mikrobiologischen Labor. Typischerweise sind bei einer Nierenbeckenentzündung Bakterien, weiße und rote Blutkörperchen im Urin nachweisbar.

Ultraschalluntersuchung bei Nierenbeckenentzündung

Häufig führen Urologen zur Diagnose einer Nierenbeckenentzündung auch eine Ultraschalluntersuchung durch. Auf der Aufnahme kann der Facharzt im Bereich der Nieren eine eventuelle Harnabflussstörung (Harnstauung) sehen. Sie wird zum Beispiel durch einen im Harnleiter festsitzenden Stein ausgelöst. In diesem Fall muss umgehend für einen Urinabfluss (zum Beispiel durch eine sogenannte Harnleiterschiene, Nierenfistel) gesorgt werden, da der im Nierenbecken stehende, bakteriell infizierte Urin den Stein auf normalem Wege nicht umfließen kann. Durch dieses Abflusshindernis kann es zu gravierenden Komplikationen wie einer Eiteransammlung im Gewebe (Abszess) und einer lebensbedrohlichen Allgemeininfektion (Urosepsis) kommen.

Im Bereich der Blase dient der Ultraschall dazu, die Entleerungsfunktion zu prüfen. Wird die Harnblase nicht vollständig entleert, ist der in der Blase verbliebene Urin sichtbar. Die dauerhaften Schädigungen oder Verformungen, die durch eine chronische Nierenbeckenentzündung entstehen, lassen sich mit Ultraschall ebenfalls sichtbar machen.

Therapie der Nierenbeckenentzündung: Welche Behandlung ist sinnvoll?

Die Behandlung der Nierenbeckenentzündung erfolgt mit einem Antibiotikum, das in schweren Fällen über eine Infusion, sonst als Tablette verabreicht wird. Die Behandlung dauert mindestens zehn Tage und darf selbst bei Beschwerdefreiheit keinesfalls vorher abgebrochen werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Entzündung wieder kommt und chronifiziert, denn das vorzeitige Absetzen eines Antibiotikums führt zum Wiederaufflammen der Entzündung und zur Bildung von Resistenzen bei den Bakterien: Die betreffenden Medikamente sind dann unwirksam. In der Regel dauert die mit Antibiotikum behandelte Nierenbeckenentzündung wenige Tage bis maximal zwei Wochen, bis sie abgeheilt ist.

Gegebenenfalls verabreicht der Arzt zusätzlich fiebersenkende oder krampflösende Mittel – aber niemals Schmerzmittel, welche die Niere zusätzlich schädigen könnten.

Zusätzliche Maßnahme bei Nierenbeckenentzündung

Zusätzlich zur Antibiotika-Gabe sollten Patienten auf eine reichliche Flüssigkeitszufuhr (zwei bis drei Liter) achten. Bettruhe und lokale Wärmeanwendung bringen subjektiv schnelle Besserung der Beschwerden bei Nierenbeckenentzündung.

Prinzipiell kann bei einer akuten Nierenbeckenentzündung, die auf einen Stein im Harnleiter zurückzuführen ist, der Stein im Harnleiter mit einer Harnleiterschiene überbrückt werden – einem dünnen Schlauch, der über die Harnröhre und -blase in den Harnleiter eingelegt wird. Die Schiene sorgt für ungehindertes Abfließen des Urins.

Ist eine angeborene oder erworbene Fehlbildung im Harntrakt schuld an einer wiederkehrenden Nierenbeckenentzündung, kann die Therapie auch eine Operation umfassen. Leicht beheben lassen sich zum Beispiel Verengungen im Harnleiter.

Nierenbeckenentzündung vorbeugen: Wie schütze ich mich?

Einer Nierenbeckenentzündung vorbeugen kann man in erster Linie, indem eine Blaseninfektionen vermieden wird, da sie aufsteigen könnte und so in den meisten Fällen Ursache einer Nierenbeckenentzündung ist. Die einfachste und effektivste Maßnahme, um einer Nierenbeckenentzündung vorzubeugen, lautet deshalb ausreichend zu trinken.

Frauen, die zu Blasenentzündungen neigen und deshalb für eine Nierenbeckenentzündung gefährdet sind, sollten außerdem nach dem Sex die Blase entleeren, um die bakteriellen Erreger auszuspülen, und beim Toilettengang auf die richtige Wischtechnik (immer von vorne nach hinten zum Po) achten. Die Erreger von Blasen- und damit Nierenbeckenentzündungen stammen fast immer aus dem Darm.

Weil eine Nierenbeckenentzündung oft auf eine verschleppte Blasenentzündung (Zystitis) zurückgeht, ist es so wichtig, Infektionen der Harnwege nicht zu lange selbst zu behandeln und spätestens bei tagelangem Anhalten der Beschwerden oder Blut im Urin den Arzt aufzusuchen.

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