Antibiotikatherapie

Ciprofloxacin: Antibiotikum mit eingeschränkter Verwendung

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Ciprofloxacin ist ein Antibiotikum zur Behandlung bakterieller Infektionen. Da es im Verdacht steht, schwerwiegende Nebenwirkungen zu verursachen, wird es nur noch bei schweren Infektionen empfohlen. Wann es eingesetzt wird, welche Nebenwirkungen es gibt und was bei der Einnahme zu beachten ist.

Rothaarige Frau nimmt das Antibiotikum Ciprofloxacin mit etwas Wasser ein
© Getty Images/Israel Sebastian

Kurzübersicht: Häufige Fragen und Antworten

Was ist Ciprofloxacin? Ciprofloxacin ist ein Antibiotikum, das zur Behandlung bakterieller Infektionen eingesetzt wird.

Wie wirkt Ciprofloxacin? Ciprofloxacin greift in das Erbgut von Bakterien ein und hindert sie so daran, sich zu vermehren.

Welche Abgabevorschriften gibt es? Ciprofloxacin ist ein verschreibungspflichtiges Antibiotikum. Man erhält es in der Apotheke nur gegen Vorlage eines Rezeptes.

Welche Sicherheitshinweise gibt es? Ciprofloxacin steht im Verdacht, schwere Nebenwirkungen zu verursachen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfiehlt dessen Verordnung deshalb nur noch bei schweren Infektionen.

Im Überblick:

19 natürliche Antibiotika gegen Bakterien

Was ist Ciprofloxacin?

Ciprofloxacin ist ein Antibiotikum, das zur Gruppe der Fluorchinolone (Chinolone, Fluoroquinolone) gehört. Es hat ein breites Wirkspektrum und wird unter anderem zur Behandlung von bakteriellen Infektionen eingesetzt.

Anwendung nur mit Einschränkung

Fluorchinolone (alter Name: Gyrasehemmer) sind eine Klasse synthetischer Antibiotika, die bereits seit den 1960er-Jahren zugelassen sind und für mehr als 100 Anwendungsgebiete genutzt werden.

Aufgrund des erhöhten Risikos für schwerwiegende Nebenwirkungen sollten sie heutzutage allerdings nicht mehr für unkomplizierte Infektionen eingesetzt werden.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat bereits im Jahr 2019 Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich der Verordnung für Fluorchinolone ausgesprochen und empfiehlt deren Einsatz nur noch für bestimmte Anwendungsgebiete.

Wie wirkt Ciprofloxacin?

Ciprofloxacin ist gegen eine Vielzahl von bakteriellen Erregern wirksam. Es hemmt das Enzym DNA-Gyrase, das bei Bakterien für die Vervielfältigung von Erbinformationen verantwortlich ist.

Durch diese Hemmung wird die Bildung neuer genetischer Informationen gestört, die Bakterien für ihr Wachstum und ihre Vermehrung benötigen. In der Folge können sie sich nicht mehr effektiv vermehren und ausbreiten.

Die Wirkung von Ciprofloxacin setzt in der Regel relativ schnell ein. Bereits nach 24 Stunden sollten Betroffene eine Besserung bemerken.

Abgebaut wird das Medikament über die Leber, ausgeschieden über Nieren und Stuhl.

Die Angaben zur Halbwertszeit von Ciprofloxacin schwanken zwischen drei bis sieben Stunden. Das bedeutet, dass drei bis sieben Stunden nach der Einnahme des Medikaments die Hälfte des Wirkstoffs den Körper wieder verlassen hat.

Anwendungsgebiete: Für was wird Ciprofloxacin verwendet?

Ciprofloxacin kommt zur Behandlung von verschiedenen Infektionskrankheiten infrage, die durch Bakterien ausgelöst werden. Aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils ist ihr Einsatz allerdings deutlich eingeschränkt worden.

Bei leichten oder mittelschweren Infektionen sollen sie nur noch verordnet werden, wenn alternative Präparate nicht wirken oder aus medizinischen Gründen nicht geeignet sind.

Weiterhin verordnet werden kann Ciprofloxacin hingegen bei schweren Infektionen. Dazu zählen unter anderem:

  • Komplizierte Harnwegsinfektion und Nierenbeckeninfektion

  • Prostataentzündung und Nebenhodenentzündung

  • Harnröhrenentzündung

  • Entzündungen des Gebärmutterhalses

  • Bakterielle Infektionen des Genitaltraktes und gynäkologische Infektionen

  • Chronische Nasennebenhöhlenentzündung 

  • Schwere Entzündung des äußeren Gehörgangs

  • Chronisch eitrige Mittelohrentzündung 

  • Magen-Darm-Infektionen 

  • Infektionen der Knochen und Gelenke

  • Tuberkulose 

  • Lungenentzündung

  • Infektionen bei immungeschwächten Patienten*Patientinnen

  • Komplizierte Haut- und Hautstrukturinfektionen und komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen 

Nur noch eingeschränkt empfohlen wird Ciprofloxacin bei folgenden Erkrankungen:

Dosierung: Wie wird Ciprofloxacin eingenommen?

Das Arzneimittel kann je nach Behandlungsgebiet als Tablette, Injektion, Ohrentropfen oder als Saft verabreicht werden:

  • zur oralen Gabe steht Ciprofloxacin als Filmtablette mit 100 mg, 250 mg, 500 mg und 750 mg Wirkstoff zur Verfügung

  • als Injektion mit 2 mg Wirkstoff pro 2 ml, 100 mg pro 50 ml, 200 mg pro 100 ml, 400 mg pro 200 ml

  • als Ohrentropfen mit 1 mg oder 3 mg Wirkstoff pro 1 ml

  • als Saft mit 250 mg oder 500 mg Wirkstoff pro 5 ml

Die Dosierung von Ciprofloxacin richtet sich nach der Indikation. Abhängig von der Art und der Schwere der Infektion erfolgt die Anwendung im Schnitt 7 bis 14 Tage.

Zudem sollte es so lange eingenommen werden, wie der*die Arzt*Ärztin es verordnet hat. Die Einnahme sollte nicht vorzeitig beendet werden. Es besteht sonst das Risiko, dass die Erkrankung erneut ausbricht.

Die Tabletten können gemeinsam mit einer Mahlzeit oder unabhängig von den Mahlzeiten verwendet werden. Zu beachten ist, dass das Medikament mit Leitungswasser einzunehmen ist. Mineralwasser, Säfte oder Milch eignen sich nicht, weil diese die Aufnahme des Wirkstoffes in den Körper hemmen können. Auch nach der Einnahme kann es notwendig sein, bis zu drei Stunden keine Milchprodukte zu verzehren.

Ebenso sollte auch auf Alkohol während der Einnahmezeit verzichtet werden. Es ist auf die Hinweise in der Packungsbeilage zu achten. Bei Unsicherheiten oder Fragen sollte Rat in der ärztlichen Praxis oder Apotheke eingeholt werden.

Antibiotika vor oder nach dem Essen einnehmen?

Mögliche Nebenwirkungen von Ciprofloxacin

Die Einnahme von Ciprofloxacin kann verschiedene Nebenwirkungen haben. Zu den eher häufigen Überempfindlichkeitsreaktionen beziehungsweise Nebenwirkungen zählen Übelkeit, Durchfall und Hautausschlag. Bei der Verwendung von Ohrentropfen kann es zu Superinfektionen des Ohres durch unempfindliche Erreger kommen.

Fluorchinolone stehen aber auch im Verdacht, dass sie in sehr seltenen Fällen zu langanhaltenden, die Lebensqualität beeinträchtigenden und irreversiblen schwerwiegenden Nebenwirkungen führen können.

Dazu zählen laut BfArM Beeinträchtigungen des Bewegungsapparats wie

Zudem kann es bei Gebrauch auch zu schwerwiegenden Nebenwirkungen des Nervensystems kommen wie Nervenschäden, Schlafstörungen, Gedächtnisstörungen, Störungen des Seh-, Hör-, Geruchs- und Geschmackssinn, Fatigue, Krampfanfälle oder Depressionen. Auch die Organe können beeinträchtigt werden. Zu den Nebenwirkungen zählen hier etwa Nierenfunktionsstörungen.

Aufgrund der Schwere dieser Nebenwirkungen gelten bestimmte Vorsichtsmaßnahmen. Es wird empfohlen, Fluorchinolone nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Bewertung zu verschreiben. Bei leichten Infektionen gilt es andere Behandlungsoptionen in Erwägung zu ziehen.

Wie lange halten Nebenwirkungen von Ciprofloxacin an?

Treten Nebenwirkungen plötzlich auf und sind ungewohnt stark, sollten Betroffene umgehend ihren*ihre Arzt*Ärztin informieren. Das gilt auch für mögliche Begleiterscheinungen, die nicht in der Packungsbeilage beschrieben sind. Der*die Arzt*Ärztin entscheidet dann, wie weiter verfahren wird.

Wie lange Nebenwirkungen im Einzelnen anhalten können, ist abhängig von verschiedenen Faktoren wie der

  • individuellen Reaktion auf das Medikament,
  • Dosierung,
  • Dauer der Anwendung und
  • allgemeinen Gesundheit des*der Patient*in.

Einige Beschwerden können während der Einnahme von Ciprofloxacin auftreten und sich nach Absetzen des Medikaments innerhalb von Stunden bis Tagen bessern. Laut BfArM kann es aber auch vereinzelt zu Nebenwirkungen kommen, die langanhaltend oder irreversible sind.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Bei der Verwendung von Ciprofloxacin kann es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen. Das heißt, die Wirkung von Ciprofloxacin oder dem anderen Medikament kann entweder abgeschwächt oder verstärkt werden.

Deren gleichzeitige Einnahme sollte deshalb nur nach vorheriger Nutzen-Risiko-Abwägung verschrieben werden. Dazu zählen unter anderem:

  • Antazida (Arzneimittel zur Neutralisierung von Magensäure)

  • Theophyllin (Mittel gegen Asthma und COPD)

  • Warfarin (Blutverdünner)

  • Probenecid (Mittel gegen Gicht und erhöhten Harnsäurespiegel)

  • Metoclopramid (Antiemetikum)

  • Omeprazol (Protonenpumpenhemmer)

  • Phenytoin (Antiepileptikum)

  • Ciclosporin (Immunsuppressivum)

  • Duloxetin (Antidepressivum)

Auch kann das Präparat die Konzentration bestimmter Arzneimittel im Blut steigern. Dazu gehören etwa Pentoxifyllin (bei Kreislauferkrankungen), Lidocain (etwa bei Herzkrankheiten) oder Sildenafil (zum Beispiel bei erektiler Dysfunktion).

Darüber hinaus gibt es weitere Medikamente, mit denen es zu potenziellen Wechselwirkungen kommen kann. Daher ist es wichtig, den*die Arzt*Ärztin über alle Medikamente zu informieren, die eingenommen werden.

Kontraindikation: Wann sollte Ciprofloxacin nicht eingenommen werden?

Ciprofloxacin sollte nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Chinolone bekannt ist.

Auch darf es nicht zusammen mit Tizanidin eingenommen werden, da dies unter anderem zu einem niedrigen Blutdruck und Schläfrigkeit führen kann.

Darüber hinaus sollten folgende Hinweise beachtet werden:

  • Schwangerschaft und Stillzeit: Studien weisen kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko für Embryonen nach. Dennoch gilt Ciprofloxacin in der Schwangerschaft als Mittel der zweiten Wahl und sollte nur nach Prüfung anderer geeigneter Medikamente eingesetzt werden. Zur Verwendung während der Stillzeit liegen nur wenige Untersuchungen vor. Diese zeigen, dass gestillte Kinder nur kleine Mengen Ciprofloxacin über die Muttermilch aufnehmen. Aus Vorsicht sollte die Anwendung eher vermieden werden.

  • Verkehrstüchtigkeit: Der Wirkstoff kann das Nervensystem beeinflussen und gegebenenfalls das Reaktionsvermögen verzögern. Die Verkehrstauglichkeit und Fähigkeit zur Bedienung von Maschinen können dadurch beeinträchtig sein.

  • Besondere Altersgruppen: Für Kinder und Jugendliche wird die Verwendung von Ciprofloxacin nur eingeschränkt empfohlen. Ältere Menschen haben ein erhöhtes Risiko für ein Aortenaneurysma während der Ciprofloxacin-Behandlung.

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