Weit verbreitetes Bakterium

Staphylokokken: Ursache für Entzündungen

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Viele Menschen haben Staphylokokken auf der Haut und in der Nase. Bei geschwächtem Immunsystem können die Bakterien jedoch zu Wunden, Furunkeln oder Lungenentzündungen führen Ihre Giftstoffe können eine Lebensmittelvergiftung verursachen. So können Sie sich schützen.

staphylokokken
Staphylokokken (Staphylococcus aureus) zeigen unter dem Mikroskop ihre traubenkernförmige Struktur.
© Science Photo Library - SCIEPRO via Getty Images

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Wie bekommt man Staphylokokken?

Staphylokokken sind weit verbreitete Bakterien. Sie finden sich bei rund einem Viertel der Menschen auf der Haut oder in der Nasenschleimhaut. Gesunde Menschen stört das nicht. Trifft das Bakterium jedoch auf einen Menschen, der aufgrund seines Alters oder anderer Krankheiten ein schwaches Immunsystem hat, kann es schwer wiegende Krankheiten verursachen. Eine Infektion erfolgt leicht über Türklinken, Geländer, beim Händeschütteln oder über Lebensmittel. Deshalb ist häufiges Händewaschen so wichtig. Auch von Tieren – etwa Hunden – können Staphylokokken auf den Menschen übertragen werden.

Zwischen der Aufnahme der Bakterien und dem Auftreten der Symptome vergehen meist vier bis zehn Tage. Das Bakterium produziert Giftstoffe. Sind im Essen oder in Getränken Giftstoffe von Staphylokokken enthalten, reagiert der Körper normalerweise innerhalb weniger Stunden. Doch auch Menschen, die keinerlei Symptome haben, können das Bakterium an andere weitergeben. Das ist insbesondere in Altenheimen und Krankenhäusern ein Problem.

Staphylokokken – welche Arten sind gefährlich?

Wörtlich übersetzt heißen Staphylokokken „Traubenkerne“ nach ihrem Anblick unter dem Mikroskop. Am häufigsten sind die „goldenen Traubenkerne“ Staphylococcus aureus. Sie verursachen diverse Entzündungen. Weiterhin unterscheiden Mediziner, ob sich das Bakterium mit einem Antibiotikum behandeln lässt oder nicht:

  • MSSA steht für methicillin-sensibler Staphylococcus aureus – dieser Stamm kann mit einem Antibiotikum behandelt werden.

  • MRSA steht für methicillin-resistenter Staphylococcus aureus – er reagiert nicht auf die Gabe von Antibiotika. Oft wird der Begriff MRSA auch für alle Bakterien verwendet, die eine Antibiotikaresistenz aufweisen. Sie sind besonders gefährlich, weil sie schwierig zu behandeln sind. MRSA wird auch als Krankenhauskeim bezeichnet, weil er besonders häufig in Krankenhäusern auftritt. Besonders betroffen sind chirurgische Intensivstationen, Abteilungen für Brandverletzungen und Neugeborenenstationen.

  • Koagulase negative Staphylokokken (KNS) bilden keine Koagulase – ein Unterscheidungskriterium, denn die besonders schnell krank machenden Staphylokokken aureus produzieren Koagulase. Doch auch KNS können Infektionen hervorrufen, etwa an Gelenkprothesen, Schrittmachertaschen oder künstlichen Herzklappen.

Weitere Koagulase negative Staphylokokken, die in seltenen Fällen Krankheiten auslösen können:

  • Staphylococcus pyogenes ist ein Bakterium, das Weichteilinfektionen verursacht.

  • Staphylococcus saprophyticus ist ein Erreger von Harnwegsinfekten, der dann im Urin gefunden wird.

  • Staphylococcus epidermidis ist besonders an Implantaten zu finden.

  • Staphylococcus haemolyticus kann Wunden, Knochen oder Gelenke befallen.

  • Staphylococcus lugdunensis führt zu Infektionen der Haut oder der Herzklappen.

Furunkel, Abszess, Eiter – Staphylokokken als Ursache

Staphylokokken können unterschiedliche Krankheiten hervorrufen. Besonders häufig sind sie verantwortlich für Hautinfektionen: Wenn sich eine Wunde oder ein Pickel eitrig entzünden, ist meistens Staphylococcus aureus dafür verantwortlich. Das Bakterium ist auch der Auslöser für Furunkel (Entzündung einer Haarwurzel) oder Abszesse (mit Eiter gefüllte Kapsel im Gewebe). Manchmal reicht die Entzündung an Wunden oder Geschwüren tief ins Gewebe hinein, teilweise bis zum Muskel. Gerne setzt sich das Bakterium auch auf bestehende Hauterkrankungen wie Neurodermitis obendrauf.

Außerdem können Staphylokokken gefährlichere Krankheiten wie Lungenentzündungen, Muskelerkrankungen oder Entzündungen der Herzinnenhaut (Endokarditis) hervorrufen. Besonders gefährlich sind das toxische Schocksyndrom (TSS) und die Blutvergiftung (Sepsis): Dabei verschlechtert sich das Allgemeinbefinden oft sehr plötzlich. Unbehandelt können diese Erkrankungen zum Tod führen.

Staphylokokken siedeln sich auch an Kathetern oder Drainagen an und dringen so bei Menschen in den Körper ein, deren Immunsystem schon durch andere Krankheiten geschwächt ist. Manche Staphylokokken produzieren außerdem Giftstoffe, die den Körper schädigen. Bei einem Hautausschlag oder wenn die Haut zu jucken beginnt, stecken hingegen meist andere Erkrankungen dahinter.

Behandlung von Staphylokokken

Wer an einer eitrigen Entzündung durch Staphylokokken leidet, möchte sie so schnell wie möglich loswerden. Bei kleineren Wunden oder Entzündungen bestimmt der Arzt meist nicht den Bakterienstamm, sondern verschreibt direkt ein lokal wirkendes Antibiotikum, etwa eine Salbe oder ein Gel. Sie wird mehrmals am Tag aufgetragen und sorgt in den meisten Fällen für Heilung. Nur bei einer Impetigo contagiosa (meist bei Kindern auftretender hochinfektiöser Hautausschlag) oder tief reichenden Infektionen ist ein systemisches Antibiotikum – also Tabletten oder Saft – nötig. Oft wird dieses mit einer lokalen Anwendung kombiniert. Das systemische Antibiotikum setzt der Arzt auch ein, wenn eine lokale Anwendung nicht den gewünschten Erfolg bringt.

Bei Infektionen des tiefen Weichgewebes oder falls ein normales Antibiotikum nicht wirkt, muss der Arzt herausfinden, welcher Bakterienstamm diese verursacht hat. Dafür nimmt er am Rand der Wunde einen Abstrich von Eiter und Wundflüssigkeit. Befindet sich der Eiter im Inneren des Gewebes, zieht der Mediziner mit Hilfe einer Spritze Flüssigkeit heraus (Biopsie). Daraus wird der Erreger isoliert und bestimmt. Mit diesem Wissen kann der Arzt dann ein genau passendes Antibiotikum einsetzen. Es wird als Tablette oder Kapsel geschluckt. Die Behandlung sollte unbedingt bis zum vorgeschriebenen Ende fortgesetzt werden – auch wenn schon vorher Besserung eintritt – um keine Resistenzen gegen den Wirkstoff zu erzeugen. In schweren Fällen kann das Antibiotikum auch intravenös direkt in die Vene geleitet werden.

Wie lange überleben Staphylokokken?

Das Bakterium Staphylococcus aureus ist besonders widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse. Bei Raumtemperatur kann es tagelang überleben. Im Kühlschrank ist das Bakterium rund zwölf Stunden lang lebensfähig. Deshalb werden Staphylokokken leicht über Türklinken, Lichtschalter oder auch in der Küche übertragen. Oft befinden sich in der Küchenspüle besonders viele Bakterien. Deshalb ist es wichtig, grundsätzliche Hygieneregeln zu befolgen:

  • Reinigen Sie Türklingen, Lichtschalter und Oberflächen in der Küche regelmäßig mit antibakteriellen Reinigungsmitteln. Wasser alleine reicht nicht!

  • Waschen Sie Reinigungslappen und Handtücher bei 60 Grad in der Waschmaschine und wechseln Sie diese häufig aus.

  • Waschen Sie beim Nach-Hause-Kommen und vor dem Zubereiten von Mahlzeiten gründlich die Hände mit Seife (empfohlen: mindestens 20 Sekunden lang einseifen).

  • Lassen Sie gekochte Mahlzeiten nicht länger als zwei Stunden bei Raumtemperatur stehen.

  • Desinfizieren Sie regelmäßig den Kühlschrank von innen. Dort sind oft mehr Bakterien zu finden als in der Toilette!

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