Geschlechtskrankheit

Trichomonaden-Infektion

Trichomonaden lösen die weltweit häufigste durch sexuellen Kontakt übertragene Krankheit aus

Die Trichomoniasis ist die weltweit häufigste durch sexuellen Kontakt übertragene Krankheit, die nicht auf Viren zurückzuführen ist. Auch in Deutschland zählt sie neben Pilzinfektionen zu den häufigsten Ursachen einer Scheidenentzündung.

trichomonaden
Trichomonaden sind einzellige Parasiten und lösen die Geschlechtskrankheit Trichomoniasis aus.
iStock

Sie wird durch den Parasiten Trichomonas vaginalis ausgelöst. Trichomonaden können HIV-Infektionen begünstigen, bei infizierten Frauen steigt auch das Risiko für Frühgeburten, ihre Babys können ein zu niedriges Geburtsgewicht haben.

Trichomonaden können auch, vor allem in Verbindung mit Chlamydien, ein Grund für ungewollte Kinderlosigkeit sein.

Trichomonaden-Infektion: Diese Symptome sind typisch

Als Symptome treten bei Frauen durch Trichomonaden ausgelöst zunächst ein übel riechender Vaginalausfluss auf, der von grünlich-gelber Farbe ist und leicht schaumig sein kann.

Häufig bestehen auch Irritationssymptome wie Brennen oder Jucken in den äußeren Bereichen der Vagina. Es kann infolge einer Entzündung der Harnröhre (Urethritis) auch zu vermehrtem Harndrang und Brennen beim Wasserlassen kommen.

Sex schmerzt bei einer Trichomonaden-Infektion

Der Geschlechtsakt ist im Fall einer Infektion mit Trichomonaden oft unangenehm bis schmerzhaft. Man schätzt jedoch, dass sich in zehn bis 50 Prozent der Fälle bei Frauen eine Trichomonaden-Infektion nicht bemerkbar macht. Bei Männern sind Symptome eher ungewöhnlich, es kann aber beim Wasserlassen oder bei der Ejakulation zu einem leichtem Brennen kommen.

Die zehn häufigsten Geschlechtskrankheiten

Trichomonaden-Infektion: Welche Ursachen stecken dahinter?

Das parasitische Protozoon* Trichomonas vaginalis, ein winzig kleines Geißeltierchen, heftet sich bei einer Übertragung an die vaginale Schleimhaut oder die des Gebärmutterhalses oder der Harnröhre.

Dabei ist es imstande, das menschliche Immunsystem zu überlisten. Ohne eine entsprechende Behandlung wird man die Parasiten also meist nicht mehr los – nur bei 20 Prozent der Infektionen überwindet das Abwehrsystem die Parasiten. Trichomonaden werden häufig bei Patienten nachgewiesen, die auch andere sexuell übertragbare Krankheiten (STD = sexually transmitted disease) aufweisen.

Trichomonaden können durch einen direkten Sexualkontakt oder durch den Austausch infizierter Körperflüssigkeiten übertragen werden.

Trichomonaden-Infektion: So läuft die Diagnose ab

Der Erreger Trichomonas kann durch die mikroskopische Untersuchung von Vaginal- oder Harnröhrenabstrichen oder im Urin direkt nachgewiesen werden.

Allerdings gelingt dabei der Nachweis meist nur in bis zu zwei Drittel der Fälle; zudem muss die Untersuchung nach dem Abstrich unmittelbar erfolgen. Aus den genommenen Proben lassen sich aber eventuell auch Erregerkulturen züchten, die den Nachweis vereinfachen. Es kann auch mittels PCR ein Erregernachweis durchgeführt werden.

Abstrich und Schnelltest, um Trichomonaden festzustellen

Da sich der pH-Wert des Scheidenmilieus bei der Besiedelung durch Trichomonaden auf einen Wert von über 5 erhöht und damit weniger sauer wird, kann indirekt auch dadurch eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Allerdings können auch andere Infektionen der Scheide den pH-Wert erhöhen.
Bei einer gynäkologischen Untersuchung fallen bei bis zu einem Drittel der Patientinnen, neben einer geröteten Scheidenschleimhaut, braunrote, mit Flüssigkeit gefüllte und verhärtete Bläschen am Muttermund auf. Es existiert auch ein Schnelltest zum Nachweis von Trichomonaden.

Wird ein Trichomonadenbefall festgestellt, sollten jedoch eventuell noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um die gleichzeitige Infektion mit anderen Erregern (Mischinfektion) auszuschließen.

Trichomonaden-Infektion: Therapie der Geschlechtskrankheit

Die Behandlung einer Trichomoniasis besteht in einer Einmalgabe von zwei Gramm Metronidazol oral.

Alternativ kann auch zwei Mal täglich 500 mg Metronidazol für 7 Tage oral eingenommen werden. In 90 bis 95 Prozent der Fälle gelingt so eine vollständige Heilung. Auch schwangere Frauen können nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel auf diese Weise behandelt werden; amerikanische Leitlinien stufen das Risiko einer Metronidazoleinnahme während der gesamten Schwangerschaft als gering ein.

Mit diesen Antibiotika werden Trichomonaden behandelt

Es gibt allerdings auch Fälle, in denen die Trichomonaden durch Metronidazol nicht abgetötet werden. Dann sollte Tinidazol, ebenfalls in einer einmaligen Dosierung von 2 g oral eingenommen werden. Auch Clotrimazol, Natamycin sowie Amoxicillin kann der Arzt gegen Trichomonaden aufschreiben.

Die Anwendung von Metronidazol in Form eines Vaginalgels wird nicht empfohlen, da der Wirkstoff in dieser Form weniger wirksam ist. Allerdings kann eine äußere Anwendung zusätzlich zur oralen Wirkstoffgabe in Betracht gezogen werden.
Grundsätzlich sollten immer beide Sexualpartner behandelt werden; es empfiehlt sich in der Zeit der Therapie auch sexuelle Enthaltsamkeit. Da die Gefahr einer Neuinfektion bei sexuell aktiven Personen relativ hoch ist, empfehlen die amerikanische Gesundheitsbehörde Centers of Disease Control (CDC) eine Nachkontrolle drei Monate nach der Erstdiagnose.

Trichomonaden-Infektion vorbeugen: Wie man sich schützen kann

Bei häufiger wechselnden Geschlechtspartnern empfiehlt sich zur Vorbeugung von Infektionen jeder Art der ordnungsgemäße Gebrauch eines Kondoms beim Geschlechtsverkehr.

Beim Auftreten der unter „Symptome“ geschilderten Krankheitsanzeichen sollte ein Sexualkontakt vermieden werden, bis ein Arzt aufgesucht, eine Diagnose gestellt und eine Behandlung erfolgreich durchgeführt wurde. Vorsichtshalber sollten alle Sexualpartner, zu denen in der Zeit vor dem Auftreten der Symptome Kontakt bestand, informiert werden.

Glossar zur Trichomoniasis

Abstrich: Bei einem Abstrich wird mit einem Spatel die Absonderung meist der Schleimhaut abgenommen und untersucht; es handelt sich um ein schmerzloses Verfahren

oral: den Mund betreffend, durch den Mund

PCR: Bei einer PCR (polymerase chain reaction, Polymerase-Kettenreaktion) wird Genmaterial aus den Körperflüssigkeiten gezielt vermehrt, um z. B. Erreger besser nachweisen zu können

pH-Wert: Mit dem pH-Wert wird gemessen, ob ein saures oder ein basisches Milieu vorliegt. Ein pH-Wert um 7 gilt als neutral

Protozoon: einfachstes, einzelliges Lebewesen wie zum Beispiel Trichomonaden, die zu den Geißeltierchen zählen; Protozoen enthalten im Gegensatz zu Bakterien eine Zellkern und werden daher im Allgemeinen als tierische Lebewesen angesehen

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren
Unsere Empfehlung
Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen

Zum Seitenanfang