Wenn Antibiotika nicht mehr wirken

Antibiotikaresistenz – warum weniger mehr ist

Antibiotika gelten als Wunderwaffe bei bakteriellen Infektionen. Doch immer häufiger können diese heute nicht behandelt werden, weil Antibiotika keine Wirkung mehr zeigen: Seit Jahrzehnten breiten sich Antibiotikaresistenzen aus. Multiresistente Keime, die gegen herkömmliche Mittel unempfindlich sind, gehören inzwischen weltweit zu den größten medizinischen Problemen.

Frau wehrt Keime mit Schild ab
Antibiotikaresistenzen führen weltweit zu einem Anstieg an Infektionen mit multiresistenten Keimen.
© iStock.com/alphaspirit

Die Ursachen für Antibiotikaresistenzen sind vielfältig. Einig sind sich Wissenschaftler aber darin, dass weltweit zu viele Antibiotika routinemäßig eingenommen werden. In vielen Ländern sind die Medikamente ohne Rezept erhältlich. Auch Viehzüchter verabreichen ihren Tieren massenhaft Antibiotika zur Vorbeugung von Krankheiten und als Mastbeschleuniger. Das gefährdet ihre Wirksamkeit. Denn je mehr Menschen und Tiere Antibiotika einnehmen, umso mehr resistente Keime können sich bilden. Durch den sorglosen und unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika entwickeln sich inzwischen immer neue Resistenzen. Und das ist ein Riesenproblem. 

Artikelinhalte im Überblick:

Top-Krankheiten, bei denen Antibiotika überflüssig sind

Antibiotika helfen nur gegen Bakterien

Antibiotika zählen zu den wichtigsten medizinischen Entdeckungen. Ärzte setzen sie bei Infektionen mit Bakterien ein. Diese Wirkstoffe hindern Bakterien daran, sich zu vermehren und töten sie ab. Sie helfen zum Beispiel bei lebensbedrohlichen Erkrankungen wie einer Lungenentzündung und sind zudem eine wichtige Waffe gegen Krankenhauskeime. Ein bekanntes Antibiotikum ist Penicillin, das der Bakteriologe Alexander Fleming 1928 entdeckte. Weitere bekannte Antibiotika sind Aureomycin, Chloramphenicol, Streptomycin und Tetracyclin. Ein sparsamer und gezielter Umgang mit Antibiotika ist wichtig, um ihre Wirksamkeit zu erhalten.

Was genau ist eine Antibiotikaresistenz?

In den letzten Jahren haben immer mehr Bakterien eine Resistenz gegen Antibiotika entwickelt. Bei einer Resistenz ist eine Bakterienart in der Lage, sich vor einem bestimmten Antibiotikum zu schützen. In der Folge verliert das Medikament seine Wirkung.

Multiresistente Superkeime

Wenn ein Bakterium imstande ist, sich gegen mehrere Antibiotika zu schützen, sprechen Wissenschaftler von einem multiresistenten Erreger. Je häufiger verschiedene Antibiotika eingenommen werden, desto höher ist das Risiko, dass sich (multi)resistente Bakterien entwickeln und ausbreiten. 

Wie entsteht eine Antibiotikaresistenz?

Zahlreiche Bakterienarten, gegen die heute keine Antibiotika mehr helfen, konnten früher wirksam damit bekämpft werden. Doch hin und wieder verändert ein Bakterium sein Erbgut. Durch diese genetischen Veränderungen entstehen neue Eigenschaften – und es erwirbt möglicherweise eine Resistenz. Als Folge überleben diese Bakterien den Einsatz eines bestimmten Antibiotikums und können sich ungehindert weiter vermehren. Diese Eigenschaft können sie sogar von einer Bakterienart auf eine andere übertragen.

Antibiotikaresistenzen entstehen unter anderem, weil viele Menschen zu häufig und unsachgemäß die Arzneimittel einnehmen. Deshalb ist es wichtig, dass wir Antibiotika nur dann zu uns nehmen, wenn es wirklich notwendig ist. Das müssen Sie wissen:

  • Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Sinnvoll ist der Einsatz eines Antibiotikums bei einer schweren bakteriellen Infektion, wie zum Beispiel einer Lungen- oder Gehirnhautentzündung.

  • Antibiotika wirken nicht bei viralen Infektionen. Atemwegserkrankungen wie Husten, Schnupfen, Grippe, akute Mittelohrentzündung und Bronchitis werden in der Regel durch Viren ausgelöst. Sie sind bei einem normalen Krankheitsverlauf nicht mit Antibiotika behandelbar.

  • Wichtig ist es, das Medikament genauso einzunehmen, wie es der Arzt verordnet hat. Nur dann kann das Antibiotikum seine Wirkung entfalten.

13 wirkungsvolle Antibiotika aus der Natur

Tierhaltung und Antibiotikaresistenz hängen zusammen

Bakterien, die die Resistenzinformationen in sich tragen, verbreiten sich über verschiedene Kanäle: So begünstigt der häufige Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung, dass resistente Bakterien entstehen und sich auch auf den Menschen übertragen – zum Beispiel über den Verzehr von mit Bakterien belastetem Fleisch oder durch direkten Kontakt mit Tieren. Außerdem gelangen Medikamentenrückstände über die Gülle in den Boden und so entstehen dort möglicherweise resistente Keime. Nutzpflanzen, die auf unserem Speiseplan stehen, nehmen diese Keime beim Wachsen auf – und wir nehmen sie über die Nahrung zu uns.

Welche Bakterien sind bislang resistent?

Verschiedene Bakteriengattungen sind bereits resistent gegen Antibiotika. Zu ihnen zählen:

  • Enterokokken
  • Staphylokokken (zum Beispiel der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, kurz MRSA)

Weitere Gattungen haben ebenfalls resistente Stämme entwickelt. Zu ihnen zählen:

  • Escherichia coli
  • Klebsiellen
  • Pseudomonaden

Welche Folgen haben Antibiotikaresistenzen?

Antibiotikaresistenzen sind vor allem in ärmeren Ländern problematisch. Denn eine Infektion mit einem resistenten Bakterium ist meist schwer oder gar nicht heilbar. Neuere wirksame Medikamente sind meist sehr teuer, da sie noch nicht massenhaft produziert werden – und ihre Entwicklung dauert lange. Häufig bilden sich kurz nach der Markteinführung erste neue Resistenzen. In vielen Fällen gibt es allerdings gar kein Mittel gegen den Erreger. Wenn sich die Resistenzen weiter ausbreiten und Forscher keine effektiven neuen Medikamente entdecken, droht uns, dass beispielsweise ein Kind wieder an einer einfachen bakteriellen Erkrankung stirbt, von der es früher hätte geheilt werden können.

Die negativen Folgen im Überblick:

  • Infektionen dauern länger
  • Bakterielle Infektionen sind schwieriger zu behandeln
  • Gegen einige Infektionen gibt es derzeit keine wirksamen Antibiotika
  • Ursprünglich leicht behandelbare Infektionen werden durch die Resistenz lebensbedrohlich
  • Es entwickeln sich multiresistente Erreger (MRE)

Wie gefährlich sind multiresistente Keime?

Die Entstehung (multi)resistenter Keime ist ein großes Problem. Vor allem in Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen, in denen Antibiotika verabreicht werden. Die Folge sind lebensbedrohliche Lungenentzündungen sowie Wund- und Blutinfektionen. Zu den besonders gefährdeten Personengruppen zählen Kleinkinder sowie ältere und chronisch kranke Menschen.

Einfache Maßnahmen helfen Antibiotikaresistenzen vorzubeugen

Das Bundesministerium für Gesundheit hat 2015 gemeinsam mit den Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft sowie Bildung und Forschung die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie „DART 2020“ erarbeitet.  Doch auch selbst können Sie etwas tun:

  • Nehmen Sie Antibiotika nur, wenn es wirklich nötig ist. So reduzieren Sie die Gefahr, dass sich Resistenzen entwickeln.

  • Nehmen Sie ein Antibiotikum solange ein, wie die Ärztin und der Arzt es ihnen verordnet. Beachten Sie auch die richtige Dosierung und die vorgeschriebene Einnahmezeit.

  • Geben Sie keine übrig gebliebenen Antibiotika in Eigenregie an andere weiter, auch wenn die Symptome sich ähneln.

  • Entsorgen Sie alte Medikamente oder Medikamentenreste nicht in der Toilette oder dem Abfluss im Waschbecken. Das schädigt die Umwelt und kann zur Bildung von Resistenzen beitragen, da diese direkt in den Wasserkreislauf gelangen. Geben Sie alte Medikamente in den Hausmüll.

  • Probieren Sie bei Halsschmerzen, Schnupfen und weiteren einfachen Atemwegsproblemen rezeptfreie Arzneimittel und Hausmittel.

So vermeiden Sie Infektionen

Vermeiden Sie Infektionen durch einfache Hygienemaßnahmen:

  • Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich die Hände.

  • Fassen Sie sich möglichst nicht mit den Händen ins Gesicht.

  • Waschen Sie sich nach dem Toilettengang, dem Windelwechseln oder dem Kontakt mit Tieren besonders gut die Hände.

  • Schnäuzen Sie sich die Nase mit einem Einmaltaschentuch und entsorgen Sie dieses anschließend.

  • Husten und niesen Sie in den Ärmel und nicht in die vorgehaltene Hand.

  • Lüften Sie regelmäßig, denn in geschlossenen Räumen kann die Anzahl der Krankheitserreger steigen.

  • Verwenden Sie keine benutzten fremden Handtücher, Waschlappen oder Zahnbürsten.

  • Reinigen Sie rohes Obst und Gemüse vor dem Verzehr sorgfältig.

  • Achten Sie nach der Verarbeitung von rohem Fleisch darauf, Schneidebretter und Messer gründlich zu reinigen, damit andere Lebensmittel nicht mit etwaigen Bakterien in Kontakt kommen.

  • Waschen Sie Ihre Wäsche regelmäßig bei 60°C, das überleben die meisten Erreger nicht.

  • Sorgen Sie bei sich und Ihrer Familie für einen vollständigen Impfschutz. Vergessen Sie nicht, bestimmte Impfungen regelmäßig aufzufrischen.

Antibiotika – Mythos oder Wahrheit?

 

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