Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom

SARS: Die erste Pandemie im 21. Jahrhundert

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SARS, verursacht durch das Virus SARS-CoV-1, breitete sich 2002/2003 auf der ganzen Welt aus. Was ist SARS? Was unterscheidet es vom aktuellen Coronavirus SARS-CoV-2? Und wie wurde SARS gestoppt?

sars coronavirus
SARS-CoV-1 geht mit Fieber, Unwohlsein und Atemwegsbeschwerden einher.
© Getty Images/dowell

SARS ist die Abkürzung für Severe Acute Respiratory Syndrome (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) und bezeichnet eine virale Atemwegserkrankung, die Ende 2002 erstmals in Südchina beobachtet wurde und sich in den folgenden Monaten zunächst in Südostasien und dann in der ganzen Welt ausbreitete. Betroffen waren vorrangig Erwachsene. Mehr als 8.000 Krankheits- und 774 Todesfälle durch das SARS-Virus wurden gezählt. Das am stärksten betroffene Land außerhalb Asiens war Kanada mit 251 bestätigten Infektionsfällen und 43 Toten. In Deutschland wurden im Laufe der Pandemie neun (ausschließlich importierte) Fälle registriert. Hier überlebten alle Betroffenen SARS.

Im Überblick:

Ansteckung mit dem Coronavirus: Wie schütze ich mich?

SARS-Pandemie 2003/2004

Bei Ausbruch der Epidemie Anfang November 2002 erließ die chinesische Regierung Beschränkungen für die örtliche Presse und zensierte Berichte über das neuartige Virus. Erst drei Monate später, am 10. Februar 2003, informierte sie die Weltgesundheitsorganisation WHO. Zu diesem Zeitpunkt gab es nach offiziellen Angaben 305 Infektionen und fünf Todesfälle durch SARS. Am 13. März 2003 sprach die WHO erstmals von einer Pandemie. Allerdings wurden die weltweiten Infektionsketten schnell unterbrochen, sodass der Krankheitsausbruch bereits am 11. Juli 2003 für eingedämmt erklärt werden konnte. Am 19. Mai 2004 verkündete die WHO das Ende der Pandemie. Danach wurden nur noch vereinzelte Fälle von SARS beobachtet; seit Ende 2004 gab es keine bestätigten Infektionen mehr. Bis heute besteht in Deutschland und vielen anderen Ländern eine gesetzliche Meldepflicht für SARS.

Welche Ursache hat SARS?

Das Schwere Akute Respiratorische Syndrom wird durch ein Coronavirus verursacht, das seit seiner Identifizierung im Frühjahr 2003 als SARS-assoziiertes Coronavirus, kurz SARS-CoV oder SARS-CoV-1, bezeichnet wird. Üblicherweise verursachen Coronaviren leichte bis mittelschwere Erkrankungen der oberen Atemwege. Der Name Corona ist von ihrer kronenartigen Struktur hergeleitet.

Ansteckung und Inkubationszeit von SARS-CoV-1

Das SARS-Virus wurde ursprünglich vermutlich von Tieren auf den Menschen übertragen und verbreitet sich von Mensch zu Mensch weiter – in den meisten Fällen durch Tröpfchenübertragung. Niest oder hustet eine infizierte Person, werden Erreger durch die Luft geschleudert und können sich auf den Gesichtsschleimhäuten (Mund, Nase, Augen) von Menschen in der nahen Umgebung ablagern, so in ihren Organismus eindringen und sich dort vermehren. Eine hohe Ansteckungsgefahr besteht bei engem Kontakt (unter einem bis 1,5 Metern) zwischen Infizierten und Gesunden, beispielsweise bei nahen Face-to-Face-Gesprächen. Besonders kritisch ist der direkte Austausch von Atemwegssekreten und Körperflüssigkeiten (etwa beim Küssen oder durch gemeinsam benutztes Besteck und Geschirr). Auch eine Weiterverbreitung des SARS-Virus über Handkontakt mit Erreger-besetzten Oberflächen und Gegenständen ist möglich: Untersuchungen zufolge überlebt das SARS-Virus bis zu 24 Stunden außerhalb des menschlichen Körpers. Eine Übertragung über infizierte Aerosole – feinste virustragende Schwebeteilchen aus der Atemluft – ist ebenfalls nachgewiesen.

In der zweiten Krankheitswoche sind SARS-Infizierte den verfügbaren Daten zufolge besonders ansteckend.

Eine Weitergabe des Virus vor Ausbruch der eigentlichen Erkrankung gilt hingegen als unwahrscheinlich: Wer mit SARS-CoV-1 infiziert ist, aber (noch) keine Symptome aufweist, ist demnach nicht oder zumindest kaum ansteckend. Dies scheint ein gravierender Unterschied zum erstmals 2019 aufgetretenen Coronavirus SARS-CoV-2 (Covid-19) zu sein, bei dem offenbar viele Infektionen von unwissentlich Erkrankten ausgehen, die (noch) keine Krankheitszeichen zeigen.

Beide Coronavirus-Varianten scheinen die Fähigkeit zu haben, bestimmte Funktionen des körpereigenen Abwehrsystems zu verändern, sodass eine immunologische Überreaktion einsetzen und massive Entzündungsprozesse in der Lunge auslösen kann. Dies könnte nach Ansicht von Fachleuten den hohen Prozentsatz schwerer Krankheitsverläufe erklären.

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen einer Infektion und dem Auftreten erster Symptome, liegt für SARS-CoV-1 bei etwa zwei bis sieben Tagen, in Ausnahmefällen auch bei bis zu zwei Wochen.

Welchen Symptome verursacht SARS ?

Zu Beginn der Erkrankung tritt häufig Fieber über 38 Grad Celsius auf, das von Schüttelfrost, allgemeinem Unwohlsein sowie Kopf- und Gliederschmerzen begleitet werden kann. Ab und zu sind bereits im Anfangsstadium Atemwegsbeschwerden zu beobachten; in der Regel entwickeln Betroffene aber erst nach zwei bis sieben Tagen einen trockenen, unproduktiven Husten und eine Verschlechterung der Lungenfunktion, was oft mit einem sinkenden Sauerstoffgehalt im Blut (Hypoxie) und Atemnot (Dyspnoe) einhergeht. Während der SARS-Pandemie 2002/2003 mussten etwa zehn bis 20 Prozent der Erkrankten aufgrund eines Lungenversagens mechanisch beatmet werden. Häufig entwickeln Infizierte eine Lungenentzündung. Zusätzlich kann Durchfall auftreten.

Wie wird SARS diagnostiziert?

Bei Verdacht auf SARS befragt die untersuchende die erkrankte Person im Rahmen der Anamnese zunächst nach Symptomen, bisherigem Krankheitsverlauf und möglichen Infektionsquellen. Anschließend wird ihre Körpertemperatur gemessen und ihre Lunge mit dem Stethoskop abgehört. Eine Röntgenaufnahme der Lunge kann entzündungsbedingte Gewebeveränderungen und Flüssigkeitsansammlungen sichtbar machen. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss darüber, ob die Zahl von Blutplättchen und weißen Blutkörperchen vermindert ist.

Wie SARS-CoV-2 kann SARS-CoV-1 mit molekularbiologischen Testverfahren in Proben von Blut, Stuhl oder Bronchialsekret nachgewiesen werden. Zum Einsatz kam in der SARS-Pandemie 2003 vor allem der sogenannte Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktions-Test (Reverse-Transcription-Polymerase-Chain-Test, kurz RT-PCR-Test): Dabei wird das genetische Material des Virus aus Blut oder Bronchialsekret labortechnisch vervielfältigt, sodass Viren bereits in äußerst geringer Konzentration nachgewiesen werden können. Solche RT-PCR-Tests auf SARS-CoV-1 weisen eine hohe Treffsicherheit (Spezifität) beziehungsweise Empfindlichkeit (Sensitivität) auf und waren ab Mitte April 2003 verfügbar. Allerdings wurden nur Menschen mit typischen SARS-Symptomen getestet, die nachweislich Kontakt mit einem Erkrankten hatten. Asymptomatische Personen mit Risikokontakt wurden später auf Antikörper getestet (Bluttest), um festzustellen, ob die Erkrankung durchgemacht wurde.

Welche Therapien können gegen SARS helfen?

Wie bei den meisten Viruserkrankungen existiert keine ursächliche Behandlung gegen das Schwere Akute Respiratorische Syndrom. Es gibt derzeitig auch keine Medikamente, die das Virus im Organismus unschädlich machen oder beseitigen können. Während der SARS-Pandemie 2002/2003 wurden verschiedene Wirkstoffe getestet, die jedoch keinen durchschlagenden Erfolg hatten. Andere kamen wegen unerwünschter Nebenwirkungen nicht in Betracht oder hatten keine angemessene Kosten-Nutzen-Bilanz. Teilweise wurden SARS-Erkrankte mit Antibiotika behandelt, wenn bakterielle Superinfektionen vorlagen. Auch eine Therapie mit kortisonhaltigen, entzündungshemmenden Medikamenten wurde erprobt.


Aktuell kann das SARS-Virus nur symptomatisch behandelt werden: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen werden durch fiebersenkende Schmerzmittel wie zum Beispiel Ibuprofen gelindert. Leiden Betroffene unter einer eingeschränkten Lungenfunktion, Atemnot oder niedriger Sauerstoffsättigung, werden sie über Masken mit Sauerstoff versorgt und bei kritischen Verläufen an Beatmungsgeräte angeschlossen. Tritt schwerer Durchfall auf, helfen Infusionen gegen den Flüssigkeitsverlust.

Studien zufolge könnten sich in Zukunft unter anderem sogenannte Interferone – körpereigene Gewebshormone, die eine immunstimulierende und antivirale Wirkung entfalten – als nützlich in der SARS-CoV-Therapie erweisen. Auch eine passive Immunisierung ist in der Erprobung: Dabei werden aus dem Blutserum genesener Erkrankter Antikörper gegen das Virus isoliert, gereinigt und anschließend einem akut Betroffenen verabreicht.

Wie verläuft eine typische SARS-Erkrankung?

Der Erkrankungsgrad infolge einer Infektion mit dem SARS-CoV-1 kann äußerst unterschiedlich sein. Während der SARS-Pandemie 2002/2003 wurden sehr viele schwere, aber auch immer wieder milde oder sogar asymptomatische Verläufe beobachtet. Allerdings führte jede zehnte bestätigte Infektion mit SARS-CoV-1 zum Tod. Die statistische Vergleichbarkeit mit der Corona-Situation seit 2019 ist schwierig, da 2003 ausschließlich symptomatische Personen getestet wurden und davon ausgegangen werden kann, dass auf diese Weise viele SARS-Infektionen unerkannt blieben.

Nach dem Auftreten erster Symptome wird der Krankheitsverlauf bei SARS in zwei Phasen unterteilt: In der ersten Woche treten typischerweise vor allem allgemeine grippeähnliche Symptome auf, in der zweiten Woche kommen spezifische Beschwerden wie Husten, Atemnot oder Kurzatmigkeit hinzu.

Nach aktuellem Wissensstand kann eine überstandene SARS-CoV-1-Infektion folgenlos ausheilen, aber auch langfristige Lungenschäden zurücklassen.

Wie wurde SARS gestoppt?

Dass die SARS-Pandemie von 2002/2003 von der WHO bereits nach wenigen Monaten für beendet erklärt werden konnte, ist verschiedenen Faktoren zu verdanken:

  • SARS-CoV-1 war offenbar deutlich weniger ansteckend als SARS-CoV-2. Unter anderem vermehrte es sich nicht bereits im Rachen, sondern erst in der Lunge. Die höchste Infektionsgefahr ging von Betroffenen aus, die bereits seit zirka zehn Tagen Symptome aufwiesen. Akut Erkrankte sind naturgemäß weniger mobil und tragen das Virus entsprechend seltener weiter. Zudem konnten potenziell ansteckende Personen mithilfe von Labortests relativ schnell und sicher identifiziert werden, sodass Kontroll- und Quarantänemaßnahmen einen großen Effekt hatten.

  • Nach Bekanntwerden der SARS-Infektionen in China im Frühjahr 2003 schlug die Weltgesundheitsorganisation (WHO) umgehend Alarm und trieb den Kampf gegen das Virus entschlossen voran. Fachleute aus Virologie, Pneumologie, Epidemiologie und anderen medizinischen Disziplinen tauschten international Forschungsergebnisse aus, sodass schnell weitreichende Erkenntnisse über die Erkrankung zusammengetragen werden konnten. Beim Informationsaustausch waren das Internet und andere neue Technologien hilfreich. Durch die in vielen Ländern schnell eingeleiteten präventiven Maßnahmen konnte die Geschwindigkeit der Virusverbreitung deutlich reduziert werden.

Welche vorbeugenden Maßnahmen sind gegen SARS wirksam?

Zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-1 kam es nicht. Im Jahr 2005 wurde aber nach Vorgaben der WHO ein nationaler Pandemieplan für Deutschland (NPP) erarbeitet. Er enthält bereits die Hygieneregeln, die auch in der jüngsten Corona-Pandemie seit Winter 2019/2020 praktiziert werden:

  • physischen Abstand zu Menschen außerhalb des eigenen Haushalts wahren (mindestens anderthalb Meter)

  • die Hände häufig und gründlich mit Wasser und Seife waschen (alternativ ein geeignetes Desinfektionsmittel benutzen)

  • sich nicht mit (möglicherweise Viren-kontaminierten) Fingern ins Gesicht fassen

  • beim Husten oder Niesen Nase und Mund mit dem Ellenbogen oder einem Taschentuch bedecken

  • Besteck und Geschirr nicht mit anderen teilen

  • in geschlossenen Räumen, in denen sich Menschen aus verschiedenen Hausständen aufhalten – aber auch, wenn draußen der Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen nicht sicher eingehalten werden kann – einen Mund-Nasen-Schutz (idealerweise eine medizinische oder eine FFP2-Maske) tragen

  • Räume regelmäßig lüften

  • Kontakte einschränken

  • auf nicht zwingend notwendige Reisen verzichten

Auch verbindliche Quarantäneregeln für Erkrankte oder möglicherweise Infizierte (Kontaktpersonen) helfen dabei, SARS in Schach zu halten.

Laut eines vom Robert Koch Institut (RKI) im Januar 2004 veröffentlichten Berichts musste jederzeit damit gerechnet werden, dass erneut Fälle von SARS auftreten.

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