Auch für den Menschen eine Gefahr

Schweinegrippe – Symptome erkennen, Ansteckungsgefahr verringern

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Im Herbst 2009 breitete sich eine Grippewelle weltweit aus, die Schweinegrippe. Bei ihrem Auslöser handelt es sich um einen Virus des Typs A/H1N1. Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, sollten besondere Maßnahmen eingehalten werden.

Frau mit Fieber im Bett
Fieber ist eines der ersten Symptome bei der Schweinegrippe.
© iStock.com/GeorgeRudy

Grippeviren sind besonders wandlungsfähig. Vereint ein Wirt verschiedene Erreger, können sich diese zusammenschließen, sodass neue Typen oder Subtypen entstehen. So verlief es auch mit dem Schweinegrippe-Virus A/H1N1, das bei Schweinen nachgewiesen wurde. Bereits 1919 löste eine Variante des A/H1N1-Virus die Spanische Grippe aus, bei der mehr als 50 Millionen Menschen starben.

Im April 2009 rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Pandemie aus, die durch eine neue Variante des Virus entstand. Das Virus enthält genetische Bestandteile von Viren aus Vögeln und Schweinen in Kombination mit menschlichen Viren. Der neu entstandene Subtyp des A/H1N1-Virus wird leicht von Mensch zu Mensch übertragen.

Artikelinhalte im Überblick

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Symptome: Schweinegrippe versus normale Grippe

Die Schweinegrippe kündigt sich mit typischen Symptomen einer saisonalen Grippe an:

  • Magen-Darm-Probleme wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen
  • Hals- und Gliederschmerzen
  • Husten
  • Kopfschmerzen
  • Schnupfen
  • Fieber
  • Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Muskelschmerzen
  • Atemnot

Im Gegensatz zu einer saisonalen Grippe verläuft die Schweinegrippe häufig schwerer. Üblich ist auch, dass sich die Reihenfolge der Symptome von der bei einer Influenza unterscheidet: Erst kommt das Fieber und dann Husten und Halsschmerzen. Besonders häufig befällt das Virus die Atemwege. Unbehandelt kann sich eine Schweingrippe schnell zu einer viralen Lungenentzündung entwickeln. Die Inkubationszeit bei Influenza-A/H1N1 beträgt wenige Stunden bis zu 5 Tage. Bereits zu Beginn der Inkubationszeit ist die Schweinegrippe ansteckend. Die Gefahr andere Menschen anzustecken besteht bis zu 7 Tage.

Anstecken mit Schweinegrippe: Husten, Niesen, Hände schütteln

Das Schweinegrippe-Virus ist über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragbar. Durch Husten und Niesen von infizierten Personen gelangen die Viren in die Luft. Besonders hoch ist die Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumen, bei engem Körperkontakt und großen Ansammlungen von Menschen.

Wer kann sich anstecken?

Jeder Mensch kann sich mit der Schweinegrippe infizieren. In der Regel verlaufen diese Infektionen jedoch unproblematisch. Für manche Risikogruppen besteht allerdings Lebensgefahr bei einer Ansteckung:

  • chronisch kranke Menschen
  • Schwangere
  • Menschen mit Vorerkrankungen wie Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Immunschwäche sowie Nieren- und Lebererkrankungen

Aber auch junge, bisher gesunde Patienten können schwere und lebensbedrohliche Komplikationen durch eine Infektion entwickeln. In der Vergangenheit mussten gesunde Kinder und junge Erwachsene im Zuge einer Infektion mit Schweinegrippe auffällig oft intensiv behandelt werden. Experten vermuten, dass ältere Menschen im Laufe ihres Lebens bereits die Möglichkeit hatten eine Immunabwehr gegen eine Art des A/H1N1-Virus zu entwickeln. Nicht zuletzt ist medizinisches Personal in besonderem Maße gefährdet.

Diagnose: Habe ich mich mit der Schweinegrippe angesteckt?

Besteht der Verdacht an Schweinegrippe erkrankt zu sein, sollte der Arzt vor der Sprechstunde telefonisch informiert werden, sodass er Vorsichtsmaßnahmen treffen kann, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Ob ein Patient tatsächlich mit dem A/H1N1-Virus infiziert ist, lässt sich durch eine Laboruntersuchung herausfinden. Dafür wird ein Abstrich von der Rachen- oder Nasenschleimhaut genommen und analysiert.

Therapie bei Schweinegrippe

Die Schweinegrippe kann mit Medikamenten behandelt werden: Sogenannte Neuraminidasehemmer mit dem Wirkstoff Oseltamivir (Kapseln) und Zanamivir (Pulver) wirken gegen den Erreger der Schweinegrippe, indem sie seine Vermehrung stoppen. Die Medikamente blockieren ein bestimmtes Enzym auf der Oberfläche der Viren, sodass sie nicht in die menschlichen Schleimhautzellen eindringen können. Die Voraussetzung für das Wirken des Medikaments ist aber, dass sie kurz nach Ausbruch der Krankheit zum Einsatz kommen – 48 bis maximal 72 Stunden danach.

Antibiotika sind bei der Schweinegrippe wirkungslos, da es sich um eine virale und nicht bakterielle Infektion handelt. Kommt es infolge der Viruserkrankung zusätzlich zu einer Infektion durch Bakterien wie einer bakteriellen Lungenentzündung, verordnet der Arzt Antibiotika.

Weitere Therapiemaßnahmen ähneln denen einer saisonalen Grippe: Ruhe, Erholung und viel trinken. In der akuten Phase, bis zu 7 Tage nach Ausbruch, sollten sich Betroffene unter Quarantäne befinden. In der Regel dürfen sie aber nach Hause gehen, außer sie sind chronisch krank oder schwanger.

Krankheiten, bei denen Antibiotika überflüssig sind

Prävention: Ansteckung vermeiden

Um sich vor einer Ansteckung zu schützen, sollte man besonders in öffentlichen Verkehrsmitteln und Einrichtungen Vorsicht walten lassen: Hände sind die wesentlichen Überträger der Viren der Neuen Influenza. Regelmäßiges Händewaschen, Desinfizieren und Durchlüften helfen dabei, die Hygiene einzuhalten. Beim Niesen und Husten nicht Hand, sondern Ellenbogen oder Arm zum Schutz nutzen. Darüber hinaus sollten Hände so gut wie es geht vom Gesicht ferngehalten werden, sodass auf den Händen sitzende Viren nicht über die Nasen-, Mund- und Augenschleimhäute in den Körper gelangen können.

Außerdem sollten einige Regeln beachtet werden, um sich selbst und andere Menschen vor der Schweinegrippe zu schützen:

  • Die Hände sollten regelmäßig und gründlich für 20 bis 30 Sekunden mit Seife gewaschen werden.

  • Viren können über die Schleimhäute in den Körper gelangen, daher sollte man die Berührung von Mund, Nase oder Augen mit den Händen vermeiden.

  • Beim Husten und Niesen sollte man Abstand zu anderen Personen halten. Außerdem ist es ratsam, nicht in die Hand zu niesen oder zu husten, sondern stattdessen den Ärmel oder optimalerweise ein Papiertaschentuch zu verwenden und dieses direkt im Anschluss zu entsorgen.

  • Bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Erreger der Neuen Grippe sollte man möglichst zeitnah einen Arzt kontaktieren.

  • Im Krankheitsfall ist es empfehlenswert, auf den Körperkontakt zu anderen beispielsweise durch Küssen oder Umarmen zu verzichten. Der Aufenthalt in getrennten Räumen und Sauberkeit in den Wohnräumen, besonders in Küche und Bad, bieten zusätzlichen Schutz vor Ansteckung.

  • Durch das regelmäßige Lüften geschlossener Räume lässt sich die Zahl der Viren in der Luft verringern und dem Austrocknen der Mund- und Nasenschleimhäute vorbeugen.

Impfung gegen Schweinegrippe

Seit Dezember 2009 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) sich durch eine Impfung vor der Schweingrippe zu schützen. Da nicht genug Impfstoff vorhanden war, sollten sich in erster Linie Risikogruppen schützen, dazu zählen chronisch Kranke, Schwangere und im Gesundheitswesen tätige Menschen. Danach sollten Personen, die im direkten Kontakt mit Risikogruppen stehen, geimpft werden. Nach Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen konnten auch über 60-jährige einen Impfschutz erhalten. Die Impfung ist für alle Menschen kostenlos. In einigen wenigen Fällen entwickelten geimpfte Personen eine Schlafkrankheit (Narkolepsie), die offiziell damit in Verbindung gebracht werden kann.

Prognose

Auch heute existiert das A/H1N1-Virus noch. Allerdings wird es nicht mehr so gefürchtet. Die Neue Influenza oder A/H1N1-Influenza gehört fest zur jährlichen Grippesaison und kann durch vorsorgliches Impfen verhindert werden. Experten gehen davon aus, dass es erneut zu Pandemien durch mutierte Viren des A/H1N1-Virus kommen kann.


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