Wichtige Maßeinheiten der Epidemiologie

Inzidenz, Mortalität, Letalität: Definition und Unterschiede

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In medizinischen Texten und Studien sind Inzidenz und ihre Sonderformen Mortalität und Letalität wichtige Kenngrößen. Was sagen die Begriffe aus, wofür sind die Daten wichtig und worin besteht der Unterschied?

inzidenz
© Orbon Alija via Getty Images

In der Epidemiologie, der Lehre von den Ursachen und der Verbreitung von gesundheitsbezogenen Ereignissen in einer Bevölkerung, kommt man um die Begriffe Inzidenz, Mortalität und Letalität nicht herum. Aber was genau bedeuten sie?

Im Überblick:

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Definition: Was bedeutet Inzidenz?

Das Inzidenzrisiko oder die kumulative Inzidenz (englisch: cumulative incidence, CI) beschreibt die Wahrscheinlichkeit, mit der eine Person in einer definierten Zeitspanne neu erkrankt oder von einem Problem betroffen sein wird.

Die Anzahl der Neuerkrankungen wird durch die Anzahl der Personen "unter Risiko" geteilt. "Unter Risiko" sind alle Personen in der untersuchten Bevölkerung, die zu Beginn des Beobachtungszeitraumes noch nicht erkrankt sind, aber prinzipiell betroffen sein könnten.

Üblicherweise wird die Inzidenz pro Jahr und 100.000 Einwohner angegeben. Die Zeitspanne kann aber auch anders definiert werden. So hat das Robert Koch-Institut (RKI) während der durch das neue Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelösten Pandemie auf Basis der von Gesundheitsämtern gemeldeten Fälle beispielsweise die Sieben-Tage-Inzidenz veröffentlicht. Diese gibt an, wie viele Neuinfektionen es in den letzten sieben Tagen pro 100.000 Einwohner*innen gab. Aktuelle Fallzahlen von Corona-Infektionen können auch der Webseite des Robert Koch-Instituts entnommen werden.
 

Formel:

Kumulative Inzidenz = Zahl der Neuerkrankungen innerhalb eines Zeitraums : Personen unter Risiko zu Beginn des Zeitraums

Inzidenzwerte während der Corona-Pandemie

Während der Corona-Pandemie gehörte es für viele Menschen zum Alltag, täglich die neuen Inzidenzwerte in Deutschland sowie im eigenen Bundesland oder Landkreis zu überprüfen. Der Parameter spielt bei der Beurteilung von epidemiologischen Lagen und der Abwägung von Beschränkungen eine zentrale Rolle.

Mit dem Anstieg der Impfquote verlor die Inzidenz allerdings zunehmend an Aussagekraft, da eine hohe Inzidenz nicht automatisch eine hohe Belastung für Intensivbetten bedeutet. Zudem muss berücksichtigt werden, dass die Inzidenz Schwächen hat, da sie davon abhängig ist, wie viele Menschen sich testen lassen. Fachleute empfehlen daher, die Daten in eine sinnvolle Strategie einzubinden und zusammen mit den Kapazitäten auf Intensivstationen zu betrachten.

Mortalität: Definition

Der Begriff Mortalität leitet sich von dem lateinischen Wort "mortalitas" für "Sterblichkeit" ab und beschreibt die Anzahl der Sterbefälle während eines bestimmten Zeitraums im Verhältnis Gesamtbevölkerung.

Für die rohe Mortalitätsrate wird die Anzahl der Todesfälle pro Jahr bezogen auf 1.000 Individuen der Gesamtbevölkerung zur Betrachtung herangezogen.

Formel:

Mortalität = Sterbefälle in einem Zeitraum : mittlere Bevölkerung unter Risiko

Beispiel:

Im Jahr 2020 gab es 985.572 Sterbefälle. Geteilt durch die Gesamtbevölkerung Deutschlands zu diesem Zeitpunkt ergibt das eine Sterberate von 11,8 pro 1.000 Einwohner*innen.

Letalität: Definition

Letalität stammt vom lateinischen Wort "letum" ab, das mit "Tod" übersetzt wird. Letalität ist die Häufigkeit, mit der eine Krankheit einen tödlichen Verlauf nimmt. Sie wird aus dem Quotienten der an einer Krankheit Gestorbenen und der von der Krankheit Betroffenen ermittelt.

Formel:

Letalität = Sterbefälle durch eine Krankheit : alle von der Krankheit Betroffenen

Trotz der gleichen Bedeutung ihres Wortursprungs unterscheidet sich die Mortalität von der Letalität: Beide geben zwar die neu eintretenden Todesfälle an, legen aber unterschiedliche Bezugsgruppen zugrunde.

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