Langzeitfolgen nach Corona

Long Covid: Syndrom mit unterschiedlichen Symptomen

Qualitätssiegel Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft

Immer mehr Menschen kämpfen mit den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. Inzwischen als eigenständige Krankheit anerkannt, werden sie unter Long Covid und Post Covid zusammengefasst. Welche Symptome bei Long Covid auftreten und wie die Folgekrankheit behandelt werden kann.

Frau leidet unter Fatigue nach Corona
© Getty Images/Maskot

Im März 2020 wurde weltweit eine Pandemie durch das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufen. Doch nicht nur die akute Infektion spielt eine Rolle, zunehmend leiden infizierte Menschen unter Langzeitfolgen von Corona, obwohl sie genesen sind. Dabei können nicht nur schwere Verläufe zu Long Covid führen – auch Menschen mit symptomlosem oder nur leichtem Verlauf klagen über langanhaltende Beschwerden.

Artikelinhalte im Überblick:

Corona: Spätfolgen und Langzeitfolgen von COVID-19

Was ist Long Covid?

Inzwischen ist COVID-19 als Multiorgan-Krankheit anerkannt, die zahlreiche Symptome auslösen kann. Neben der akuten Infektion gibt es zwei weitere Zustände im Zusammenhang mit COVID-19:

  • Long Covid: Symptome, die mindestens vier Wochen nach einer Corona-Infektion fortbestehen

  • Post Covid: Symptome, die über mindestens 12 Wochen nach der Infektion bestehen

Das bedeutet, dass Betroffene auch Monate nach einer Infektion weiterhin mit Beschwerden zu kämpfen haben. Je nach Ausprägung der Symptome und Schweregrade des Long-Covid-Syndroms können Betroffene nicht ihren Alltagsaktivitäten nachgehen und sind in schweren Fällen vorübergehend berufsunfähig.

Long Covid: Symptome des Syndroms

Betroffene leiden bei Long Covid und Post Covid unter zahlreichen Beschwerden: Bisher sind über 200 verschiedene Symptome in zehn Organen bekannt. Sehr häufig werden von Betroffenen extreme Müdigkeit (Fatigue), gestörte Atmung bis hin zur Atemnot (Dyspnoe), Kopfschmerzen, Störungen bis hin zum Verlust von Geschmack und Geruch, Schlafstörungen, Schmerzen, psychische Beschwerden und Schwierigkeiten bei der Konzentration genannt.

Auch die geistigen Fähigkeiten werden durch Long Covid beeinträchtigt, zum Beispiel logisches Denken, bei dem Planung und Problemlösung erforderlich sind. Das ergab eine Auswertung der IQ-Tests von über 81.000 Menschen (davon mehr als 12.600 COVID-19-Patienten) durch britische Forscher. Signifikante Defizite der geistigen Leistungsfähigkeit hatten demnach auch Menschen, die wegen ihrer Corona-Infektion nicht im Krankenhaus behandelt werden mussten. Am stärksten betroffen waren Menschen, die auf der Intensivstation behandelt und beatmet wurden: Sie hatten einen um sieben Punkte niedrigeren IQ als Vergleichspersonen – umgerechnet entspricht das einer Alterung des Gehirns um 10 Jahre.

Neben Müdigkeit deuten weitere Symptome auf das Coronavirus hin

Long Covid auch bei Kindern möglich

Auch Kinder und Jugendliche können an Long Covid erkranken, wenngleich deutlich seltener als Erwachsene. Häufige Symptome bei ihnen sind Kopfschmerzen, Fatigue, Atembeschwerden, Schlafstörungen und Riechstörungen. Bisherige Studienergebnisse zu Long Covid bei Kindern und Jugendlichen beruhen allerdings überwiegend auf der Alpha-Variante des Coronavirus – es bleibt abzuwarten, ob sich die Lage durch die ansteckendere Delta-Variante verändert. (Stand: 09.08.2021)

Daneben gibt es unter jungen Menschen eine sehr seltene Form von Long Covid, das Pädiatrische Inflammatorische Multiorgan-Syndrom (PIMS). In den meisten Fällen entwickeln sie das Syndrom einige Wochen nach einer symptomlosen Corona-Infektion. Betroffene leiden unter hohem Fieber, Hautausschlägen und Organentzündungen. Das Syndrom wird als Notfall eingestuft, der umgehend im Krankenhaus behandelt werden muss.

Ursachen für Long Covid und Post Covid

Da es sich bei COVID-19 um eine neuartige Krankheit handelt, wird auch an den Langzeitfolgen noch geforscht, um herauszufinden, welche Ursachen hinter Long Covid stecken. Bisher wurden verschiedene Mechanismen identifiziert, wodurch Long Covid entstehen kann. Sie sind jedoch sehr individuell, können sich also zwischen einzelnen Betroffenen stark unterscheiden.

Mögliche Ursachen für Long Covid:

  • Anhaltender Befall durch das Virus und Überdauern von Virusbestandteilen im Körper

  • Nebenwirkungen der Behandlung von COVID-19

  • Chronische Entzündungen

  • Autoimmunreaktionen

  • Immundefekte

  • Andauernde Gewebeschäden durch die Infektion, darunter auch Schäden an Blutgefäßen

  • Gestörte Mikrovaskularisierung, also Abweichungen in der Neubildung von Blutgefäßen und Versorgung von Gewebe mit Blutgefäßen

  • Störungen im Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS), das den Blutdruck und Elektrolyt-Haushalt reguliert

Diagnose: Wann liegt Long Covid vor?

Die ärztliche Diagnose von Long Covid ist aufgrund des neuartigen Charakters der Erkrankung und des komplexen Erscheinungsbildes nicht einfach. Obwohl es bisher keine spezifischen Parameter zur Diagnose von Long Covid gibt, ist die Laboruntersuchung beim Verdacht auf die Erkrankung wichtig. Daneben spielen eine ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchung und Beurteilung des neurologischen und psychischen Zustands der Betroffenen eine große Rolle.

Laut der aktuellen Leitlinie zum Long Covid-Syndrom liegt es vor, wenn eines der folgenden vier Kriterien erfüllt ist:

  1. Symptome einer akuten Corona-Infektion oder ihrer Behandlung bestehen fort

  2. Symptome, die den Gesundheitszustand erneut beeinträchtigen

  3. Neue Symptome, die als Folge von COVID-19 nach der akuten Phase der Infektion aufgetreten sind

  4. Vorbestehende Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Herzkrankheiten verschlechtern sich

Insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen sollten sich umgehend ärztliche Hilfe suchen, wenn sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert oder neue Symptome auftreten. In diesen Fällen kann die Behandlung der Grunderkrankung überprüft und bei Bedarf angepasst werden.

Corona-Impfung: Wer darf geimpft werden und wer nicht?

Behandlung von Long Covid und Post Covid

Bisher gibt es weder für COVID-19 noch für Long Covid eine spezielle Behandlung. Vielmehr werden in beiden Fällen die vorliegenden Symptome behandelt – zur Linderung der Beschwerden und um ein dauerhaftes Auftreten (Chronifizierung) zu verhindern. Noch offen ist auch die Frage, ob COVID-19 und Long Covid zu anhaltenden Organschäden führen.

Im Rahmen der Behandlung von Long Covid ist ebenso die Rehabilitation wichtig. Das Spektrum an rehabilitativen Maßnahmen ist sehr groß und richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung: Von ambulanten Heilmitteln wie Physiotherapie über frühe Reha-Maßnahmen im Krankenhaus bis hin zur Nachsorge in speziellen Einrichtungen. Damit sollen eingeschränkte Körperfunktionen wiederhergestellt werden und Betroffene besser zurück in den Alltag finden.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Impfung auf Long Covid?

In einer ersten, kleinen Beobachtungsstudie zeigte sich zwar, dass eine Impfung von Betroffenen mit Long Covid die Symptome verbessern kann. Allerdings müssen diese Ergebnisse erst in größeren, kontrollierten Studien überprüft werden. Bis dahin gilt weiterhin die Empfehlung, dass genesene Menschen nach sechs Monaten eine einmalige Corona-Impfung erhalten sollten.

Auch wenn die Corona-Impfung das Risiko einer Infektion und von schweren Verläufen reduziert, können vollständig geimpfte Menschen an Corona und Long Covid erkranken – darauf deuten erste Zahlen aus Israel hin. Von 1.497 Geimpften erkrankten 39 Menschen an einer sogenannten Durchbruchsinfektion, der Verlauf war allerdings mild oder sogar asymptomatisch. Dennoch berichteten 19 Prozent von ihnen, dass sie sechs Wochen nach der Infektion weiterhin Symptome hatten. Aufgrund der geringen Fallzahl lassen sich jedoch noch keine zuverlässigen Rückschlüsse auf die Gesamtbevölkerung ziehen.

Eine Tabelle zum weltweiten Impfstand finden Sie hier.

 
Bestellen Sie den Newsletter

Haben Sie eine Frage?

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Beratender Experte
Herr Dr. Jan Leidel

Mikrobiologie u. Infektionsmedizin in Köln

Artikel zum Thema
UG| Natürlicher Virenschutz: Für Schutz von Hals und Stimme sorgen

Im Schutz gegen Viren sind befeuchtete Schleimhäute entscheidend

mehr...
Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren

Zum Seitenanfang