Gefährliche Nebenwirkungen drohen

Ivermectin: Hilft das Wurmmittel gegen COVID-19?

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Ivermectin ist ein Arzneimittel, das herkömmlicherweise zur Behandlung parasitärer Erkrankungen wie einem Wurmbefall eingesetzt wird. Nun empfehlen einige Quellen im Internet das Medikament zur Behandlung einer COVID-19-Infektion: Hilft das angebliche Wundermittel oder ist es gefährlich?

Ivermectin: Wundermittel gegen COVID-19?
© Getty Images/RapidEye

Ivermectin hat sich bei Tier und Mensch zur Behandlung von verschiedenen Parasitenerkrankungen bewährt. Es wird vorwiegend zur Entwurmung eingesetzt und hilft dabei zuverlässig. Nun behaupten einige Stimmen, das Wurmmittel schütze auch vor Infektionen mit dem Coronavirus und könne zur Behandlung von COVID-19 eingesetzt werden: Stimmt das?

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Wie wirkt Ivermectin?

Ivermectin ist ein Wirkstoff der Gruppe der Avermectine, die zur Behandlung parasitärer Erkrankungen eingesetzt werden. Avermectine sind die Stoffwechselprodukte des Bodenpilzes Streptomyces avermitilis, sie werden für die Verwendung als Medikament noch weiter chemisch verändert. Ivermectin wirkt auf bestimmte Parasiten – nicht aber auf Menschen oder andere Wirbeltiere – neurotoxisch: Es lähmt sie und führt letztendlich zum Absterben.

Anwendungsgebiete: Wann wird Ivermectin eingesetzt?

Ivermectin wird zur Behandlung verschiedenster Parasitenerkrankungen eingesetzt. Besonders gut bewährt hat sich der Arzneistoff zur Therapie bei einem Fadenwurmbefall (Nematoden), weshalb es zu den Wurmmitteln (Anthelminthika) zählt. Auch bei Spulwürmern kommt Ivermectin zum Einsatz. Der Wirkstoff hilft allerdings nicht gegen Bandwürmer, sie sind gegen Ivermectin immun.

Darüber hinaus hilft Ivermectin bei Hautmaulwurf, einer durch die Larven eines Hakenwurms verursachte Tropenkrankheit, und bei Krätze (Skabies). Zudem zeigen Studien, dass der Einsatz von Ivermectin zur Behandlung von Kopf- und Filzläusen sinnvoll sein kann.

Als Creme wird Ivermectin bei der entzündlichen Hauterkrankung Rosacea angewendet, der genaue Wirkmechanismus ist hierbei noch nicht vollständig geklärt. Bei der Entstehung von Rosacea stehen allerdings auch Hautmilben im Verdacht, auf die das Arzneimittel wirken könnte.

Ivermectin zur Behandlung von COVID-19: Studien zeigen keine Wirkung

Die aktuelle Studienlage zu Ivermectin in der Behandlung von COVID-19 ist relativ dünn, auch wenn es schon zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 erste Laborstudien zur Wirkung von Ivermectin auf das SARS-CoV-2-Virus gab. Sie liefern Hinweise, dass das Medikament die Vermehrung des Virus hemmen könnte – allerdings nur in Zellkulturen.

Weitere Untersuchungen zeigen, dass die Einnahme von Ivermectin weder die Sterblichkeit von COVID-19-Patient*innen verringert, noch die Krankheitsdauer verkürzt oder die Wahrscheinlichkeit reduziert, künstlich beatmet zu werden. Zudem ist die notwendige Dosis, die die Virusvermehrung im Labor bewirkt hat, höher als die Dosen, die momentan zugelassen sind. Bei hoher Dosierung besteht die Gefahr schwerer Nebenwirkungen und Vergiftungen durch Ivermectin.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat bislang 14 Studien ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis, dass sich Ivermectin nicht zur Behandlung oder Prävention von Erkrankungen durch das Coronavirus eignet. Das Medikament ist deshalb in Deutschland nicht zur Behandlung von COVID-19 zugelassen.


Wie wird Ivermectin eingenommen?

Die Einnahme erfolgt in der Regel oral, kann aber auch durch eine Infusion verabreicht oder als Gel oder Salbe auf die Haut aufgetragen werden. Ivermectin wird einmalig eingenommen, die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht. Die Behandlung sollte auf nüchternen Magen erfolgen, die Tabletten können mit Wasser heruntergeschluckt werden. Für Kinder empfiehlt sich die Zerkleinerung der Tabletten. Um die Wirkung des Mittels nicht zu beeinträchtigen, ist bis zu zwei Stunden nach der Medikamenteneinnahme von der Nahrungsaufnahme abzusehen.

Zur Behandlung von Rosacea wird meist eine langfristige Anwendung empfohlen. Dabei wird Ivermectin als Salbe täglich auf die betroffenen Stellen aufgetragen.

Kontraindikationen: Wann Ivermectin nicht eingenommen werden darf

Bei einer Allergie gegen Bestandteile des Medikaments ist von der Behandlung mit Ivermectin abzuraten. Ivermectin wird im Fettgewebe und in der Leber eingelagert und nach und nach freigesetzt. Besondere Vorsicht ist deshalb bei Erkrankungen der Leber wie einer Leberzirrhose geboten.

In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Ivermectin nur im Notfall eingenommen werden. Bislang sind zu wenige Daten vorhanden, um eine Schädigung des ungeborenen oder neugeborenen Kindes ausschließen zu können. Das Medikament ist fettlöslich und kann über die Muttermilch vom Säugling aufgenommen werden.

Nebenwirkungen von Ivermectin

Ivermectin ist ein wirksames, aber nicht nebenwirkungsarmes Medikament. Bei richtiger Dosierung ist die Einnahme allerdings eher ungefährlich. In manchen Fällen werden die Nebenwirkungen auch durch das Absterben der Parasiten selbst ausgelöst, nicht aber durch den Wirkstoff. Die Nebenwirkungen unterscheiden sich deshalb je nach Befall. Bei Krätze kommt es meist zu einer Verschlimmerung des Juckreizes kurz nach der Einnahme.

Mögliche Nebenwirkungen sind:

Die Einnahme von Ivermectin kann die Leber schädigen, eine akute Leberentzündung kann die Folge sein. Anzeichen sind etwa eine Veränderung der Leberwerte wie Bilirubin und die Transaminasen GOT und GPT. Eine Leberschädigung verursacht anfangs meist keine Beschwerden, im Verlauf kann es dann beispielsweise zu einer Dunkelfärbung des Urins oder Gelbsucht (Ikterus) kommen. Bei schweren Nebenwirkungen, dem Verdacht auf eine Schädigung der Leber und allergischen Reaktionen ist sofort ärztliche Hilfe einzuholen.

Eine Überdosierung birgt die Gefahr einer Vergiftung und kann lebensbedrohlich werden. Deshalb ist die Einnahme von Ivermectin immer streng nach Packungsbeilage beziehungsweise ärztlicher Vorgabe einzuhalten.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Ob es zwischen Ivermectin und anderen Medikamenten zu Wechselwirkungen kommt, ist bislang wenig erforscht. Mögliche Wechselwirkungen werden mit verschiedenen Arzneimitteln vermutet, darunter Gerinnungshemmer, die zur Thromboseprophylaxe eingesetzt werden, wie Warfarin.

Da Ivermectin über die Leber abgebaut wird, ist zudem Vorsicht bei der gleichzeitigen Behandlung mit sogenannten CYP3A4-Inhibitoren geboten. Dazu gehören etwa Wirkstoffe wie:

  • Fluconazol (Antimykotikum)
  • Ketoconazol (Antimykotikum)
  • Citalopram (Antidepressivum)

Die Einnahme anderer Medikamente in Kombination mit Ivermectin sollte in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Zur Vorbeugung von Wechselwirkungen, weisen Sie den*die behandelnde*n Arzt*Ärztin auf alle Arzneistoffe hin, die aktuell eingenommen werden.

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