Bleibt oft lange unbemerkt

Chronische Niereninsuffizienz: Symptome, Stadien und Behandlung

Bei einer chronischen Niereninsuffizienz geht das Nierengewebe zugrunde und die Nieren büßen schrittweise ihre Leistungsfähigkeit ein. Diese Prozesse lassen sich nur stoppen oder rückgängig machen, wenn die Nierenschwäche rechtzeitig behandelt wird. Allerdings verspüren viele Nierenpatienten erst dann Symptome, wenn die Krankheit fortgeschritten ist. Meist setzen bestehende Erkrankungen den Nieren zu, zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck oder eine Arterienverkalkung. Setzen Ärzte hier mit der Therapie an, erholen sich die Nieren oft wieder.

Frau bei Laboruntersuchung
Die Menge der Eiweißausscheidung über den Urin weist auf das Stadium der chronischen Niereninsuffizienz hin.
(c) George Doyle

Bei einer chronischen Niereninsuffizienz verschlechtert sich die Nierenfunktion schleichend im Lauf von Monaten oder Jahren. Immer mehr funktionsfähiges Nierengewebe geht zugrunde und die Nieren bringen schließlich keine ausreichende Leistung mehr. Meist betrifft die Erkrankung gleich beide Nieren. Der Verlust der Nierenfunktion ist nur zu stoppen oder rückgängig zu machen, wenn Ärzte frühzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen.

Bei chronischer Niereninsuffizienz, die auch chronische Nierenschwäche oder chronisches Nierenversagen heißt, schafft es der Körper nicht mehr, Abfallprodukte des Stoffwechsels aus dem Blut zu fischen und mit dem Urin auszuscheiden. Die Substanzen sammeln sich im Blut an.

Anfangs verläuft die Nierenschwäche oft unbemerkt und die Patienten verspüren lange Zeit keine Beschwerden. Erst wenn die Nierenschwäche weiter fortgeschritten ist, zeigen sich Symptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Müdigkeit. Im schlimmsten Fall stellen die bohnenförmigen Entgiftungsorgane ihren Betrieb ganz ein.

Die Hauptursache der abnehmenden Nierenfunktion sind andere Krankheiten, zum Beispiel die Zuckerkrankheit Diabetes, Bluthochdruck, Gefäßkrankheiten, Nierenentzündungen und die Einnahme von Medikamenten, zum Beispiel Schmerzmittel.

Freunde und Feinde der kranken Niere

Chronische Niereninsuffizienz in fünf Stadien

Genaue Zahlen über die Häufigkeit der Erkrankung gibt es nicht. Ärzte schätzen aber, dass bei etwa 16.000 Menschen in Deutschland pro Jahr die Niere dauerhaft versagt. Die meisten Patienten sind 64 Jahre oder älter und leiden meist unter einer oder mehreren Grunderkrankungen. Im Endstadium der Erkrankung hilft nur noch eine Blutwäsche (Dialyse) oder eine Nierentransplantation. In Deutschland warten rund 8.000 Dialysepatienten auf eine neue Niere.

Die Behandlung der chronischen Nierenschwäche hängt davon ab, wie weit die Nierenkrankheit schon fortgeschritten ist. Ärzte teilen die Krankheit in fünf Stadien (siehe unten) ein, deren wichtigster Parameter die sogenannte Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) ist. Sie besagt, wie groß das gefilterte Flüssigkeitsvolumen ist und wie gut die Nieren noch funktionieren.

Symptome: Daran erkennen Sie eine chronische Niereninsuffizienz

Anfangs haben die betroffenen Patienten keine Beschwerden. Sie bemerken die gefährliche Krankheit und den Untergang des Nierengewebes nicht, weil die Nierenfunktion zunächst nur leicht eingeschränkt ist.

Erste Anzeichen für eine chronische Nierenschwäche sind:

  • verstärkte Urinausscheidung (Polyurie)
  • heller, wenig gefärbter (weil wenig konzentrierter) Urin
  • nächtlicher Harndrang (Nykturie)
  • vermehrter Durst
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Wassereinlagerungen (Ödeme), vor allem in den Beinen und Augenlidern
Zehn Warnsignale im Urin

Schreitet die die Krankheit fort, zieht sie den gesamten Körper mit allen Organfunktionen in Mitleidenschaft. Sie schlägt sich dann auf das Herz und den Kreislauf, das Nerven- und Hormonsystem, den Magen-Darm-Trakt, die Blutbildung sowie die Knochen, Muskeln und Gelenke nieder. Das Endstadium der chronischen Niereninsuffizienz bezeichnen Ärzte auch als Harnvergiftung oder urämisches Syndrom. Dieses ist lebensgefährlich.

Folgende Symptome deuten auf eine fortgeschrittene Erkrankung hin:

  • Blutarmut (Anämie) mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit, blasser Haut, Konzentrationsschwäche und Leistungseinbußen
  • Bluthochdruck, der nicht mehr auf gesunde Werte einzustellen ist
  • sinkende Urinmenge
  • schäumender Urin, weil Patienten erhöhte Mengen an Eiweißen ausscheiden
  • (manchmal) roter Urin, weil sich Blut im Urin befindet
  • Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit
  • Durchfall
  • Juckreiz und Brennen in den Beinen
  • Muskel- und Knochenschmerzen
  • geschwächtes Immunsystem mit häufigen Infektionen
  • erhebliche Atemnot
  • unregelmäßiger Herzschlag
  • Benommenheit, Schläfrigkeit
  • Krämpfe, Koma
Hilfe bei häufigem und nächtlichem Harndrang

Ursachen für chronische Niereninsuffizienz sind oft andere Krankheiten

Mediziner kennen einige Krankheiten und Medikamente, die im Zusammenhang mit der Entwicklung der chronischen Niereninsuffizienz stehen.

Diabetes: Zucker schädigt die Nierengefäße

Diabetes mellitus ist eine sehr häufige Ursache der chronischen Nierenschwäche. Ärzte schätzen, dass rund 40 Prozent aller Fälle von chronischer Niereninsuffizienz auf das Konto der Zuckerkrankheit gehen. Eine Spätfolge der Zuckerkrankheit ist die sogenannte diabetische Nephropathie. Dabei nehmen die Wände der kleinsten Blutgefäße Schaden: Sie "verzuckern", verdicken sich und verlieren ihre Elastizität. In der Folge ist der Blutfluss eingeschränkt und die Nieren werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die Ursache der diabetischen Nephropathie ist ein schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel, bei dem die Blutzuckerwerte langfristig erhöht sind. Entscheidend für Diabetiker ist es also, ihren Blutzucker regelmäßig zu kontrollieren und dauerhaft gut einzustellen.

Glomerulonephritis: Entzündung der Nierenkörperchen

Die Glomerulonephritis ist eine entzündliche Erkrankung der Nierenkörperchen. Diese kleinen Gefäßknäuel – die Glomeruli – filtern Salze, Schadstoffe, Stoffwechselprodukte und Wasser aus dem Blut. Die Nierenkörperchen können sich entzünden, zum Beispiel durch Schadstoffe im Blut. Meistens betrifft die Glomerulonephritis beide Nieren. Ärzte unterscheiden bei der Glomerulonephritis die viel häufigere primäre Form, bei der in der Regel das Immunsystem die Nierenkörperchen angreift, und eine sekundäre Form – hier sind andere Krankheiten außerhalb der Niere die Verursacher, zum Beispiel Infektionen mit Streptokokken. Auch Medikamente kommen als Verursacher der sekundären Glomerulonephritis in Frage.

Interstitielle Nephritis: Medikamente als Auslöser

Bei der interstitiellen Nephritis sind die kleinen Nierenkanälchen und das Bindegewebe der Nieren (interstitielle Räume) entzündet. Die häufigsten Ursachen der interstitiellen Nephritis sind Medikamente wie Antibiotika (gegen Bakterien), Protonenpumpenhemmer (drosseln die Magensäureproduktion), Zytostatika gegen Krebs oder nicht-steroidale Antirheumatika (oft bei Rheuma). Das Immunsystem reagiert überschießend auf die Wirkstoffe, es kommt also zu einer allergischen Reaktion. Seltener sind Infektionen mit Viren oder Bakterien der Grund für die interstitielle Nephritis. Ohne Behandlung kann die Nierenkrankheit in einer chronischen Niereninsuffizienz münden.

Zystennieren – flüssigkeitsgefüllte Hohlräume in den Nieren

Zystennieren zählen zu den erblich bedingten Nierenerkrankungen. Betroffene besitzen von Geburt an Nieren, die mit vielen flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen (Zysten) durchsetzt sind. Diese Zysten schränken die Nierenfunktion von Beginn an erheblich ein. In Deutschland sind rund 100.000 Menschen von Zystennieren betroffen, Männer und Frauen etwa gleich häufig. Wer Zystennieren hat, vererbt sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an die Nachkommen. Bekannt ist, dass auf dem "Chromosom 16" genetische Veränderungen vorliegen, und diese Mutationen führen zur Zystenbildung. Die meisten Patienten erleiden noch vor dem 60. Lebensjahr ein chronisches Nierenversagen und brauchen eine Dialyse oder Nierentransplantation.

Bluthochdruck schädigt die Nierengefäße

  • zum Download der Blutdrucktabelle

    Sie möchten Ihren Blutdruck regelmäßig dokumentieren? Eine Blutdrucktabelle hilft Ihnen und Ihrem Arzt, gefährliche Schwankungen und Spitzen festzustellen.

Ein dauerhaft erhöhter Bluthochdruck (Hypertonie) schädigt die Nierenkörperchen und schmälert die Nierenfunktion. Umgekehrt sorgt die nachlassende Nierenfunktion dafür, dass der Blutdruck steigt. Der Grund: Der Körper produziert vermehrt blutdrucksteigernde Hormone und lagert Wasser ins Gewebe ein (Ödeme). Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit, die in Deutschland fast jeden Zweiten betrifft, aber oft unbemerkt bleibt. Ein unbehandelter Bluthochdruck schädigt alle Gefäße, auch die der Nieren. Messen Sie also öfters Ihren Blutdruck und lassen Sie bestehenden Bluthochdruck ausreichend behandeln. Hilfreich sind blutdrucksenkende Medikamente, aber auch ein gesundes Gewicht, eine salzarme Ernährung und Bewegung.

Manche Medikamente setzen den Nieren zu

Normalerweise filtern die Nieren Medikamente und deren Abbauprodukte aus dem Blut und sorgen dafür, dass Giftstoffe ausgeschieden werden. Einige Arzneien besitzen jedoch nierenschädigende Wirkung. Dazu gehören Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac, manche Antibiotika, bestimmte Krebsmedikamente und jodhaltige Kontrastmittel, die bei verschiedenen Röntgenuntersuchungen eingesetzt werden. Achten Sie auf Ihren Medikamentenkonsum – auch wenn die Arzneien frei verkäuflich sind wie rezeptfreie Schmerzmittel.

Diese gefährlichen Wechselwirkungen sollten Sie kennen

Gefäßerkrankungen – Ablagerungen sorgen für Engpässe

Gefäßerkrankungen werden vor allem durch die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) verursacht. Sie ist eigentlich ein normaler Alterungsprozess, aber es gibt Risikofaktoren, welche die Arteriosklerose beschleunigen. Beispiele sind Übergewicht, hohe Blutfettwerte, Bluthochdruck, Bewegungsmangel oder Rauchen. Aufgrund der Ablagerungen (Plaques) büßen die Gefäße, welche die Nieren versorgen, ihre Elastizität ein und sie verengen sich. So wird der Blutfluss gedrosselt, auch zu den Nieren. Die Filterorgane werden schlechter durchblutet, mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und schließlich stirbt Nierengewebe ab.

Seltene Ursachen für chronische Niereninsuffizienz

  • Prostatavergrößerung oder Steine in Harnleiter, Blase oder Harnröhre, welche den Abfluss des Urins behindern

  • Tumorerkrankungen der Niere, zum Beispiel Nierenzellkrebs

  • Amyloidose: Dabei lagern sich Eiweiße in den Nieren und anderen Organen ab und behindern den Stoffaustausch; die Niere verliert ihre Funktion.

  • Erbliche Faktoren (Gene): Personen, bei denen in der Familie eine Nierenkrankheit vorkommt, erkranken häufiger an chronischer Niereninsuffizienz.

  • Übergewicht und Rauchen scheinen das Risiko für die Nierenkrankheit zu erhöhen.

Trotz dieser Vielzahl an mögliche Ursachen der chronischen Niereninsuffizienz gelingt es Ärzten manchmal nicht, einen Auslöser der Nierenerkrankung auszumachen.

So diagnostiziert der Arzt eine chronische Niereninsuffizienz

Ärzte weisen die Erkrankung anhand verschiedener Verfahren nach. Beispiele sind die Urinuntersuchung, Blutuntersuchung und im Zweifelsfall eine Gewebeentnahme (Biopsie) aus der Niere. Die chronische Niereninsuffizienz lässt sich oft wieder bessern, wenn Ärzte sie rechtzeitig erkennen und behandeln. Sie muss also nicht zwangsläufig in die Dialyse oder eine Nierentransplantation münden.

Wichtig ist immer zuerst das Gespräch zwischen Arzt und Patient, bei dem er Ihre Beschwerden und Krankengeschichte erfragt. Interessant sind zum Beispiel folgende Fragen:

  • Welche Beschwerden haben Sie genau und seit wann bestehen diese?
  • Sind bei Ihnen Nierenkrankheiten bekannt?
  • Leiden Sie unter anderen Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder einer Nierenentzündung?
  • Nehmen Sie Medikamente ein, zum Beispiel Antibiotika oder Schmerzmittel?
  • Gibt es Nierenerkrankungen in Ihrer Familie?
  • Ihr Lebensstil: Rauchen Sie und wie ernähren Sie sich?

Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung klopft der Arzt die Nierengegend ab. Außerdem überprüft er die Haut auf Wasseransammlungen (Ödeme). Wichtig ist auch eine Blutdruckmessung, manchmal auch über 24 Stunden, um einem eventuellen Bluthochdruck auf die Spur zu kommen.

Eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Nieren und Harnblase zeigt, wie groß die Nieren sind und in welchem Zustand sie sich befinden. Mittels Ultraschall lassen sich zum Beispiel Zysten oder Nierentumore aufdecken. Kleine Nieren deuten darauf hin, dass die Nierenschwäche schon länger besteht.

Urinuntersuchung: Das liest der Arzt im Urin

  • zum Lexikon

    Was wird beim Bluttest untersucht und was bedeuten die Abkürzungen und die Werte genau? Das Lifeline-Lexikon über Labor- und Blutwerte gibt Auskunft über die wichtigsten Parameter

Ein Schnelltest, bei dem Ärzte die Eiweißmenge (vor allem Albumin) und die Blutzellen im Urin bestimmen, liefert dem Arzt erste Hinweise auf eine Niereninsuffizienz. Ist der Test positiv, analysieren Laborärzte den Urin, der über 24 Stunden gesammelt wird.

  • Eiweiß im Urin: Bei funktionierenden Nieren befindet sich kaum Eiweiß im Urin. Erhöhte Eiweißmengen deuten auf eine Nierenschwäche hin, sie sind also ist immer ein Alarmsignal.

  • Glomeruläre Filtrationsrate (GFR): Sie ist ein Maß für die Filterleistung der Niere. Aus diesem Wert lässt sich ableiten, wie gut die Entgiftung über die Niere noch funktioniert.

  • Blut im Urin: Nachweisbar sind rote Blutkörperchen, die entweder direkt aus der Niere oder den ableitenden Harnwegen stammen.

  • Urinsediment: Der Urin wird zentrifugiert und aus dem zurückbleibenden Bodensatz die roten und weißen Blutkörperchen und Bakterien bestimmt. Die Form der roten Blutkörperchen lässt Rückschlüsse auf den Herkunftsort zu, zum Beispiel die Niere oder die ableitenden Harnwege.

Blutuntersuchung: Wie gut arbeiten die Nieren?

Aus einer Blutprobe bestimmen Ärzte die Konzentrationen von Kreatinin und Harnstoff. Bei einer chronischen Niereninsuffizienz reichern sich beide Substanzen im Blut an. Je mehr davon im Blut zu finden sind, desto schwächer ist die Nierenfunktion. Allerdings steigt der Kreatininwert erst an, wenn die Niere mehr als 50 Prozent ihrer Funktion eingebüßt hat.

Mehr Aussagekraft besitzt die sogenannte Kreatinin-Clearance. Sie zeigt, wie schnell die Nieren Kreatinin aus dem Blut herausfiltern, und damit, wie gut die Organe noch arbeiten. Eine chronische Niereninsuffizienz äußert sich in einer verringerten Kreatinin-Clearance. Dieser Wert hilft auch bei der Stadieneinteilung der chronischen Niereninsuffizienz, denn der Arzt berechnet die Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) oft aus dem Kreatinin-Wert im Blut.

Zudem ermitteln Ärzte die Anzahl der weißen Blutkörperchen, Entzündungswerte wie das C-reaktive Protein, Leberwerte und Fettwerte im Blut.

Bestehen jetzt noch Unklarheiten, entnehmen Ärzte eine Gewebeprobe aus der Niere (Nierenbiopsie). Dies kann zum Beispiel bei auffälligem Urinsediment der Fall sein.

Fünf Stadien bei chronischer Niereninsuffizienz

Ärzte teilen die Erkrankung in fünf Stadien ein. Die Grundlage sind die sogenannten KDIGO-Leitlinien (KDIGO = Kidney Disease: Improving Global Outcomes). Der wichtigste Wert für die Stadieneinteilung ist die Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) – das gefilterte Flüssigkeitsvolumen. Die GFR zeigt, wie gut die Filterleistung der Nieren ist.

  • Stadium 1: GFR über 90, die Nierenfunktion ist normal, die Blutwerte für harnpflichtige Substanzen (Kreatinin, Harnstoff) liegen im Normalbereich, eventuell scheiden die Nieren vermehrt Eiweiße über den Urin aus (Proteinurie), weitere Untersuchungen folgen, um einer Verschlechterung der Nierenfunktion vorzubeugen

  • Stadium 2: GFR 60 bis 89, die Nieren scheinen weiterhin normal zu funktionieren, aber genauere Untersuchungen zeigen die eingeschränkte Leistungsfähigkeit, die Blutuntersuchung liefert nicht immer Hinweise auf die Nierenschwäche

  • Stadium 3: GFR 30 bis 59, Ärzte finden im Blut auffällige Werte an Kreatinin und Harnstoff; Patienten verspüren erste Symptome der Nierenschwäche wie Bluthochdruck, Leistungsminderung, Müdigkeit; das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt; Ärzte müssen die Dosis an Medikamenten reduzieren, die über die Nieren ausgeschieden werden, um Nebenwirkungen zu verhindern

  • Stadium 4: GFR 15 bis 29, die Nierenfunktion ist jetzt soweit eingeschränkt, dass dies der gesamte Körper zu spüren bekommt; die Beschwerden nehmen zu: Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Erbrechen, Übelkeit, Juckreiz, Knochenschmerzen, Wassereinlagerungen (Ödeme)

  • Stadium 5: GFR unter 15, es droht ein endgültiges Nierenversagen: Blutwäsche (Dialyse) ist unabdingbar, auch eine Nierentransplantation kommt nun in Betracht

Allgemein gilt: Patienten mit bestimmten Grunderkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck sollten ihre Nierenfunktion mindestens einmal pro Jahr überprüfen lassen.

Chronische Niereninsuffizienz: So lässt sich die Krankheit bremsen

Ziel der Therapie ist es, den fortschreitenden Verlust der Nierenfunktion aufzuhalten und ein endgültiges Nierenversagen zu verhindern. Ärzte behandeln immer die Grunderkrankung und die jeweiligen Beschwerden, also zum Beispiel die Zuckerkrankheit oder den Bluthochdruck. Je früher die Therapie beginnt, desto besser stehen die Chancen, dass sich die Nierenschwäche teilweise oder ganz rückgängig machen lässt.

Ein Bluthochdruck lässt sich mit Medikamenten gut senken. Wichtig ist, dass die eingenommenen Blutdrucksenker die Nieren schützen und nicht noch weiter belasten. Ärzte setzen Wirkstoffe aus der Gruppe der ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Agonisten ein. Eine Alternative oder Ergänzung sind AT1-Rezeptorblocker.

Diabetiker sollten grundsätzlich gut auf ihre Blutzuckerwerte achten. Der Blutzucker muss langfristig mit Medikamenten gut eingestellt sein. Auch der Lebensstil hilft, den Blutzuckerspiegel gut einzustellen. Treiben Sie am besten Sport und ernähren Sie sich gesund und ausgewogen.

Eiweißarm essen hilft den Nieren

In der frühen Phase der Niereninsuffizienz hilft eine eiweißarme Ernährung, dass sich die Nierenfunktion nicht weiter verschlechtert. Zudem lindert sie Symptome wie Brechreiz, Übelkeit und Erbrechen. Patienten sollten pro Tag nicht mehr als etwa 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Auch eine vegetarische Kost oder eine Ernährungsweise, die auf Milchprodukte und pflanzliche Lebensmittel ausgerichtet ist, kann hilfreich sein. Lassen Sie sich am besten von einem Ernährungsspezialisten (Oecothrophologen) beraten, welche Lebensmittel für Sie sinnvoll sind.

Ernährungsregeln: So essen Sie sich gesund und fit

Weitere Behandlungen bei chronischer Niereninsuffizienz

Je nach Ursache kommen weitere Behandlungen zum Einsatz, beispielsweise:

  • entzündungshemmende Medikamente bei Glomerulonephritis, zum Beispiel Kortison
  • Impfungen als Schutz vor Infektionen mit Viren und Bakterien
  • Erythropoietin (EPO) gegen Blutarmut
  • Medikamente gegen erhöhte Blutfettwerte, zum Beispiel Statine gegen Arteriosklerose
  • Diuretika, welche die Salz- und Wasserausscheidung erhöhen
  • phosphatarme Ernährung oder Arzneien, die Phosphat binden
  • Vitamin D, das den Kaliumspiegel reguliert

Blutwäsche (Dialyse) und Nierentransplantation

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Patienten, die eine chronische Niereninsuffizienz im Endstadium haben, hilft eine Blutwäsche (Dialyse). Dabei übernimmt eine Apparatur die Entgiftungsfunktion der Niere. Es gibt zwei Verfahren der Blutwäsche: die Hämodialyse, die Patienten in einer Klinik durchführen lassen, und die Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse), die auch zu Hause möglich ist und größere Freiräume gewährt.

Manchmal kommt nur noch eine Nierentransplantation in Frage. Allerdings ist die Organspendebereitschaft in Deutschland seit Jahren rückläufig. Derzeit warten etwa 8.000 Menschen auf der Warteliste auf eine neue Niere. Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch eine Lebendspende der Niere möglich. Schlagzeilen machte vor einigen Jahren der SPD-Politiker und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der seiner Frau eine Niere spendete.

Chronischer Niereninsuffizienz vorbeugen

Vorbeugen können Sie, indem Sie an den Ursachen ansetzen. So sind einige Faktoren bekannt, welche das Risiko für Bluthochdruck, die Zuckerkrankheit Diabetes und Arteriosklerose erhöhen.

  • Achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten; greifen Sie besser zu pflanzlichen statt zu tierischen Fetten, mehr Fisch als Fleisch, und bevorzugen Sie kalorienarme Getränke wie Wasser oder ungesüßten Tee; trinken Sie ausreichende Mengen: empfohlen sind 1,5 bis zwei Liter pro Tag.

  • Ernähren Sie sich möglichst salzarm, denn Salz gilt als Blutdrucktreiber.

  • Bewegen Sie sich möglichst viel, statt auf der Couch zu sitzen: Gut sind Ausdauersportarten wie Wandern, Schwimmen oder Radfahren; auch Krafttraining im Fitnessstudio ist in Maßen empfehlenswert.

  • Rauchen Sie besser nicht, denn das Qualmen ist ein wichtiger Risikofaktor für Arteriosklerose. Wenn Sie Raucher sind – versuchen Sie, das Laster loszuwerden.

  • Lassen Sie Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte und zu hohe Blutfette ausreichend mit Medikamenten behandeln, kontrollieren Sie diese Werte regelmäßig.

  • Schmerzmittel setzen Sie am besten sparsam ein; das Gleiche gilt für Antibiotika, die ebenfalls die Nieren schädigen können.

  • Wenn Sie Risikofaktoren einer chronischen Niereninsuffizienz aufweisen, lassen Sie Ihre Nierenfunktion regelmäßig von einem Arzt überprüfen, er kann Leistungseinbußen früher aufdecken.

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