Kalziumkristalle in der Sehne

Kalkschulter: Symptome, Hausmittel und besser Ruhe oder Bewegung?

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Die Kalkschulter kann erhebliche Schmerzen verursachen. Dabei lagern sich Kalziumkristalle an einer Sehne der Schulter ab, sie "verkalkt". Frauen entwickeln häufiger eine Tendinosis calcarea als Männer. Eine Kalkschulter heilt in vielen Fällen innerhalb einiger Wochen von selbst aus – diese Maßnahmen unterstützen dabei.

Frau hat Schmerzen in der Schulter
© Getty Images/Anupong Thongchan/EyeEm

Bei einer Kalkschulter (Tendinosis calcarea) lagern sich feinste Kalziumkristalle ("Kalk") im Ansatzbereich einer Schultersehne ab. Die Kristalle verursachen mitunter erhebliche Schmerzen. Sie sind meist zu spüren, wenn Betroffene den Arm heben, Wurfbewegungen ausführen oder mit dem Arm über dem Kopf arbeiten. Nicht immer muss eine Tendinosis calcarea behandelt werden – der Körper kann die Kalkablagerungen oft selbst auflösen.

Artikelinhalte im Überblick:

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Wo entsteht eine Kalkschulter?

Die Kalkschulter betrifft meist die Sehnen der Rotatorenmanschette. Diese umfasst vier Muskeln, die das Schultergelenk stabilisieren und den Gelenkkopf in der Gelenkpfanne halten, aber auch für dessen Beweglichkeit sorgen. Die Sehnen dieser vier Muskeln setzen alle am Oberarmkopf an. Besonders oft betroffen ist die Sehne des Musculus supraspinatus, die Supraspinatussehne genannt wird.

Genaue Zahlen zur Häufigkeit der Tendinosis calcarea gibt es nicht. Frauen leiden öfter als Männer unter der Krankheit, die Gründe dafür sind unklar. Meist tritt die Kalkschulter zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr erstmalig auf. Sie entwickelt sich langsam und bleibt oft lange unbemerkt. Erst später verursacht sie Schmerzen, die sich bei Bewegung verstärken. Zudem kommt es als Folge zu Bewegungseinschränkungen der Arme und Schulter. Auch Entzündungen im Schultergelenk können hinzukommen. Eine entzündete Kalkschulter nennen Fachleute Tendinitis calcarea.

Grafische Darstellung Schultergelenk
© bilderzwerg/Fotolia

Ursachen für eine Kalkschulter

Eine Kalkschulter entwickelt sich über einen längeren Zeitraum. Als wichtigste Ursache wird eine verminderte Durchblutung der Rotatorenmanschette vermutet, wodurch sich dort Kalk ablagert. Auch Stoffwechselstörungen in der Schulter aufgrund von Alterungsprozessen und Abnutzungserscheinungen sind weitere Ursachen. Zudem begünstigen Verletzungen der Schulter beim Sport, durch Unfälle, Stürze oder Sehnenrisse die Entstehung einer Kalkschulter. Eine zu große Belastung der Schulter bei schwerer Arbeit begünstigt ebenfalls die Ablagerung von Kalk.

Man unterscheidet vier Phasen der Entwicklung einer Kalkschulter:

  1. Zellumwandlung: Die Minderdurchblutung in der Schulter führt dazu, dass sich das Sehnengewebe zunächst in Bindegewebe (Faserknorpel) umbildet. Dieser Prozess ist meist schmerzarm oder schmerzlos.

  2. Kalkeinlagerung: Dann lagert sich Kalk in das Knorpelgewebe ein, das teilweise abstirbt. Dieser Prozess ist im Ultraschall und auf einer Röntgenaufnahme erkennbar. Die Sehne verdickt sich, wenn sich größere Kalkmengen ansammeln. Hebt man den Arm an, wird sie zwischen dem Schultergelenk und Schulterdach eingeklemmt, was Schmerzen verursacht. Der Kalkherd drückt zudem auf den Schleimbeutel und die benachbarten Sehnen der Rotatorenmanschette. Die Schulter wird schmerzhaft gereizt, was ein sogenanntes Schulter-Impingement oder Impingement-Syndrom ist.

  3. Resorption: Grundsätzlich ist der Körper in der Lage, die Kalkansammlung wieder aufzulösen. Diese Phase ist oft mit besonders großen Schmerzen verbunden. Das Immunsystem aktiviert bestimmte Immunzellen, die Makrophagen oder Fresszellen. Diese versuchen, die eingelagerten Kristalle zu beseitigen. Manchmal wird Kalk in die angrenzenden Schleimbeutel verschleppt und diese entzünden sich (Bursitis). Das kann äußerst schmerzhaft sein und Patient*innen haben erhebliche Schwierigkeiten, den Arm zu bewegen.

  4. Reparatur: Ist der Kalkherd komplett beseitigt, entsteht Narbengewebe, welches die verletzte Sehne auffüllt und somit repariert. Verdickt sich die Sehne zu stark, haben Betroffene möglicherweise weiterhin Probleme. Ansonsten ist die betroffene Sehne meist wieder so beweglich wie zuvor. Rückfälle – also erneute Kalkeinlagerungen – sind selten.

Nicht jede*r Patient*in mit Kalkschulter durchläuft diese vier Stadien, die Erkrankung kann in jeder Phase "stecken bleiben". Akute Schmerzen treten wegen des phasenartigen Verlaufs meist schubartig auf.

Symptome der Kalkschulter: Typische Beschwerden

Die Symptome bei einer Kalkschulter können individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Sie hängen vom Stadium der Erkrankung sowie von der Größe und Lage der Ablagerungen ab.

Mögliche Beschwerden:

  • Schmerzen, wenn man auf der betroffenen Schulter liegt

  • Schmerzen bei Belastung der Schulter

  • Stechende Schulterschmerzen, die plötzlich einsetzen und nicht auf einen Unfall zurückzuführen sind

  • Schmerzen in der Schulter bei Überkopfarbeiten

  • Die Beweglichkeit des Arms ist erheblich eingeschränkt oder der Arm ist plötzlich bewegungsunfähig (Pseudoparalyse)

  • Schleimbeutelentzündung: starke Schmerzen, Überwärmung und Rötung im Bereich des Schultergelenks

  • Nackenschmerzen und Verspannungen, weil man die Schulter wegen der Schmerzen schont oder umständliche Bewegungen mit dem Schulterblatt ausführt.


Diagnose bei Verdacht auf eine Kalkschulter

Wer entsprechende Symptome in der Schulter bemerkt, sollte eine orthopädische Praxis aufsuchen. Im Anamnese-Gespräch werden vorliegende Beschwerden und die individuelle Krankengeschichte abgefragt:

  • Seit wann bestehen die Beschwerden in der Schulter?
  • Wie stark sind die Schmerzen ausgeprägt?
  • In welchen Situationen treten die Schmerzen auf?
  • Bei welchen Bewegungen haben Sie Schwierigkeiten mit der Schulter, etwa wenn Sie mit den Armen über dem Kopf arbeiten?
  • Hatten Sie kürzlich einen Unfall, bei dem Sie sich die Schulter verletzt haben, zum Beispiel beim Sport?
  • Üben Sie eine Sportart aus, welche die Schulter extrem belastet?

Bei der körperlichen Untersuchung wird die*der Ärztin*Arzt durch Abtasten des Gelenks und Funktionstests der betroffenen Schulter anschließend feststellen, wie weit die Bewegung eingeschränkt ist, wie stabil das Gelenk ist und wo genau die Schmerzen auftreten. Dabei müssen auch andere Erkrankungen, zum Beispiel im Bereich des Nackens und der Halswirbelsäule ausgeschlossen werden. Diese können, ebenso wie Herzprobleme, in den Schulterbereich ausstrahlen.

Zur Diagnose einer Kalkschulter werden zudem bildgebende Verfahren eingesetzt, meist Ultraschall und eine Röntgenuntersuchung. Damit können auch mögliche andere Defekte im Schultergelenk, beispielsweise eine Schulterarthrose oder Sehnenentzündungen ausgeschlossen werden. Die erste Phase der Kalkschulter-Entwicklung ist noch nicht erkennbar, deshalb bleibt die Kalkschulter oft lange unbemerkt.

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Möglichkeiten zur Behandlung der Kalkschulter

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Therapie bei einer Kalkschulter. Oft beseitigt der Körper die Kalkansammlungen selbst und die Krankheit heilt aus. Den Heilungsprozess unterstützen können konservative Maßnahmen, also eine Behandlung ohne Operation. Sie gelten als wichtigste Therapiemaßnahmen bei Tendinosis calcarea und sollten über mindestens sechs Monate durchgeführt werden, je nach Schweregrad der Symptome. Bei größeren Kalkdepots und ausgeprägten Beschwerden kann eine Operation sinnvoll sein.

  • Bandage zur Ruhigstellung (Schulterorthese): Eine Kalkschulter kann erhebliche Schmerzen verursachen. Das gilt vor allem, wenn beim Kalkabbau Teile der Kristalle in den Schleimbeutel verschleppt werden und sich eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis) entwickelt. Linderung bringt eine Bandage, die sogenannte Schulterorthese. Sie stellt den Arm ruhig und entlastet ihn, bis die Entzündung abgeheilt und die Schmerzen abgeklungen sind.

  • Medikamente: Gegen die Schmerzen bei einer Tendinosis calcarea helfen Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente. Dazu zählen unter anderem nicht-steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, Diclofenac oder Acetylsalicylsäure (ASS). Die Schmerzen lassen sich auch lindern, wenn das Betäubungs- oder Schmerzmittel direkt in die Rotatorenmanschette der schmerzenden Schulter injiziert wird. Daneben kann Kortison die Entzündungsreaktion wirksam eindämmen.

  • Kältebehandlung (Kryotherapie): Die physikalische Therapie lindert Schmerzen und Entzündungen bei einer Kalkschulter ebenfalls wirksam. Eingesetzt wird meist moderate Kälte, zum Beispiel in Form von kalten Umschlägen oder Wickeln. Auch Coolpacks oder kaltes Wasser aus dem Kühlschrank sind geeignet. Eispacks aus der Gefriertruhe empfinden einige Menschen als unangenehm und schmerzverstärkend. Das Kühlen drosselt die Durchblutung im betroffenen Körpergebiet, weil sich die Blutgefäße zusammenziehen. Es bremst Entzündungs- und Stoffwechselprozesse, vermindert bei längerer Einwirkung die Muskelspannung und lässt Schmerzen abklingen.

  • Physiotherapie (Krankengymnastik): Physiotherapeut*innen versuchen, die Schulter durch bestimmte Techniken wie aktives und passives Bewegen sowie Übungen wieder mobiler zu machen. Denn die Schulterkapsel kann schrumpfen und das Schultergelenk versteifen. Ziel der Physiotherapie ist es, die Beweglichkeit der Schulter wieder herzustellen. Gut wirksam sind Übungen zur Dehnung, die Betroffene in der Physiotherapie erlernen und zu Hause selbstständig durchführen können.

  • Stoßwellentherapie: Bei der extrakorporalen Stoßwellen-Therapie (ESWT) erzeugt ein spezielles Gerät außerhalb des Körpers energiereiche, mechanische Druckwellen. Die Kalkansammlungen werden gezielt mit den Stoßwellen beschossen und zerkleinert. Zudem sollen die Stoßwellen die Durchblutung ankurbeln und den Heilungsprozess in Gang setzen. Wie oft Ärzte*Ärztinnen die Stoßwellentherapie wiederholen müssen, hängt vom Ausmaß und der Lage der Verkalkungen ab.

Operation bei Kalkschulter

Bei einer Operation der Kalkschulter sind Fachleute sehr zurückhaltend. In schweren Fällen ist sie manchmal jedoch unumgänglich. Dafür müssen Nutzen und Risiken eines operativen Eingriffs gut gegeneinander abgewogen werden. Eine Kalkschulter-OP kommt eventuell infrage, wenn:

  • alle konservativen Maßnahmen über sechs Monate keine entscheidende Verbesserung erbracht haben,

  • Betroffene dauerhaft starke Schmerzen haben,

  • die Kalkansammlung mehr als einen Zentimeter beträgt,

  • das Kalkdepot eine sehr harte Zusammensetzung aufweist, sich also nicht von selbst oder durch andere Maßnahmen auflösen lässt.

Die Kalkansammlungen in der Schulter werden mittels Gelenkspiegelung (Arthroskopie) entfernt. Weil der Eingriff an der Schulter stattfindet, heißt sie auch Schulterspiegelung oder Schulterarthroskopie. Diese Technik kommt ohne große Schnitte aus, sie zählt zur Schlüssellochchirurgie (minimal-invasive Techniken). Über winzige Hautschnitte führt der*die Chirurg*in ein Arthroskop ein und schiebt es zum betroffenen Gelenk vor. Dabei handelt es sich um ein dünnes, biegsames Instrument, an dem sich eine Lichtquelle und eine Videokamera befinden. Die Schulterarthroskopie wird meist unter Vollnarkose, manchmal auch unter örtlicher Betäubung durchgeführt.

Nadel-Lavage (Needling)

Bei der sogenannte Nadel-Lavage, die unter Ultraschallkontrolle durchgeführt wird, schiebt die*der Ärztin*Arzt eine feine Nadel durch die Haut zu den Kalkherden vor. Die Kalkablagerungen werden mechanisch gelockert und über eine Kanüle abgesaugt. Die Methode wird unter lokaler Betäubung in spezialisierten Zentren durchgeführt. Beim früher häufig eingesetzten Needling wurden die Kalkherde lediglich durchlöchert, zerkleinert und so die Selbstauflösung in Gang gesetzt. Bei der Nadel-Lavage werden die Kalkansammlungen im besten Fall komplett entfernt, sie befinden sich dann in der Absaugvorrichtung.

Übungen bei Schulterschmerzen – ganz nebenbei

Liebscher & Bracht / YouTube

Verlauf und Heilungschancen

Eine Kalkschulter heilt bei vielen Menschen nach einiger Zeit von selbst aus. Die Heilungsaussichten sind in der Regel sehr gut und die Schulter lässt sich ohne Schmerzen wieder bewegen wie zuvor. Nur selten ist eine Operation notwendig. Die gesamte Schulter sollte für einige Wochen geschont, aber durch Physiotherapie beweglich gehalten werden. Bei Patient*innen, bei denen die Verkalkung extrem verhärtet war, bleibt die betroffene Schultersehne manchmal geschwächt.

In den meisten Fällen ist die Kalkschulter ein einmaliges Ereignis. Sind die Kalkkristalle auf natürlichem Weg abgebaut oder per Operation entfernt, kehrt die Krankheit nicht wieder. Eine hartnäckige oder nicht behandelte Kalkablagerung im Schultergelenk kann jedoch zur dauernden Reizung und Entzündung der Sehne führen und das Risiko für eine Schultergelenksarthrose erhöhen.

Kann man einer Kalkschulter vorbeugen?

Bislang gibt es keine Beweise dafür, dass man einer Kalkschulter mit Sport oder der Ernährung vorbeugen kann. Regelmäßige Übungen für die Schulter, wie Schulter- und Armkreisen können aber die Beweglichkeit des Schultergelenks verbessern, den Druck auf die Sehnen mindern und so eventuell einer Kalkschulter vorbeugen. So sollte am Schreibtisch eine Schonhaltung und nach vorn gezogenen Schultern und rundem Rücken vermieden werden. Dazu zum Beispiel den Brustkorb regelmäßig aufrichten und die Schulterblätter aneinander bringen, um die Schultern zu entlasten.

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