Unerwünschte Ablagerungen

Harnsteine: Symptome und Behandlung

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Harnsteine (Blasensteine) sind im Harntrakt auskristallisierte Salze. Diese können verschiedene Größen haben. In Abhängigkeit von ihrer Lage verursachen sie unterschiedliche Beschwerden.

Harnsteine
Harnsteine sind unerwünschte Ablagerungen im Harntrakt und können unterschiedliche Größe haben.
© iStock.com/John_Lerskau

Harnsteine bestehen aus folgenden Stein bildenden schwer löslichen Stoffen: Kalziumoxalat, Harnsäure, Kalziumphosphat, Magnesiumammoniumphosphat, Kalzium, Eiweiß und Zystin. Harnsteine können sehr klein sein (zum Beispiel Nierengrieß), sie können aber auch Teile oder das gesamte Nierenbecken ausfüllen (zum Beispiel vier Zentimeter großer Nierenstein).

Medizinische relevant wird das Steinleiden beim Menschen durch Einklemmung und plötzliche Behinderung des Urinabflusses im Harntrakt (harnableitenden System). Der Harntrakt beginnt bei der Niere, leitet den Urin über die Harnleiter bis hin zur Harnblase und weiter über die Harnröhre.

Im Überblick:

Zehn Warnsignale im Urin

Diese Symptome treten bei Harnsteinen auf

Das klassische Symptom von Harnleitersteinen ist die Nierenkolik, bedingt durch einen eingeklemmten Harnleiterstein. Bei der Nierenkolik haben die Patienten plötzliche krampfartige Schmerzen. Diese kolikartigen Schmerzen können von der Flanke bis hin zu den Hoden oder den großen Schamlippen ziehen. Die Schmerzen werden nicht, wie oft angenommen, durch den Stein selbst, sondern durch den Urinstau und die damit verbundene Überdehnung des über den Stein gelegenen harnableitenden Systems verursacht.

Oft gehen diese Kolikbeschwerden mit weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Windverhalt, Blut im Urin und Störungen des Wasserlassens einher. Kommt es neben den kolikartigen Schmerzen zu Fieber – wenn das Immunsystem dem Körper einheizt und/oder Schüttelfrost, so ist von einer Infektion des Urins oberhalb des Steines auszugehen. Dies ist eine Notfallsituation, eine sofortige ärztliche Behandlung ist notwendig.

Symptome von Nierensteinen

Der im Nierenbecken oder -kelch ruhende Stein kann ohne Symptome sein. Er wird häufig zufällig bei einer Routineuntersuchung mittels Ultraschall entdeckt. Wird dieser Stein größer, kann er dumpfe Beschwerden verursachen und eine Entzündung begünstigen beziehungsweise unterhalten. Geht der Nierenstein auf Wanderschaft und tritt in den Harnleiter ein, kommt es typischerweise zu Nierenkoliken.

Symptome von Blasensteinen

Blasensteine, die bei Abflussstörungen aus der Blase primär auch in der Blase entstehen, machen in der Regel nur wenig Beschwerden, bei Hinzukommen einer Entzündung jedoch ein starkes Gefühl von Wasserlassen müssen (Drangbeschwerden). Eine Entzündung der Blase lässt sich dann meist nur durch Beseitigung des Blasensteins effektiv behandeln.

Blutvergiftung als gefährlichste Folge

Erfolgt keine Ableitung des infizierten Urins nach außen, besteht die große Gefahr der Nierenvereiterung und einer allgemeinen bakteriellen Blutverunreinigung, einer so genannten Uro-Sepsis. Da dieses schwere Krankheitsbild tödlich enden kann, sollte jeder Patient mit Flankenschmerzen und Fieber sofort urologische Hilfe in Anspruch nehmen.

Ursachen und Risikofaktoren für Harnsteine

Ursachen für Harnsteine sind Auskristallisationsprozesse im Urin, begünstigt durch Störungen des Urinflusses zwischen Nierenkelch und Harnblase.

Die Harnsteine können aus folgenden Stein bildenden Stoffen bestehen:

Diese Stein bildenden Stoffe (schwer lösliche Stoffe im Urin) werden über die Nahrung aufgenommen. Nach der Verdauung gelangen sie ins Blut – und über die Nieren in den Urin. Werden zu viele dieser Stoffe aufgenommen kommt es zu einem Auskristallisationsprozess und zur Harnsteinbildung im Harntrakt.

Eine weitere wichtige Ursache für die Harnsteinbildung liegt in einem verminderten Harnabfluss. In diesem Fall verweilen die Stein bildenden Stoffe über längere Zeit im Harntrakt und können auch über eine längere Zeit miteinander reagieren und auskristallisieren.

Risikofaktoren für Harnsteine

Trotz einiger offener Fragen ist heute gesichert, dass folgende Faktoren die Harnsteinbildung begünstigen:

  • Falsche Ernährung, dadurch erhöhte Eiweißaufnahme

  • geringe Flüssigkeitszufuhr, dadurch verminderter Harnfluss

  • mangelnde Bewegung, dadurch gestörter Stoffwechsel und vermehrter Anfall Stein bildender Stoffe

  • wiederkehrende Infektionen des Harntrakts, dadurch vermehrte Auskristallisation von Magnesium-Ammonium-Phosphat als Folge von bakteriellen Veränderungen

  • Erkrankungen der ableitenden Harnwege, dadurch mögliche Einengungen und verminderter Harnfluss

  • Erkrankungen der Nebenschilddrüsen, dadurch erhöhte Kalziumkonzentration im Blut und Urin

Zu den Risikofaktoren für Harnsteine kommen allgemeine Risikofaktoren wie ein höheres Lebensalter, Berufe mit viel Stress und die Zugehörigkeit zu einer eher höheren sozialen Klasse. Patienten mit Harnsteinleiden kommen gehäuft in industrialisierten Ländern und heißen Gegenden vor. Bei etwa sechs Prozent aller Patienten mit einem Harnsteinleiden wird von einer genetischen Veranlagung ausgegangen.

Diagnose von Harnsteinen

Harnsteine werden durch Befragen und Untersuchen des Patienten sowie Urinanalyse, Ultraschall und Röntgendiagnostik erkannt. Die typische Krankengeschichte (Anamnese) mit plötzlichen krampfartigen Schmerzen und die Befunde der klinischen Untersuchung erlauben in der Regel eine Zuordnung der Beschwerden zu Harnsteinen. Die Urinanalyse komplettiert diesen ersten Untersuchungsteil.

Ultraschalluntersuchung bei Harnsteinen

Das Herzstück der Diagnostik bei Harnsteinen stellt der Ultraschall dar. Mit Ultraschall lässt sich ein Harnstein im Bereich der Niere darstellen und vermessen.

Ein Harnleiterstein kann mit dem Ultraschall in der Regel nicht direkt dargestellt werden, weil oft der lufthaltige Darm die Darstellung behindert. Dagegen kann die durch den Stein verursachte Aufstauung des Urins im Nierenbecken sehr gut erkannt werden. Sie ist ein deutliches diagnostisches Zeichen für einen Harnleiterstein.

Röntgenuntersuchungen bei Verdacht auf Harnsteine

Die Röntgenuntersuchung vom gesamten Harntrakt kann alle röntgendichten Harnsteine im Harnsystem darstellen. Harnsäuresteine sind nicht röntgendicht und können daher nicht mit dieser Untersuchung dargestellt werden.

Durch die Gabe von Kontrastmittel über eine Vene kann die Harnabflussstörung exakt dargestellt werden – diese Untersuchung wird auch als Urogramm bezeichnet. Das gespritzte Kontrastmittel verteilt sich im Blut und gelangt über die Nieren direkt in den Urin. Dadurch werden die Nierenbecken und die Harnleiter sichtbar – Harnsteine stellen sich auf den Röntgenbilder als Kontrastmittelaussparung dar.

Nach Aufklärung und Ausschluss von Allergien sowie einer nicht behandelten Schilddrüsenerkrankung erfolgt zunächst das Anfertigen einer Röntgenübersichtsaufnahme. Anschließend spritzt der Urologe oder Radiologe ein Kontrastmittel über die Vene. Dieses Kontrastmittel wird dann über die Nieren in den Harntrakt ausgeschieden. Diese Ausscheidung wird mit Röntgenaufnahmen nach verschieden Zeiten (nach fünf bis sieben und zehn bis 15 Minuten) dokumentiert. Sollte eine steinbedingte Harnabflussstörung vorliegen, sind oft auch sogenannte Spätaufnahmen nach 30, 60 oder auch 120 Minuten notwendig.

In sehr seltenen Fällen sind spezielle urologische Röntgenverfahren für den Steinnachweis notwendig – sogenannte retrograde Ureterdarstellung mit Kontrastmittel oder Harnleiterspiegelung.

Behandlung von Harnsteinen: Welche Therapien gibt es?

Die Behandlung von Harnsteinen unterteilt sich in Maßnahmen zur Schmerzlinderung und Maßnahmen zur Steinentfernung.

Schmerztherapie

Bei der Nierenkolik handelt es sich um eine Notfallsituation. Eine sofortige Schmerztherapie ist erforderlich. Dies beinhaltet die Gabe schmerzlindernder und krampflösender Medikamente. In der Regel gelingt es damit, die Schmerzsituation zu beherrschen. Nach Sicherung der Diagnose erfolgt die Festlegung der weiteren ärztlichen Therapie.

Allgemeine Verfahren der Harnsteinentfernung

Harnsteine bis etwa sieben Millimeter gelten allgemein als spontan abgangsfähig, das heißt man versucht ohne Operation einen Steinabgang zu erreichen. Dies wird durch Trinken oder Infusion großer Flüssigkeitsmengen erreicht. Zusätzlich erfolgt die Gabe harnleitererweiternder Medikamente. In nahezu 80 Prozent aller Patienten ist ein Abgang des Harnsteins binnen weniger Tage zu erreichen. Allerdings kann es zwischenzeitlich immer wieder zu Koliken kommen.

Spezielle Verfahren der Harnsteinentfernung

Moderne Verfahren der Steinzerstörung und Entfernung umfassen heute die Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL, berührungsfreie Steinzertrümmerung im Bereich von Niere, Harnleiter, Blase), die sogenannte Perkutane Nephrolitholapaxie (minimal-invasive Steinentfernung aus dem Nierenbeckenkelchsystem über ein Spezialinstrument) und die endoskopische Steinentfernung (Harnleitersteinentfernung über die Blase und den Harnleiter mittels eines Spezialendoskops). Gelingt mit diesen minimal-invasiven Methoden keine Steinsanierung, ist die Indikation zu einer offenen Operation kritisch zu prüfen.

Ernährung und Trinken: Harnsteinen mit diesen Tipps vorbeugen

Zu den allgemeinen vorbeugenden Maßnahmen zählen:

  • Reichliche Flüssigkeitszufuhr: Mindestens zweieinhalb Liter Flüssigkeit (zum Beispiel Mineralwasser oder Früchtetee) innerhalb von 24 Stunden sind empfehlenswert, um die Harnwege ausreichend durchzuspülen.

  • Abwechslungsreiche, ballaststoffreiche und fettarme Ernährung: Sinnvoll ist der tägliche Verzehr von fünf unterschiedlichen Obst- oder Gemüsesorten (ein Beispiel für eine Tagesration: ein Apfel, eine Banane, eine Kiwi, eine Paprika, ein Kohlrabi). Ballaststoffreiche Nahrungsmittel sind: Haferflocken, Müsli, Linsen, Bohnen und andere Hülsenfrüchte: Gesunde Eiweißpakete – plus Liste und Rezept, aber auch frisches Obst und Gemüse. Fettarme Nahrungsmittel sind alle Obst- und Gemüsesorten.

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  • Reichliche körperliche Bewegung (zum Beispiel zweimal wöchentlich für 30 Minuten Gehen, Laufen oder Schwimmen) und die Reduktion von Übergewicht (bei einem BMI über 30) sind zu empfehlen, da sich der menschliche Stoffwechsel dadurch positiv verändern kann – es gelangen beispielsweise weniger Stein bildende Stoffe in den Harntrakt.

Ernährung und Co.: Individuelle Maßnahmen gegen Harnsteine

Wegen der hohen Rate des Wiederauftretens von Harnsteinen (sie beträgt bei fehlender Nachsorge etwa 60 Prozent) sind neben der regelmäßigen Nachsorge beim Urologen ebenfalls individuelle vorbeugende Maßnahmen wichtig. Die Kenntnis des Patienten, welche Zusammensetzung der entfernte Harnstein hatte, kann für die individuelle Ernährungsanpassung wichtig sein.

Heute ist man von einer radikalen Einhaltung der bisherigen Ernährungsrichtlinien abgekommen. Wichtig ist vor allem die Ausgewogenheit der Ernährung, die Bewegung und gegebenenfalls eine Gewichtsreduktion.

Menschen mit Magnesium-Ammonium-Phosphat-Steinen (Infektsteinen) und Zystinsteinen sollten die ärztliche Nachsorge besonders ernst nehmen, weil gerade bei diesen Steinen das Wiederauftreten vorprogrammiert ist.

Menschen mit Kalzium-Oxalat-Steinen

  • Reduktion von tierischen Nahrungsmitteln, wie beispielsweise Fleisch und Wurst
  • Reduktion von kalziumreichen Nahrungsmitteln, wie beispielsweise Käse, Milch und Quark
  • Verzicht auf oxalatreiche Nahrungsmittel, wie beispielsweise Rhabarber, Spinat und Tomate
  • Verminderung des Salzkonsums, wenn möglich völliger Verzicht auf den Salzstreuer
  • Verzicht auf purinhaltige Nahrung, zum Beispiel enthalten in den Innereien von Fleisch, Wurst, Linsen, Sardinen

Menschen mit Harnsäuresteinen

  • Reduktion des Körpergewichts
  • Verzicht auf purinhaltige Nahrung, zum Beispiel enthalten in den Innereien von Fleisch, Wurst und Linsen, Sardinen (der Puringehalt der Nahrung sollte unter 300 Milligramm Purin am Tag sein)
  • Reduktion von tierischen Nahrungsmitteln, wie beispielsweise Fleisch und Wurst
  • Verzicht auf Alkohol

Menschen mit Kalzium-Phosphat-Steinen

Reduktion von

  • tierischen Nahrungsmitteln, wie beispielsweise Fleisch und Wurst
  • kalziumreichen Nahrungsmitteln, wie beispielsweise Käse, Milch und Quark
  • phosphatreichen Nahrungsmitteln, wie beispielsweise Käse, Milch, Quark, Fleisch, Weizenkleie und Nüsse.
Freunde und Feinde der kranken Niere
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