Ursachen und Behandlung

Juckreiz (Pruritus)

Juckreiz kann überall vorkommen: Am After, im Genitalbereich, am ganzen Körper oder an Handflächen und Fußsohlen ist das Pruritus genannte Symptom äußerst unangenehm. Es wird durch eine Vielzahl von Ursachen ausgelöst. Juckende Kopfhaut kann etwa auf Läuse hindeuten.

Man kratzt sich am Hinterkopf
Juckende Kopfhaut kann auf Läuse hindeuten.
iStock

Juckreiz ist eine Empfindung der Haut oder Schleimhaut, die Kratzen, Reiben, Kneten und ähnliche Reaktionen hervorruft. Betroffen können einzelne begrenzte Hautbereiche sein. Aber auch Juckreiz am ganzen Körper (generalisierter Juckreiz) kommt vor.

Pruritus kann durch eine Vielzahl von Reizen und Erkrankungen ausgelöst werden, zum Beispiel Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Neurodermitis (atopisches Ekzem) oder auch Hepatitis. Häufig stecken auch Parasitenbefall (etwa Filz- oder Kopfläuse) oder Insektenstiche dahinter. Auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten kann Juckreiz zur Folge haben. Hält der Pruritus mehr als sechs Wochen an, wird von chronischem Juckreiz gesprochen.

Juckreiz ist ein Schutzmechanismus

Die Empfindung des Juckreizes wird über ein eigenes System von Wahrnehmungsstrukturen in der Haut (Rezeptoren) und Nervenbahnen ans Gehirn übertragen. Entwicklungsgeschichtlich wird vermutet, dass Jucken einen Schutzmechanismus gegen Parasiten wie Flöhe oder Zecken darstellt. Kratzen als Reaktion auf einen Juckreiz ist demnach der unbewusste Versuch, die Haut von Parasiten zu befreien.

Wenn es am Körper juckt, ist es nahezu unmöglich, Kratzen für längere Zeit zu unterdrücken. Dazu werden oft die Fingernägel, aber auch Fremdobjekte bis hin zu Metallbürsten verwendet. Zwar gilt die Empfehlung, bei Juckreiz nicht zu kratzen. Häufig kann das aber nicht dauerhaft durchgehalten werden. Oft entwickelt sich daher ein Kreislauf aus

  • Jucken
  • Kratzen, bis es zu einem Schmerzreiz kommt, der das Jucken vorübergehend blockiert
  • Entzündungsreaktion
  • Verstärkung des Pruritus

Dadurch wird der Krankheitsverlauf verlängert und oft durch Infektionen oder andere Komplikationen des Kratzens erschwert.

Geht der Juckreiz auf eine Infektion zurück, kann die Erkrankung durch das Kratzen unter Umständen auf weitere Körperregionen übertragen werden.

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Woher kommt der Juckreiz?

Juckreiz tritt als Symptom einer großen Zahl von Krankheiten auf. Dazu gehören zum Beispiel Stoffwechselstörungen und Erkrankungen der Haut, der inneren Organe sowie psychische Störungen. Außerdem kann es zu Juckreiz als Reaktion auf Medikamente, Insektenstiche und Parasitenbefall kommen.

Juckreiz tritt häufig dann auf, wenn bestimmte Botenstoffe wie Histamin im Körper freigesetzt werden. Die Auslöser sind vielfältig und reichen von Insektenstichen über Allergien (zum Beispiel auf Pollen oder Nahrungsmittel) bis hin zu Nebenwirkungen bestimmter Medikamente.

Häufige Ursachen für Juckreiz an verschiedenen Körperpartien

Doch nicht immer sind es äußere Einflüsse, die Juckreiz hervorrufen. So kann er auch Symptom einer Grunderkrankung wie beispielsweise Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Neurodermitis (atopisches Ekzem) oder auch von Windpocken oder Schizophrenie sein. Je nach Ursache erstreckt sich der Juckreiz dann auf den ganzen Körper oder erfasst nur bestimmte Hautstellen.

Juckende Kopfhaut:

  • trockene, schuppende Kopfhaut
  • Allergie
  • Hautpilz
  • seborrhoisches Ekzem (Ausschlag auf Kopfhaut und Gesicht, bei Säuglingen bekannt als Grind)
  • Befall mit Parasiten wie Kopfläusen, Flöhen, Milben

Jucken am ganzen Körper (generalisierter Juckreiz)

  • Allergie
  • Diabetes
  • Lebererkrankungen
  • Niereninsuffizienz
  • neurologische Störungen
  • Nebenwirkung von Medikamenten
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Tumorerkrankung

Afterjucken (Pruritus ani):

  • Hämorrhoiden
  • Feigwarzen
  • Analfissur (Riss in der Schleimhaut des Afters)
  • mangelnde Hygiene
  • mechanische Reizungen, zum Beispiel durch raues Toilettenpapier
  • Pilzinfektion
  • Diabetes
  • Nierenfunktionsstörung
  • Darmtumoren
  • Parasitenbefall (zum Beispiel mit Madenwürmern)

Jucken im Genitalbereich (Pruritus genitalis, bei Frauen Pruritus vulvae)

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Juckende Augen oder Augenlider:

Jucken an den Handflächen:

  • Kontaktekzem, zum Beispiel allergisches Handekzem
  • Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Lymphom
  • Nebenwirkung verschiedener Medikamente

Juckende Fußsohlen/Füße:

  • Diabetes
  • Durchblutungsstörungen
  • Überanstrengung der Füße
  • Allergie, zum Beispiel gegen Waschmittel oder Kosmetika
  • Pilzerkrankung (Fußpilz)
Fußpilz: Bilder zum Erkennen und Tipps für die Behandlung

Juckende Brustwarzen:

  • gereizte Haut zum Beispiel durch Kleidung oder Stillen
  • Allergie, zum Beispiel gegen Waschmittel, Parfüm oder Kosmetika
  • Entzündung der Brustdrüsen
  • Hormonumstellung, zum Beispiel in der Pubertät oder durch hormonelle Verhütungsmittel
  • Wachstum der Brust in der Pubertät
  • Brustkrebs

Juckende Ohren/Jucken im Ohr:

  • Entzündung des Gehörgangs, verbunden mit Schmerzen
  • Psoriasis
  • Neurodermitis und andere Ekzeme
  • Allergie, zum Beispiel gegen Shampoo oder Haarspray

Jucken im Hals:

Diese Liste ist nicht vollständig. Die genauen Gründe gilt es von einem Arzt abklären zu lassen. Des Weiteren lassen sich die möglichen Ursachen einteilen in Juckreiz mit oder ohne Hautausschlag beziehungsweise -Veränderungen.

Ursachen für Juckreiz mit Hautausschlag/Hautveränderungen

  • Nesselsucht (Urtikaria) beispielsweise durch Medikamente oder Nahrungsmittel; gegebenfalls Quincke-Ödem bei Medikamentenallergie
  • Neurodermitis (atopisches Ekzem)
  • Ekzem zum Beispiel bei Kontaktallergie auf Nickel
  • "Lichtallergie" (polymorphe Lichtdermatose)
  • Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Hämorrhoiden – es kann zu Jucken am After kommen
  • Krätze (Skabies) – durch Milbenbefall hervorgerufen
  • Prurigo simplex (Hauterkrankung)
  • bestimmte Krebsformen – etwa kutanes T-Zell-Lymphom, Leukämie
  • Pilzinfektionen (Mykosen)
  • Herpes simplex
  • Windpocken
  • Infektion mit Eitererregern (Pyodermien) – zum Beispiel Pickel, Furunkel, flächige Hautinfektionen (Phlegmone)
  • Sonnenallergie

Ursachen für Juckreiz ohne anfängliche Entzündung der Haut

Juckreiz: Untersuchungen geben Aufschluss

Für die richtige Diagnose der Juckreiz-Ursache sind die Entwicklung der Beschwerden, die allgemeine Krankengeschichte und die körperliche Untersuchung von entscheidender Bedeutung. Blutanalysen und eventuell gezielte Spezialuntersuchungen geben Aufschluss über mögliche Erkrankungen, die Pruritus auslösen.

Sollte Juckreiz länger anhalten, aus unklarer Ursache oder auch häufiger auftreten, ist es wichtig, einen Arzt für die exakte Diagnose aufzusuchen. Klären Sie ihn möglichst umfassend über Ihre Beschwerden auf:

  • Wann trat der Juckreiz erstmals auf?

  • Besteht der Juckreiz kontinuierlich oder tritt er schubweise auf?

  • Gibt es bestimmte Reize oder Anlässe, die ihn hervorrufen oder verstärken?

  • Lässt der Juckreiz durch bestimmte Maßnahmen wieder nach?

Selbstverständlich werden auch Begleitbeschwerden wie Schmerzen oder Schlafstörungen erfasst. Über Fragebögen und die Einordnung auf Skalen kann zudem die genaue Art und Stärke des Juckens festgestellt werden.

Bei der körperlichen Untersuchung wird nicht nur das direkt betroffene Hautareal, sondern immer die gesamte Körperoberfläche inklusive Haaren, Nägeln und Schleimhäuten inspiziert. Hautveränderungen werden vom Arzt genau erfasst, da sie oft entscheidende Hinweise auf die korrekte Diagnose liefern.

  • zum Lexikon

    Was wird beim Bluttest untersucht und was bedeuten die Abkürzungen und die Werte genau? Das Lifeline-Lexikon über Labor- und Blutwerte gibt Auskunft über die wichtigsten Parameter

Abstriche aus den betroffenen Hautbereichen geben Aufschluss über Infektionen oder auch Parasitenbefall. Bei der Blutuntersuchung werden neben Basiswerten, die über den allgemeinen Gesundheitszustand Auskunft geben, vor allem solche Werte erfasst, die auf Krankheiten innerer Organe hindeuten. Das sind unter anderem Nierenwerte, Leberwerte, der Zuckerstoffwechsel, Hormonspiegel und Vitaminwerte. Die Bauchorgane werden in der Regel mittels Ultraschall in Augenschein genommen. Speziellere Untersuchungen schließen sich an, wenn Hinweise auf entsprechende Erkrankungen vorliegen.

So wird man den Juckreiz los

Juckreiz wird in der Regel nach einem dreistufigen Schema behandelt. Allgemeine lindernde Maßnahmen helfen, den Kreislauf aus Jucken und Kratzen zu durchbrechen. Darüber hinaus geht es darum, die Ursache des Juckreizes auszuschalten (zum Beispiel medikamentöse Behandlung der Grunderkrankung).

Tritt Juckreiz als allergische Reaktion des Körpers auf bestimmte Allergene auf, gilt es primär, den Kontakt mit dem jeweiligen Allergen zu meiden. Bei einer Nickelallergie sollte also beispielsweise auf nickelhaltigen Schmuck verzichtet werden, bei einer Nahrungsmittelallergie sollte man die betreffenden Lebensmittel vom Speiseplan streichen.

Handelt es sich bei Juckreiz um ein Symptom einer Grunderkrankung, wird die Erkrankung durch geeignete Maßnahmen (etwa Medikamente) therapiert. Gegen Hauterkrankungen wie Neurodermitis werden bei akuten Schüben teilweise Kortisonpräparate eingesetzt.

Um das Symptom Juckreiz zu lindern und so auch den Teufelskreis aus Jucken – Kratzen - Jucken zu durchbrechen, können verschiedene Maßnahmen helfen:

  • Kühlung mit feuchten Tüchern
  • rückfettende Basiscremes beziehungsweise andere geeignete Hautpflegeprodukte
  • Cremes oder Salben gegen Juckreiz (etwa mit Harnstoff oder auf Johanniskraut-Basis)
  • Verzicht auf Seife und parfümhaltige Hautpflegeprodukte
  • Abbau von Stress
  • Verzicht auf scharf gewürztes, heißes Essen
  • gegebenenfalls Vermeidung von direktem Hautkontakt mit Wolle oder synthetischen Stoffen
Die wichtigsten Untersuchungen beim Arzt

Autor:
Letzte Aktualisierung: 30. Mai 2016
Durch:
Quellen: Altmeyer P. Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie, Umweltmedizin. Stand: 30.09.2011. URL: http://enzyklopaedie-dermatologie.de/ AWMF- S2k-Leitlinie Chronischer Pruritus. Stand: 01.2011. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-048l_S2k_Chronischer_Pruritus_Version_2-1.pdf; Raap U, et al. Neurophysiologie des Pruritus. Hautarzt 2006; 57: 379–384. URL: http://www.springermedizin.de/spmblob/70690/pdfPrintArticle/3264246/neurophysiologie-des-pruritus.pdf

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