Schulterschmerzen – wann zum Arzt?

Schulterschmerzen – heftiges Reißen in der Schulter

Die häufigsten Ursachen von Schulterschmerzen sind Gelenkverschleiß im Alter, Fehlhaltungen, Überlastungen und Verletzungen, etwa beim Sport. Die Schmerzen können akut sein oder auch chronisch verlaufen und länger als drei Monate anhalten. Meist lassen sie sich ohne Operation behandeln, zum Beispiel durch schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente, Massagen und Physiotherapie.

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Das Schultergelenk ist sehr beweglich, aber auch anfällig für Verletzungen.
Getty Images/iStockphoto

Schulterschmerzen haben viele Menschen mindestens einmal im Leben, Männer wie Frauen. Ärzte schätzen, dass rund 30 Prozent aller Menschen darunter leiden. Einige Sportarten, bei denen die Schulter besonders belastet ist, oder das Heben schwerer Lasten in Beruf und Alltag strapazieren die Schulter und lösen akute Schmerzen aus. Neben der Überlastung der Schulter gehören zu den häufigen Ursachen auch Fehlhaltungen, Unfälle und Entzündungen.

Die Schmerzen können nicht nur akut, sondern auch chronisch verlaufen. Von einem chronischen Verlauf sprechen Ärzte, wenn die Schulter länger als drei Monate schmerzt. Häufig steckt ein Gelenkverschleiß (Arthrose) dahinter, bei dem sich der schützende Gelenkknorpel mit zunehmenden Lebensjahren abnutzt. Reibt Knochen auf Knochen, wird es äußerst schmerzhaft.

Zehn Tipps gegen Gelenkschmerzen

Ursachen von Schulterschmerzen: Unfälle, Überlastung, Gelenkverschleiß

Schulterschmerzen gehen häufig von den Weichteilen im Schulterbereich, also von Muskeln, Sehnen, Bändern und dem Schleimbeutel aus. Verschleißerscheinungen, Überlastungen, aber auch Fehlhaltungen und eine schlecht trainierte Muskulatur sind die Ursachen von akuten Schulterschmerzen. Einige Sportarten wie Handball, Tennis oder Golf belasten und schwächen das Schultergelenk. Infolge von Unfällen oder Stürzen kann sich das Schultergelenk auskugeln oder das knöcherne Schlüsselbein brechen.

Schulterschmerzen können auch von Organen im Brust- und oberen Bauchraum ausgehen, etwa dem Herz, Lunge, Rippenfell, der Leber, den Nieren oder der Gallenblase. Dann kommen meist noch andere Beschwerden hinzu, die für das jeweilige Krankheitsbild charakteristisch sind. Auch Erkrankungen der Halswirbelsäule, Bandscheibenvorfälle oder Rückenmarkserkrankungen sind mögliche Auslöser von Schulterschmerzen. Ärzte unterscheiden akute und chronische Schulterschmerzen, die wiederum unterschiedliche Ursachen haben.

Akute Schmerzen in der Schulter – häufige Ursachen

Verschiedene Faktoren lösen akute Schmerzen im Schulterbereich aus. Die häufigsten sind:

  • Schulterausrenkung (Schulterluxation): Das Schultergelenk ist zwar sehr beweglich, renkt sich aber aufgrund seines Aufbaus häufiger aus als andere Gelenke. Bei einer Luxation springt der Gelenkkopf aus der Gelenkpfanne. Oft kugelt sich die Schulter bei Sportunfällen oder Stürzen auf die Schulter aus. Wenn nichts gebrochen ist und auch die Gelenkkapsel nicht verletzt wurde, renken Ärzte bei jüngeren Patienten die Schulter einfach wieder ein. Gibt es allerdings einen Hinweis auf eine Instabilität der Schulter, folgt dem Einrenken eine Operation, um die Schulter zu stabilisieren. Bei älteren Menschen genügt es manchmal, die Schulter einige Zeit ruhigzustellen; dann folgt eine Physiotherapie.

  • Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur): Ein leichter Schlag oder Sturz auf die Schulter beziehungsweise auf den ausgestreckten Arm genügen manchmal schon, um das empfindliche Schlüsselbein brechen zu lassen. Vor allem Kinder und Jugendliche brechen sich häufiger das Schlüsselbein. Erkennbar ist der Schlüsselbeinbruch an einer Schwellung im Bereich des Schlüsselbeinknochens und der Schonhaltung, die der Betroffene meist einnimmt. Ärzte stellen den Bruch meist mit einem sogenannten Rucksackverband ruhig.

Gründe für chronische Schmerzen der Schulter

Für chronische Schulterschmerzen sind folgende Krankheitsbilder verantwortlich:

  • Entzündungen: Schultergelenksentzündung, Schleimhautentzündung, Schleimbeutelentzündung (Bursitis)

  • Schulterarthrose (Omarthrose): Dahinter steckt ein Knorpelverschleiß im Schultergelenk. Die Schulterarthrose ist meist eine altersbedingte Verschleißerscheinung. Sie kann sich zudem nach Unfällen oder einer unbehandelten Schultererkrankung entwickeln.

  • Impingement-Syndrom: Das Schultergelenk ist eingeengt, was Schmerzen auslöst und die Beweglichkeit des Gelenks vermindert. Betroffene verspüren Schmerzen, wenn sie die Arme abspreizen. Das Impingement-Syndrom entwickelt sich meist, wenn die Schulter durch Überkopfbewegungen der Arme überlastet wird. So haben zum Beispiel Sportler wie Volleyballspieler oder Maler und Lackierer ein erhöhtes Risiko für das Impingement-Syndrom.

  • Rotatorenmanschettenriss: Die Rotatorenmanschette ist ein Muskelmantel, der das Schultergelenk stabilisiert. Sie ist auch bei Drehbewegungen der Schulter und dem Abspreizen der Arme beteiligt. Die Ursachen für einen Riss der Rotatorenmanschette können ein Impingement-Syndrom, altersbedingte Verschleißerscheinungen (Gelenkarthrose) oder plötzliche Belastungen sein, zum Beispiel ein Sturz auf den ausgestreckten Arm oder intensives Krafttraining.

  • Kalkschulter (Tendinosis calcarea): Die Krankheit betrifft Frauen ab 40 Jahren häufiger als Männer. Im Bereich der Rotatorenmanschette lagert sich Kalk ein. Schulterschmerzen verursacht die Kalkschulter häufig erst, wenn der Raum unter dem Schulterdach wegen der Kalkablagerungen stark verengt ist (Impingement-Syndrom) oder Entzündungen entstehen.

  • Schultersteife (Frozen Shoulder): Von einer Schultersteife oder „eingefrorenen Schulter“ (engl. Frozen Shoulder) sprechen Mediziner, wenn die Kapsel des Schultergelenks geschädigt und dessen Beweglichkeit stark einschränkt ist. Die Schultersteife kann sich nach Unfällen und Operationen, aber auch ohne eine erkennbare äußere Ursache entwickeln. Bestimmte Stoffwechselerkrankungen, etwa die Zuckerkrankheit Diabetes oder eine Schilddrüsenüberfunktion, sind Risikofaktoren für die Schultersteife.

Symptome hängen von der Ursache ab

Die Schulterschmerzen gehen – je nach Ursache – mit zusätzlichen Symptomen einher: Die Beweglichkeit und Funktion des Schultergelenks ist eingeschränkt, die Schulterschmerzen strahlen aus, etwa in die Hände oder den Rücken, und die Patienten verspüren Schmerzen bei Druck auf die Schulter (Druckschmerz). Oft büßen gleichzeitig die Arme ihre Beweglichkeit ein. So sind ganz alltägliche Bewegungen, etwa das Haarekämmen, Zähneputzen oder Ankleiden kaum oder nur unter großen Schmerzen möglich. Schwierig gestalten sich vor allem Überkopfbewegungen.

Die  Schmerzen in der Schulter setzen oft bei bestimmten Armbewegungen (Abspreizen, Drehbewegungen) ein. Betroffene beschreiben die Schmerzen, die oft plötzlich in die Schulter einschießen, als brennend oder stechend. Am besten suchen Sie frühzeitig einen Arzt auf. Denn eine rechtzeitige Behandlung bringt in vielen Fällen gute Erfolge.

Diagnose von Schulterschmerzen: Das macht der Arzt

Am Anfang der Diagnose steht immer das Gespräch mit Ihrem Arzt, der Sie zu Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte befragt (Anamnese). Wichtig sind beispielsweise folgende Punkte:

  • Seit wann haben Sie Schmerzen in der Schulter?
  • Wie stark sind sie?
  • Wie würden Sie die Schmerzen charakterisieren, zum Beispiel brennend, stechend, bohrend?
  • In welchen Situationen treten die Schulterschmerzen auf, etwa bei Belastungen durch Überkopfarbeiten?
  • Gibt es Situationen, in denen sich die Beschwerden bessern, zum Beispiel nachts in Ruhe?
  • Sind Schulter und Arme normal beweglich oder ist die Beweglichkeit eingeschränkt?
  • Hatten Sie kürzlich einen Unfall, Sturz oder eine Sportverletzung?
  • Üben Sie beruflich oder in Ihrer Freizeit Tätigkeiten aus, welche die Schulter besonders belasten?

Beweglichkeit prüfen und Bilder aufnehmen

Anschließend folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt beobachtet Ihre Körperhaltung und Bewegungen. Er prüft den Schulterstand, den Zustand der Schlüsselbeine und die Armhaltung. Wichtige Hinweise auf die Ursache der Schulterschmerzen liefern verschiedene Beweglichkeitstests. Sie drehen Ihre Arme aktiv nach innen und außen oder spreizen sie seitlich ab. Manchmal lässt der Arzt Sie auch Armbewegungen gegen einen Widerstand ausführen. Er bewegt Ihre Arme zudem nach bestimmten Mustern, während Sie selbst passiv bleiben. So erkennt er, welche Bewegungen schmerzfrei möglich sind und in welchem Ausmaß Ihre Beweglichkeit eingeschränkt ist.

  • zum Lexikon

    Im Lifeline-Lexikon sind Diagnosen von A wie Angiographie bis Z wie Zystoskopie ausführlich und auch für medizinische Laien verständlich beschrieben.

Zusätzlich können folgende bildgebende Diagnoseverfahren zum Einsatz kommen, um den Schulterschmerzen auf den Grund zu gehen:

Je nach Ursache der Schulterschmerzen wählen Ärzte eine individuelle Behandlung aus.

Was hilft bei Schulterschmerzen? Behandlungen ohne OP

Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Ärzte versuchen zunächst, die schmerzende Schulter konservativ, also ohne Operation, zu behandeln. Manchmal ist auch eine Operation nötig.

  • zum Ratgeber

    Rückenschmerzen, Verspannungen oder Muskelkrämpfe: Muskel- und Gelenkbeschwerden haben viele Gesichter. Lesen Sie hier alles über Symptome, Ursachen und Behandlung

Gegen akute Schmerzen helfen kühlende, schmerzlindernde und entzündungshemmende Salben, Gele und Lotionen, die Sie lokal auf die schmerzende Schulterpartie auftragen. Auch bei Gelenkreizungen, etwa bei Arthrose oder einer Schleimbeutelentzündung, hilft Kälte oft am besten. Bei chronischen Schmerzen ist dagegen eher Wärme ratsam. Eingesetzt werden auch Schmerzmittel aus der Gruppe der Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Beispiele für häufig angewandte Wirkstoffe sind Ibuprofen oder Diclofenac. Die Wirkstoffe gibt es auch in Tablettenform rezeptfrei in der Apotheke oder im Internetversandhandel.

Nach Schulterverrenkungen, Kapselzerreißungen, Knochenbrüchen und Operationen ist es sinnvoll, die Schulter ruhigzustellen. Liegen andere Ursachen zugrunde, ist das Ruhigstellen eher kontraproduktiv, weil die Kapselfalten verkleben können und der Bewegungsumfang der Schulter abnimmt.

Weitere Behandlungen bei Schulterschmerzen

Neben Schmerzmitteln gibt es noch weitere Therapien, um die Schmerzen wieder loszuwerden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Bewegungstherapie und manuelle Therapie
  • Behandlung mit Strom, elektromagnetischen Wellen oder Ultraschall
  • Massagen
  • Akupunktur
  • Injektionen von Schmerzmitteln ins Schultergelenk
  • Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT), zum Beispiel bei der Kalkschulter; der Kalk wird zertrümmert (wie Gallensteine)

Langfristig hilft eine Physiotherapie (Krankengymnastik), um die Muskulatur der Schulter zu kräftigen. Entscheidend ist es, dass Sie aktiv mitarbeiten! Oft sind Bewegungsmangel, Muskelschwäche und Fehlhaltungen die Ursachen der Schulterschmerzen. Sie können also selbst viel tun, um die Heilung zu unterstützen. Bringen konservative Maßnahmen keinen ausreichenden Erfolg, ist eventuell eine Operation sinnvoll.

Wie kann ich Schulterschmerzen vorbeugen?

Mediziner kennen einige Tipps, mit denen Sie einer schmerzenden Schulter vorbeugen können. Dazu gehören unter anderem:

  • Regelmäßige Bewegung stärkt die Muskeln rund um das Schultergelenk. Und starke Muskeln sind der beste Gelenkschutz. Geeignet ist ein Krafttraining, das gezielt die Schultermuskulatur stärkt. Trainieren Sie aber maßvoll unter Anleitung eines Krafttrainers und überlasten Sie die Schultern nicht.

  • Vermeiden Sie Fehlhaltungen, wenn Sie beruflich viel sitzen. Stehen Sie öfters zwischendurch auf und absolvieren Sie Schulterübungen, um diese zu lockern.

  • Achten Sie beim Sport darauf, dass Sie Ihr Schultergelenk nicht zu stark beanspruchen. Das gilt vor allem, wenn Sie Sportarten wie Volleyball, Handball oder Golf ausüben.

  • Lassen Sie Schulterschmerzen aufgrund von Gelenkverschleiß rechtzeitig behandeln, um das schnelle Fortschreiten der Arthrose zu verhindern.

Übungen bei Schulterschmerzen – ganz nebenbei

Liebscher & Bracht / YouTube

Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. September 2017
Durch:
Quellen: Gelenk-Klinik, https://gelenk-klinik.de/orthopaedische-erkrankung/schulter/schulterschmerzen.html (Abruf: 9.8.2017); endoprothetics guide, http://www.operation-endoprothetik.de/schulter/schulter-schmerzen/ (Abruf: 9.8.2017); Orthopädie Klinik am Ring, http://orthopaedie.klinik-am-ring.de/index.php/Schultergelenk/schulterschmerzen-was-nun.html (Abruf: 9.8.2017)

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