Zahngesundheit

Weisheitszahn-OP: Wann sie notwendig ist

Weisheitszähne sind Beiwerk im Mund, für das Kauen werden sie nicht gebraucht. Bei vielen Menschen verursachen sie Beschwerden und müssen dann in einer Operation entfernt werden. Der Eingriff verläuft meist ohne Komplikationen, ist aber nicht immer notwendig.

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Weisheitszähne bekommen oft nicht den Platz im Kiefer, den sie zum Wachsen benötigen: Sie wachen dann oft schief, beschädigen die Nachbarzähne oder können sogar eine ganze Zahnreihe verschieben.
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Die Weisheitszähne sind die letzten Zähne des bleibenden Gebisses. Sie befinden sich am Ende jeder Zahnreihe ganz hinten im Ober- und Unterkiefer. In der Regel brechen sie zwischen dem 16. und 20. Lebensjahr durch oder auch noch viel später. Manche Menschen haben nur zwei (sichtbare) Weisheitszähne, wiederum andere gar keine.

Warum die Weisheitszähne so oft Probleme machen

Die Weisheitszähne sind ein Rudiment der menschlichen Entwicklung – für das Zerkleinern der Nahrung sind sie nicht mehr nötig. Unsere sehr frühen Säugetier-Vorfahren hatten noch 44 Zähne, heute sind in unseren Genen die Anlagen für 32 Zähne gespeichert. Durch den kleiner gewordenen Kiefer ist jedoch oft nicht mehr genügend Platz, damit die Weisheitszähne wachsen und ihren Platz im Kiefer korrekt einnehmen können.  

Weisheitszähne können völlig im Knochen eingelagert sein, manche brechen nur teilweise durch und sind dann von einer Zahnfleischlasche überdeckt. Ist genügend Platz vorhanden, werden sie mitunter vollständig in der Mundhöhle sichtbar.

Letzteres heißt aber nicht, dass alles in Ordnung ist: Die Weisheitszähne sind oft anders geformt als normale Backenzähne – nicht selten haben sie mehrere Wurzeln, die krumm oder hakenförmig und miteinander verwachsen sind. Problematisch ist oft die Lage der Weisheitszähne im Kiefer: Durch den Platzmangel sind sie häufig gekippt oder liegen waagerecht und drücken auf die weiter vorn platzierten Backenzähne.

Beschwerden durch die Weisheitszähne

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Krumm gewachsen: Weisheitszähne machen im Kiefer oft Probleme, auch eine Operation verlangt von Zahnarzt handwerkliches Geschick.
iStock

Aufgrund dieser anatomischen Besonderheiten der Weisheitszähne kann es zu einer Reihe von Beschwerden und Erkrankungen im Zahnbereich und unter Umständen darüber hinaus kommen.

Häufig entstehen Entzündungen, die sich bis zu der Bildung von Abszessen ausweiten können. Durch die Enge im hinteren Kieferbereich ist das Zähneputzen erschwert, was Karies und Zahnfleischentzündung (Parodontitis) fördert. In anderen Fällen kommt es zur Bildung von Zysten (mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume) um die Krone des Zahns, die sich ebenfalls entzünden und sogar das Knochengewebe des Kiefers schädigen können.

Da die durchbrechenden Weisheitszähne sich Platz verschaffen wollen, kann es zu einer Schädigung des benachbarten Zahns sowie des Zahnbetts kommen. Möglich ist auch die Verschiebung ganzer Zahnreihen. Dadurch können auch Ergebnisse vorheriger kieferorthopädischer Behandlungen gefährdet sein.

Die Wurzeln der Weisheitszähne drücken oft auf die Nerven im Kieferbereich reizen diese. Schmerzen in den Ohren und im Gesicht oder sogar Lähmungserscheinungen sind eine mögliche Folge.

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Weisheitszähne stehen zudem im Verdacht, Herzkrankheiten wie Herzklappenfehler und rheumatische Erkrankungen zu verursachen beziehungsweise zu verschlimmern.

Wann sollten die Weisheitszähne entfernt werden?

Eine Zeit lang war es üblich, die Weisheitszähne so früh wie möglich per Operation zu entfernen – noch bevor irgendwelche Probleme auftraten. Ganz so rigoros geht man heute nicht mehr vor, denn auch eine Weisheitszahn-OP (medizinisch Osteotomie) ist mit Risiken verbunden. Nur wenn ein oder mehrere Weisheitszähne akute Beschwerden bereiten, werden sie heute entfernt. Das ist der Fall

  • bei Karies oder Wurzelentzündung des Weisheitszahns
  • bei Infektionen zwischen Zahnkrone und Knochen (sogenannte Schlupfwinkelinfektion)
  • bei Entzündungen und Zysten im Bereich des Weisheitszahns und der Nachbarzähne
  • wenn der Weisheitszahn die Nachbarzähne beschädigt
  • bei Verschiebungen der anderen Zähne

Zudem raten Zahnmediziner zu einer prophylaktischen Extraktion der Weisheitszähne im Vorfeld von kieferorthopädische Behandlungen, wenn durch den Weisheitszahn die Behandlung gestört oder erschwert wird. Auch bei einem längeren Aufenthalt in Regionen ohne moderne medizinische Versorgung, wenn eine andere Zahnbehandlung unter Narkose durchgeführt werden oder eine Prothese eingesetzt werden soll, ist eine Operation sinnvoll.

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Auf eine Weisheitszahn-OP kann verzichtet werden, wenn die Weisheitszähne gut stehen und keine Behinderung der anderen Zähne zu erwarten sind oder wenn gesunde Zähne so tief im Knochen liegen, dass durch den Eingriff zu hohe Risiken entstünden.

Grundsätzlich rät man doch dazu, die Weisheitszähne bei Symptomen so früh wie möglich zu entfernen, da ein Abwarten zu Komplikationen und Schäden an den anderen Zähnen führt.

Untersuchungen vor dem Eingriff

In den meisten Fällen genügt neben der gründlichen Zahnuntersuchung die Anfertigung eines Panoramabildes (Darstellung des gesamten Unter- oder Oberkiefers). Mit solch einer Röntgenaufnahme kann die Lage der Weisheitszähne im Kiefer bestimmt werden. Darüber hinaus erhält der Zahnarzt oder Kieferchirurg detaillierte Informationen über die benachbarten anatomischen Strukturen (Nerven, Kieferhöhle, Nachbarzähne), die bei der Entfernung der Weisheitszähne geschont werden sollen. Nur in Einzelfällen sind weitere Untersuchungen wie eine Computertomographie oder Blutuntersuchungen notwendig.  

Ablauf der Weisheitszahn-OP

Eine Weisheitszahn-OP wird meist ambulant in einer dafür ausgerüsteten Praxis oder einer kieferchirurgischen Abteilung einer Klinik durchgeführt. Die gesamte OP dauert zwischen 20 Minuten und einer Stunde – je nachdem, wie viele Zähne entfernt werden und wie kompliziert deren Lage und Form ist.

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Meist ist dabei nur eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) nötig. Häufig wird heutzutage ein Beruhigungsmittel ("Schlafspritze") gegeben, welche die Patienten in einen Dämmerschlaf versetzt. In bestimmten Fällen – zum Beispiel bei der Entfernung mehrerer Weisheitszähne, bei stark verlagerten Weisheitszähnen oder bei Angstpatienten – kann auch eine Vollnarkose sinnvoll sein. Ist diese medizinisch notwendig, wird sie von der Krankenkasse bezahlt. Die Kosten für eine "Wunsch-Narkose" muss der Patient dagegen selbst bezahlen.

So wird der Zahn entfernt

Zunächst wird das Zahnfleisch im Bereich des Weisheitszahns vom Knochen gelöst. Dann wird der Weisheitszahn mit Fräsen und Bohrern durch das Abtragen von Knochen freigelegt, sodass er mit einer Zange oder einem Hebel gefasst und entfernt werden kann. In manchen Fällen muss der Zahn schichtweise abgetragen oder in einzelne Teile zerlegt werden.

Im Anschluss wird das Zahnbett gesäubert, eventuell entzündetes Weichgewebe entfernt und die Wunde mit Fäden verschlossen. Eine Wunddrainage führt Flüssigkeiten ab und verhindert so Schwellungen und Entzündungen. Eine erste Nachkontrolle macht der Kieferchirurg oder Zahnarzt nach etwa zwei Tagen, nach sieben bis zehn Tagen werden die Fäden gezogen.

Weitere Operationsmethoden

In der Regel wird der Arzt immer versuchen, den Zahn komplett zu entfernen. Manchmal liegt der Weisheitszahn jedoch so dicht und ungünstig, dass beim Entfernen wichtige Nerven im Kiefer oder zu viel Knochenmaterial beschädigt werden könnten. Dann ist auch eine teilweise Weisheitszahnentfernung möglich. Der Fachausdruck dafür ist Koronektomie.

In den letzten Jahren wird als OP-Verfahren bei der Weisheitszahnentfernung häufiger die Piezo-Osteotomie eingesetzt. Die Methode gilt als kochen- und gewebeschonender, da der Arzt dabei nicht mit rotierenden Fräsen und Bohrern arbeitet, sondern mit Ultraschall-Instrumenten. Dadurch ist eine präzisere Schnittführung möglich, ohne den Knochen zu großem Druck auszusetzen. Das umliegende Gewebe und die angrenzenden Blutgefäße werden geschont, der Wundschmerz verringert und die Wundheilung beschleunigt.

Risiken der Weisheitszahn-OP

Eine Osteotomie ist heute in der Regel ein Routine-Eingriff und verläuft meist ohne Komplikationen. Trotzdem ist sie mit Risiken verbunden. Jugendliche und junge Erwachsene stecken den Eingriff erfahrungsgemäß am besten weg: Bei Patienten zwischen 14 und 25 Jahren sind am wenigsten Komplikationen zu erwarten.

Zu den allgemeinen Risiken einer Operation gehören:

  • Blutungen während des Eingriffs
  • Nachblutungen
  • Schmerzen und Schwellungen
  • Infektionen der Operationswunde
  • Unverträglichkeit von Narkosemitteln

Nervenschäden, Kieferbruch, Infektion der Kieferhöhle

Daneben gibt es bei der Weisheitszahnentfernung besondere Risiken, die bei der Entscheidung für den Eingriff bedacht werden sollten. So können während der Operation nahe an den Weisheitszähnen liegende Nerven beschädigt werden, die für Unterlippe, Unterkiefer und die Geschmacksnerven der Zunge zuständig sind. Bei der Verletzung der Nerven kann es zu zeitweisen oder in seltenen Fällen auch andauernden Gefühlsstörungen kommen.

Außerdem besteht die Gefahr eines Kieferbruchs sowohl während der Operation als auch bis zu vier Wochen danach. In seltenen Fällen kann sich zudem eine Infektion der Kieferhöhle entwickeln.

Pflege-Tipps nach der Weisheitszahn-Operation

Etwa für zwei bis drei Tage nach der Operation müssen Frischoperierte noch Beeinträchtigungen rechnen, eine Krankschreibung ist dann sinnvoll. In dieser Zeit können Schwellungen, Schmerzen oder Probleme beim Öffnen des Mundes auftreten. Halten die Beschwerden länger an, sollten Patienten ihren Zahnarzt aufsuchen. Mögliche Folgen könnten neben einer Infektion der Wunde auch Schäden an Nerven oder am Kiefer sein.

  • Sobald die Betäubung nachlässt, kann die Wunde schmerzen. Dann sollten Sie die mitgegebenen oder verschriebenen Schmerzmittel einnehmen.

  • So lange die Betäubung anhält, sollte nichts gegessen werden. Danach sind weiche, breiige Lebensmittel wie Suppen, Grießbrei, Pürees geeignet. Verzichten Sie auf stark erhitzte, gekühlte oder gewürzte Speisen und säurehaltige Getränke.

  • In den ersten Tagen nach der Operation können Schwierigkeiten bei der Mundöffnung, Schluckbeschwerden und vermehrter Speichelfluss auftreten. Der Speichel kann leicht rötlich verfärbt sein. Diese Beschwerden sind nicht bedrohlich und verschwinden recht bald von allein.

  • In den Tagen nach der Operation sollten die Wangen und das Gesicht regelmäßig mit feuchtkalten Umschlägen oder Kühlpacks gekühlt werden

  • Um die Wundheilung zu fördern, sollten Sie zunächst vollständig auf Nikotin verzichten.

  • Die Zähne können bereits ab dem ersten Tag vorsichtig geputzt werden, den Bereich der Operationsnarbe dabei aussparen.

  • Auf Sport und anstrengende körperliche Betätigung im Allgemeinen sollte für ein paar Tage verzichtet werden.

  • In den ersten Wochen sollte man vermeiden, auf Hartes zu beißen. Die Kieferknochen – vor allem nach einer Behandlung des Unterkiefers – können noch geschwächt sein.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 28. März 2017
Durch: es
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: S2k-Leitlinie: Operative Entfernung von Weisheitszähnen, AWMF-Registernummer 007-003 www.awmf.org/leitlinien, Stand 12 / 2012 Zentrum Zahnärztliche Qualität: Patienteninformation Weisheitszähne entfernen 12 /2012

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