Eine Form der Nierenentzündung

Glomerulonephritis: Entzündung der Nierenkörperchen

Die Glomerulonephritis ist eine Form der Nierenentzündung, bei der die Nierenkörperchen (Glomulera) entzündet sind. Typischerweise äußert sie sich anhand von Symptomen wie Blut und Eiweiß im Urin sowie Bluthochdruck.

Frau im Labor
Die Ausscheidung von Blut und Eiweiß im Urin gehört zu den typischen Symptomen einer Glomerulonephritis.
(c) George Doyle

Unter einer Glomerulonephritis versteht man entzündliche Veränderungen bestimmter Strukturen der Niere, den so genannten Glomerula. Hier können bei der Nierenentzündung Entzündungszellen nachgewiesen werden. , bei der die Harnkanälchen sowie der Raum um sie herum entzündet sind.

Freunde und Feinde der kranken Niere

Alle Informationen zur Glomerulonephritis finden Sie im nachfolgenden Text, während die interstitielle Nierenentzündung ausführlich in diesem Artikel behandelt wird

Die Nieren werden über die Nierenarterie mit Blut versorgt. Im Nierengewebe teilt sich die Arterie in immer kleiner werdende Blutgefäße auf. Die kleinsten Blutgefäße mit dem geringsten Durchmesser bezeichnet man als Glomerula (lat. Glomus: Knäuel). Jede Niere besitzt in der Nierenrinde etwa eine Million dieser Gefäßknäuel. Die Glomerula sind jeweils umgeben von feinsten Harnkanälchen (Tubuli). Das Blut wird durch die Wand der Glomerula gefiltert und als so genannter Primärharn in die Harnkanälchen abgegeben. In den anschließenden anatomischen Strukturen wird über mehrere Schritte der Endharn oder Urin gebildet, der schließlich über Harnleiter, Harnblase und Harnröhre nach außen abgegeben wird.

Symptome der Glomerulonephritis

Die typischen Symptome der Nierenentzündung sind die Ausscheidung von Blut und Eiweiß im Urin (Hämaturie und Proteinurie) sowie eine Erhöhung des Blutdrucks (Hypertonie). Je nach Stadium der Erkrankung sind diese Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt.

Bei der akuten Verlaufsform fühlen die Betroffenen sich schwer krank, die Nierenwerte im Blut steigen rasch an. Die IgA-Nephritis ist gekennzeichnet durch den Anstieg bestimmter Eiweiße (Immunglobulin A) im Blut.

Kennzeichnend für das nephrotische Syndrom ist eine Ausscheidung von mehr als 3,5 Gramm Eiweiß täglich, der Eiweißgehalt im Blut ist zu niedrig (Hypoproteinämie), der Fettgehalt zu hoch (Hyperlipidämie). Hinzu kommen Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme). Die Blutgerinnung kann gestört sein, Blutgerinnsel (Thrombosen) sind die mögliche Folge.

Unterschiedliche Ursachen für die Glomerulonephritis

Eine Glomerulonephritis kann primär entstehen, also als eigenständige Erkrankung, oder sekundär als Folge oder Symptom einer anderen Primärerkrankung.

Verschiedene Arten der Glomerulonephritis kann man auf vielfältige Weise unterteilen. Eine Möglichkeit ist die Einteilung nach dem Verlauf der Krankheit: Die rapid-progressive Glomerulonephritis kommt beispielsweise im Rahmen von Bindegewebs- und Gefäßerkrankungen vor wie dem Lupus erythematodes, Morbus Wegener oder Panarteriitis nodosa. Die akute Glomerulonephritis tritt nach Infektionen beispielsweise mit der Bakterienart Streptokokken auf.

Zur Gruppe der subakuten Glomerulonephritis zählt auch die IgA-Nephritis. Hierbei handelt es sich um die häufigste Form der Glomerulonephritis, bei der sich gehäuft der Eiweißstoff Immunglobulin A in den Glomerula ablagert und dadurch entzündliche Veränderungen hervorruft. Die Ursache hierfür ist ungeklärt.

Alle Formen der Glomerulonephritis können in eine chronische Verlaufsform übergehen. Das nephrotische Syndrom ist durch die Kombination unterschiedlicher Symptome gekennzeichnet und kann sich als Folge aller Formen der Nierenentzündung entwickeln.

So stellt der Arzt die Glomerulonephritis fest

Die gründliche Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) kann in zahlreichen Fällen Hinweise auf die Krankheitsursache liefern. Beispielsweise tritt die IgA-Glomerulonephritis als häufigste Form der Glomerulonephritis einige Tage bis wenige Wochen nach einer Infektion wie einer Kehlkopf-Entzündung auf. In anderen Fällen liefert die Anamnese keine Erklärung für die Nierenentzündung.

Die körperliche Untersuchung ist im überwiegenden Teil der Krankheitsfälle unauffällig. Erst in späteren Stadien der Erkrankung finden sich Symptome wie Wasseransammlungen im Körper (Ödeme), hoher Blutdruck (Hypertonie) oder eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte.

Eine Glomerulonephritis kann zu Beschwerden beim Wasserlassen führen, beispielsweise müssen die Erkrankten seltener zur Toilette. Der Urin kann Blut enthalten, der mit bloßem Auge sichtbar ist, oder auch Spuren von Blut und Eiweiß, die nur im Streifentest nachweisbar sind. Im Blut und im Sammelurin, der über 24 Stunden gesammelt wird, können bestimmte Werte wie Eiweiß oder Harnstoff erhöht sein.

Im Ultraschall der Nieren (Sonographie) kann in seltenen Fällen eine Schrumpfniere nachgewiesen werden, wenn die Nierenentzündung bereits fortgeschritten ist. In zahlreichen Fällen ist die Ultraschall-Untersuchung unauffällig.

Besteht der Verdacht auf eine Nierenentzündung, sollte die Differenzierung beim Facharzt für Nephrologie oder im Krankenhaus vorgenommen werden. In einigen Fällen wird eine Gewebeprobe (Biopsie) der Niere entnommen und feingeweblich untersucht.

Therapie je nach Ursache der Nierenentzündung

Die Behandlung der Glomerulonephritis richtet sich nach der Ursache der Entzündung. Ist sie Folge einer anderen Primärerkrankung, so sollte diese behandelt werden, soweit die Möglichkeit dazu besteht.

Je nach Form der Glomerulonephritis gibt es unterschiedliche Behandlungsansätze. Antibiotika werden zur Behandlung der akuten Glomerulonephritis nach einem Infekt eingesetzt. Steroide wie Kortison und andere Immunsuppressiva wie Cyclophosphamid hemmen die Entzündungsreaktion an der Niere. Außerdem drosseln sie die körpereigene Immunabwehr. Sie werden daher insbesondere bei Formen der Nierenentzündung eingesetzt, die mit einer überschießenden Reaktion des Immunsystems gegen den eigenen Körper einhergehen. Hierzu zählen das Goodpasture-Syndrom oder der Morbus Wegener als Ursachen einer rapid progressiven Glomerulonephritis.

Zehn Warnsignale im Urin

In vielen Fällen zielt die Therapie der Glomerulonephritis in erster Linie darauf ab, die Beschwerden zu lindern. Diese erfolgt durch salz- und eiweißarme Kost und Behandlung des erhöhten Blutdrucks mit Medikamenten. Medikamente, welche die Urinausscheidung verstärken (Diuretika) kommen häufig zum Einsatz, ebenso wie blutverdünnende Medikamente, welche die Bildung von Blutgerinnseln vermeiden (Antikoagulanzien). In zahlreichen Fällen, insbesondere bei den chronischen Verlaufsformen, ist eine Behandlung durch die Blutwäsche (Dialyse) notwendig.

Glomerulonephritis kann chronisch werden

Die Glomerulonephritis kann unterschiedliche Verlaufsformen zeigen, die sich auch in ihrer Behandlung und Prognose unterscheiden. Die akute Nierenentzündung, die beispielsweise nach Infekten auftritt, heilt meist folgenlos aus. Die subakute Form wie die häufige IgA-Nephritis führt dagegen nach zehn bis 20 Jahren in etwa 25 Prozent der Fälle dazu, dass eine Dialyse nötig wird.

Die chronische und die rapid progressive Glomerulonephritis verlaufen deutlich schneller – die chronische Form führt durchschnittlich nach wenigen Jahren zur Dialyse, die rapid-progressive Form sogar innerhalb von Wochen, wenn keine rasche, hoch dosierte Therapie mit Immunsuppressiva erfolgt.

Vorbeugen durch konsequente Behandlung der Vorerkrankungen

Besteht eine Infektion im Körper, die durch Streptokokken hervorgerufen wird wie beispielsweise Scharlach, so sollte mit einem Antibiotikum behandelt werden. Hierdurch kann eine postinfektiöse Glomerulonephritis in vielen Fällen verhindert werden. Krankheiten, die zu einer Nierenentzündung bis hin zum nephrotischen Syndrom führen können, sollten konsequent behandelt und überwacht werden. Hierzu zählt insbesondere der Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

Bei bestehender Nierenentzündung kann Folgeerkrankungen vorgebeugt werden. Beispielsweise kann mit blutverdünnenden Mitteln der Bildung von Blutgerinnseln vorgebeugt werden. Impfungen gegen Grippe und Lungenentzündung dienen der Infektionsprophylaxe.

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