Eine der häufigsten Geschlechtskrankheiten

Chlamydien: Unauffällige Symptome richtig deuten

Chlamydien lösen eine Infektion aus, die Männer wie Frauen gleichermaßen betreffen kann. Sie stecken sich vor allem durch ungeschützten Sex mit den Bakterien an. Und weil viele heute auf Kondome verzichten, steigt die Zahl der Chlamydieninfektionen. Die heimlichen Untermieter fühlen sich vor allem in den Geschlechtsorganen und Harnwegen wohl. Bleiben sie unbehandelt, drohen ernste Folgen wie Unfruchtbarkeit. Dabei gibt ein wirksames Medikament gegen die Erreger: Antibiotika.

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Chlamydieninfektionen sind die häufigste Geschlechtskrankheit in Europa - und verlaufen gerade bei Frauen häufig unbemerkt.
Hemera

Rund fünf bis zehn Prozent aller Paare in Deutschland bleiben ungewollt kinderlos. Ein Auslöser für Unfruchtbarkeit sind (un-)heimliche Erreger: Chlamydien. Jedes Jahr stecken sich knapp 350.000 Menschen in Europa neu mit den Bakterien an, schätzt das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). Die Chlamydieninfektion zählt zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Betroffen sind vor allem Männer und Frauen unter 24 Jahren.

Die zehn häufigsten Geschlechtskrankheiten

Das Robert Koch-Institut in Berlin schätzt, dass in Deutschland jährlich rund 10.000 Frauen neu daran erkranken. Vermutlich liegt die Dunkelziffer weitaus höher, weil viele die Ansteckung gar nicht bemerken und sie keinen Arzt aufsuchen. Bis zum Jahr 2001 war die Erkrankung in Deutschland noch meldepflichtig, heute ist sie es nicht mehr.

Ungeschützter Sex verbreitet Chlamydien

Sprechen Ärzte von einer Chlamydieninfektion, meinen sie meist das Bakterium Chlamydia trachomatis als Verursacher. Mit dem Erreger stecken sich Menschen durch ungeschützten Verkehr an. Er befällt die Harnwege und Geschlechtsorgane. Daneben gibt es noch zwei andere Chlamydienarten, die für Menschen eine Rolle spielen: Chlamydia pneumoniae und Chlamydia psittaci, die meist die Lunge und Atemwege infizieren.

Warum die Infektionen weltweit auf dem Vormarsch sind, darüber lässt sich nur mutmaßen. Wahrscheinlich trägt dazu bei, dass junge Leute immer seltener Kondome verwenden. Diese schützen nicht nur vor einer ungewollten Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien, Syphilis oder Gonorrhoe (Tripper), sondern auch vor einer HIV-Infektion. Da Infektionen in der westlichen Welt zurückgehen und Ärzte die Immunschwäche Aids heute gut mit Medikamenten im Griff haben, stufen viele die Infektionskrankheit als weniger gefährlich ein – und verzichten auf Kondome. Auch häufig wechselnde Sexualpartner sind ein Grund, warum die Zahl der Infektionen steigt.

Chlamydien kann beide Geschlechter unfruchtbar machen

Infizieren sich Frauen, sind die Symptome häufig unspezifisch, mild ausgeprägt oder fehlen sogar ganz. Viele bemerken die heimlichen Mitbewohner deshalb nicht und suchen keinen Arzt auf. Bei Männern verursachen die Bakterien verschiedene Symptome, zum Beispiel eine Harnleiterentzündung. Eine akute Infektion lässt sich wirksam mit Antibiotika behandeln.

Ohne Therapie besteht die Gefahr einer chronischen Infektion, die schlimme Folgen hat. Die Bakterien steigen im Harn- und Geschlechtstrakt auf, vermehren sich und breiten sich aus. Dadurch können beispielsweise die Samenleiter und Eileiter Schaden nehmen. Die Folge einer verschleppten Chlamydieninfektion ist Unfruchtbarkeit – beider Geschlechter. Ärzte schätzen, dass rund die Hälfte aller weiblichen Fälle von Unfruchtbarkeit auf das Konto der Bakterien geht.

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Chlamydien: Oft zeigen sich keine Symptome

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Anstecken können sich Männer und Frauen durch Sex, wenn die Schleimhäute im Genitalbereich in Kontakt kommen. Es gibt Hinweise darauf, dass die Bakterien auch durch Oral- und Analverkehr übertragbar sind. Für die Infektion im Bereich der Harnwege und Geschlechtsorgane (Urogenitaltrakt) ist ausschließlich das Bakterium Chlamydia trachomatis verantwortlich.

Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) beträgt eine bis drei Wochen. Tückisch ist, dass etwa 80 Prozent der betroffenen Frauen keine Symptome bemerken. Gleiches gilt auch für etwa 50 Prozent der Männer. So bleibt die Infektion bei beiden Geschlechtern oft unerkannt. Wenn Symptome auftreten, dann sind sie äußerst unterschiedlich. Eine Infektion mit den Bakterien ist leicht mit anderen Geschlechtskrankheiten zu verwechseln.

Anzeichen bei Frauen

Folgende Symptome weisen darauf hin, dass eine Frau infiziert ist:

  • Juckreiz im Genitalbereich
  • gelblich-klebriger Ausfluss
  • Brennen beim Wasserlassen
  • leichte Blutungen beim Geschlechtsverkehr
  • Unterbauchschmerzen
  • Fieber

Anzeichen bei Männern

Bei Männern, die sich angesteckt haben, entwickeln sich folgende Beschwerden:

  • Harnleiterentzündung
  • Unterbauchschmerzen
  • Hautreizungen an der Penisspitze
  • Ausfluss aus dem Penis

Mögliche Folgen einer unerkannten Chlamydieninfektion

Bleibt eine Infektion unbehandelt, steigen die Bakterien auf und lösen Entzündungen des Gebärmutterhalses, der Eileiter und Eierstöcke aus. Im schlimmsten Fall werden betroffene Frauen unfruchtbar. Auch Männer können Spätfolgen entwickeln. Dazu zählen zum Beispiel Entzündungen der Prostata und Samenleiter. Zudem können die Samenleiter verkleben, was ebenfalls Unfruchtbarkeit verursacht.

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Die reaktive Arthritis (Reiter-Syndrom) ist eine weitere Komplikation. Dabei greifen die Bakterien einige Wochen nach der Infektion die Gelenke der unteren Körperhälfte an – Zehen-, Sprung- und Kniegelenke. Steigen sie weiter auf, sind die Wirbelsäule und Bindehäute bedroht.

Chlamydien in der Schwangerschaft

Schwangere, die sich infiziert haben, können ihr Baby während der Geburt mit den Keimen anstecken. Dieses Infektionsrisiko beträgt bis zu 70 Prozent. Jedes dritte Neugeborene, das sich bei der Geburt mit den Keimen angesteckt hat, entwickelt die typische Bindehautentzündung (Trachom). Daneben vermuten Ärzte einen Zusammenhang zwischen der Chlamydieninfektion und einer Frühgeburt.

Viele Frauen mit einer chronischen Infektion werden jedoch gar nicht erst schwanger. Aufgrund der Entzündung verkleben und verwachsen die Eileiter. Eizellen können nicht mehr hindurchgelangen. Die Folge ist Unfruchtbarkeit oder es drohen eine Eileiter- und Bauchhöhlenschwangerschaft.

Ursachen: Drei Arten von Chlamydien können Krankheiten auslösen

Für Menschen sind drei Chlamydien-Varianten von Bedeutung: Das Bakterium Chlamydia trachomatis löst Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane aus, ist zudem für eine chronische Bindehautentzündung (Trachom) verantwortlich. Das Trachom tritt vor allem in den Tropen auf und ist dort die Hauptursache für Erblindung. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass knapp 200 Millionen Menschen in dieser Erdregion mit dem Erreger infiziert sind.

Chlamydia pneumoniae und Chlamydia psittaci befallen dagegen die Lunge und Atemwege. Das Bakterium Chlamydia pneumoniae breitet sich über Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen oder Sprechen aus und ruft eine Lungenentzündung hervor. Auch könnte ein Zusammenhang zwischen der Infektion mit Chlamydia pneumoniae und Arteriosklerose, Rheuma, Morbus Crohn, Asthma und Alzheimer bestehen. Wissenschaftlich bewiesen ist dies aber nicht.

Das Bakterium Chlamydia psittaci übertragen Vögel auf den Menschen über unmittelbaren Kontakt mit den Tieren. Infizierte können die sogenannte Papageienkrankheit (Ornithose) entwickeln, die grippeähnliche Symptome wie hohes Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen sowie eine Lungenentzündung auslöst. Mit der Vogelgrippe hat diese Infektionskrankheit übrigens nichts zu tun. Die Papageienkrankheit ist äußerst selten. Bisher ist sie ausschließlich bei Menschen nachgewiesen, die engen Kontakt mit Vögeln haben, etwa Geflügelzüchter und Menschen, die privat Papageien oder Wellensittiche besitzen.

Chlamydien immer vom Arzt abklären lassen

Männer und Frauen sollten Beschwerden im Bereich der Geschlechtsorgane und Harnwege immer von einem Arzt abklären lassen, denn eine unbehandelte Chlamydieninfektion kann ernsthafte Folgen haben, beispielweise Unfruchtbarkeit. Der richtige Ansprechpartner für Frauen ist ein Gynäkologe, für Männer ein Urologe oder Androloge.

So funktioniert die Diagnose bei Frauen und Männern

Die Untersuchung mit dem Spekulum liefert schon erste Hinweise auf eine Chlamydieninfektion der Frau: Sie ist anhand der Beschaffenheit der Vagina und des Ausflusses erkennbar. Weitere Klarheit bringen die mikroskopische Untersuchung sowie Zellkulturen des Vaginalabstrichs. Auch eine Laboruntersuchung des Urins gibt Aufschluss, ob die Bakterien vorhanden sind. Eine chronische Infektion lässt sich oft erst durch eine Blutuntersuchung mit Sicherheit diagnostizieren.

Bei Männern entnimmt der Urologe einen Abstrich aus dem Harnleiter und lässt ihn im Labor untersuchen. Zusätzlich gibt die Urinprobe Aufschluss, ob die bakterielle Erkrankung vorliegt. Wichtig ist es immer, andere Geschlechtskrankheiten als Verursacher der Beschwerden ausschließen.

Therapie: So werden Chlamydien behandelt

Die Erkrankung heilt vollständig aus, sofern Ärzte sie rechtzeitig erkennen und behandeln. Die Medikamente der Wahl sind Antibiotika, die gezielt gegen Bakterien wirken. Die Antibiotikatherapie lässt nicht nur die bestehenden Beschwerden wie Harnleiterentzündung und Unterleibsschmerzen verschwinden, sondern verhindert auch Spätfolgen wie Unfruchtbarkeit.

Es gibt eine Reihe von Antibiotika, die Ärzte gegen die Chlamydieninfektion einsetzen. Beispiele sind:

  • Azithromycin
  • Doxycyclin
  • Erythromycin
  • Ofloxacin
  • Levofloxacin
  • Roxithromycin

Wichtig ist, dass Patienten die Antibiotika ausreichend lange einnehmen und sie nicht vorzeitig absetzen, wenn keine Beschwerden mehr bestehen. Sonst können einige Bakterien überleben und sich erneut vermehren. Bei einer Entzündung der Beckenorgane kann die Antibiotika-Behandlung durchaus 20 Tage dauern. Geschlechtsverkehr in jeglicher Form ist während der Behandlung tabu.

Den Partner unbedingt mitbehandeln

Auch der Geschlechtspartner sollte sich behandeln lassen, um eine gegenseitige Wiederansteckung zu verhindern – den  Ping-Pong-Effekt. Infizierte sollten am besten alle Partner, mit denen sie in den letzten 60 Tagen Geschlechtsverkehr hatten, über die bestehende Infektion informieren und ihnen zu einem Arztbesuch raten. Das verhindert, dass sie sich weiter ausbreitet.

Sich und andere vor einer Chlamydien-Infektion schützen

Der einzige Schutz vor einer Infektion ist Safer Sex! Deshalb beim Geschlechtsverkehr immer Kondome verwenden – das gilt auch für Oral- und Analverkehr. Die Bereitschaft, Präservative zu benutzen, hat allerdings in den letzten Jahren spürbar nachgelassen. Ärzte vermuten, dass die Infektionskrankheit Aids ihren Schrecken eingebüßt hat und Sexualpartner deshalb unvorsichtiger werden. Das schlägt sich auch in steigenden Zahlen von Krankheiten nieder. Auch häufiger Wechsel von Sexualpartnern trägt zu steigenden Infektionszahlen bei.

Frauen sollten außerdem regelmäßig gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Der Arzt führt dabei einen Test auf Chlamydien durch. So lässt sich die tückische Infektion rechtzeitig erkennen und behandeln – und zwar bevor die Bakterien zur Unfruchtbarkeit führen!

Woher Hodenschmerzen kommen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 22. Juni 2017
Quellen: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Stand 2013; Fachinformationen vom Berufsverband der Frauenärzte und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe; Robert Koch-Institut, Chlamydiosen (Teil 1): Erkrankungen durch Chlamydia trachomatis, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Chlamydiosen_Teil1.html

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Expertenrat Sexualmedizin
    Chlamydien oder Tripper
    14.03.2001 | 10:03 Uhr

    Ich habe folgende Frage: Mein Hautarzt hat bei mir nach einem Abstrich einen Tripper...   mehr...

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