Krankhafte Erweiterung der Atemwege

Bronchiektasen: Behandlung und Verlauf

Bronchiektasen sind übermäßige Erweiterungen der Atemwege (Bronchien), die sich nicht mehr zurückbilden können. Ursachen gibt es viele, etwa angeborene Erkrankungen.

Mann mit Atemwegsproblemen
Hauptsystem der Bronchiektasie ist anhaltender Husten, teils mit starkem Auswurf.
(c) George Doyle

Bronchiektasen sind krankhafte Erweiterungen der Atemwege (Bronchien). Erweiterungen der Bronchien, die im Rahmen von Lungenentzündungen entstehen und im Verlauf wieder verschwinden, zählen laut Definition nicht dazu.

Die Bronchiektasen haben verschiedene Formen: Sie können sackförmig (zystisch), zylinderförmig oder spindelförmig (varikös) sein. Ihre Ausbreitung kann sich auf einen Lungenflügel begrenzen, aber auch beide Lungenflügel betreffen. Mitunter kommen die Bronchiektasen nur an einer bestimmten Stelle (lokal) vor oder sie sind über die ganze Lunge beziehungsweise mehrere Lungenabschnitte verteilt. Mediziner sprechen dann von generalisierten oder diffusen Bronchiektasen. Bevorzugt treten Bronchiektasen in den mittleren und kleinen Bronchien auf.

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In den irreversiblen Erweiterungen der Bronchien besteht unter Umständen eine anhaltende (chronische) Entzündung, die im Verlauf die gesamte Bronchialwand und das umliegende Lungengewebe erfassen kann. Mögliche Folgen sind ein narbiger Umbau der Lungen, Verengungen der Atemwege und eine eingeschränkte Funktion in diesen Bereichen.

Außerdem kann in den abnorm erweiterten Bronchien der Schleimtransport gestört sein. So haben Erreger wie Bakterien leichteres Spiel und können sich im Schleim ansiedeln und immer wieder Infektionen hervorrufen. Diese können den entzündlichen Prozess weiter vorantreiben.

Häufigkeit der Bronchiektasen

Die Häufigkeit der Erweiterungen der Atemwege (Bronchiektasen) hat im Verlauf des letzten Jahrhunderts abgenommen, da sie vor allem im Kindesalter nach Infektionen wie Keuchhusten, Masern oder Lungenentzündungen entstanden. Impfungen und der Einsatz von Medikamenten, die die Ausbreitung von Bakterien hemmen (Antibiotika) sorgten für einen Rückgang der schweren Formen. Dennoch sind Bronchiektasen heute nicht völlig verschwunden. Schätzungen zufolge entstehen sie gegenwärtig vermehrt im Rahmen angeborener Erkrankungen.

Verlässliche Zahlen, wie viele Menschen Bronchiektasen haben, gibt es derzeit nicht. Einigen Angaben zufolge kommen sie in den Industrieländern bei 60 von 100.000 Einwohnern vor. Andere Quellen gehen von zehn Betroffenen unter 100.000 Menschen aus. Zudem scheint das Risiko für das Auftreten der abnormen Erweiterungen der Luftwege mit dem Alter anzusteigen. So sollen in den USA einer Untersuchung zufolge bei den 18- bis 34-Jährigen statistische gesehen 4,2 unter 100.000 Personen, im höheren Alter ab 75 Jahren 272 unter 100.000 Personen betroffen sein.

Symptome der Bronchiektasie

Die Symptome der Bronchiektasen sind individuell verschieden, auch der Verlauf der Erkrankungen variiert von Patient zu Patient. So haben manche Betroffene keine oder nur wenige Beschwerden, andere zeigen täglich Symptome und ihre Lungenfunktion nimmt allmählich ab.

Einer US-amerikanischen Untersuchung zufolge erleiden Patienten mit Erweiterungen der Atemwege jährlich im Schnitt 1,5 schubartige Verschlechterungen (Exazerbationen) ihrer Beschwerden.

Anhaltender Husten mit Auswurf

Wesentliches Symptom der Bronchiektasen ist der anhaltende (chronische) Husten, der oft mit eitrigem Auswurf (Sputum) einhergeht. Der Husten kann im Liegen schlimmer werden. Besonders morgens und beim Wechseln der Position, zum Beispiel vom Liegen zum Stehen, kommt es bei einigen Patienten zu sogenannten „maulvollen“ Auswürfen. Mitunter ist das abgehustete Sputum dreischichtig und besteht aus Schaum, Schleim und Eiter. Es kann süßlich-fade riechen. In manchen Fällen haben die Betroffenen zwar Husten, doch ohne Auswurf (trockener Husten).

Weitere Beschwerden

Etwa 75 Prozent der Patienten leiden an Luftnot. Bei 50 Prozent kann Bluthusten auftreten, der zwar nicht immerzu bestehen muss, aber eventuell wiederholt vorkommt (intermittierend). Ebenfalls ungefähr 50 Prozent der Patienten berichten von Schmerzen im Brustraum. Bei einer Reihe von Betroffenen treten immer wieder Entzündungen mit Erregern (rezidivierende Infektionen) auf. Andere Symptome wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust sowie Blutarmut (Anämie) sind möglich.

Oft entwickeln sich die Symptome langsam und schleichend, nicht selten steht die verursachende Erkrankung mit ihren Beschwerden im Vordergrund. Im Verlauf können sich die Symptome wie der Auswurf verstärken. Rezidivierende Infektionen äußern sich möglicherweise durch Fieber und vermehrt eitrigen Auswurf. Bei schweren Formen kann in späteren Stadien das Herz in Mitleidenschaft gezogen werden, sodass der Körper nicht mehr genügend Sauerstoff erhält. Bei einigen Patienten zeigen sich als Folge davon aufgetriebene Endglieder der Finger (Trommelschlegelfinger) und/oder eine stärkere Wölbung der Fingernägel (Uhrglasnägel).

Warnsignale

Chronischer oder andauernder Husten sollte in jedem Fall durch einen Arzt abgeklärt werden. Neben Erweiterungen der Atemwege können auch andere Erkrankungen der Atemwege dahinterstehen. Ebenso sollten Auswurf, Bluthusten, Schmerzen im Brustkorb, Fieber und/oder ein Gewichtsverlust ohne erkennbare Ursache die Betroffenen veranlassen, so bald wie möglich einen Arzt aufzusuchen. Fieber kann zum Beispiel auf eine Infektion hinweisen, die oft mit entsprechenden Medikamenten wie Antibiotika behandelt werden muss.

Bronchiektasen haben vielfältige Ursachen

Die Ursachen vonBronchiektasen sind vielfältig. Einige Mediziner teilen die Ursachen oder Auslöser der abnormen und nicht mehr rückgängig zu machenden (irreversiblen) Aussackungen der Atemwege in drei Gruppen ein. Zu diesen Ursachen gehören angeborene Erkrankungen, erregerbedingte oder weitere Entzündungen sowie andere Krankheiten, die die Lunge beziehungsweise die Atemwege oder – im Falle von Systemerkrankungen – den gesamten Körper betreffen.

Viele Experten schätzen, dass angeborene (kongenitale) Erkrankungen in der westlichen Welt heute die häufigsten Ursachen für Erweiterungen der Atemwege sind. Dazu zählt vor allem die Mukoviszidose, auch zystische Fibrose genannt. Ihr liegt ein erblicher (genetischer) Defekt zugrunde, der zu einer übermäßigen Produktion zähen Schleims führt. Aber auch der angeborene Mangel an einer Substanz (Alpha-1-Antitrypsinmangel), die einen zu starken Gewebeabbau durch andere Stoffe verhindert, kann Bronchiektasen verursachen. Daneben sind angeborene Störungen des Abwehrsystems und andere Erkrankungen mögliche Auslöser. In manchen Fällen bestehen die Bronchiektasen bereits bei Geburt.

Entstehung nach Entzündungen

Bronchiektasen können zudem nach Infektionen (postinfektiös) auftreten, etwa nach viralen Infektionen wie Grippe, Masern oder Röteln. Auch durch Bakterien ausgelöste Entzündungen wie Keuchhusten, Lungenentzündungen oder Tuberkulose können Bronchiektasen zur Folge haben. Pilzinfektionen können ebenfalls Bronchiektasen verursachen. Wiederholtes Verschlucken (rezidivierende Aspirationen) von Magensaft und anderen reizenden Stoffen ist neben anderen ein weiterer Auslöser.

Im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen oder Fremdkörpern

Weitere Ursachen für Bronchiektasen können Geschwulste (Tumoren) oder Fremdkörper, die die Atemwege verengen, sein. Aber auch im Rahmen von anderen Erkrankungen wie chronischer Bronchitis oder Asthma bronchiale entstehen mitunter Bronchiektasen.

Trotz der Vielzahl möglicher Ursachen und genauer Untersuchungen kann bei fast 50 Prozent der Patienten kein Auslöser für die Bronchiektasen gefunden werden. Manche Wissenschaftler geben die Häufigkeit der Bronchiektasen mit unbekannter Ursache mit bis zu 80 Prozent an. Wenn keine Ursache gefunden werden kann, sprechen Mediziner von einer idiopathischen Krankheit.

Studienergebnisse

In einer Untersuchung aus dem Jahr 2007 analysierten britische Wissenschaftler die Ursachen der Bronchiektasen bei 165 Patienten. Viele Bronchiektasen entstanden in dieser Studie durch Infektionen (32 Patienten, 19,4 Prozent). Bei 26 Patienten (15,8 Prozent) konnte keine Ursache gefunden werden (idiopathisch). Angeborene Erkrankungen wie die Mukoviszidose oder der Alpha-1-Antitrypsinmangel waren bei 11 Betroffenen (6,7 Prozent) der Auslöser. Zu den anderen Ursachen zählten zum Beispiel bei einem Patienten (0,6 Prozent) Aspirationen (Verschlucken), bei sieben Betroffenen (4,2 Prozent) Defekte des Abwehrsystems, bei zwei Patienten (1,2 Prozent) die Gelenkerkrankung rheumatoide Arthritis, bei drei Patienten (1,8 Prozent) die chronisch-entzündliche Darmerkrankung Colitis ulcerosa sowie bei weiteren acht Patienten (4,8 Prozent) eine durch Pilze hervorgerufene allergische Erkrankung der Atemwege (allergische bronchopulmonale Aspergillose).

So erkennt der Arzt Bronchiektasen

Die Diagnose der Erweiterungen der Atemwege umfasst verschiedene Untersuchungen, die dazu dienen, zum einen die abnormen Erweiterungen der Bronchien und zum anderen die auslösende Erkrankung zu erkennen.

In der Regel befragt der Arzt für eine Diagnose der Bronchiektasen den Patienten ausführlich (Anamnese). Dabei erkundigt er sich unter anderem nach den Beschwerden, wann sie auftreten, seit wann sie bestehen und nach eventuell bestehenden Erkrankungen. Anschließend untersucht der Arzt den Patienten, mit Augenmerk auf die Untersuchung der Lunge (Abhören). Daraus kann er bereits wichtige Erkenntnisse gewinnen, die unter Umständen wegweisend für weitere Untersuchungen sind.

Computertomographie

Wesentliche Untersuchungen sind die bildgebenden Verfahren. Zwar wird in der Regel eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs gemacht, doch sind Bronchiektasen darauf nicht immer zu erkennen. Trotzdem gibt es typische Zeichen, die das Röntgenbild abbilden kann.

Im Allgemeinen erfolgt jedoch eine hochauflösende Computertomographie (CT) des Brustkorbs, die den Brustkorb einschließlich der Lungenflügel sozusagen in Scheiben abbildet. Dadurch kann der Arzt alles genau betrachten und nach typischen Zeichen fahnden. Die CT hat die früher übliche Röntgenaufnahme mit Kontrastmittel (Bronchografie), die sehr viel Aufwand erfordert und belastend für den Patienten sein kann, im Prinzip abgelöst.

Auswurf untersuchen und Lungenfunktion prüfen

Entzündungszellen und Keime lassen sich unter Umständen im abgehusteten Auswurf (Sputum) nachweisen. Genauer ist jedoch die Analyse von Material aus den Atemwegen beziehungsweise Gewebeproben, das im Rahmen einer Lungenspiegelung (Bronchoskopie) gewonnen werden kann. Die Untersuchung der Gewebeproben gibt mitunter auch Hinweise auf die Ursache der Bronchiektasen.

In manchen Fällen ist eine Überprüfung der Lungenfunktion mit speziellen Methoden (Spirometrie) notwendig, um zum Beispiel Verengungen der Atemwege zu erkennen. Weitere Untersuchungen wie die Analyse von Blutproben können erforderlich sein, damit die Grunderkrankung diagnostiziert werden kann.

Schub oder Verschlechterung (Exazerbation)

Von einer Verschlechterung beziehungsweise Exazerbation wird gesprochen, wenn wenigstens vier der folgenden Symptome oder Zeichen auftreten:

  • Mehr Auswurf
  • Steigende Luftnot
  • Zunehmender Husten
  • Veränderte Geräusche beim Abhören der Lunge (Auskultation)
  • Fieber ab 38°C, im After gemessen
  • Abgeschlagenheit, kein Appetit, geringere Belastbarkeit
  • Zunehmende Verengung der Atemwege
  • Abnahme der Lungenfunktion (Spirometrie3)
  • Verändertes Röntgenbild

Behandlung von Bronchiektasen

Die Therapie der Bronchiektasen schließt verschiedene Maßnahmen ein. Wichtig ist es, nach Möglichkeit die Grunderkrankung zu behandeln. So kann ein Alpha-1-Antitrypsinmangel bei einigen Patienten mit der Gabe der fehlenden Substanz Alpha-1-Antitrypsin therapiert werden.

Patienten mit Erweiterungen der Atemwege haben grundsätzlich die Möglichkeit, bestimmte Methoden zu erlernen, mit denen sie den Schleim, der sich in den Atemwegen befindet, besser entfernen können. Dazu gehören zum Beispiel Klopfmassagen, Husten- oder Atemtechniken.

Um den Schleim möglichst flüssig zu halten und so leichter abhusten zu können, muss ausreichend Flüssigkeit zugeführt werden. Der (dauerhafte) Einsatz schleimlösender Medikamente wird unter den Medizinern diskutiert, hat sich aber in Studien bislang oft als wenig effektiv erwiesen.

Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

Gehen Bronchiektasen auf eine bakterielle Infektion zurück oder liegt eine Entzündung der Atemwege vor, die durch eine bakterielle Infektion verursacht wurde, ist die Behandlung mit Antibiotika angezeigt. Dabei müssen die auslösenden Bakterien genau identifiziert werden, um einen zielgerichteten Einsatz der Antibiotika zu ermöglichen. Auch bei Verschlechterungen werden Antibiotika angewendet. Ihre langfristige Gabe bietet sich eventuell bei Patienten mit dauerhaft eitrigem Auswurf an.

Besteht eine deutliche Verengung (Obstruktion) der Atemwege, können bronchienerweiternde Medikamente wie Betasympathomimetika eingesetzt werden.

Operation

Bronchiektasen, die nur an einem bestimmten Ort (lokalisiert) in der Lunge auftreten, lassen sich unter Umständen operativ entfernen. Allerdings kommt dies nur für wenige Patienten infrage. Starker Bluthusten sollte durch Unterbrechung des betroffenen Gefäßes mittels spezieller Techniken möglichst in spezialisierten Zentren gestoppt werden. In weit fortgeschrittenen Stadien mit schweren Lungenfunktionsstörungen kann eine Lungentransplantation erwogen werden.

Bronchiektasie vorbeugen

Die Prävention der Erweiterungen der Atemwege ist nicht immer möglich. Bei einigen Grunderkrankungen ist jedoch vorbeugendes Impfungen eine geeignete Maßnahme.

Angeborene Erkrankungen wie die Mukoviszidose oder der Alpha-1-Antitrypsinmangel, die zu Bronchiektasie führen können, lassen sich nicht verhindern. Infektionen wie Masern oder Keuchhusten, die mitunter Bronchiektasen verursachen, lässt sich dagegen durch Impfungen oder hygienische Maßnahmen vorbeugen.

Prinzipiell kann eine konsequente Therapie der Grunderkrankung die Entstehung von Bronchiektasen hinauszögern oder gar verhindern. Besteht die abnorme und nicht mehr rückgängig zu machende Erweiterung der Bronchien bereits, sind deren Behandlung sowie die entsprechende Therapie der Ursache sehr wichtig, um ein folgenreiches Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Patienten mit Bronchiektasen sollten sich gegen Pneumokokken, die eine Lungenentzündung auslösen können, und jährlich gegen Grippe impfen lassen, um so möglichen Verschlechterungen vorzubeugen.

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