Atemnot als Hauptsymptom

Lungenemphysem senkt die Lebenserwartung

Die Luft wird immer knapper, die Atemnot größer. Das Lungenemphysem ist eine krankhafte Überblähung der Lunge. Die Lungenbläschen sind erweitert oder sogar zerstört.

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Anfangs macht die Lungenüberblähung nur wenig Atemnot, später wird es sehr belastend.

Atemnot ist eine der quälendsten Beschwerden, die es gibt. Denn Atmen ist Leben und wird die Luft knapp, bedeutet das nicht nur gravierenden Sauerstoffmangel für alle Organe und jede Zelle, sondern im Hintergrund lauert immer auch Angst, die Angst zu ersticken. Atemnot ist das wichtigste Anzeichen für eine Bronchien- und Lungenerkrankung wie COPD (Chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen), wozu auch das Lungenemphysem gehört. Dabei nehmen diese so genannten chronisch fortschreitenden Lungenerkrankungen weltweit massiv zu. In Deutschland, so schätzen Experten, sind fünf bis zehn Prozent der Menschen betroffen.

COPD und Lungenemphysem hängen eng zusammen. Denn aus einer chronisch obstruktiven Bronchitis kann sich ein Lugenemphysem entwickeln. Dabei handelt es sich um einer Überblähung der Lunge. Die Ursache: Die Lungenbläschen (Alveolen) sind überdehnt oder bereits zerstört, als Folgen einer chronische Entzündung. Die Entzündung stört nämlich das Gleichgewicht und auf- und abbauenden Eiweißen in den Lungenbläschen. Die abbauenden überwiegen und das führt zur Zerstörung der Alveolen. Sie sind nicht mehr elastisch, sondern schlaff.  Das behindert nicht nur den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid, sondern auch das Ausatmen. Es verbleibt Luft in der Lunge und eine Überblähung tritt ein. Ist dieser Gasaustausch anfangs nur etwas eingeschränkt, zeigt sich das mit Atemnot, die vorerst nur unter Belastung auftritt. Später hält sie dauerhaft an.

Fünf wichtige Ursachen von COPD

Lungenemphysem: Die häufigsten Symptome

Anfangs sind es Husten und Atemnot. Dann kommen als stufenweise Verschlechterungen Exazerbationen hinzu.

Das Lungenemphysem entwickelt sich aus einer COPD heruas. Atemnot unter Belastung und morgendlicher Husten (Raucherhusten) mit Auswurf sind also die ersten Anzeichen. Diese Symptome werden von vielen Betroffenen jedoch noch nicht als Krankheitszeichen gesehen, sondern mehr oder weniger als Unpässlichkeit und "nicht in Form sein".

Atemnot ist wichtigstes Anzeichen des Lungenemphysems

Schreitet die Überblähung voran, tritt die Atemnot ständig auf, auch im Ruhezustand. Zusätzliche Anzeichen sind:

  • Bläuliche Verfärbung der Nägel und Lippen durch den Sauerstoffmangel, medizinisch als Zyanose bezeichnet.
  • Brustkorb verändert sich, wirkt aufgebläht und fassförmig (Fassthorax).

Die ständige Atemnot und der quälende Husten belasten auch das Herz. Typischerweise bildet sich als Folge des Lungenemphysems eine Rechtsherzinsuffizienz.

Plötzlich verschlechtert sich Gesundheitszustand: Exazerbation

Typisch für das Lungenemphysem sind die so genannten Exazerbationen. Dabei handelt es sich um plötzliche Verschlechterungen der Lungenkrankheit mit starkem Husten und massiver Atemnot. Die Patienten müssen ins Krankenhaus und intensiv betreut werden, etwa durch künstliche Beatmung. Häufig bleibt nach diesen Ereignissen die Lungenfunktion etwas schlechter als zuvor.

Die Ursachen eines Lungenemphysems

Was ist schuld am Lungenemphysem? Im Prinzip sind die Ursachen dieselben wie bei COPD, denn beide Krankheiten hängen eng zusammen. Dementsprechend ist Rauchen sowie Passivrauchen Ursache Nummer eins für die Überblähung der Lunge. Daneben kommen jedoch noch eine Reihe von andere Faktoren in Frage. Die Aufzählung beginnt mit der häufigsten und endet mit der seltensten:

  • Rauchen und Passivrauchen

  • Chronisch obstruktive Bronchitis, meist ebenfalls eine Folge von Rauchen. Typisch ist der morgendliche "Raucherhusten", der bereits anzeigt, dass die Lungenfunktion schwer beeinträchtigt ist.

  • Virusbronchitis - diese Infektion kann die Lungenbläschen nachhaltig schädigen.

  • Altersemphysem - mit den Jahren verlieren die Lungenbläschen ihre Elastizität, eine Überblähung kann eintreten. Allerdings sind die Ausprägungen bei dieser Form des Emphysems sehr milde, so dass sie als "normale" Alterserscheinung bewertet werden kann.

  • Eine Erbkrankheit (Alpha-1-Antitrypsin-Mangel), die für die Lungenbläschen wichtigen aufbauenden Eiweiße werden in zu geringer Menge gebildet. Betroffen von dieser Krankheit sind ein bis zwei Menschen pro 10.000.

  • Berufsbedingte Belastung der Lunge, etwa mit Quarzstaub bei der Steinbearbeitung oder im Bergwerk.

  • Belastung der Lunge durch Umwelteinflüsse wie Ozon.

Untersuchungen zur Diagnose des Lungenemphysems

Um eine Lungenemphysem zu diagnostizieren, hat der Arzt mehrere Möglichkeiten: Lungenfunktionsprüfung unter Belastung, Röntgen und Lungenszintigramm.

Meist sind es Atemnot und Husten, die den betroffenen zum Arzt führen. Ansprechpartner kann dabei zuerst der Hausarzt sein, der nach einer eingehenden körperlichen Untersuchung und Abhorchen den Patienten zur genaueren Abklärung zum Lungenfacharzt überweist. Die ausführliche Anamnese beinhaltet auch die Vorgeschichte des Patienten. Darauf folgt die körperliche Untersuchung mit Abhorchen und Abklopfen von Brust und Rücken. 

Bluttests und Röntgen entlarven das Lungenemphysem

Bereits damit lässt sich der Verdacht auf ein Lungenemphysem erhärten. Zur weiteren Abklärung stehen dem Arzt folgende Diagnosemethoden zur Verfügung:

  • Lungenfunktionsprüfung unter Belastung (Ergo-Spirometrie)

  • Blutgasanalyse - aus dem Ohrläppchen wird etwas Blut gewonnen, so lässt sich erkennen, wie die Blutgase zusammengesetzt sind und eineventueller Sauerstoffmangel wird ersichtlich.

  • Blutuntersuchung, ob ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel besteht und deshalb ein Emphysem entsteht.

  • Röntgen und Computertomografie - dabei werden die blasigen Veränderungen (Emphysemblasen), die für die Lungenüberblähung typisch sind, offensichtlich. 

Rauchstopp und Medikamente: Behandlung des Lungenemphysems

Die Therapien bei einem Lungenemphysem setzen sich aus mehreren Bausteinen zusammen und richten sich nach dem Schweregrad der Erkrankung.

Zuallererst wird den Patienten, falls sie Raucher sind, empfohlen, das Rauchen aufzuhören. Gelingt ihnen das, verbessert sich sofort ihre Lebensqualität: Die Atemnot wird weniger, die Zerstörung der Lunge schreitet wesentlich langsamer voran. Wer weiter raucht, muss damit rechnen, viele Lebensjahre deswegen zu verlieren.

Kortison und Medikamente, die die Bronchien erweitern

Unerlässlich sind darüberhinaus Medikamente. Dazu gehören:

  • Kortikoide  gegen die Entzündung
  • Bronchodilatatoren um die Atmung zu erleichtern, beide Medikamente meist als Spray
  • Antibiotika bei Atemwegsinfekten
  • Impfungen gegen Grippe sowie Lungenentzündung

Sauerstoff-Langzeittherapie bei Lungenemphysem

Für Patienten, die dauerhaft unter Atemnot leiden und deren Sauerstoffgehalt im Blut zu gering ist, wird eine Sauerstoff-Langzeittherapie empfohlen. Dabei handelt es sich um eine so genannte Nasenbrille, die mit einem Sauerstoffgerät verbunden ist. Diese Technik gibt es mobil für tagsüber und als Standgerät für die Nacht. Auf diese Weise werden Organschäden verhindert, die durch Sauerstoffmangel entstehen können. Zusätzlich steigt die körperliche Leistungsfähigkeit.

Ventile entblähen die Lunge

Ist die Erkrankung jedoch zu weit fortgeschritten, gibt es noch die Möglichkeit der Operation. Dabei stehen zwei Verfahren zur Verfügung:

Lungenvolumenreduktion - dabei setzt der Chirurg über ein Endoskop Ventile in die überblähten Bereiche der Lunge. Sie funktionieren nur in eine Richtung: Keine neue Luft kann in die Blasen eindringen, aber alte wird abgebaut.

Lungentransplantation - falls keine andere Behandlungsoption greift, kann eine gesunde Spenderlunge die Lebensqualität des Patienten rasch verbessern. Allerdings handelt es sich bei einer Lungentransplantation um ein große, komplizierte Operation. Außerdem muss der Patient danach lebenslang Medikamente einnehmen, um die Abstoßung zu verhindern. Erschwerend kommt hinzu, dass die Anzahl der Spenderorgane äußerst gering ist - und die Mortalitätsrate nach der Transplantation in den ersten zwei Jahren fast 30 Prozent ausmacht.

Physiotherapie beim Lungenemphysem

Bewegung und Sport sind für Patienten mit Lungenemphysem nicht tabu. Im Gegenteil, die richtige Bewegung verbessert die Atemkapazität, steigert die Lebensqualität und verzögert das Fortschreiten der Krankheit. Unter der fachlichen Anleitung eines Physiotherapeuten und in Lungensportgruppen lernen die Patienten, unter Belastung richtig zu atmen. Kraft und Ausdauer werden trainiert. Zusätzlich lässt sich die Kraft der Lunge mit speziellen Techniken gezielt trainieren, etwa den so genannten PEP-Geräten. Dabei atmet der Patient gegen Widerstand aus. Dabei entstehen kleinste Vibrationen in den Bronchien. Dabei löst sich zäher Schleim und das Abhusten wird leichter.

Lungenemphysem verkürzt Lebenszeit

Bereits COPD verkürzt die Lebenszeit um bis zu sieben Jahre. Kommt dann noch ein Lungenemphysem dazu,  werden es noch mehr. Ausschlaggebend für die Prognose und die Lebenserwartung ist das Ergebnis der Lungenfunktionsprüfung. Zeigt sie, dass die Lungenoberfläche mehr als ein Drittel weniger beträgt als bei einem gesunden Menschen, ist die Lebenserwartung deutlich reduziert.

Zusätzlich ist die mit dem Spirometer gemessene Einsekundenkapazität aussagekräftig. Dabei handelt es sich um die maximale Menge der mit Nachdruck ausgeatmeten Luft in einer Sekunde, medizinisch FEV1 = forciertes expiratorisches Volumen in einer Sekunde. Sind das weniger als 750 Milliliter, verstirbt innerhalb eines Jahres ein Drittel der betroffenen Patienten, innerhalb von zehn Jahren dann sogar 95 Prozent.

Rauchstopp verzögert das Fortschreiten des Lungenemphysems

Bei Rauchern mit einem Lungenemphysem hängt die Lebenserwartung zusätzlich von weiteren Faktoren ab:

  • Rauchstopp – wenn ein Raucher das nicht schafft, nimmt seine FEV1 pro Jahr doppelt so stark ab wie bei demjenigen, der es geschafft hat, seine Sucht zu besiegen. Beim Ex-Raucher sind das nur noch 30 Milliliter.

  • Anzahl der so genannten Päckchenjahre, also in welchem Alter sie mit dem Rauchen begonnen haben und wieviel sie dabei geraucht haben.

Für alle Patienten mit Lungenemphysem wirkt es sich positiv aus, die medikamentöse Behandlung verantwortungsbewusst durchzuführen, Lungensport und Atemtherapie regelmäßig auszuüben.

Lungenemphysem lässt sich vermeiden

Wichtigste Maßnahme zur Vermeidung eines Lungenemphysems ist der Verzicht auf Tabakrauchen. Auch der sofortige Stopp kann bei Rauchern die Auftrittswahrscheinlichkeit drastisch verringern. Keine andere Präventionsmaßnahme hat eine derart große Wirkung.

Daneben gibt es jedoch noch einige Dinge, die Sie beachten sollten, wenn Sie Ihre Lunge gesund erhalten möchten:

  • Vermeiden Sie Passivrauchen

  • Gönnen Sie Ihrer Lunge möglichst reine Luft, gehen Sie beispielsweise nicht an viel befahrenen Straßen lange spazieren

  • Achten Sie am Arbeitsplatz auf Feinstaubbelastung und benutzen Sie falls nötig Atemschutztechniken.

  • Nehmen Sie Atemwegserkrankungen ernst und lassen Sie die Ursache vom Arzt abklären. Unbehandelte Bronchitis kann das Risiko für ein Lungenemphysem erhöhen.

  • Informieren Sie sich über Atemgymnastik. Sie stärkt die Lunge und erhöht ihre Atemleistung.

Selbstverständlich wirkt sich darüberhinaus auch eine allgemein gesunde Lebensweise günstig auf die Gesundheit der Lunge aus. Dazu gehört ausreichend Schlaf, frische, möglichst unbehandelte Lebensmittel und dabei viel Gemüse und Obst, sowie Alkoholreduktion.

Autor:
Letzte Aktualisierung:06. Februar 2017
Quellen: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und der Deutschen Atemwegsliga: Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD); AWMF-Leitlinien-Register; Lungenärzte im Netz

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