Lungenabszess – Symptome und Behandlung

Beim Lungenabszess (nekrotisierende Pneumonie) handelt es sich um eine Ansammlung von Eiter in einer Höhle im Gewebe, die durch entzündliche Prozesse entstanden ist und gegenüber dem gesunden Gewebe abgekapselt ist.

Mann mit Erkältung im Bett
Ein Lungenabzess wird von Symptomen wie starkem Husten und Fieber begleitet.
(c) George Doyle

Als Abszess wird eine Eiteransammlung in einer nicht vorgebildeten Gewebehöhle bezeichnet. Diese Höhle ist durch eine Gewebeeinschmelzung entstanden. Entsprechend handelt es sich bei einem Lungenabszess (nekrotisierende Pneumonie) um eine Eiteransammlung in einer Höhle im Lungengewebe.

Lungenabszess ist Sonderform einer Lungenentzündung

Der Lungenabszess ist eine Sonderform einer Lungenentzündung (Entzündung des Lungengewebes durch Krankheitserreger). Dabei unterscheidet sich die Lungenentzündung mit Entwicklung eines Lungenabszesses von anderen Lungenentzündungen durch das Absterben und anschließende Zerfallen von Lungengewebe. Die Ursachen für diesen Gewebeuntergang sind vielfältig und beruhen auf zwei Faktoren:

  • Schädigungen des Lungengewebes durch den Krankheitserreger selbst
  • Abwehrreaktionen des Immunsystems gegen den Krankheitserreger

Das zugrunde gegangene Lungengewebe wird im Rahmen der Abwehrreaktion des Körpers durch Abwehrzellen, die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), aufgenommen und abgebaut. Der Zerfallsprozess läuft jedoch so schnell ab, dass das absterbende Gewebe vom Körper nicht komplett abgebaut werden kann. Es entsteht eine Höhle im Lungengewebe, die durch Eiter ausgefüllt wird. Im Verlauf der Entzündung wird diese Eiteransammlung zum gesunden Lungengewebe hin durch eine Kapsel abgegrenzt (Abszesswand).

Der gesamte Vorgang der Abszessbildung wird auch als abszedierende Lungenentzündung, als nekrotisierende Pneumonie oder Lungengangrän bezeichnet.

Folgende zusätzliche Unterteilungen existieren:

  1. Akuter oder chronischer Lungenabszess: Je nach Dauer der Beschwerden vor dem Arztbesuch werden Lungenabszesse in akut (Beschwerden seit weniger als vier Wochen) oder chronisch (Beschwerden seit mehr als vier Wochen) unterteilt.
  2. Primärer oder sekundärer Lungenabszess: Von einem primären Lungenabszess spricht man bei Patienten, die vor der Entwicklung des Lungenabszesses gesund waren. Sekundäre Lungenabszesse sind Abszesse auf dem Boden einer zugrundeliegenden anderen Erkrankung wie zum Beispiel oder AIDS/HIV.
  3. Einteilung nach verursachenden Krankheitserregern: Die Abszesse können auch nach dem verursachenden Krankheitserreger klassifiziert werden (Pseudomonas-Lungenabszess bei einem Abszess durch den Erreger Pseudomonas aeruginosa, tuberkulöser Lungenabszess bei einem durch Tuberkel-Bakterien hervorgerufenen Lungenabszess).

Symptome des Lungenabszesses

Vor allem die Patienten, die einen Lungenabszess auf dem Boden einer Aspiration (durch Verschlucken von Nahrungsresten) entwickeln, haben selten akute, dramatische Symptome. Zu mehr als 90 Prozent handelt es sich dabei um eine Infektion durch anaerobe Bakterien, also Bakterien, die in Gegenwart von Sauerstoff nur schlecht oder gar nicht gedeihen. Bei kleineren Abszessen können die Beschwerden auch nur gering ausgeprägt sein.

Krankheitszeichen wie Fieber oder Husten

In der Regel entwickeln die Patienten ein allgemeines Krankheitsgefühl, fühlen sich schlapp und leistungsgemindert. Gleichzeitig treten folgende typische Beschwerden auf: Fieber, Husten und Auswurf. Atemabhängige Schmerzen können bei einer Beteiligung des Rippenfells vorkommen. Der Auswurf ist in der Regel eitrig und hat häufig einen unangenehmen, fauligen Geruch. Oft fällt dieser neu aufgetretene Mundgeruch dem Patienten und seiner Umgebung unangenehm auf. Nicht selten finden sich auch Blutbeimengungen (Hämoptysen) im Auswurf. Allgemeine Zeichen der Infektion sind Gewichtsverlust, Nachtschweiß und ein Mangel an rotem Blutfarbstoff (Anämie).

Beschwerden können sich im Verlauf bessern

Zu Beginn der Erkrankung stehen in der Regel die Beschwerden Fieber und Husten im Vordergrund. Diese bleiben im Verlauf bestehen, können in ihrer Ausprägung aber wechseln (zum Beispiel Phasen ohne Fieber oder ein zwischenzeitlich nicht mehr so stark ausgeprägter Husten). Mit zunehmendem Absterben von Lungengewebe findet die Abszesshöhle dann Anschluss an das Bronchialsystem und der Patient hustet den eitrigen Auswurf aus. Hat sich im Verlauf die Abszesshöhle dann über die Bronchien weitgehend entleert, kann der Auswurf in der Menge auch wieder zurückgehen. Ganz beschwerdefrei ist der Patient aber in der Regel nicht.

Angesichts der sich langsam entwickelnden Symptome ist es nicht selten, dass Patienten den Arzt nicht wegen der pulmonalen Beschwerden (Husten, Auswurf, Blutbeimengungen) aufsuchen, sondern eher die allgemeinen Symptome wie Gewichtsverlust und Fieber beklagen.

Welche Ursachen kann ein Lungenabszess haben?

Bei 90 Prozent der Fälle eines Lungenabszesses gelangen die Bakterien aus dem Mund- und Rachenbereich in die tieferen Atemwege. Jeder weiß, wie unangenehm es ist, wenn man sich so richtig verschluckt hat. Dann gelangen feste und flüssige Substanzen in die Atemwege, die dort erhebliche Schäden verursachen können. Man nennt dieses Eindringen von Nahrungsbestandteilen Aspiration. Der Körper versucht sich gegen eine solche Aspiration zu schützen: Fast jeder hat schon einen schweren Hustenanfall nach einem zufälligen Verschlucken erlebt. Diese massive Hustenreaktion dient der Reinigung der Atemwege (Bronchien und Lungengewebe) und damit der Abwehr von Folgeschäden.

Außer der Atemluft ist in den tiefen Atemwegen praktisch alles andere unerwünscht. Der Hustenanfall stellt dabei die heftigste Reinigungsaktion der Bronchien dar.

Die Umstände beziehungsweise Erkrankungen, die einen Lungenabszess begünstigen, zeigen einige typische Gemeinsamkeiten:

  1. Sie führen zu einem gestörten Schluckakt und/oder der Wachheitsgrad ist beeinträchtigt (gestörte Vigilanz). Eine gestörte Vigilanz bedingt einen unzureichenden Schutz vor einer Aspiration, weshalb Bewusstlose in der Regel in die stabile Seitenlage gebracht werden, damit Erbrochenes nicht in die Lunge gelangen kann.
  2. Die Patienten sind aus verschiedenen Gründen abwehrgeschwächt (AIDS/HIV, Einnahme von abwehrunterdrückenden Medikamenten).

Risikofaktoren für eine nekrotisierende Pneumonie

Im Fall der gestörten Vigilanz können Bakterien aus dem Mund und Rachenbereich über das Eindringen von Sekret, Essensresten oder Erbrochenem in die Bronchien und in das Lungengewebe gelangen. Auch durch Funktionsstörungen des Schluckaktes kann das Verschlucken gehäufter auftreten. Folgende Erkrankungen gehören daher zu den Risikofaktoren für das Entstehen eines Lungenabszesses:

  • Schlaganfall (Apoplex), wenn die Muskulatur von Gesicht, Kopf und Schlund betroffen ist
  • andere neurologische Erkrankungen, die mit Lähmungen im Mund- und Rachenbereich einhergehen, zum Beispiel Kinderlähmung (Poliomyelitis)
  • Erkrankungen, die das Bewusstsein trüben, zum Beispiel schwere Demenz oder schwere Alzheimer-Erkrankung
  • Operationen im Mund- und Rachenbereich, die (vorübergehend) zu einer gestörten Funktion des Schluckaktes führen

Weitere begünstigende Faktoren

Bei nicht abwehrgeschwächten Patienten müssen in der Regel viele Krankheitserreger den Weg in die Atemwege finden (das bedeutet, es müssen größere Mengen aspiriert werden), um eine Pneumonie zu verursachen. Bei abwehrgeschwächten Patienten reichen viel geringere Mengen von Bakterien aus, um eine Entzündung auszulösen. Darüber hinaus führen bei abwehrgeschwächten Patienten einige Krankheitserreger zu einer Pneumonie, die bei nicht abwehrgeschwächten Patienten keine Rolle spielen (Pilze, bestimmte Bakterien).

Häufig führt übermäßiger Alkoholkonsum zu einer gestörten Vigilanz, zu Erbrechen und zu einem gestörten Schluckakt. Daher sind alkoholkranke Menschen häufiger von einer Lungenentzündung mit Lungenabszess betroffen. Ein weiterer Faktor ist die mangelnde Mund- und Zahnhygiene, die oft bei alkoholkranken Menschen im Rahmen der Verwahrlosung auftritt. Dabei sammeln sich vor allem in den Zahnfleischtaschen an den Zahnhälsen große Mengen Bakterien, weit mehr als bei gut gepflegtem Mund- und Rachenraum. Natürlich führt eine mangelnde Mund- und Zahnhygiene mit kariösen Zähnen und entzündetem Zahnfleisch auch bei nicht alkoholkranken Menschen zu einer Vermehrung von Bakterien und so zu einem erhöhten Risiko.

Erreger, die einen Lungenabszess verursachen können

Die Keime, die durch Aspiration in die tieferen Atemwege gelangen, sind typischerweise sogenannte Anaerobier (Anaerobier = Bakterien, die in der Gegenwart von Sauerstoff schlecht oder nicht gedeihen). Anaerobier sind im Mund- und Rachenraum sehr häufig, und in dem gefurchten Gewebe der Rachenmandeln und den Zahnfleischfalten rund um die Zähne finden sich nur Anaerobier. Folgende Anaerobier kommen beim Lungenabszess am häufigsten vor: Peptostreptokokken, Prevotella, Bacteroides und Fusibakterien.

Seltener entsteht ein Lungenabszess durch Bakterien, die nicht durch die typische Aspiration in die Lunge gelangt sind. Diese Bakterien sind dann auch keine Anaerobier, sondern es sind Bakterien, die oft auch Lungenentzündungen ohne Abszessbildung auslösen. Dazu gehören: Staphylokokken, Streptokokken, Klebsiellen, Haemophilus, Legionellen oder Pseudomonas.

Ist der Patient abwehrgeschwächt, finden sich oft Keime, die sonst nur selten vorkommen, wie Nokardien, Aktinomyceten, atypische Mykobakterien oder Pilze (Aspergillus, Cryptcoccus neoformans, Histoplasma capsulatum) oder Parasiten (einzellige Mikroorganismen, zum Beispiel Amöben oder Würmer, zum Beispiel der in den Tropen vorkommende Lungenegel).

Die nekrotische Pneumonie diagnostizieren

Die entscheidenden Untersuchungen zur Diagnosestellung eines Lungenabszesses sind die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und die klinische Untersuchung des Kranken. Nachdem der Arzt den Patienten ausführlich zur Vorgeschichte und zu seinen Beschwerden befragt hat, wobei auch Informationen über Vorerkrankungen und Risikofaktoren wichtig sind, erfolgt die Untersuchung des Brustkorbs (Abtasten, Abklopfen, Abhören).

Apparative Untersuchungen beim Lungenabszess

Nach Befragung und körperlicher Untersuchung ist die nächste notwendige Untersuchung eine Röntgenaufnahme der Lunge. Ist der Erkrankungsverlauf nicht ganz typisch oder ist das normale Röntgenbild der Lunge nicht eindeutig zu interpretieren, ist die beste Information über das Krankheitsbild mit einer Computertomographie zu gewinnen. Aber auch durch eine Ultraschalluntersuchung lässt sich häufig die flüssigkeitsgefüllte Abszesshöhle darstellen.

Weitere Untersuchungen

Weitere Untersuchungen können je nach Anamnese, Verlauf der Erkrankung und radiologischen Befunden ebenfalls von großer Bedeutung sein. Diese weiter gehenden Untersuchungen sollten von einem Lungenfacharzt durchgeführt werden. Dazu gehören die Bronchoskopie und die Abszesspunktion durch die Wand des Brustkorbs (transthorakale Abszesspunktion).

Antibiotika und Inhalation: Therapie bei Lungenabszess

Der Standard der Behandlung einer nekrotisierenden Pneumonie ist die Therapie mit einem Antibiotikum, das die infrage kommenden Bakterien bekämpft. In den meisten Fällen ist hier Clindamycin das Medikament der Wahl.

Je nach Schweregrad der Erkrankung wird das Clindamycin als Medikament der Wahl zunächst direkt in die Vene als Infusion verabreicht. Bei normalem Verlauf kommt es schon nach wenigen Tagen unter dieser Behandlung zu einem Rückgang des Fiebers, zu einer Verbesserung des Allgemeinzustands und zu einem Rückgang der Entzündungsparameter im Blut. Ist diese Verbesserung eingetreten, kann das Medikament auch in Form von Tabletten ambulant gegeben werden, das heißt, die Behandlung kann außerhalb des Krankenhauses fortgesetzt werden. Die Behandlungsdauer richtet sich nach dem klinischen Erfolg.

Reinigung der Atemwege

Zusätzlich zur ursächlichen Behandlung kann eine ergänzende Behandlung zur Verbesserung der Reinigungsfunktion der Atemwege durchgeführt werden. Diese besteht in der Regel in einer Inhalationstherapie mit Medikamenten, die als Tröpfchen vernebelt werden und so in die tiefen Atemwege gelangen können.

Schmerzbehandlung und chirurgische Maßnahmen

Ist das Rippenfell mit in den Entzündungsprozess einbezogen, kann es zu erheblichen, meist atemabhängigen Schmerzen kommen, die mit Schmerzmittelgabe zu behandeln sind.

Unter bestimmten Bedingungen kann es notwenig sein, den Lungenabszess operativ zu entfernen. Dies wird jedoch nur der Fall sein, wenn der Abszess sich mit anderen Maßnahmen nicht behandeln lässt.

Vorbeugende Maßnahmen

Schlechte Mundhygiene und ein exzessiver Alkoholkonsum als Hauptursachen für einen Lungenabszess, sollten vermieden werden.

Impfungen oder vorbeugende Medikamente gegen ein Lungenabszess gibt es nicht

Eine Übertragung der Erkrankung auf andere Menschen ist nicht möglich. Eine Ausnahme bilden hier immungeschwächte Patienten: Sie sollten nicht in Kontakt mit Personen kommen, die eine große Zahl von Keimen im Auswurf ausscheiden.

Autor:
Letzte Aktualisierung:18. Oktober 2016
Durch: jg

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