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Müdigkeit

Müdigkeit ist ein nützlicher Hinweis darauf, dass der Körper eine Ruhepause braucht. Kaum besiegbare oder ständige Müdigkeit kann aber auch ein Krankheitssymptom sein und sollte ärztlich untersucht werden.

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Wer im Job dauernd müde ist, bringt weniger Leistung und Motivation mit.
Getty Images/Fuse

Müdesein ist ein natürliches und sehr sinnvolles Signal unseres Körpers. Er zeigt uns mit diesem Symptom, dass seine Energiereserven bald aufgebraucht sind und er Ruhe und Erholung braucht, zum Beispiel nach körperlicher Anstrengung, einem stressigen Tag im Job oder natürlich nach anhaltendem Schlafmangel.

Wann ist Müdigkeit krankhaft?

Krankheitswert hat Müdigkeit erst dann, wenn sie sich nicht durch Schlaf- und Erholungsphasen ausgleichen lässt oder wenn  ein gestörter Schlaf eine ausreichende Regeneration unmöglich machen. Hier ist eine gezielte Therapie der Schlafstörung hilfreich, um die meist unausweichliche Tagesmüdigkeit in den Griff zu bekommen.

Ein Arztbesuch ist ebenfalls anzuraten, wenn kein offensichtlicher Grund für die Beschwerden auszumachen ist, die Müdigkeit aber dennoch über längere Zeit anhält beziehungsweise viel schneller oder heftiger auf- oder eintritt als gewohnt. Eine exakte Diagnose der Ursache ist wichtig, denn chronische Müdigkeit ist ein Beschwerdebild, das bei unterschiedlichen Erkrankungen oder Mangelzuständen auftreten kann und die Betroffenen seelisch sehr mitnimmt.

Müdesein verringert Leistungsfähigkeit und Motivation

Müdigkeit wird sehr unterschiedlich erlebt, das Beschwerdebild ist individuell ganz verschieden. Betroffene beschreiben beispielsweise, dass sie sich schlaff, erschöpft und/oder schnell am Ende ihrer Kräfte fühlen, häufig verbunden mit Unlust, Motivationsmangel, Konzentrationsstörungen, verminderter geistiger Aktivität und Leistungsfähigkeit. Nicht selten besteht tagsüber Einschlafneigung. Auch die Wahrnehmung müder Menschen kann sich verändern. Eine genaue Beschreibung des Beschwerdebildes, der Begleitumstände und weiteren Symptome hilft dem Arzt, die Ursache zu finden.

Müdigkeit hat vielfältige Ursachen

Die Ursachen und Auslöser der Müdigkeit reichen von Schlafdefizit und Bewegungsmangel bis hin zu psychischen Leiden oder körperlichen Krankheiten.

Müdigkeit kann viele Ursachen haben und vorübergehend oder langfristig (chronisch) bestehen. Häufig ist Müdigkeit die Folge eines Mangelzustands, etwa von zu wenig Schlaf, mangelnder Bewegung oder auch unzureichender Flüssigkeitszufuhr. Auch ein Mangel an bestimmten Vitalstoffen wie zum Beispiel Eisen kann mit abnehmender Leistungsfähigkeit oder Müdigkeit verbunden sein. Hält der Eisenmangel über längere  Zeit an, droht eine Eisenmangelanämie.

Immunsystem: Krankheitsabwehr macht müde

Wenn sich der Körper gegen Krankheitserreger wehrt und das Immunsystem auf Hochtouren läuft, wie zu Beginn einer Erkältung oder eines anderen Infekts, kann dies ebenfalls zu Müdigkeit führen. Ebenso lösen anhaltender Stress und körperliche Belastung Müdigkeit aus.

In den genannten Fällen ist das Müdesein jedoch zumeist vorübergehender Natur und kann mit einfachen Maßnahmen - je nach Fall durch erholsamen Schlaf, ausreichende Flüssigkeitszufuhr oder regelmäßige Bewegung an der frischen Luft - zumeist schnell wieder behoben werden. Die Müdigkeit im Rahmen von harmlosen Infekten verschwindet mit deren Abklingen wieder.

Schwangerschaft und Müdigkeit

Auch in der Schwangerschaft befindet sich der Körper der Frau in einem permanenten Ausnahmezustand. Das Herz muss neben dem Kreislauf der werdenden Mutter den des Kindes versorgen, Lunge, Niere, Leber und das Immunsystem müssen mehr leisten. Hinzu kommt, dass die vermehrte Ausschüttung des Hormons Progesteron den Körper in einen entspannten Zustand versetzt. Der Nebeneffekt, den die Natur "bewusst" einkalkuliert, ist die ständige Müdigkeit und das Bedürfnis sich ausruhen zu müssen. Und das sollten Schwangere auch tun - so oft es geht.

Außerhalb der Schwangerschaft ist chronische Müdigkeit häufig Ausdruck eines stetigen körperlichen Mangelzustands (zum Beispiel Schlafmangel) und kann zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.

Ebenso kann Müdigkeit, die schneller einsetzt als früher und/oder mit einem stark gesteigerten Schlafbedürfnis verbunden ist oder sich nicht durch Schlaf beheben lässt, ein Hinweis auf eine ernst zu nehmende Erkrankung sein. Sie kann aber auch durch Medikamente und Umwelteinflüsse hervorgerufen werden.

Ursachen für heftige und langanhaltende Müdigkeit

Ebenso kann Müdigkeit, die schneller einsetzt als früher und/oder mit einem stark gesteigerten Schlafbedürfnis verbunden ist oder sich nicht durch Schlaf beheben lässt, ein Hinweis auf eine ernst zu nehmende Erkrankung sein. Sie kann aber auch durch Medikamente und Umwelteinflüsse hervorgerufen werden.

Folgende Ursachen kommen dafür in Betracht:

  • Schlafstörungen durch anhaltenden Schlafmangel oder kurzzeitige Atemstillstände während des Schlafs (Schlafapnoe)
  • Bewegungsmangel, Alkoholmissbrauch, Koffein, Drogen, Schichtarbeit, Lärm und weitere Lebensstilfaktoren, die einen gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen können
  • Narkolepsie („Schlafkrankheit“), die durch ausgeprägte Tagesmüdigkeit und regelrechte Schlafattacken auch während des Tages gekennzeichnet ist (Attacken häufig in Kombination mit Muskellähmung und Halluzinationen)
  • Seelische Störungen wie oder Angststörungen, die teils Schlafstörungen auslösen, aber auch ohne Schafstörungen auftreten und zu Müdigkeit führen können
  • Psychosoziale Belastungen (Stress), die teils auch unbewusst sein können und Schlafstörungen verursachen
  • Müdigkeit durch chronisches Erschöpfungssyndrom (auch chronisches Fatigue Syndrom, CFS)
  • Bei Fibromyalgie oder Fibromyalgie-Syndrom (FMS), einer chronische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Schmerzen im gesamten Bewegungsapparat gekennzeichnet ist, ist Müdigkeit ebenfalls ein Begleitsymptom.

Müdigkeit durch körperliche Erkrankungen und Mangelzustände wie

Daneben kann Müdigkeit im Rahmen vieler weiterer Krankheiten auftreten (siehe auch Erschöpfung).

Diagnose: Was der Arzt untersucht

Wer dauernd müde ist, sollte seine Lebens- und Schlafgewohnheiten hinterfragen und gegebenenfalls einen Arzt zur Abklärung der Ursachen aufsuchen.

Zur Diagnose beziehungsweise Ursachenfindung bei Müdigkeit dient dem Arzt das ausführliche Patientengespräch. Weiteren Aufschluss geben die körperliche Untersuchung sowie Labor- und apparative Verfahren, eventuell ist auch eine Beobachtung der Schlafaktivität im Schlaflabor aufschlussreich.

Patientengespräch (Anamnese) bei permanenter Müdigkeit

Im Patientengespräch erfragt der Arzt zum Beispiel Qualität (mäßige Müdigkeit oder Einschlafneigung am Tage?), Dauer und tageszeitlichen Verlauf der Müdigkeit und wie sehr der Patient im Alltag unter der Müdigkeit leidet. Sind beispielsweise familiäre, berufliche und weitere soziale Belange eingeschränkt (zum Beispiel Freizeitaktivitäten, Arbeitspensum)?

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Gibt es weitere Symptome, etwa Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Gangstörungen oder andere körperliche Beschwerden wie Gewichtsveränderungen, Fieber oder Schmerzen, die möglicherweise auf eine psychische oder körperliche Ursache der Müdigkeit hindeuten? Leidet der Betroffene an einer chronischen Erkrankung oder nimmt er/sie Medikamente ein? Ist er möglicherweise am Arbeitsplatz Umwelteinflüssen (Abgasen, Chemikalien usw.) ausgesetzt, die Müdigkeit hervorrufen können?

Schlafqualität und allgemeine Lebensstilfaktoren

Sehr wichtig und grundlegend ist natürlich auch die Frage nach der Schlafqualität und nach allgemeinen Lebensstilfaktoren.

  • Bestehen Einschlaf- oder Durchschlafschwierigkeiten?
  • Beobachtet der Partner Atempausen, die durch lautes Schnarchen unterbrochen werden (Schlafapnoe), oder Erstickungsanfälle?
  • Ist der Schlaf durch Lärm, Grübeleien oder andere Faktoren gestört?
  • Gibt es Partnerschafts,- berufliche oder andere Probleme und/oder stressende Einflüsse?
  • Wann geht der Betroffene ins Bett?
  • Wie sieht seine sonstige Lebensweise aus (Alkoholkonsum, Bewegung, Ernährung, Sport, Arbeitszeiten und viele weitere)?

Körperliche Untersuchung zur Diagnose von Müdigkeit

Das weitere Vorgehen bei der körperlichen Untersuchung hängt von den Ergebnissen des Patientengesprächs ab. Gibt es bislang noch keine genauen Anhaltspunkte, was zu der Müdigkeit geführt haben könnte, nimmt der Arzt eine Ganzkörperuntersuchung vor, um eine mögliche körperliche Ursache der Müdigkeit sicher zu erkennen. Dabei hört er Herz und Atemwege ab, betrachtet die Schleimhäute, tastet Leber, Milz und Lymphknoten ab. Ebenso prüft er, ob möglicherweise eine Erkrankung des Nervensystems im Zusammenhang mit der Müdigkeit steht. Dazu untersucht er unter anderem den Spannungszustand der Muskulatur und die Muskelreflexe.

Weitere diagnostische Verfahren

Ebenso können Blutuntersuchungen nötig sein, um zum Beispiel Blutbild, Blutzuckerwerte, Schilddrüsenhormone, Entzündungsfaktoren und Leberwerte zu bestimmen.

Bei konkretem Verdacht schließen sich weitere, zum Beispiel apparative Verfahren an. Dies können diagnostische Untersuchungen im Schlaflabor sein, mit denen sich unter anderem kurzzeitige Atemstillstände während des Schafs (Schlafapnoe) und damit zusammenhängende Schlafstörungen als Gründe für Müdigkeit entlarven lassen.

Behandlung von Müdigkeit

Einfach mal richtig ausschlafen - für viele, die unter chronischer  Müdigkeit leiden, ist das das leichter gesagt als getan. Viele brauchen Hilfe durch die Medizin.

Die Behandlung der Müdigkeit durch den Arzt erfolgt in Abhängigkeit von der Ursache. Wurde eine psychische oder körperliche Erkrankung als Ursache für die Müdigkeit festgestellt, geht es primär darum, die Erkrankung mit einer entsprechenden Therapie zielgerichtet zu behandeln.  

In vielen Fällen steht ein Ungleichgewicht von Leistungsfähigkeit und Entspannung am Anfang der Müdigkeit. Krankheit, persönliche Krisen und Belastungen führen oft dazu, dass sich Betroffene aus Aktivitäten zurückziehen. Ein Kreislauf aus mangelnder Aktivität, sinkender Belastbarkeit und dem Erleben von Müdigkeit und Unlust, gepaart mit verminderter körperlicher Leistungsfähigkeit, entsteht. Veränderungen in der Lebensweise und im Tagesablauf können mitunter helfen, den Teufelskreis der Müdigkeit zu durchbrechen.

Was Müdigkeit lindern kann

Dazu gehört vor allem eine regelmäßige körperliche Aktivität, etwa in Form von Radfahren, Schwimmen, Gymnastik oder Spaziergängen an der frischen Luft. Auch Verhaltenstherapien, das Erlernen von Verhaltensstrategien und Entspannungstechniken können neben weiteren Maßnahmen wesentliche Bestandteile des Therapieplans sein, den der Arzt gemeinsam mit dem Patienten entwickelt.

Schlafstörungen lassen sich durch folgende Maßnahmen mindern:

  • Geregelter Schlafrhythmus (täglich zur selben Zeit aufstehen)
  • Erst schlafengehen, wenn man müde ist
  • Vor dem Schlafengehen entspannungsfördernde Rituale anwenden (Entspannungstechniken, warme Bäder, Lesen, Musikhören)
  • Nicht tagsüber schlafen
  • Koffeinhaltige Getränke am Abend meiden
  • Verzicht auf Alkohol
  • Regelmäßig Sport treiben oder zumindest bewegen

Medikamentöse Therapie der Müdigkeit

Mitunter kann auch die vorübergehende Einnahme von Schlafmitteln oder beruhigenden Mitteln aus der Naturheilkunde (zum Beispiel auf Basis von Baldrian) helfen, wieder zu einem gesunden Schlaf zu fidnen. Hier empfiehlt sich eine Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker.

Darüber hinaus stehen heute auch Präparate zur Verfügung, die bei Müdigkeit und Erschöpfung als Folge von Stress oder nervlicher Belastung helfen können, mehr innere Stabilität zu erlangen und mit mehr Energie durch den Alltag zu gehen. Fragen Sie hierzu ebenfalls Ihren Arzt oder Apotheker.

Je nach Ursache der Müdigkeit kann der Therapieplan auch mehrere der genannten Behandlungsstrategien enthalten.

Link-Tipps und Expertenrat

Expertenrat für Fragen rund um Müdigkeit:

Sie haben eine Frage rund um das Thema Müdigkeit? Unser Expertenrat Allgemeinmedizin kann Ihnen weiterhelfen!

20 Tipps für besseren Schlaf

Autor:
Letzte Aktualisierung: 05. Februar 2016
Durch: sw
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): Leitlinie Müdigkeit. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 053/002. Stand: 2011 Patienteninformation zur Leitlinie „Müdigkeit“: veröffentlicht auf www.awmf.org, Stand 2011; Sandholzer, H.; Sobeck, C.; Sandholzer, M.; Breivogel, B.: Müdigkeit – ein häufiger Beratungsanlass in der Allgemeinarztpraxis - Grippe? Depression? Überlastung? In: MMW-Fortschr. Med. Patientenratgeber der deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)

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