Unheilbare Lungenkrankheit

COPD: Symptome, Stadien und Therapie

COPD ist eine fortschreitende Lungenkrankheit, die in vier Stadien eingeteilt wird und mit einer verringerten Lebenserwartung einhergeht – vor allem ohne Therapie. Lesen Sie mehr über Symptome, was die Krankheit aufhalten kann und welche Risikofaktoren es gibt.

COPD
Bei COPD im fortgeschrittenen Stadium ist ein Sauerstoffgerät notwendig.
© iStock.com/wwing

COPD ist die Abkürzung für Chronic Obstructive Pulmonary Disease und bedeutet chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Es handelt sich dabei um eine fortschreitende Erkrankung der Lunge, bei der eine dauerhafte (chronische) Entzündung und Einengung (Obstruktion) der Atemwege besteht. Auch das Lungenemphysem wird der COPD zugeordnet. Anders als bei Asthma lässt sich die Obstruktion bei COPD auch durch die Gabe von Medikamenten nicht oder nicht vollständig rückgängig machen.

Fünf wichtige Ursachen von COPD

Die Häufigkeit von COPD nimmt mit dem Alter zu. Schätzungen zufolge ist etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung betroffen, ab 40 Jahren sind es sogar zehn Prozent. Vor allem unbehandelt verschlimmern sich die Symptome bei COPD im Laufe der Zeit. Aufgrund der dauerhaften Entzündung kommt es zu Umbauprozessen in den Lungenbläschen und einem verminderten Gasaustausch. Die zunehmend eingeschränkte Lungenfunktion kann zu einer Schädigung des Herzens, des Knochensystems und der Stoffwechselorgane bis hin zum Tod des Patienten führen. COPD geht mit einer verringerten Lebenserwartung um durchschnittlich fünf bis sieben Jahre einher. Die Krankheit belegt in der europaweiten Todesursachenstatistik den dritten Platz.

Wie entsteht COPD? Die Ursachen

Die häufigste Ursache für COPD ist Rauchen. Raucher sollten daher chronischen morgendlichen Husten mit Auswurf als dringendes Warnsignal verstehen, mit dem Rauchen aufzuhören. Daneben können der berufliche Umgang mit atemwegsreizenden Gasen und Dämpfen oder das Arbeiten in einer staubbelasteten Umgebung und die allgemeine Luftverschmutzung eine COPD verursachen. Auch häufige Atemwegsinfekte im Kindesalter sowie bestimmte seltene Kinderkrankheiten können COPD zur Folge haben. Allerdings sind diese Ursachen im Vergleich zum Rauchen sehr viel seltener. Ferner gelten genetische Veranlagung und Störungen des Lungenwachstums als Risikofaktoren für die Entstehung von COPD.

Werden chronischer Husten, Auswurf und Atemnot langfristig ignoriert, ist ein rasches Fortschreiten der Erkrankung wahrscheinlich. Umbauprozesse in den Atemwegen der Lunge, ein verringerter Gasaustausch, Sauerstoffmangel im Blut und weitere, teils lebensbedrohliche Folgekrankheiten der COPD können die Lebensqualität massiv beeinträchtigen und zum Tod führen. Nur ein Rauchstopp und eine auf den Krankheitszustand abgestimmte Therapie können diese Entwicklung aufhalten.

So äußert sich COPD: Symptome

Die wesentlichen Beschwerden bei der COPD sind Atemnot, die anfangs nur unter Belastung, später auch in Ruhe, auftritt, sowie Husten und Auswurf. Sie werden auch als AHA-Symptomatik bezeichnet. Weitere Anzeichen können Geräusche beim Ausatmen oder ein gelegentliches Engegefühl in der Brust sein.

COPD wird nach Schweregrad und Symptomen in Stadien eingeteilt, die auf die globale Initiative für COPD namens GOLD zurückgeht. Die GOLD-Stadien lauten:

  • COPD-Stadium 0 (Risikogruppe): chronischer Husten und Auswurf bei normaler Lungenfunktion (keine Verengung der Atemwege)

  • COPD-Stadium GOLD 1: leicht eingeschränkte Lungenfunktion mit oder ohne chronische Symptome (Husten, Auswurf, Atemnot bei starker körperlicher Belastung)

  • COPD-Stadium GOLD 2: mittelgradig eingeschränkte Lungenfunktion mit oder ohne chronische Symptome (Husten, Auswurf, Atemnot)

  • COPD-Stadium GOLD 3: schwer eingeschränkte Lungenfunktion mit oder ohne chronische Symptome (Husten, Auswurf, Atemnot)

  • COPD-Stadium GOLD 4: sehr schwer eingeschränkte Lungenfunktion

In fortgeschrittenen Stadien können Leistungsabfall und Schwächegefühl oder eine Kachexie (starke Abmagerung und Verlust von Muskelmasse) auftreten. Weiterhin nimmt die Haut mitunter wegen der Abnahme des Sauerstoffgehalts im Blut eine blau-rote Farbe an (Zyanose). Auch Folgeerkrankungen, die Herz, Muskulatur, Knochensystem, Stoffwechsel und Psyche betreffen, können hinzukommen. Eine akute Verschlechterung wird als Exazerbation bezeichnet.

Eine COPD-Exazerbation wird am häufigsten in den Stadien 2 bis 4 beobachtet. Sie geht mit einer plötzlichen Zunahme von Husten, Auswurf und Atemnot, teils auch mit einer gelb-grünen Verfärbung des Auswurfs oder einem Engegefühl in der Brust sowie gelegentlich Fieber einher. Bronchialinfekte sind die Hauptursache für Exazerbationen. Tritt eine solche plötzliche Verschlechterung ein, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, der die notwendige Behandlung einleitet. Ein Krankenhausaufenthalt ist notwendig, wenn im Rahmen der Exazerbation folgende Symptome auftreten:

  • Schwellungen (Ödeme)
  • neue oder zunehmende blau-rote Verfärbung der Haut
  • Bewusstseinstrübung, komatöse Zustände
  • gesteigerte Herzfrequenz (Tachykardie)
  • unregelmäßiger Herzschlag und Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie)
  • beschleunigte Atmung (Tachypnoe)
  • eine stark eingeschränkte Lungenfunktion mit akuter Atemnot

Diagnose der COPD

Der Arzt führt zunächst eine eingehende Befragung des Betroffenen (Anamnese) durch und erfragt dabei unter anderem:

  • die vorliegenden Symptome (Husten, Auswurf, Atemnot, Störung der Atmung)

  • deren Verlauf und Intensität

  • die Umstände ihres Auftretens (unter Belastung oder in Ruhe?)

  • das Vorliegen von Risikofaktoren für COPD (zum Beispiel Tabakkonsum, berufliche Exposition mit auslösenden Stoffen, Einnahme von Medikamenten)

Ebenso erkundigt sich der Arzt nach möglichen Atemwegserkrankungen in der Familie und nach Krankheiten, die außerdem vorliegen. Einige, etwa Herzleiden, sind typische Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) der COPD. Andererseits kann die Anamnese auch wichtige Hinweise auf das Vorliegen einer weiteren Atemwegserkrankung oder einer Erkrankung außerhalb der Atemwege liefern. Sie ist daher der Ausgangspunkt für weitere differenzialdiagnostische Verfahren.

Ebenso wie die Anamnese gibt auch die körperliche Untersuchung, die im Anschluss stattfindet, Hinweise auf das Vorliegen einer COPD und deren Schweregrad. Wichtiger Bestandteil sind die Beurteilung von Lungen- und Herzgeräuschen und der Atmung. Bei Menschen mit COPD im Anfangsstadium kann der Befund der körperlichen Untersuchung auch normal sein.

Bei mittelschwerer COPD sind unter anderem veränderte Atemgeräusche (Giemen, Pfeifen oder Brummen) und ein verlängertes Ausatmen charakteristisch, bei schwerer COPD kommen weitere Merkmale wie eine Veränderung der Hautfarbe oder Schwellungen durch Wassereinlagerung an den Gliedmaßen (periphere Ödeme) hinzu.

Lungenfunktionsprüfung

Die wichtigste Untersuchung im Rahmen der Lungenfunktionsprüfung ist die Spirometrie. Sie erfolgt bei allen Verdachtsfällen und Schweregraden der COPD sowie zum Ausschluss weiterer Lungenkrankheiten wie Asthma. Mittels Spirometrie lässt sich der Grad der Einengung der Atemwege (Obstruktion) darstellen. Ebenfalls von Bedeutung hierfür ist die Ganzkörperplethysmographie. Vor allem zur Unterscheidung zwischen Asthma und COPD sind Reversibilitätstests mit Bronchodilatatoren (bronchienerweiternden Medikamenten) oder Kortikosteroiden (kortisonhaltigen Medikamenten) relevant.

Spirometrie: Diese Werte verraten eine COPD

Als wichtigste Werte zur Diagnose der COPD in der Spirometrie gelten die Einsekundenkapazität (FEV1) und die Vitalkapazität (VK). Dabei bezeichnet der FEV1-Wert die Menge an Luft, die nach maximal tiefer Einatmung in der ersten Sekunde der Ausatmung bei maximaler Anstrengung ausgeatmet wird. Die inspiratorische Vitalkapazität stellt die Menge an Luft dar, die nach maximal tiefer Ausatmung bei maximal tiefer Einatmung aufgenommen werden kann.

Das Verhältnis aus Einsekunden- und Vitalkapazität (FEV1/VK) gilt als sicherste Kenngröße zur Beurteilung der COPD, ein Normalwert schließt das Vorliegen einer COPD aus.

Bei einem Reversibilitätstest werden zwei Messungen des FEV1-Wertes vorgenommen:

  • einmal vor Einnahme eines rasch wirksamen bronchienerweiternden Medikaments (etwa Beta-2-Sympathomimetikum oder Anticholinergikum)

  • einmal kurze Zeit nach Einnahme des Medikaments

Sprechen die Betroffenen auf das Medikament an, liegt ein Rückgang der Obstruktion der Atemwege (ersichtlich durch eine Erhöhung des FEV1-Werts) vor, deutet dies auf Asthma hin. Umgekehrt liegt bei Nichtansprechen auf das Medikament die Diagnose COPD nahe. Ein Reversibilitätstest kann auch mithilfe eines kortisonhaltigen Medikaments durchgeführt werden, allerdings erfolgt die zweite Messung dann erst nach zwei- bis vierwöchiger Einnahme.

Ganzkörperplethysmographie

Bei Patienten mit COPD Stadium 3 bis 4, die nicht in der Lage sind, forcierte Atemmanöver, wie bei der Spirometrie notwendig, durchzuführen, dienen die Messgrößen Raw (Atemwegswiderstand) und intrathorakales Gasvolumen (ITGV) der Darstellung einer Obstruktion oder Überblähung der Atemwege beziehungsweise der Lunge.

Weitere diagnostische Verfahren

Zu den weiteren wichtigen diagnostischen Verfahren zur Diagnose von COPD gehören:

  • Laboruntersuchungen wie Bestimmung von Blutbild und C-reaktivem Protein
  • Röntgen- und computertomographische Aufnahmen der Lunge oder des Brustkorbs (vor allem zum Ausschluss anderer Lungenkrankheiten)
  • Blutgasanalyse zur Messung des Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalts im arteriellen Blut und die Bestimmung der CO-Diffusionskapazität
  • Belastungstests bei Atemnot während Belastung (Belastungsdyspnoe)

Therapie: Welche Medikamente helfen bei COPD?

Zur Behandlung der COPD stehen eine Reihe medikamentöser und nichtmedikamentöser Verfahren zur Verfügung. Ihr Einsatz erfolgt in Abhängigkeit von der Schwere der COPD und den vorliegenden Symptomen sowie des individuellen Ansprechens auf die einzelnen Medikamente.

Medikamente bei COPD

Folgende Medikamente können bei COPD je nach Symptomlage und Begleiterkrankungen infrage kommen:

  • atemwegserweiternde Medikamente (Beta-2-Sympathomimetika, Anticholinergika und Theophyllin)

  • entzündungshemmende Medikamente (Kortison)

  • schleimlösende Medikamente (Mukopharmaka)

  • Hustenstiller (Antitussiva)

  • Antibiotika zur Behandlung von akuten Verschlechterungen

Nichtmedikamentöse COPD-Therapie

Die nichtmedikamentöse Therapie spielt eine große Rolle in der Behandlung der COPD. Hauptziele sind, Lebensqualität und körperliche Belastbarkeit der Betroffenen zu verbessern. Die nichtmedikamentöse Therapie schließt dabei folgende Bereiche ein:

  • körperliches Training

  • Patientenschulung/DMP

  • Physiotherapie

  • Ernährung

  • Hilfsmittelversorgung

  • Langzeitbehandlung mit Sauerstoff und Heimbeatmung

DMP COPD

Disease-Management-Programme (DMP) sind Behandlungsprogramme, die Menschen mit chronischen Erkrankungen eine gezieltere und effektivere Behandlung ermöglichen, als mit der üblichen Betreuung durch Haus- und Facharzt machbar ist. So sollen Betroffene besser betreut und im Umgang mit der Erkrankung geschult werden, um ein Fortschreiten der COPD und Komplikationen zu vermeiden.

Selbsthilfegruppen

Das Wissen über COPD und der richtige Umgang damit sind wichtig, weshalb es hilfreich sein kann, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen und motivieren, die Krankheit aufzuhalten. Regional kann nach einer Selbsthilfegruppe für COPD hier gesucht werden.

COPD ist zwar eine nicht heilbare Atemwegserkrankung, sie kann aber wirksam behandelt werden. Nur eine auf den Krankheitszustand abgestimmte Therapie, die regelmäßige ärztliche Kontrolle und das Meiden von Auslösern und Risikofaktoren, allen voran des Rauchens, können ein rasches Fortschreiten aufhalten. Die Therapie trägt darüber hinaus dazu bei, die körperliche Belastbarkeit zu erhöhen und bestehende Beschwerden zu lindern. Sie kann die Lebensqualität des Patienten erheblich verbessern.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt COPD-Patienten zudem, sich gegen die saisonale Grippe sowie gegen Pneumokokken impfen zu lassen, um das Risiko für akute Verschlechterungen (Exazerbationen) zu senken. Bakterielle und virale Erreger gelten als die häufigsten Auslöser gefährlicher Exazerbationen.

COPD vorbeugen: Risikofaktoren meiden

Oberstes Ziel vorbeugender Maßnahmen ist es, eine voranschreitende Schädigung der Lunge zu verhindern. Entsprechend sollten bekannte Risikofaktoren für COPD vermieden werden. Dazu gehören schädigende Einflüsse am Arbeitsplatz (Gase, Dämpfe, Staubbelastung) und vor allem das Rauchen. Der Rauchstopp führt zwar nicht dazu, dass sich vorhandene Schädigungen der Lunge zurückbilden, jedoch verlangsamt sich die Beeinträchtigung der Lungenfunktion auf ein altersübliches Maß.

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