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Schlafapnoe: Atemaussetzer im Schlaf

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Das Schlafapnoe-Syndrom zeichnet sich durch nächtliche Atemaussetzer aus. In diesem Zeitraum ist man kaum mit Sauerstoff versorgt – was auf Dauer weitreichende gesundheitliche Folgen mit sich bringen kann. Welche Symptome bei Männern und Frauen auftreten, was Sie tun können und welches Gerät als Behandlung zum Einsatz kommt.

schlafapnoe
© Getty Images/PeopleImages

Artikelinhalte im Überblick:

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Schlafapnoe-Syndrom (SAS) gekennzeichnet durch nächtliche Atemaussetzer

Bei einer Schlafapnoe (lat.: obstruere: verhindern; griech.: apnoe: Nicht-Atmung) kommt es im Schlaf zu Atemaussetzern. Der Körper wird durch die reduzierte Sauerstoffaufnahme nicht genügend mit Sauerstoff versorgt. Dazu kommt Kohlendioxid, das nicht schnell genug abgeatmet wird. Unterschieden wird die obstruktive Schlafapnoe (OSA) von der zentralen Schlafapnoe (ZSA).

Obstruktive Schlafapnoe

Die deutlich häufiger vorkommende Form der Schlafapnoe ist gekennzeichnet durch Atemaussetzer, deren Ursache durch mechanische Störungen der oberen Atemwege zustande kommt. Der Schlaf wird daraufhin durch eine Weckreaktion (Arousal) unterbrochen. 30 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen in Deutschland leiden einer Studie zufolge an einer mittelschweren Schlafapnoe. Treten als Folge weitere Symptome der OSA auf, ist die Rede von einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS).

Zentrale (nicht-obstruktive) Schlafapnoe

Bei dieser Form entstehen Störungen in der Atemregulation. Auch wenn der Mensch die Atmung willentlich beeinflussen kann, steuert der Körper vor allem nachts das Ein- und Ausatmen von selbst. Sendet das Gehirn nachts beispielsweise keine Signale mehr an die Atemmuskulatur, bleibt die Atmung aus, obwohl die Atemwege offen bleiben. Bei der zentralen Schlafapnoe kommt es oft zur sogenannten Cheyne-Stokes-Atmung. Dabei ist die Kohlenstoffdioxid-Sensibilität im Atemzentrum des Gehirns herabgesetzt. Das bedeutet, dass sich im Blut erst eine hohe Konzentration an Kohlenstoffdioxid ansammeln muss, bis das Atemzentrum das Kommando „Einatmen“ sendet.

Schlafapnoe erkennen: Typische Symptome

Selbst erkennt man eine Schlafapnoe in den wenigsten Fällen. Meist werden Partner*innen auf nächtliche Atemaussetzer aufmerksam. Zu den Atempausen kommt meist lautes Schnarchen hinzu. Die Atempausen dauern zehn Sekunden oder länger an und treten mindestens fünfmal in der Stunde auf.

Weitere Symptome der Schlafapnoe:

  • Tagesmüdigkeit: Da die Atemaussetzer häufig dazu führen, dass Betroffene keinen erholsamen Schlaf bekommen, leiden diese am Tag nicht selten unter extremer Müdigkeit. Diese kann bis zu gefährlichem Sekundenschlaf führen, der in bestimmten Situationen zum Beispiel beim Autofahren, lebensbedrohlich sein kann.

  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen: Schlaf dient unter anderem dazu, wichtige körperliche und geistige Funktionen über Nacht wiederherzustellen und sich zu erholen. Kann dies aufgrund der nächtlichen Atemaussetzer nicht stattfinden, leidet unter Umständen die Konzentration und das Gedächtnis.

  • Kopfschmerzen: Betroffene wachen morgens oft direkt mit Kopfschmerzen auf.

  • Depressive Verstimmung: Können sich Körper und Geist nicht über Nacht regenerieren, können depressive Verstimmungen entstehen.

  • Potenzstörungen: Ebenso sind Potenzstörungen und Libidoverlust mögliche Symptome einer Schlafapnoe.

Ursachen und Risikofaktoren der Schlafapnoe

Die Ursachen der Schlafapnoe unterscheiden sich nach der vorliegenden Form. Bei der häufigeren obstruktiven Schlafapnoe verengen sich die Atemwege im Schlaf. Während des Schlafes erschlafft die Muskulatur im Nasen-Rachen-Raum. Liegt eine OSA vor, führt die schlaffe Muskulatur und die zurückfallende Zunge in Rückenlage zu einem Verschluss der Atemwege – die Luft bleibt weg.

Risikofaktoren, die eine Schlafapnoe begünstigen:

Bei der zentralen Schlafapnoe kommen andere Gründe für die Atemaussetzer infrage. Störungen im zentralen Nervensystem, die zum Beispiel durch eine Enzephalitis (Gehirnentzündung), Neuroborreliose (Stadium der Borreliose), Hirnstamminfarkte oder einen Mangel an Schilddrüsenhormonen (Hypothyreose) verursacht werden, sind mögliche Ursachen.


Diagnose der Schlafapnoe

Zu Beginn des Diagnoseweges einer Schlafapnoe steht die Untersuchung der Mundhöhle und des Rachens. Diese kann bei Hals-Nasen-Ohren-Ärzten*Ärztinnen, Kieferorthopäd*innen oder Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurg*innen durchgeführt werden. Vor allem eine Untersuchung der Nase ist hier relevant. Weiterhin sollen Körpergröße und Körpergewicht ermittelt werden, um den Body-Mass-Index (BMI) herauszufinden.

Ob eine Schlafapnoe vorliegt, kann ärztlich in einem Schlaflabor oder spezialisierten Kliniken festgestellt werden. Die Diagnosekriterien für eine Schlafapnoe lauten:

  • Atemaussetzer, die mindestens zehn Sekunden andauern
  • Verminderter Sauerstoffgehalt (Hypoxämie) sowie ein erhöhter Kohlenstoffdioxidgehalt im Blut (Hyperkapnie)
  • Dadurch kommt es zu einer Weckreaktion (Arousal),
  • einer erhöhten Herzfrequenz und einem gesteigerten Blutdruck

Die Weckreaktionen werden meist nicht wahrgenommen, sie führen aber zu weniger Tiefschlaf- und REM-Phasen, wodurch der Schlaf nicht mehr erholsam wird.

Suchen Personen mit Tagesschläfrigkeit, Schnarchen und nächtlichen Atempausen (von Angehörigen beobachtet) eine ärztliche Praxis auf, soll zunächst ein sogenanntes „kleines Schlaflabor“ (kardiorespiratorische Polygrafie) erfolgen.

Dieses beinhaltet für einen Zeitraum von sechs Stunden:

  • EKG (Elektrokardiogramm)
  • Bestimmung der Sauerstoffsättigung
  • Messung des Atemflusses
  • Aufnahme der Körperposition mittels Lagesensoren
  • Videokontrolle (optional)
  • Beatmungskontrolle unter nCPAP-Bedingungen (nasal Continuous Positive Airway Pressure, Atemmaske)

Kommen bei der Untersuchung Auffälligkeiten vor, ist die Diagnose einer OSA gesichert. Ist das „kleine Schlaflabor“ unauffällig und es besteht weiterhin der Verdacht einer Schlafapnoe, sollten weitere Untersuchungen getätigt werden. In der Regel erfolgt dann eine Polysomnografie.

Diese Methode ermittelt zusätzlich Hirnströme, Augenbewegungen und die Reizweiterleitung am Muskel. Dadurch entstehen genauere Ergebnisse, welche die Diagnose Schlafapnoe bestätigen können.

Behandlung der Schlafapnoe

Je nach Ausprägung und Ursache der Schlafapnoe gestaltet sich die Behandlung.

Lagetherapie

Personen, bei denen die Schlafapnoe ausschließlich in Rückenlage auftritt (bei zirka 25 bis 30 Prozent der Personen mit OSA), soll durch Hilfsmittel das Schlafen auf dem Rücken verhindert werden. Spezielle Rucksäcke oder Kissen, die über Nacht an den Rücken geschnallt werden, soll das Umdrehen auf den Rücken nicht mehr möglich machen (passive Lagetherapie). Ebenso ist es möglich, mit einem Lagetrainer zu arbeiten (aktive Lagetherapie). Durch einen Vibrationsalarm soll die Rückenlage vermieden werden.

Chirurgische Verfahren

Operationen kommen infrage, wenn die Nasenatmung verhindert wird und dadurch keine CPAP-Therapie (Atemmaske) möglich ist. Erzielt die CPAP-Therapie keinen Erfolg oder kann sie aus verschiedenen Gründen nicht angewendet werden, ist ebenso eine Vorverlagerung des Unter- und/oder Oberkiefers möglich – insofern die Anatomie des Kiefers der Grund für die Schlafapnoe darstellt. Ebenso ist die Entfernung der Mandeln, wenn diese vergrößert sind und die Atmung behindern, eine alternative Behandlung.

CPAP-Beatmung

Das Gerät bei Schlafapnoe wird bei mittelschweren und schweren Formen eingesetzt. Auch bei der zentralen Schlafapnoe kann sie helfen. CPAP (continuous positive airway pressure) bedeutet, dass ein kontinuierlicher Atemwegsdruck erzeugt wird. Dies erfolgt über eine Nasenmaske, die nachts getragen wird. Das Beatmungsgerät führt zusätzlich Raumluft mit leichten Druck in die Atemwege. Dadurch kommt es nicht zum Verschluss der Atemwege durch erschlaffende Muskulatur. Ebenso möglich ist die Beatmung mit einem BiPAP (biphasic positive airway pressure)-Gerät. Es arbeitet mit zwei Druckniveaus, wodurch die Einatmung unterstützt und die Ausatmung erleichtert wird.

Bissschienen

Bissschienen können bei Schlafapnoe helfen, die Zunge zu trainieren und von dem Zurückfallen in den Rachen abhalten. Andere Schienen verlagern neben der Zunge auch den Unterkiefer nach vorne. Durch diese Position sollen die Atemwege geöffnet bleiben.

Mögliche Folgen der Schlafapnoe

Nächtliche Atemaussetzer haben auf Dauer teilweise schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Dazu zählen:

  • Bluthochdruck: Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom ist ein Risikofaktor für zu hohen Blutdruck. Die Frage, ob die nächtlichen Weckreaktionen oder Begleitumstände wie Übergewicht, Rauchen und Alkoholkonsum die Ursache darstellen, ist noch nicht abschließend geklärt. Die National Institutes of Health werten das OSAS als alleinstehenden Risikofaktor für Bluthochdruck.

  • Koronare Herzkrankheit: Verschiedene Studien stellten einen Zusammenhang zwischen einer koronaren Herzkrankheit (KHK) und Schlafapnoe fest. Auch die Entstehung von Arteriosklerose soll damit in Verbindung stehen.

  • Schlaganfall: Ob ein Schlaganfall Ursache oder Folge von Schlafapnoe ist, kann anhand der momentanen Studienlage noch nicht sicher gesagt werden. Einige Ergebnisse weisen jedoch daraufhin, dass das OSAS ein Risikofaktor für die Entstehung eines Schlaganfalls sein könnte.

  • Unfallrisiko: Da Betroffene von Schlafapnoe tagsüber zu extremer Müdigkeit neigen, sind Auto- oder Arbeitsunfälle durch Sekundenschlaf möglich.

  • Depressive Verstimmung: Studien zeigen, dass Personen mit Schlafapnoe häufiger zu depressiven Verstimmungen und einer eingeschränkten Lebensqualität neigen.

Fast alle Folgen der Schlafapnoe können durch eine gezielte Therapie unter anderem mit CPAP vermindert werden.

Tipps zur Vorbeugung von Schlafapnoe

Ein Risikofaktor für die Entstehung von Schlafapnoe ist Übergewicht. Um dies zu vermeiden, ist vor allem eine gesunde und ausgewogene Ernährung wichtig. Weitere Tipps für einen ruhigeren Schlaf:

  • Üppige Mahlzeiten und Alkohol vor dem Schlafengehen vermeiden

  • Die Einnahme von Medikamenten ärztlich abklären lassen und möglicherweise nach ärztlichem Rat auf ein anderes Präparat umsteigen

  • Ausreichend Bewegung, um Übergewicht vorzubeugen

Sollten Sie Symptome einer Schlafapnoe bei sich oder dem*der Partner*in bemerken, ist der Gang zur Arztpraxis ratsam. Durch eine geeignete Behandlung können gesundheitliche Folgen reduziert werden.

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