Risiko für Herz, Gehirn und Gehör

Schlafapnoe: Nächtliche Atemaussetzer sind gefährlich

Ein Schlafapnoe-Syndrom ist eine ernste Erkrankung. Ohne Behandlung steigt das Risiko, an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erkranken. Partner, die im gleichen Zimmer schlafen, beklagen sich über extrem laute Schnarchgeräusche. Die Betroffenen fühlen sich tagsüber oft müde und sind – vor allem am Steuer eines Wagens – gefährdet, in einen Sekundenschlaf zu fallen. Diese Übermüdung entsteht durch nächtliche Atemaussetzer, die typisch für die Erkrankung sind. Eine Ursache können verengte Atemwege sein. Zum Glück lässt sich Schlafapnoe, wenn man sie einmal erkannt hat, gut behandeln.

Paar schläft
Eine Schlafapnoe wird meist vom Partner bemerkt, dem das Schnarchen des Betroffenen und seine Atemaussetzer den Schlaf rauben.
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Antriebslos, unausgeschlafen und unkonzentriert – das sind typische Anzeichen für Menschen mit einer Schlafapnoe. Kein Wunder, denn der Nachtschlaf ist bei Betroffenen massiv gestört. Nicht nur, dass sie ohrenbetäubend schnarchen, auch ihr Atem setzt regelmäßig aus. Auf einen Atemstillstand (Apnoe) folgt aufgrund des Sauerstoffmangels ein hektisches Nach-Luft-Schnappen, was sich in einem besonders lauten Schnarchgeräusch äußert. Auch Bettnachbarn leiden mit, wenn neben ihnen nachts ganze Wälder abgesägt werden und das Schnarchen dann wieder abrupt unterbrochen ist. Sie sollten den Mitschläfer unbedingt auf diese nächtlichen Atemaussetzer aufmerksam machen – auf Dauer sind sie lebensgefährlich.

Das Syndrom liegt vor, wenn die Atempausen im Schlaf mindestens zehn Sekunden andauern und mehr als zehn Mal pro Schlafstunde auftreten. Schätzungen zufolge leiden etwa drei Prozent der Erwachsenen darunter. Im Alter von 40 Jahren steigt das Risiko, dass die Atmung nachts ins Stolpern gerät. Männer sind doppelt so oft betroffen wie Frauen. Besonders gefährdet sind Menschen mit Übergewicht: 80 Prozent der Patienten haben deutlich zu viele Kilos auf den Rippen. Weitere Risikofaktoren sind Nasenpolypen, Schlafen auf dem Rücken, das Trinken von Alkohol vor dem Zubettgehen oder die Einnahme bestimmter Medikamente.

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Nicht zu verwechseln ist die Erkrankung mit regelmäßigem Schnarchen, das zwar möglicherweise auch behandelt werden sollte, aber keine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit darstellt. Die Atemaussetzer hingegen führen zu einem latenten Sauerstoffmangel und einem erhöhten Kohlendioxidgehalt. Langfristig führt eine Schlafapnoe zu einem erhöhten Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Unbehandelt verkürzt sich die Lebenserwartung der Betroffenen um etwa zehn Jahre.

Diese Anzeichen deuten auf ein Schlafapnoe-Syndrom hin

Meist machen Bettpartner den Betroffenen auf das ohrenbetäubende Schnarchen und die abrupten Atemaussetzer aufmerksam. Wenn Sie alleine schlafen und immer wieder morgens wie zerschlagen aufwachen, dann kann das ein Anzeichen für die Erkrankung sein. Suchen Sie in jedem Fall einen Arzt auf. Je nach Ursache der nächtlichen Atemaussetzer unterscheiden Ärzte die obstruktive und die zentrale Ausprägung, die sich in verschiedenen Symptomen äußern.

Häufige Symptome der obstruktiven Form

  • lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit stündlich mehr als zehn Atempausen, die jeweils mehr als zehn Sekunden andauern
  • erhöhte Tagesmüdigkeit, weil der Schlaf nachts nicht erholsam ist. Betroffene neigen zu Sekundschlaf, wenn sie monotone Tätigkeiten ausüben, zum Beispiel Auto fahren
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • depressive Verstimmungen
  • Kopfschmerzen oder Mundtrockenheit am Morgen
  • Erektionsstörungen

Anzeichen für die zentrale Form

  • weniger ausgeprägte Tagesschläfrigkeit als im Fall der obstruktiven Form
  • meist kein nächtliches Schnarchen
  • nächtliche periodische Beinbewegungen, das sogenannte Restless-Legs-Syndrom (Syndrom der "ruhelosen Beine")
Wie wird man das Schlafapnoe-Syndrom los?

Lifeline/Dr. Heart

Ursachen und Risikofaktoren der Schlafapnoe

Es gibt zwei Ursachen für die nächtlichen Atemaussetzer: Verengte Atemwege liegen der obstruktiven Form zugrunde. Sie macht rund 90 Prozent aller Fälle aus. Viel seltener ist die zentrale Form: Hier sind die Atemwege zwar geöffnet, aber das Gehirn sendet keine Signale einzuatmen, die Atmung setzt aus.

Obstruktive Schlafapnoe: Verengte Atemwege als Ursache

Im Schlaf erschlafft die Muskulatur im Nasen-Rachen-Raum jedes Menschen. Liegt das Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) vor, fällt die Zunge nach hinten, während gleichzeitig der Muskelschlauch des Rachenraums erschlafft. So entsteht ein Engpass in den Atemwegen, der die Atmung erschwert oder sogar kurzzeitig stoppt. Die Folge ist Sauerstoffmangel. Das Gehirn gibt den Befehl, verstärkt zu atmen, um diesen Mangel wieder auszugleichen – es löst eine Weckreaktion (Arousal) aus. Jetzt holt der Betroffene besonders tief Luft oder atmet sehr schnell ein (Hyperventilation). Die verengten Atemwege öffnen sich schlagartig. Und das hört der Bettpartner als lautes Schnarchen.

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Zentrale Schlafapnoe: Atemmuskulatur stoppt kurzzeitig

Im Fall der obstruktiven Form bleiben Atemmuskulatur und Atembewegung aktiv. Anders bei der zentralen Form: Die Atemmuskulatur stellt ihre Arbeit ein und die Atembewegungen im Bauch- und Brustraum setzen zeitweise aus. Der Grund ist, dass das Gehirn keine Signale zum Einatmen mehr aussendet und die Atemmuskulatur nicht mehr stimuliert wird.

Auch die zentrale Variante findet man öfter bei Männern. Sie nimmt mit dem Alter zu, bei den über 60-Jährigen ist jeder Vierte betroffen. Die häufigste Form ist die Cheyne-Stokes-Atmung (CSA), die oft mit einer chronischen Herzschwäche (Herzinsuffizienz) einhergeht. Typisch für CSA ist, dass die Atemtiefe langsam ab- und wieder zunimmt und im Extremfall die Atmung sogar ganz aussetzt. Auch Verletzungen des Gehirns kommen als Ursache in Frage, zum Beispiel durch einen Schlaganfall, einen Gehirntumor oder durch eine von Viren verursachte Gehirnentzündung.

Diese Risikofaktoren fördern die Schlafapnoe:

  • Übergewicht
  • Nasenpolypen , vergrößerte Gaumenmandeln, Fehlstellung des Kiefers
  • schlechte Schlafhygiene, beispielsweise unregelmäßige Schlafenszeiten
  • Schlaf auf dem Rücken
  • Alkoholkonsum vor dem Schlafengehen
  • verschiedene Medikamente (wie Schlafmittel)
  • andere Krankheiten, zum Beispiel chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen (COPD)

Verdacht auf Schlafapnoe: Untersuchung im Schlaflabor

Sucht man wegen der oben beschriebenen Symptome den Arzt auf, wird dieser zunächst nach genauen Beschwerden und Schlafgewohnheiten fragen. Die Antworten liefern ihm bereits wichtige Hinweise auf ein mögliches Schlafapnoe-Syndrom. Mehr erfährt er mit Hilfe einer Blutuntersuchung, bei der die Labormediziner den Sauerstoffgehalt und die Kohlendioxidwerte im Blut bestimmen. Denn die unregelmäßige Atmung verursacht einen Sauerstoffmangel und erhöhtes Kohlendioxid, beides ist im Blut nachweisbar. Betroffene sollten außerdem immer von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Zahnarzt abklären lassen, ob sie Nasenpolypen, vergrößerte Gaumenmandeln oder eine Fehlstellung des Kiefers haben, die die Atmung zusätzlich beeinträchtigen.

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Schlaflabor: Schlummern unter ärztlicher Aufsicht

Ein genaues Ergebnis liefert eine Untersuchung im Schlaflabor. Dabei schlafen Patienten meist einige Nächte stationär in der Klinik. Ärzte zeichnen während des Schlafs zum Beispiel folgende Parameter auf:

  • Atemfluss
  • Atemfrequenz
  • Intervalle des Schnarchens
  • Pulsfrequenz
  • Sauerstoffgehalt des Bluts
  • Atemgeräusche
  • Atembewegungen im Brustkorb
  • Hirnstromkurve (EEG)
  • Herztätigkeit im Elektrokardiogramm (EKG)

Anhand dieser Werte ermitteln Ärzte die Anzahl der Schlafpausen pro Stunde, den sogenannten Schlafapnoe-Index. Er spiegelt die Schwere der Erkrankung wider:

  • mild: fünf bis 15 Ereignisse pro Stunde
  • moderat: 15 bis 30 Ereignisse pro Stunde
  • schwere: mehr als 30 Ereignisse pro Stunde

Nach diesem Index richtet sich die Behandlung.

Gesichtsmaske oder Gebissschiene: Behandlung der Schlafapnoe

Die Therapie besteht zunächst darin, alle Faktoren auszuschalten, die nächtliche Atempausen begünstigen. Und hier können Patienten auch selbst einiges tun.

  • Abnehmen bei Übergewicht: Mediziner haben herausgefunden, dass eine Gewichtsabnahme von 20 Prozent den Schlafapnoe-Index etwa um die Hälfte senken kann. Gewicht verlieren Patienten am besten mit einer gesunden, kalorienarmen Ernährung und viel Bewegung, zum Beispiel Ausdauersport wie Radfahren oder Wandern.

  • Guter Schlaf: Betroffene sollten auf regelmäßige Schlafenszeiten achten, möglichst immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen und morgens wieder aufstehen. Besser auf der Seite schlafen, nicht auf dem Rücken.

  • Essen: Am Abend auf schwere, fettreiche Mahlzeiten und Alkohol verzichten. Beides mindert die Schlafqualität.

Atemmaske und Gebissschiene als Hilfsmittel

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Bringen diese Maßnahmen keine nachhaltige Verbesserung des Nachtschlafs, hilft ein Atemtherapiegerät in Form einer Nasen- oder Vollgesichtsmaske. Sie reguliert die nächtliche Atmung durch einen Druckausgleich. Die Masken führen bei den meisten Betroffenen zu einer Verbesserung der Atemsituation, allerdings muss man sich erst daran gewöhnen, mit einer Atemmaske zu schlafen. Ein weiteres Hilfsmittel sind spezielle Gebissschienen. Sie verhindern, dass der Unterkiefer im Schlaf nach hinten fällt.

Manchmal sind Nasenpolypen, vergrößerte Gaumenmandeln oder eine Fehlstellung des Kiefers die Ursachen. In diesen Fällen ist unter Umständen eine Operation hilfreich.

Diese Folgen hat eine unbehandelte Schlafapnoe

Ein nicht behandeltes Schlafapnoe-Syndrom führt auf Dauer möglicherweise zu schweren gesundheitlichen Schäden und kann die Lebensdauer erheblich verkürzen. Betroffene besitzen ein erhöhtes Risiko für:

  • Unfälle infolge der Tagesmüdigkeit und der Konzentrationsstörungen. Beispielsweise überfällt sie am Steuer oft ein Sekundenschlaf, der schlimme Folgen haben kann.

  • Herzinfarkt und Schlaganfall

  • Rechtsherzvergrößerung und Rechtsherzschwäche (Cor pulmonale), weil das Herz aufgrund des nächtlichen Sauerstoffmangels verstärkt pumpen muss.

Unbehandelte Schlafapnoe verkürzt das Leben

Unbehandelt kann eine Schlafapnoe schlimme Folgen haben. Der nächtliche Sauerstoffmangel kann zu einer Rechtsherzvergrößerung führen und damit eine Rechtsherzschwäche (Cur pulmonale) nach sich ziehen.

40 Prozent der Betroffenen, die im Schlaf mehr als 20 Schlafpausen pro Stunde von jeweils mindestens zehn Sekunden haben, sterben statistisch gesehen nach acht Jahren. Menschen mit Schlafapnoe haben ein erhöhtes Unfallrisiko (infolge des Sekundenschlafs) und sind außerdem herzinfarkt- und schlaganfallgefährdet.

Eine Atemmaske zu tragen, kann bei einem Schlafapnoe-Syndrom lebensrettend sein. Mit ihr haben die Betroffenen keine höhere Sterblichkeitsrate als ihre Altersgenossen ohne Schlafapnoe-Syndrom.

Tipps, um Schlafapnoe zu vermeiden

Ein gesundes Gewicht und regelmäßige Ruhezeiten können den nächtlichen Atemaussetzern vorbeugen. Hilfreich ist es auch, auf der Seite zu schlafen und die Rückenlage zu vermeiden. Alkohol und üppige Mahlzeiten vor dem Schlafengehen sind tabu. Sie mindern die Schlafqualität, weil der Magen-Darm-Trakt nachts mit der Verdauung beschäftigt ist und die Leber den Alkohol abbaut. Verschiedene Medikamente, etwa Schlafmittel, begünstigen das OSAS. Ein Arzt sollte abklären, ob die Einnahme wirklich nötig ist.

Zehn Tipps gegen Schnarchen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. November 2017
Durch: Monika Preuk
Quellen: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Schnarchen: Obstruktive Schlafapnoe (OSA) und obstruktives Schnarchen. AWMF-Leitlinien-Register; Steinbeck, G., Paumgartner, G., u.a.: Therapie innerer Krankheiten. Springer; Lungenärzte im Netz, https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/schlafstoerungen/was-ist-schlafapnoe/; HNO-Ärzte im Netz, http://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/schnarchen-schlafapnoe/definition-und-haeufigkeit.html; Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), https://www.gesundheitsinformation.de/obstruktive-schlafapnoe.2120.de.html

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