Schmerzsyndrom

Fibromyalgie – Schmerzen am ganzen Körper

Fibromyalgie beschreiben Betroffene oft als "Schmerzen überall". Das Syndrom verursacht nicht nur Muskel- und Gelenkbeschwerden, sondern auch Schlafstörungen, Erschöpfung und Depressionen. Durch eine Therapie, die mehrere Ansätze verbindet, kommt oft die Lebensqualität zurück.

Frau hat Schmerzen in den Muskeln
Fibromyalgie wird oft spät erkannt und ist nicht heilbar. Die Symptome lassen sich aber lindern.
© iStock.com/AntonioGuillem

Patienten mit Fibromyalgie (Weichteilrheuma, Fibromyalgie-Syndrom) werden von heftigen Muskel- und Gelenkschmerzen in mehreren Regionen des Körpers geplagt, vor allem in den Armen, Beinen, im Rücken oder Nacken. Viele Betroffene reagieren äußerst empfindlich, wenn ein Arzt auf die Ansatzpunkte zwischen den Muskeln und Sehnen drückt, die sogenannten Tender Points. Einige entwickeln zudem eine Vielzahl an weiteren Beschwerden wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Depressionen.

Medizinisch gehört Fibromyalgie zu den Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. In Deutschland betrifft sie etwa ein bis drei Prozent der Bevölkerung. Die Schmerzkrankheit ist fast immer Frauensache: Etwa 90 Prozent der Betroffenen sind weiblich. Meist tritt das Weichteilrheuma zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf.

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Genaue Ursachen der Fibromyalgie noch unklar

Ärzte unterscheiden zwischen einer primären Fibromyalgie, deren Ursachen oft unentdeckt bleiben, und einer sekundären Fibromyalgie, die durch eine andere Grunderkrankung ausgelöst wird. Dafür infrage kommen entzündlich-rheumatische Erkrankungen, Autoimmunkrankheiten, Infektionen oder eine Operation.

Mediziner vermuten, dass eine gestörte Verarbeitung und veränderte Wahrnehmung von Schmerzen die primäre Fibromyalgie auslösen – das Schmerzgedächtnis ist "fehlprogrammiert". Auch eine körperliche Ursache ist möglich: Forscher des Universitätsklinikums Würzburg stellten fest, dass die Muskelschmerzen auf eine Schädigung vieler kleiner Nervenfasern zurückzuführen ist.

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Wahrscheinlich gibt es nicht nur eine Ursache für das Syndrom, sondern es spielen mehrere Faktoren zusammen. Wissenschaftler vermuten eine Kombination aus genetischen, biologischen, psychischen und sozialen Faktoren. Bekannt ist, dass Fibromyalgie in manchen Familien gehäuft vorkommt.

Risikofaktoren, die eine Fibromyalgie begünstigen

Einige Risikofaktoren können die Entwicklung der Erkrankung begünstigen oder die Symptome verstärken:

  • frühere Schmerzerfahrungen durch Unfälle oder Operationen

  • körperliche Schonung, Fehlbelastungen und Fehlhaltungen

  • mangelndes Verständnis der Umwelt für die Beschwerden

  • negative Gedanken und Gefühle, die Patienten in Zusammenhang mit ihren Beschwerden entwickeln

  • psychische Erkrankungen wie Ängste und Depressionen

  • Schlafmangel

  • Stress und Konflikte am Arbeitsplatz oder in der Familie

  • traumatische Erlebnisse wie sexueller Missbrauch, Gewalterfahrungen, mangelnde körperliche Zuneigung, Trennungen

  • Überforderung und hoher Leistungsanspruch

  • verminderte körperliche Aktivität, Rauchen, Übergewicht

Welche Symptome bei Fibromyalgie?

Die Symptome beim Weichteilrheuma sind vielfältig. Charakteristisch sind starke, immer wiederkehrende Schmerzen im Bereich der Sehnen, Muskeln und Gelenke. Sie treten nicht täglich und auch nicht immer in der gleichen Stärke auf. Meist schmerzen die Arme, Beine, Brustkorb, Rücken oder Nacken. Die Beschwerden können sich auf einzelne Körperteile beschränken oder an mehreren Körperbereichen gleichzeitig bestehen. Betroffene beschreiben sie oft als ziehend und reißend. Daneben empfinden sie Druck auf die Ansatzpunkte zwischen den Sehnen und Muskeln (Tender Points) als schmerzhaft. Die Folge der Schmerzen sind Muskelverspannungen, die den Betroffenen heftig zusetzen.

Neben Muskel- und Gelenkschmerzen treten häufig weitere Symptome auf:

Fibromyalgie-Diagnose: Das passiert beim Arzt

Bis Ärzte die Diagnose Fibromyalgie stellen, haben die meisten Betroffenen einen jahrelangen Leidensweg hinter sich. Sie haben Ärzte verschiedenster Fachrichtungen besucht und zahlreiche Therapien ausprobiert. Es können Monate oder Jahre vergehen, bis die Schmerzkrankheit diagnostiziert wird.

Wichtig für die Diagnose ist die Anamnese, das Gespräch zwischen Arzt und Patient, das die aktuellen Beschwerden und die Krankengeschichte umfasst. Folgende Fragen stellt der Arzt:

  • Welche Beschwerden bestehen? Zum Beispiel Muskel- und Gelenkschmerzen, Schlafproblemen, Müdigkeit, Leistungsabfall, Stimmungsschwankungen?

  • Seit wann bestehen die Beschwerden?

  • In welchen Körperbereichen sind die Muskel- oder Gelenkschmerzen?

  • Wie stark sind sie?

  • Gibt es Ereignisse, die im Zusammenhang mit den Beschwerden stehen, zum Beispiel Stress im Beruf oder traumatische Erlebnisse?

  • Bestehen andere Grunderkrankungen, etwa eine rheumatische Krankheit?

  • Wurde kürzlich eine Operation durchgeführt?

Körperliche Untersuchung: Druckpunkte testen

Eine wichtige Methode zur Diagnose ist die Untersuchung von Druckpunkten, den Tender Points. Sie befinden sich an den Ansätzen zwischen Muskeln und Sehnen. Der Arzt kann sie per Daumendruck stimulieren. Insgesamt sind 18 solcher Punkte über den gesamten Körper verteilt. Auch versucht der Arzt durch Abtasten des Körpers, die Schmerzen genauer zu lokalisieren. So sieht er, ob sie eher die Arme, Beine, den Brustkorb, Rücken, Nacken, eine ganz andere Region oder mehrere Körperpartien gleichzeitig betreffen. Die Schmerzen müssen in mindestens drei Körperbereichen nachweisbar sein und über drei Monate bestehen. Außerdem schmerzen bei Druck mindestens elf von 18 Tender Points.

Nach den Kriterien des American College of Rheumatology (ACR-2010-Kriterien) berücksichtigen Ärzte für die Diagnose nicht nur die Muskelschmerzen als hauptsächliches Symptom, sondern gewichten auch die begleitenden Beschwerden. Auch lokale Schmerzen in Kombination mit typischen Begleitsymptomen bestimmter Stärke können zur Diagnose führen.

Andere Krankheiten ausschließen

Mithilfe von Laboruntersuchungen, Röntgen, Gelenkultraschall oder Kernspintomographie lässt sich die Fibromyalgie in der Regel nicht nachweisen, die Befunde sind unauffällig. Diese Untersuchungen, beispielsweise die Blutuntersuchung auf Entzündungszeichen, dienen jedoch dazu, andere Krankheiten auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen.

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Zu den Erkrankungen, mit denen die Fibromyalgie leicht verwechselbar ist, gehören:

  • Gelenkentzündungen (Arthritis) und chronisch-rheumatische Erkrankungen
  • Morbus Bechterew
  • Osteoporose
  • Schilddrüsenfehlfunktionen
  • Depressionen
  • Chronisches Fatigue-Syndrom (CFS)
  • Entzündliche Multiorganerkrankung (Polymyalgia rheumatica)
  • Entzündung der Sehnen (Tendomyopathien)
  • Sklerodermie, eine sehr seltene entzündlich-rheumatische Erkrankung

Welche Therapie bei Fibromyalgie?

Fibromyalgie ist zwar nicht lebensbedrohlich, aber auch nicht heilbar. Sie kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Die Therapie bei Fibromyalgie besteht vor allem darin, die Beschwerden zu lindern (symptomatische Therapie), also das Wohlbefinden und den Alltag zu verbessern, indem Schmerzen gelindert, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Erschöpfung und depressive Verstimmungen behandelt werden. In Deutschland sind keine Medikamente zugelassen, die sich speziell gegen die Erkrankung richten. Die Behandlung hängt davon ab, ob das Weichteilrheuma leicht oder schwer ausgeprägt ist.

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Ärzte greifen in der Regel zu einer Kombination mehrerer Therapien:

  • Schmerzmittel, etwa schwache Opioide

  • Antidepressiva (in geringerer Dosierung als bei der Behandlung von Depressionen), die auch gegen Schmerzen und Schlafstörungen wirken

  • muskelentspannende Mittel (Muskelrelaxantien)

  • leichter Ausdauersport, Krafttraining

  • medizinische Trainingstherapie: Gerätetraining unter Anleitung eines Physiotherapeuten

  • Funktionstraining: Gymnastik an Land und im Wasser (Aquajogging)

  • Entspannungstechniken zur Stressreduktion wie autogenes Training, Yoga und Meditation

  • Thermalbäder: Balneo-, Hydro-, Thalassotherapie

  • Psychotherapie, etwa die kognitive Verhaltenstherapie, Hypnose oder Imagination

Alternative Heilmethoden: Das bringen Akupunktur und Kälte

Einige Menschen mit Fibromyalgie verspüren durch Wärmeanwendungen (Infrarot, Sauna, Moorbäder) Linderung, anderen helfen Kältetherapien (Kältekammer bis minus 110 Grad). Außerdem nutzen viele Betroffene die Möglichkeiten der Komplementärmedizin, zum Beispiel Akupunktur und Homöopathie. Für die Akupunktur gibt es Nachweise der Wirksamkeit.

Verlauf bei Fibromyalgie sehr unterschiedlich

Fibromyalgie beginnt in der Regel schleichend und unauffällig. Zu Beginn klagen die Betroffenen über unspezifische Beschwerden, etwa Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit oder Schlafstörungen. Bis zur vollen Ausprägung der Fibromyalgie vergehen meist einige Jahre.

In Verlauf der Erkrankung sind nicht immer alle Symptome gleich stark ausgebildet. So können sich beschwerdefreie Phasen mit Zeiten starker Schmerzen abwechseln. Äußere Umstände wie kalte oder warme Witterung, ein Wetterwechsel, intensive Sonneneinstrahlung oder Stress können die Beschwerden verstärken.

Wie stark die Schmerzen und die Begleitsymptome der Fibromyalgie ausgeprägt sind, ist individuell verschieden. Patienten mit einer leichteren Form lernen mit der Zeit, mit ihrer Krankheit zu leben. Patienten mit schwereren Krankheitsbildern können neben den chronischen Schmerzen weitere körperliche Beschwerden entwickeln, die zum Teil sehr stark sind. Beispiele hierfür sind Reizdarm oder Reizblase. Zusätzliche Angststörungen und Depressionen beeinträchtigen die Patienten stark in ihrem Beruf und Alltag.

Fibromyalgie vorbeugen: Diese Maßnahmen helfen

Da die Ursachen nicht vollständig geklärt sind, kann man Fibromyalgie nicht gezielt vorbeugen. Mediziner nehmen an, dass starke Schmerzen, die nach Operationen, Unfällen und im Rahmen anderer Erkrankungen auftreten, Fibromyalgie begünstigen. Behandeln Ärzte Schmerzen nicht ausreichend, können sie chronisch werden. So entsteht im Gehirn ein "Schmerzgedächtnis". Eine ausreichende Schmerztherapie kann verhindern, dass die Schmerzen chronisch werden.

Es gibt Hinweise darauf, dass schlechter oder gestörter Nachtschlaf die Entstehung einer Fibromyalgie begünstigt. Die Patienten fühlen sich morgens oft nicht erholt. Ebenso besteht der Verdacht, dass permanenter Erfolgsdruck, hohe Erwartungen an die eigenen Leistungen, Stress und innere Anspannung die Erkrankung fördern. Für Betroffene ist deshalb hilfreich, auf einen guten Schlaf zu achten, für ausreichende seelische und körperliche Entspannung zu sorgen und Stress zu vermeiden. Sport und körperliche Bewegung können zusätzlich Muskelschmerzen vorbeugen und Anspannungen abbauen.

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