Erkrankung des Blutes

Anämie (Blutarmut)

Eine Anämie oder Blutarmut liegt vor, wenn es zu wenig Blutfarbstoff, sogenanntes Hämoglobin, gibt oder wenn der Anteil der Zellen am Blutvolumen (Hämatokrit) erniedrigt ist. Auch die Zahl der roten Blutkörperchen, also der Erythrozyten, kann vermindert sein.

Frau greift sich an Kopf
Blutarmut: Typische Symptome sind Müdigkeit, Blässe, Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen.
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Ursächlich können sowohl eine verminderte Blutbildung als auch ein gesteigerter Abbau bzw. Verlust von roten Blutkörperchen sein. Anämien lassen sich nach ihren zugrundeliegenden Ursachen oder anhand der veränderten Blutwerte einteilen. Wichtige Parameter für die Einteilung von Anämien sind die Größe der roten Blutkörperchen (MCV, engl. "mean cell volume", mittleres Zellvolumen) sowie ihre Beladung mit Blutfarbstoff (MCH, engl. "mean cell hemoglobine", mittlerer Zellhämoglobingehalt).

Bei einer Anämie können beide Werte erniedrigt, normal oder erhöht sein. Die roten Blutkörperchen können also eher klein ("mikrozytär"), normal groß ("normozytär") oder größer sein ("makrozytär"). Ihnen kann es an Blutfarbstoff mangeln ("hypochrom"), oder sie können damit übermäßig beladen sein ("hyperchrom"). Auch eine normale Beladung mit Hämoglobin pro Erythrozyt kommt bei Anämie vor ("normochrom").

Eisenmagelanämie sehr häufig

Zudem lässt sich zwischen erworbenen und angeborenen Anämien unterscheiden. Zu den erworbenen Anämien zählt die häufigste Form der Blutarmut, die Eisenmangelanämie. Etwa 80 Prozent aller Anämien beruhen auf einem Eisenmangel. Diese und andere erworbene Anämien können zudem als Begleiterscheinung anderer Krankheiten auftreten, etwa bei Infektions- oder Krebserkrankungen. Da ein für die Blutbildung wichtiges Hormon, das Erythropoetin (auch „Epo“ genannt), von der Niere produziert wird, können auch Nierenerkrankungen zu einer Blutarmut führen. Man spricht dann von einer „renalen Anämie“.

Bei der sogenannten aplastischen Anämie ist nicht nur die Produktion der roten Blutkörperchen, sondern die Bildung von mindestens zwei der drei Blutzellarten (also rote Blutkörperchen, weiße Blutzellen und/oder Blutplättchen) vermindert oder aufgehoben. Die aplastische Anämie zählt ebenfalls zu den erworbenen Formen der Blutarmut.

Beispiele für angeborene beziehungsweise erbliche Anämien sind die Kugelzellanämie, die Sichelzellkrankheit und die sogenannte Thalassämie. Die Kugelzellanämie oder hereditäre Sphärozytose ist darunter die häufigste; in Deutschland gibt es etwa 33.000 Patienten mit Kugelzellanämie. Dem Krankheitsbild liegen Defekte der Erythrozytenwand zugrunde; die roten Blutkörperchen verlieren ihre Verformbarkeit und werden in der Milz beschleunigt abgebaut. Auch werden die krankheitstypisch veränderten roten Blutkörperchen bei Sichelzellkrankheit und Thalassämie rascher zersetzt, was die bereits bestehende Blutarmut noch verstärken kann.

Den Abbau von Blutzellen bezeichnen Mediziner als Hämolyse. Werden Blutbestandteile vermehrt oder schneller abgebaut als natürlicherweise, sprechen sie von einer gesteigerten Hämolyse. Aus diesem Grund werden die Kugelzellanämie, die Sichelzellkrankheit und die Thalassämie auch als "hämolytische Anämien" bezeichnet.

Wird eine Anämie entdeckt, muss stets nach ihrer Ursache gefahndet werden.

Blutarmut: Symptome

Manche Betroffenen berichten zudem über Luftnot bei Belastung oder einen auch in Ruhe erhöhten Herzschlag. Viele Menschen haben eine beginnende Eisenmangelanämie, ohne Symptome wahrzunehmen. Sie werden erst durch eine Routine-Blutuntersuchung darauf aufmerksam. Eine ausgeprägte Anämie kann dagegen schon bei leichter körperlicher Tätigkeit zu Atemnot oder rascher Pulsbeschleunigung führen.

Bei Eisenmangel kann es zusätzlich zu Entzündungen von Haut und Schleimhäuten kommen. Eingerissene Mundwinkel, brüchige Nägel, Haarausfall, trockene Haut, gelegentlich auch mit Juckreiz, und Schluckbeschwerden (bei Entzündung der Speiseröhre) können auftreten. Ein Teil der Patienten verspürt auch abnorme Essgelüste, zum Beispiel auf Kalk oder Erde.

Gelbfärbung und Gallensteine

Patienten mit hämolytischen* Anämien (also beispielsweise Kugelzellanämie, Sichelzellkrankheit oder Thalassämie) weisen zusätzlich zu den typischen Begleiterscheinungen einer Blutarmut auch Zeichen des gesteigerten Blutabbaus auf. Da der Abbau von Blutzellen in der Milz stattfindet, ist diese meist vergrößert. Ein Abbauprodukt ist das sogenannte Bilirubin. Entsteht mehr Bilirubin, als der Körper ausscheiden kann, lagert es sich im Körper ab.

In der Folge können sich Haut und Schleimhäute gelb färben, als erstes ist meist die weißes Augenhaut (Sklera) betroffen. Die Gelbfärbung wird auch „Ikterus“ genannt. Zudem können sich durch die Ansammlung von Bilirubin Gallensteine bilden, die bei Verschluss der Gallenabflusswege starke Schmerzen bereiten können.

Sichelzellen können Blutgefäße verstopfen

In einigen europäischen Ländern werden alle Säuglinge nach der Geburt untersucht, ob sie die Sichelzellkrankheit haben (sogenanntes Neonatal-Screening). In Deutschland gibt es eine solche Reihenuntersuchung für dieses Krankheitsbild bisher nicht. Daher wird die Diagnose meist mehr oder weniger zufällig in der Kindheit gestellt. Sind die Beschwerden nicht so stark ausgeprägt oder suchen die Betroffenen erst spät einen Arzt auf, beispielsweise Immigranten aus Ländern mit ungenügender medizinischer Versorgung, kommt es auch vor, dass die Diagnose sogar erst im Erwachsenenalter gestellt wird. Wenn sich die roten Blutkörperchen zu Sichelzellen verformen, können sie kleine Blutgefäße verstopfen. In der Folge wird die Sauerstoffzufuhr zum Gewebe unterbrochen. Typisch sind Knochenschmerzen und Organschäden. Die Milz verliert bereits im ersten Lebensjahr ihre Abwehrfunktion. Aus diesem Grund sind Patienten mit Sichelzellkrankheit sehr infektgefährdet.

Die schwere Verlaufsform der Thalassämie, die sogenannte Thalassaemia major, wird ebenfalls bereits im frühen Kindheitsalter symptomatisch: Es treten Fieberschübe, Infekte und Entwicklungsstörungen auf.

Das (heute seltene) Vollbild einer perniziösen Anämie umfasst neben der Anämiesymptomatik und einer häufig bestehenden Magenschleimhautentzündung auch neurologische Beschwerden - von Muskelschwäche, Gangunsicherheiten, schmerzhaften oder kribbelnden Missempfindungen an Händen und Füßen bis hin zu Lähmungen. Diese Zusatzsymptome entstehen nicht bei der folsäuremangelbedingten Anämie.

Berichtet ein Patient über die hier genannten Beschwerden, sollte untersucht werden, ob bei ihm eine der oben erwähnten Anämieformen vorliegt.

Blutarmut: Ursachen

Die weltweit häufigste Anämie ist die Eisenmangelanämie, sie betrifft etwa 80 Prozent aller Anämien. Hierzulande liegt die Ursache für einen Eisenmangelmeist in einem Verlust des Eisens aufgrund von Blutverlusten. Blutungen im Verdauungstrakt sind für etwas mehr als die Hälfte aller Eisenmangelanämien verantwortlich.  Im Verdauungssystem werden solche BSicherblutungen vom Betroffenen meist nicht wahrgenommen. Hohe Blutverluste können auftreten bei:

Blutarmut durch Ess-Störungen

Dabei spielt hierzulande auch die Einnahme von Schmerzmitteln eine Rolle, da diese die Bildung von Geschwüren begünstigen können. Starke Regelblutungen sind bei etwa einem Drittel aller Eisenmangelanämien die Ursache. Vermutlich spielt in anderen Teilen der Erde, vor allem in unterentwickelten Ländern, eine verminderte Zufuhr von Eisen durch Mangel- oder Fehlernährung eine ebenso wichtige Rolle wie der Eisenmangel durch Blutverlust. Auch Ess-Störungen wie Magersucht (Anorexia)  und Ess-Brech-Sucht (Bulimie) führen zu Störungen des Blutbildes. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie im Wachstum ist der Eisenbedarf zudem erhöht.

Blutarmut durch Erbkrankheiten

Ein Beispiel für eine Anämie, der sowohl eine gestörte Blutproduktion als auch ein gesteigerter Blutabbau zugrundeliegt, ist die Thalassämie. Dies ist der Oberbegriff für unter anderem bei Menschen aus dem Mittelmeerraum verbreitete Erbkrankheiten, die mit einer Störung der Blutfarbstoffproduktion einhergehen. Es kommt zu einer hypochromen Anämie (den roten Blutkörperchen mangelt es also an Farbstoff) und zu einer gesteigerten Hämolyse, also zum vermehrten Abbau der roten Blutkörperchen.

Dagegen produziert das Knochenmark bei der Sichelzellenanämie einen fehlerhaften Blutfarbstoff. Dies führt dazu, dass sich die Erythrozyten bei Sauerstoffmangel sichelartig verformen und so Blutgefäße verstopfen können.

Beim myelodysplastischen Syndrom (MDS) führen rankhaft veränderte Knochenmarkszellen zu einer Überschwemmung des Körpers mit unreifen und funktionslosen Blutzellen, die normale Blutproduktion findet nur noch sehr eingeschränkt statt.

Zu den hämolytischen Anämien, also den Formen von Blutarmut, die auf einem gesteigerten Blutzellenabbau beruhen, zählt außerdem die Kugelzellanämie. Die Erythrozyten verlieren ihre Verformbarkeit und werden beschleunigt in der Milz abgebaut. Grund ist auch hier ein Gendefekt.

Eine klassische makrozytäre * und hyperchrome * Anämie ist die sogenannte Perniziosa. Den Betroffenen fehlt ein für die Verdauung wichtiges Eiweiß, der sogenannte Intrinsic Factor. Dieser ist beteiligt an der Aufnahme von Vitamin B12. Wird Vitamin B12 nur ungenügend aufgenommen, kommt es zu einer Störung der Produktion der roten Blutkörperchen im Knochenmark: Es werden unreife, verhältnismäßig große Zellen in die Blutbahn entlassen, die zu viel Hämoglobin * geladen haben und eine verkürzte Lebensdauer haben. Bei einem Mangel an Folsäure und an Vitamin-B12, ohne dass es an Intrinsic Factor fehlt, kommt es ebenfalls zu diesem Phänomen. Gründe hierfür können eine streng vegetarische Ernährung oder Alkoholmissbrauch sein.

Blutarmut: Diagnose

Rund 70 Prozent des Eisens im Blut liegt im Hämoglobin vor, dem für den Sauerstofftransport verantwortlichen roten Blutfarbstoff. Bei der Routine-Untersuchung des Blutes wird die Zahl der roten Blutkörperchen sowie Gehalt an Hämoglobin bestimmt. Sind die Werte erniedrigt, so deutet dies auf einen latenten Eisenmangel (Anämie) hin.

Die beiden entscheidenden Blutwerte für die Diagnose einer Anämie sind der Blutfarbstoff (Hämoglobin) und der Zellanteil am Blutvolumen, der sogenannte Hämatokrit. Beide Werte fallen natürlicherweise bei Frauen etwas niedriger aus als bei Männern. Eine Anämie liegt vor, wenn der Hämoglobinwert * bei Frauen unter 12 Gramm (g)/Deziliter (dl) bzw. bei Männern unter 13 g/dl sinkt oder der Hämatokrit * bei Frauen weniger als 38 Prozent bzw. bei Männern weniger als 42 Prozent ausmacht. Im Kindesalter gelten wiederum andere Grenzwerte.

Die betroffenen Patienten können durch Blässe auffallen und klagen vielleicht über Müdigkeit. Der Arzt sollte im Gespräch nach weiteren Beschwerden sowie Vorerkrankungen des Patienten selbst und in seiner Familie fragen. Auch eine gründliche körperliche Untersuchung hilft dabei, die richtige Diagnose zu stellen.

Anhand weiterer Blutwerte wie der Größe und des Farbstoffgehalts der roten Blutkörperchen lässt sich die Anämie genauer eingrenzen. Hinter einer Blutarmut, bei der die roten Blutkörperchen klein sind und wenig Farbstoff tragen (also eine "mikrozytäre hypochrome Anämie"), kann sich zum Beispiel eine Eisenmangelanämie oder eine Thalassämie verbergen.

Um welche Form der Anämie handelt es sich?

Sind die Erythrozyten normal groß und mit einer normalen Hämoglobinmenge beladen, („normozytäre normochrome Anämie“) könnte es sich um eine hämolytische * Anämie, eine akute Blutungsanämie, eine aplastische oder eine renale Anämie handeln. Sind die roten Blutkörperchen groß und mit viel Blutfarbstoff beladen („makrozytäre hyperchrome Anämie“), könnte dem ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure zugrundeliegen.

Um einen Eisenmangel zu erfassen, wird unter anderem das Speicherprotein des Eisens, das sogenannte Ferritin, bestimmt. Bei Eisenmangel ist seine Konzentration im Blut erniedrigt. Wird ein erniedrigter Eisenspiegel festgestellt, muss nach einer möglichen Blutungsquelle gefahndet werden.

Um beispielsweise hämolytische * Anämien von aplastischen oder renalen Anämien zu unterscheiden, zählt man die Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen, die sogenannten Retikulozyten. Ist die Blutbildung gestört, etwa bei aplastischer Anämie oder weil das in der Niere produzierte Blutbildungshormon fehlt, gibt es wenig Vorläuferzellen im Blut. Ist das Knochenmark hingegen intakt und versucht es, einem erhöhten Blutzellabbau (Hämolyse) mit einer verstärkten Neubildung von roten Blutkörperchen entgegenzuwirken, sind die Retikulozyten * erhöht. Weitere Anzeichen für eine Hämolyse * ist die vermehrte Ansammlung von Abbauprodukten wie beispielsweise Bilirubin im Blut.

Darüber hinaus lassen sich die typischen krankhaften Formen roter Blutkörperchen unter dem Mikroskop erkennen: bei der  Sichelzellkrankheit verformen sie sich bei luftdichtem Verschluss sichelförmig, bei der Thalassämie können sie wie Schießscheiben wirken, und bei der Kugelzellanämie sehen sie teilweise tatsächlich kugelig aus. Besteht der Verdacht auf eine Sichelzellkrankheit oder eine Thalassämie, muss das Labor dem durch eine Hämoglobin-Analyse nachgehen. Auch die typischen Membrandefekte der Kugelzellen können spezielle Untersuchungsverfahren sichtbar machen.

Ein Mangel an anderen Nährstoffen und Vitaminen wie Vitamin B12 und Folsäure lässt sich ebenfalls durch Blutuntersuchungen nachweisen.

Blutarmut: Therapie

Grundsätzlich gibt es kausale und symptomatische Therapieansätze. Bei einer Anämie, die durch eine Blutung im Verdauungstrakt hervorgerufen wurde, ist die Blutstillung natürlich die erste, kausale Therapiemaßnahme. Zusätzlich können Blutkonserven gegeben werden. Besteht aufgrund der Blutung ein Eisenmangel, wird dieser mit Eisentabletten ausgeglichen. Als Therapie wird Eisen als zweiwertiges Eisen in Tablettenform oder als Saft verabreicht.

Viele Patienten reagieren jedoch mit Magen-Darm-Störungen, sodass sich eine maximale Tagesdosis von 100 Milligramm und die Einnahme zu oder kurz vor den Mahlzeiten empfehlen. Die Therapie muss mindestens über einen Zeitraum von sechs Wochen durchgeführt werden, um eine sichere Auffüllung der Eisenspeicher im Körper zu gewährleisten. Der Erfolg sollte durch Laboruntersuchungen überprüft werden. Die typische Schwarzfärbung des Stuhls bei der Einnahme von Eisentabletten ist kein Grund zur Beunruhigung. Und: Der Genuss von Schwarztee während der Therapie vermindert die Eisenresorption erheblich. Beruht ein Eisen- oder sonstiger Nährstoffmangel auf einer mangelhaften Ernährung oder Esstörungen, ist die Umstellung der Essgewohnheiten wiederum eine kausale Behandlung.

Stammzelltransplantation und Bluttransfusion

Für viele der komplexeren Anämieformen gibt es keine kausale Therapie. Vor allem die erblichen Krankheiten lassen sich nicht ursächlich behandeln, da ihnen ja ein Gendefekt zugrundeliegt, der sich (noch) nicht beheben lässt.

Eine kurative, also heilende Behandlungsmöglichkeit stellt bei Thalassämie, Sichelzellkrankheit und aplastischer Anämie jedoch die sogenannte Stammzelltransplantation dar. Hierbei spendet ein Verwandter dem Patienten Stammzellen aus Blut oder Knochenmark. Diese nisten sich im Knochenmark des Empfängers ein und sorgen dort für die Bildung gesunder Blutzellen. Hierfür müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, insbesondere eine genetische Kompatibilität („Verträglichkeit“) von Spender und Empfänger, damit es nicht zu Abstoßungsreaktionen kommt.

Als symptomatische Behandlung kommt bei den hämolytischen * Anämieformen die Gabe von Blutkonserven in Betracht. Insbesondere bei der schweren Verlaufsform der Thalassämie sind regelmäßige Transfusionen (etwa alle drei Wochen) meist unverzichtbar. Durch die vielen Blutkonserven kommt es allerdings zu einer Eisenüberladung des Organismus; hierfür ist wiederum eine sogenannte Eiseneliminationstherapie angezeigt, die ebenfalls Nebenwirkungen mit sich bringen kann.

Die typischen Schmerzkrisen bei Patienten mit Sichelzellanämie können je nach Schweregrad mit unterschiedlich starken Schmerzmitteln behandelt werden.

Bei der Kugelzellanämie hat es sich bewährt, die ohnehin bereits früh funktionslose Milz chirurgisch zu entfernen. Dadurch normalisiert sich die Lebensdauer der Erythrozyten, auch wenn Membrandefekt und Kugelform erhalten bleiben. Es kommt zu einer vollständigen Normalisierung von Hämoglobinkonzentration * und Retikulozytenzahl * ; das heißt, die Anämie wird behoben. Die Milz sollte allerdings nicht vor dem sechsten Lebensjahr entfernt werden. Zudem ist die lebenslang erhöhte Infektionsgefahr der Betroffenen zu berücksichtigen.

Patienten mit aplastischer Anämie benötigen Transfusionen der betroffenen Blutzellen, also gegebenenfalls Konserven von roten Blutkörperchen und/oder von Blutplättchen (Thrombozyten). Wenn möglich, sollte eine Stammzelltransplantation erfolgen. Ganz ohne Behandlung verläuft die Krankheit im Erwachsenenalter in sieben von zehn Fällen tödlich. Zum Vergleich: Zehn Jahre nach einer Stammzellspende von Verwandten sind bis zu acht von zehn Patienten wieder gesund. Findet sich kein kompatibler Spender, stellen immunsuppressive Medikamente eine weitere Behandlungsmöglichkeit dar.

Die perniziöse Anämie lässt sich durch die Gabe von Vitamin B12 behandeln. Dazu erhält der Patient zunächst einmal pro Woche, dann alle sechs Monate eine Spritze in den Muskel. Ein Folsäuremangel lässt sich mithilfe von Tabletten ausgleichen.

Blutarmut: Vorbeugen

Eine ausgewogene Ernährung ist die beste Vorbeugung vor einem Eisenmangel (Anämie).  Dies gilt auch für Vegetarier.  Pflanzliche Nahrung enthält zwar besonders viel Eisen, der gleichzeitig hohe Phosphatgehalt verhindert aber eine gute Verfügbarkeit für den Körper. Hülsenfrüchte, Roggen und Kopfsalat sollten einen festen Platz im Speiseplan haben. Wesentlich leichter nimmt der Organismus Eisen aus Nahrungsmitteln tierischer Herkunft auf.

Eisen in der Schwangerschaft

In Europa leidet etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter an einer Eisenmangelanämie. In Entwicklungsländern ist sogar mehr als die Hälfte der Frauen betroffen. Weltweit weist jeder vierte Mensch einen Eisenmangel auf. Während des Wachstums, in der Schwangerschaft oder bei starker Regelblutung sollte jedoch auf eisenhaltige Nahrungsmittel geachtet werden. Schwangere Frauen, Frühchen und Neugeborene, die weniger als 2.500 Gramm wiegen, bekommen heute prophylaktisch Eisengaben.

Nicht jede Anämie lässt sich durch vorbeugende Ma0nahmen verhindert, diese müssen nach ihren Ursachen behandlet werden.

Für Patienten mit hämolytischen Anämien spielt der Schutz vor Infektionskrankheiten in der Prävention eine zentrale Rolle, da die Milz im weiteren Krankheitsverlauf ihre Abwehrfunktion meist einbüßt. Aus diesem Grund sind bei Kindern mit Kugelzellanämie, Sichelzellkrankheit oder Thalassämie die Schutzimpfungen besonders wichtig, vor allem gegen Pneumokokken, Haemophilus influenzae und Meningokokken. Auch Ringelröteln sind gefürchtet. Eine Infektion mit dem sogenannten Parvovirus B19 kann eine aplastische Krise auslösen, also die Bildung von roten und weißen Blutzellen sowie von Blutplättchen zum Versiegen bringen. Patienten, die noch keine Ringelröteln durchgemacht haben, sollten daher Kontakte zu Erkrankten meiden. Nach einer Entfernung der Milz beispielsweise bei Kugelzellanämie wird eine lebenslange Antibiotika-Prophylaxe empfohlen. In Studien wird derzeit die Möglichkeit überprüft, die Milz nicht vollständig zu entfernen, sondern einen aktiven Rest im Körper der Patienten zu belassen und so die Antibiotika-Dauergabe zu verkürzen.

Eltern von Säuglingen und Kleinkindern mit  Sichelzellkrankheit sollten lernen, die Milz ihrer Kinder zu tasten. Normalerweise liegt die Milz versteckt unter dem linken Rippenbogen und lässt sich gar nicht tasten. Ist sie tastbar, deutet dies auf eine Vergrößerung hin. Wenn die Milz bei Sichelzellkrankheit plötzlich größer wird, kann dem ein lebensbedrohlicher Zustand zugrundeliegen, die sogenannte „Milzsequestration“. Dabei wird fast das gesamte Blut, das eigentlich durch den Körper fließen soll, in der Milz zurückgehalten. Da es nicht mehr für den Kreislauf zur Verfügung steht, kommt es zu einem Schockzustand mit schnellem Herzschlag, niedrigem Blutdruck und extremer Blässe. Eine Milzsequestration kann sich sehr rasch entwickeln und tödlich sein. Zu Beginn klagt das Kind oft über Bauchschmerzen, es wird blass und schlapp und will nicht mehr essen. Manchmal tritt auch Fieber auf. Jeder Sichelzellpatient mit Bauchschmerzen sollte deshalb unbedingt einem Arzt vorgestellt werden. Im Falle einer Milzsequestration können Transfusionen, aber auch die sofortige chirurgische Entfernung der Milz angezeigt sein.

Bei Patienten mit Sichelzellanämie können zudem jährliche Ultraschall-Kontrollen der großen hirnversorgenden Gefäße sinnvoll sein, um einen drohenden Infarkt des Gehirngewebes rechtzeitig zu entdecken. Besteht ein erhöhtes Risiko, kann eine Transfusionsbehandlung nötig werden.

Weiterhin sollten Patienten mit Sichelzellkrankheit auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten sowie Alkohol, Zigaretten und andere krisenauslösende Faktoren (beispielsweise Unterkühlung) meiden.

Glossar

Ferritin: Eisen-Speicherprotein, ist bei Eisenmangel erniedrigt Hämatokrit: Anteil der zellulären Bestandteile am Blutvolumen Hämoglobin: Blutfarbstoff Hämolyse: (gesteigerter) Abbau von Blutzellen hyperchrom: hoher Blutfarbstoffgehalt normochrom: normaler Blutfarbstoffgehalt hypochrom: niedriger Blutfarbstoffgehalt makrozytär: große Zellen normozytär: normalgroße Zellen mikrozytär: kleine Zellen MCV: engl. „mean cell volume“, mittleres Zellvolumen MCH: engl. „mean cell hemoglobine“, mittlerer Zellhämoglobingehalt Retikulozyten: Vorläuferzellen von roten Blutkörperchen

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2014
Durch:
Quellen: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie: „Sichelzellkrankheit“, 2010. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie: „Aplastische Anämie“, 2006. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie: „Hereditäre Sphärozytose“, 2006. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie: „Thalassämie“, 2006. Herold (Hrsg.): Innere Medizin 2009; eine vorlesungsorientierte Darstellung Piper W.: Innere Medizin. 1. Aufl. Berlin: Springer, 2007

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Wechseljahre
    Anämie?
    29.09.2011 | 09:59 Uhr

    Hallo liebes Expertenteam! Ich bin seit Montag mit den Nerven so ziemlich am Ende und...   mehr...

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