Erkrankung des Blutes

Anämie (Blutarmut)

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Blutarmut: Typische Symptome sind Müdigkeit, Blässe, Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen.
(c) Stockbyte

Eine Anämie oder Blutarmut liegt vor, wenn es zu wenig Blutfarbstoff, sogenanntes Hämoglobin, gibt oder wenn der Anteil der Zellen am Blutvolumen (Hämatokrit) erniedrigt ist. Auch die Zahl der roten Blutkörperchen, also der Erythrozyten, kann vermindert sein.

Ursächlich können sowohl eine verminderte Blutbildung als auch ein gesteigerter Abbau bzw. Verlust von roten Blutkörperchen sein. Anämien lassen sich nach ihren zugrundeliegenden Ursachen oder anhand der veränderten Blutwerte einteilen. Wichtige Parameter für die Einteilung von Anämien sind die Größe der roten Blutkörperchen (MCV, engl. "mean cell volume", mittleres Zellvolumen) sowie ihre Beladung mit Blutfarbstoff (MCH, engl. "mean cell hemoglobine", mittlerer Zellhämoglobingehalt).

Bei einer Anämie können beide Werte erniedrigt, normal oder erhöht sein. Die roten Blutkörperchen können also eher klein ("mikrozytär"), normal groß ("normozytär") oder größer sein ("makrozytär"). Ihnen kann es an Blutfarbstoff mangeln ("hypochrom"), oder sie können damit übermäßig beladen sein ("hyperchrom"). Auch eine normale Beladung mit Hämoglobin pro Erythrozyt kommt bei Anämie vor ("normochrom").

Eisenmagelanämie sehr häufig

Zudem lässt sich zwischen erworbenen und angeborenen Anämien unterscheiden. Zu den erworbenen Anämien zählt die häufigste Form der Blutarmut, die Eisenmangelanämie. Etwa 80 Prozent aller Anämien beruhen auf einem Eisenmangel. Diese und andere erworbene Anämien können zudem als Begleiterscheinung anderer Krankheiten auftreten, etwa bei Infektions- oder Krebserkrankungen. Da ein für die Blutbildung wichtiges Hormon, das Erythropoetin (auch „Epo“ genannt), von der Niere produziert wird, können auch Nierenerkrankungen zu einer Blutarmut führen. Man spricht dann von einer „renalen Anämie“.

Bei der sogenannten aplastischen Anämie ist nicht nur die Produktion der roten Blutkörperchen, sondern die Bildung von mindestens zwei der drei Blutzellarten (also rote Blutkörperchen, weiße Blutzellen und/oder Blutplättchen) vermindert oder aufgehoben. Die aplastische Anämie zählt ebenfalls zu den erworbenen Formen der Blutarmut.

Beispiele für angeborene beziehungsweise erbliche Anämien sind die Kugelzellanämie, die Sichelzellkrankheit und die sogenannte Thalassämie. Die Kugelzellanämie oder hereditäre Sphärozytose ist darunter die häufigste; in Deutschland gibt es etwa 33000 Patienten mit Kugelzellanämie. Dem Krankheitsbild liegen Defekte der Erythrozytenwand zugrunde; die roten Blutkörperchen verlieren ihre Verformbarkeit und werden in der Milz beschleunigt abgebaut. Auch werden die krankheitstypisch veränderten roten Blutkörperchen bei Sichelzellkrankheit und Thalassämie rascher zersetzt, was die bereits bestehende Blutarmut noch verstärken kann.

Den Abbau von Blutzellen bezeichnen Mediziner als Hämolyse. Werden Blutbestandteile vermehrt oder schneller abgebaut als natürlicherweise, sprechen sie von einer gesteigerten Hämolyse. Aus diesem Grund werden die Kugelzellanämie, die Sichelzellkrankheit und die Thalassämie auch als "hämolytische Anämien" bezeichnet.

Wird eine Anämie entdeckt, muss stets nach ihrer Ursache gefahndet werden.

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Autor: Britta Verlinden / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2014
Durch:
Quellen: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie: „Sichelzellkrankheit“, 2010. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie: „Aplastische Anämie“, 2006. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie: „Hereditäre Sphärozytose“, 2006. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie: „Thalassämie“, 2006. Herold (Hrsg.): Innere Medizin 2009; eine vorlesungsorientierte Darstellung Piper W.: Innere Medizin. 1. Aufl. Berlin: Springer, 2007

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