Erkrankung der Leber und der Galle

Gallensteine: Symptome, Ernährung und Behandlung

Gallensteine sind auskristallisierte Bestandteile von Gallenflüssigkeit, die als Steine in den Gallenwegen oder der Gallenblase liegen und Schmerzen hervorrufen können. Zwischen 15 und 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind betroffen – Frauen doppelt so häufig wie Männer. Krampfartige, wiederkehrende Schmerzen im rechten Oberbauch, die sich bis zu heftigen Gallenkoliken weiterentwickeln können, gehören zu den typischen Symptomen. Die Steinchen können außerdem die Ursache von Verdauungsproblemen, Blähungen und Durchfall sein. Erfahren Sie, wie Gallensteine mittels OP oder Medikamenten behandelt und entfernt werden können. Auch mit der richtigen Ernährung können Sie dem Leiden vorbeugen.

gallensteine
So sehen entfernte Gallensteine aus. Das Bild zeigt sogenannte Pigmentsteine, ihre braune Farbe verleiht ihnen der Gallenfarbstoff Bilirubin. Cholesterinsteine sind dagegen gelblich.
© iStock.com/umdash9

Das Gallensteinleiden kann sich sehr unterschiedlich äußern. Es reicht von harmlosen Symptomen wie zum Beispiel einer Unverträglichkeit bestimmter Nahrungs- und Genussmittel bis hin zu sehr schmerzhaften krampfartigen Beschwerden (Gallenkolik) und zum Rückstau der Galle. Dieser Rückstau kann Auswirkungen auf die Leber und den Gesamtstoffwechsel sowie eine Entzündung der Gallenblase oder der Bauchspeicheldrüse zur Folge haben.

Gallensteine, die anlässlich einer Routine-Untersuchung, zum Beispiel bei einer frauenärztlichen Ultraschall-Untersuchung oder einem Röntgenbild des Bauchraums, entdeckt wurden, rechtfertigen noch nicht die Diagnose Gallensteinleiden, da sie nicht automatisch Beschwerden nach sich ziehen.

Ursachen und Risikofaktoren: Wie und warum entstehen Gallensteine?

Gallensteine bilden sich, wenn das Verhältnis der verschiedenen, in der Gallenflüssigkeit gelösten Salze aus dem Gleichgewicht gerät. Bei Übersättigung mit einem Salz wird ein bestimmter Salzanteil zu einem festen Kristall, und bildet einen so genannten Kristallisationskeim. Um ihn herum wächst der Stein.

Die Gallenflüssigkeit besteht im Wesentlichen aus den drei Bestandteilen Gallensalze, Lezithin und Cholesterin. Befinden sich diese drei Hauptbestandteile der Gallenflüssigkeit in einem bestimmten Konzentrationsverhältnis, bleiben sie gelöst. Wird das Gleichgewicht zugunsten eines Bestandteils verschoben, kristallisiert die entsprechende Substanz aus und wird zu Gallensteinen.

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Steinarten

Die häufigsten Steine (90 Prozent) sind Cholesterinsteine. Die zweite Gruppe bilden die Pigmentsteine. Sie werden auch Kalksteine genannt und entstehen vermehrt aus dem Abbau verschiedener Zellen, zum Beispiel bei bestimmten Blutkrankheiten; auch als schwarze Pigmentsteine. Die Cholesterinsteine sind Kompositionssteine mit mindestens 50 Prozent Cholesterin oder reine Cholesterinsteine (mehr als 90 Prozent Cholesterin).

Begünstigende Faktoren von Gallensteinen

Frauen leiden doppelt so häufig an Gallensteinen wie Männer. Angehende Ärzte lernen die 5-F-Regel für den klassischen Gallensteinpatienten:

  1. Female (weiblich)
  2. Fecund (fruchtbar = mehrere Geburten)
  3. Fat (übergewichtig)
  4. Flatulent (über Blähungen oder Verdauungsstörungen klagend)
  5. Forty (40-jährig und darüber)

Weiblich

Die spezifische Verteilung der Geschlechtshormone, die unter anderem aus Cholesterin gebildet und wieder zu Cholesterin abgebaut werden, begünstigt die Cholesterinstein-Bildung. Trotz des Zusammenhangs zwischen weiblichen Hormone und Gallensteinleiden erhöhen die Pille und die gegen Wechseljahresbeschwerden verwendeten Hormone das Risiko für Gallensteine nicht eindeutig. Studien erbrachten hier widersprechende Ergebnisse. Die Meinung geht dahin, dass durch Einnahme der Pille der Zeitpunkt einer Steinbildung allenfalls vorverlegt wird.

Fruchtbar

Schwangerschaft und Geburt gehen mit einem erhöhten Umsatz an weiblichen Geschlechtshormonen (siehe oben) einher. Die Schwangerschaft behindert aber auch den Gallenabfluss, da das wachsende Baby Raum beansprucht und die Gallenblase verdrängen kann. Zum Dritten ist in der Schwangerschaft die Aktivität der Muskulatur in Darm, Gallen- und Harnwegen (glatte Muskulatur) allgemein gedämpft, so dass sich die Gallenblase weniger stark zusammenzieht und damit weniger gut entleert.

Die meisten Gallensteine entstehen nach der Schwangerschaft in der Umbauphase, wenn sich die enorm erhöhten Östrogen-Spiegel normalisieren. In dieser Phase wird das überschüssige Abbauprodukt davon als Cholesterin über die Galle ausgeschieden.

Jede Schwangerschaft steigert damit das Risiko, Gallensteine zu entwickeln.

Übergewicht

Übergewicht ist vor allem im Hinblick auf den hierbei häufig gestörten Fettstoffwechsel mit erhöhten Cholesterinspiegeln ein Risikofaktor. Reichlicher Zuckerkonsum, wenig Ballaststoffe, Alkoholkonsum, Verzicht auf Frühstück und auf kleinere Zwischenmahlzeiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Gallensteine. Unter 900 Frauen bis 24 Jahren wurden bei 54 (4,8 Prozent) Gallensteine nachgewiesen, in der Gruppe der Übergewichtigen bei 13,2 Prozent.

Flatulent

Blähungen können ein Hinweis auf unzureichende Bewegungen des Verdauungstraktes und eine falsche Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit sein. Sie stellen jedoch nur ein sehr unsicheres Symptom, das auch auf anderen Ursachen im Verdauungssystem beruhen oder durch seelische Belastung verursacht sein kann.

Lebensalter

Mit steigendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Gallensteine.

Veranlagung

Hinzufügen könnte man noch ein sechstes "F", nämlich "Family´" (Veranlagung): Bevölkerungsstudien ergaben Hinweise darauf, dass eine Veranlagung zu Cholesterin-Gallensteinen weitervererbt werden kann. Den Cholesteringallensteinen liegt als Ursache auch eine genetische Stoffwechselstörung (Veranlagung) zugrunde. Hier ist eine bestimmte Gallensäure, die Chenodesoxycholsäure (Chenodiol), vermindert.

Weitere Risikogruppen für Gallensteine

  • Diabetiker haben häufiger Gallensteine als Nicht-Zuckerkranke. Die Vermutung, dass Diabetiker auch häufiger oder schwerere Komplikationen durch Gallensteine erleiden als andere Patienten, hat sich jedoch nicht bestätigt.

  • Darmoperierte: Nach ausgedehnteren Dünndarm-Operationen (zum Beispiel wegen entzündlicher Darmkrankheiten, der Crohn-Krankheit oder Colitis ulcerosa) treten unter Umständen gehäuft Gallensteine auf, denn es gehen vermehrt Gallensäuren aus dem Darm verloren. Sie stehen damit in der Gallenblase nicht zur Verfügung, um Cholesterin in Lösung zu halten.

  • Entzündung: Gallenblasenentzündungen und -steine treten häufig gemeinsam auf. Was die Ursache, was die Folge ist, lässt sich nicht immer eindeutig erkennen. Die Entzündung selbst kann die Steinbildung fördern, da sie den Gallenfluss beeinträchtigt. Eine Gallenblasenentzündung tritt bei bestehenden Steinleiden sehr häufig nach einem Nahrungs-Exzess (Martinsgans, Torten und so weiter) auf.

  • Blonde Frauen haben genetisch bedingt ebenfalls ein deutlich erhöhtes Steinrisiko.

Das Land mit den meisten Gallensteinträgerinnen weltweit ist Chile. Man nimmt an, dass dies mit dem überdurchschnittlich hohen Fleischkonsum dort in Zusammenhang steht. Viele Einwohner sind deutschen oder spanischen Ursprungs und diese Populationen lassen sich mit den Ursprungsländern für gewöhnlich gut vergleichen.

Anzeichen: Diese Symptome verraten ein Gallenstein-Leiden

Häufig leiden Patienten mit Gallensteinen an typischen Verdauungsbeschwerden (Gallenstein-Dyspepsie). Das sind zum Beispiel

  • Blähungen
  • Völlegefühl
  • Druck im Oberbauch
  • Kneifen im Bauch
  • Unverträglichkeit von Fettem, Gebratenem, Kaffee, Ei

Diese Krankheitszeichen sind nicht nur für Gallensteine typisch, sondern auch für den Reizdarm und unspezifische Verdauungsbeschwerden.

Weil Gallensteine, aber auch die anderen Symptomkomplexe sehr häufig sind, treten sie oft gemeinsam auf. Nachgewiesene Gallensteine plus Verdauungsbeschwerden sind aber noch kein Beweis, dass die Beschwerden durch die Steine verursacht werden!

Daran erkennen Sie eine Gallenkolik

Verursachen Steine eine Gallenkolik (Steineinklemmung in den Gallenwegen), spürt der Patient einen äußerst intensiven krampfartigen, meist in Wellen wiederkehrenden Schmerz im rechten Oberbauch mit Ausstrahlung in den Rücken, bis zur rechten Schulter; gleichzeitig oft Schweißausbruch und Kreislaufprobleme aufgrund eines Blutdruckabfalls (Schwindel, Schwarzwerden vor Augen).

Die Kolik entsteht durch krampfartiges Zusammenziehen der Gallenblase, wodurch der Stein entweder durch die Gallenwege in den Darm ausgetrieben wird oder wieder in die Gallenblase zurückfällt. Die Kolik endet, wenn der Stein die Gallenblase beziehungsweise die Gallenwege nicht mehr blockiert.

Mögliche Komplikationen mit Krankheitsanzeichen für Gallensteine:

Gelbsucht

(Übertreten des Gallenfarbstoffes ins Blut wegen Abflussbehinderung)

Zeichen:

Gelbsucht kann aber auch ein Symptom einer Leber- oder Blutkrankheit sein.

Gallenblasenentzündung

(der gestörte Gallenabfluss begünstigt das Angehen einer Entzündung)

Zeichen:

  • starke Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens
  • Krankheitsgefühl
  • Appetitlosigkeit bis Erbrechen
  • Fieber
  • starke Schmerzen

Bauchspeicheldrüsenentzündung

(Einklemmung eines Gallensteins in den gemeinsamen Ausführungsgang Gallenblase und Bauchspeicheldrüse, führt zum Rückstau des Drüsensekrets in der Bauchspeicheldrüse mit Selbstandauung)

Zeichen:

  • dumpfe, teilweise unerträglich starke Oberbauchschmerzen
  • starkes Krankheitsgefühl
  • Übelkeit und Erbrechen
  • gespannte Bauchdecken
  • eventuell Kreislaufzusammenbruch

Diagnose: So werden Gallensteine festgestellt

Bildgebende Verfahren wie Röntgen und Ultraschall, besonders aber auch endoskopische Methoden wie die Betrachtung der Gallengangseinmündungsstelle vom Dünndarm aus (ERCP) stellen Steine exakt dar. Wie steht es beim Patienten mit:

  • dem Allgemeinbefinden
  • dem Appetit
  • gibt es Beschwerden wann/wie?
  • dem Gewicht
  • einer Gelbsucht
  • der Gelbfärbung des Augenweiß
  • Hautzeichen für Lebererkrankung
  • Stuhlgangsbeschaffenheit (Farbe/Konsistenz)

Tastbefund

Der Tastbefund im Oberbauch liefert bereits wichtige Informationen: Die Gallenblase liegt größtenteils unter dem rechten Leberanteil, so dass nur ein kleiner, nach vorn gerichteter Anteil beim Tasten zugänglich ist. Normalerweise schließt der rechte Leberlappen mit dem rechten Rippenbogen ab, eine normale Gallenblase ist nicht zu tasten. Bei Gallenblasenentzündung, Stau in der Gallenblase oder auch steingefüllter Gallenblase kann der Arzt teilweise charakteristische Tastbefunde ermitteln.

Blutuntersuchung

Eine je nach Befund vorgenommene Blutuntersuchung klärt:

  • Entzündungsaktivität im Körper? (Hinweis auf Entzündung der Gallenwege)
  • Gallenfarbstoff im Blut? (Hinweis auf Störungen bereits in der Leber, auf Abflussstörungen)
  • verschiedene Leberenzyme (Transaminasen): Rückstau in die Leber, Beeinträchtigung der Leberleistung
  • Cholesterinspiegel (HDL-/LDL-Cholesterin), da Cholesterin in der Regel der wichtigste Steinbestandteil ist

Ultraschall

Die erste apparative Untersuchung ist eine Ultraschalluntersuchung. Gallensteine, Grieß (kleinste Steine) und Schlamm (Sludge = stark eingedickte Gallenflüssigkeit) sind hier als Schatten erkennbar. Aufgestaute erweiterte Gallenwege und eine Veränderung der Gallenblasenwand zeichnen sich ab. Die Untersuchung ist ungefährlich und belastet nicht, da lediglich Schallwellen im nicht hörbaren Bereich (Ultraschall) eingesetzt werden.

Koliken deuten immer auf eine Verlegung eines Hohlorgans hin, dabei ist die Abgrenzung zu einer Nierenkolik manchmal zunächst schwierig. Sind die Koliken zum Untersuchungszeitpunkt schon abgeklungen, kann der verursachende Stein oft nicht mehr beobachtet werden, da er in den Darm ausgetrieben wurde.

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Per Ultraschall lässt sich auch die Gallenblasenfunktion beurteilen: Nach Einnahme einer so genannten Reizmahlzeit wird das Zusammenziehen der Gallenblase beobachtet. Die ungestörte Gallenblasenfunktion ist Voraussetzung für die gallenblasenerhaltenden Behandlungsverfahren wie medikamentöse Steinauflösung oder die Zertrümmerung mit Schallwellen, ESWL.

Röntgenbild

Das Röntgenbild kann näheren Aufschluss über die Art des Steins geben. Ein sichtbarer Schatten spricht für Kalkeinlagerung. Nach Gabe eines Kontrastmittels werden auch andere Steine als Aussparungen erkennbar. Erscheinen sie klein und im Stehen nach unten gesunken, sind Pigmentsteine wahrscheinlich. Durch das Kontrastmittel werden auch die Gallenwege deutlich dargestellt. Eine Röntgenuntersuchung wird jedoch nicht in jedem Fall, sondern nur bei bestimmten Fragestellungen angefertigt, da sie mit einer Strahlenbelastung einhergeht.

Ist die Ultraschalluntersuchung der Gallenblasenfunktion nicht eindeutig genug, kann die Wirkung der Reizmahlzeit im Röntgenbild sicher beurteilt werden.

Röntgenbild während Endoskopie: Mehrere sehr große, im Hauptgallengang eingeklemmte Gallensteine. Durch einen bereits seit Wochen anhaltenden Stau hat sich der Gallengang auf das Doppelte bis Dreifache seines normalen Durchmessers ausgesackt.

Computertomographie (CT)

Eine weitere Art der Röntgenuntersuchung ist die Computertomographie (CT). Die Strahlenbelastung ist hier geringer, die Aussagekraft noch höher als bei der konventionellen Röntgenuntersuchung. Die Computertechnik erlaubt es, dünne Schnittbilder der zu untersuchenden Region (Leber/Galle/Bauchspeicheldrüse) anzufertigen, um genauere Details zu erkennen.

Endoskopische retrograde Cholangiopankreatographie (ERCP)

Während das Röntgenbild von außen eine gute Übersicht bietet, kann die Röntgenuntersuchung direkt vor Ort, also in den Gallenwegen, genaue Details darstellen. Hierzu wird Röntgenkontrastmittel direkt an der Mündung in den Zwölffingerdarm in den Gallengang gespritzt und seine Verteilung im Röntgenbild festgehalten. Per Dünndarmspiegelung wird unter Sicht durch ein optisches Instrumentarium seitlich endoskopisch das Kontrastmittel eingebracht. Die Methode heißt endoskopische retrograde Cholangiopankreatographie, kurz ERCP.

Mit der Magenspiegelung (Geradeausoptik) können gleichzeitig Speiseröhre, Magen und Dünndarm beurteilt werden, sodass hier eventuell auch andere Ursachen der Beschwerden entdeckt werden. Daneben lassen sich aus verdächtigen Bereichen Gewebsproben entnehmen, die sich anschließend feingeweblich untersuchen lassen.

Die ERCP ermöglicht nicht nur Diagnostik, sondern auch Therapie, indem mit speziellen Instrumenten ein Stein direkt entfernt oder die Mündungsstelle des Hauptgallengangs in den Dünndarm erweitert werden kann (Papillotomie).

Insgesamt bietet die Methode die genaueste Klärung der Gallenwege. Vor allem vor Operationen können hier die anatomischen Verhältnisse genau dargestellt werden. Die Untersuchung wird dem Patienten erleichtert durch ein lokal den Rachen betäubendes Mittel und bei Bedarf entspannungsfördernde oder schmerzlindernde Medikamente.

Magenspiegelung

Treten eher unspezifische Beschwerden im Oberbauch ohne Koliken gleichzeitig mit dem Nachweis von Steinen auf, müssen weitere Ursachen dieser Beschwerden wie zum Beispiel Veränderungen in Magen oder Dünndarm ausgeschlossen werden. Hierzu kann unter Umständen eine Magenspiegelung notwendig werden, die auf jeden Fall vor einer geplanten Gallenoperation durchgeführt wird. Damit soll vermieden werden, dass die Beschwerden nach der Operation anhalten, weil sie nicht von der Gallenblase, sondern beispielsweise von einem Magengeschwür ausgingen.

Therapie: Gallensteine entfernen durch OP, Auflösen oder Zertrümmern?

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Für die Entfernung von Gallensteinen stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, die von der konservativen Behandlung mit steinauflösenden Medikamenten bis zur operativen Entfernung der Gallenblase reichen.

Akute Behandlung der Gallenkolik

Bei jeder akuten Gallenkolik sollte der Arzt verständigt werden.

Die Behandlung besteht am sichersten in der Gabe eines krampflösenden Mittels direkt in die Vene. Wer wegen eines Herzleidens Nitrospray in der Hausapotheke aufbewahrt, kann versuchen, bis zum Eintreffen des Arztes die Kolik mit zwei Hüben des Sprays zu unterbrechen. Nachdem der Schmerz nachgelassen hat, wird der Arzt Untersuchungen veranlassen, um Sitz und Größe des Steins festzustellen und eine Behandlung einzuleiten.

Steinbeseitigung

Für die Behandlung des Gallensteinleidens durch Beseitigung der Steine stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Auswahl:

  • operativ (mehr oder weniger eingreifendes Vorgehen mit dem Ziel, die gesamte Gallenblase oder nur Gallensteine sofort zu entfernen)

  • konservativ (Behandlung mit Medikamenten, entweder als Kapseln eingenommen oder direkt in die Gallenblase eingebracht)

  • ein "Zwischending" ist die Stoßwellen-Zertrümmerung von außen (extrakorporale Stoßwellen-Lithotrypsie), die die Steine mit einem Ultraschallwellen-Verfahren von außen zerkleinert. Meist werden sie dann durch konservative Methoden vollständig aufgelöst.

Die operativen Verfahren bieten eine rasche und bleibende Steinfreiheit. Wird die Gallenblase komplett entfernt, können Steine nicht mehr auftreten, die Behandlung ist also endgültig. Allerdings: Wenn sich auch keine Steine mehr bilden können, so können dennoch Beschwerden wieder auftreten. Dies ist meist ein Hinweis, dass andere Ursachen vor der Operation nicht hinreichend ausgeschlossen wurden beziehungsweise werden konnten (Postcholecystektomie-Syndrom).

Die Steinauflösung mithilfe von Medikamenten dagegen dauert lange (sechs bis 24 Monate), die Ursache wird nicht behoben. Das Vorgehen ist zwar weniger gründlich, aber auch weniger eingreifend. Infrage kommt es nur bei einem Fünftel der Patienten, also einem kleinen Personenkreis.

Die Operation geht mit einem Operationsrisiko einher, die konservative Behandlung mit einer hohen Versagerquote.

Tabelle: Zusammenfassung der Behandlungsmöglichkeiten bei Gallensteinen

Behandlungs-Vverfahren Indikation Vorteile Nachteile
Operation über einen Bauchschnitt (Chole-Cystektomie) - ein oder mehrere Steine größer als drei Zentimeter
- Komplikationen der Gallenblasen-Steine, zum Beispiel akute Gallenblasen-Entzündung, Gallengangsstein-Verschluss
- Endoskopische Therapie (ERCP) nicht erfolgreich
- Minimal-invasives Verfahren nicht möglich
- Sofort Steinfreiheit
- Kein Wiederauftreten
- Größerer Bauchschnitt mit eventuell belastender Heilungsphase
- Operationsrisiko
- Liegedauer in der Klinik durchschnittlich zwei Wochen
minimal-invasive Operation (laparoskopische Chole-Cystektomie) - ein oder mehrere Steine größer als drei Zentimeter
- Komplikationen der Gallenblasen-Steine, zum Beispiel akute Gallenblasen-Entzündung, Gallengangsstein-Verschluss
- Endoskopische Therapie (ERCP) nicht erfolgreich
- Kleine Schnitte
- Sofort Steinfreiheit
- Kein Wiederauftreten
- Kürzere Liegedauer in der Klinik
(geringes) Komplikationsrisiko durch Vollnarkose und chirurgischen Eingriff
Zertrümmerung durch Schallwellen (ESWL = Stoßwellen-Lithotripsie) ein bis drei Steine = zwei Zentimeter - Wenig eingreifend
- Häufig durchgeführtes Verfahren
- Längere Dauer bis zur Steinfreiheit
- Behandlung spricht nicht immer an
- Wiederauftreten möglich
Steinentfernung über Endoskop (ERCP) - Schwache Beschwerden, selten Koliken
- 1 Stein: eineinhalb bis drei Zentimeter
- bis drei Steine à ein Zentimeter
Wenig eingreifend (ermöglicht Steinentfernung unter Sicht ohne Bauchschnitt) Durchtrennung des Schließmuskel der Gallengang-Mündung am Übergang zum Dünndarm
Steinauflösung mit Medikamenten (orale Chemolitholyse) - Schwache Beschwerden, seltene Koliken
- ein Stein kleiner als eineinhalb Zentimeter
- zwei bis zehn Steine kleiner als ein Zentimeter
- Keine Operation notwendig
- Häufig durchgeführtes Verfahren
- Praktisch keine Nebenwirkungen
- Lange Behandlungsdauer
- Wiederauftreten möglich

 

Letzten Endes ist die Wahl der Therapie bei Gallensteinen unter anderem abhängig von:

  • individuellen Beschwerden
  • Befunden (Steingröße und -anzahl)
  • bereits stattgehabten Komplikationen (Koliken, Steineinklemmung, Entzündung)
  • dem individuellen Operationsrisiko (Alter, weitere Krankheiten)
  • der Ursache der Steinbildung (Risiko beeinflussbar? zum Beispiel Übergewicht, Ernährungsgewohnheiten, Alkohol)
  • Geduld und Kooperationsbereitschaft des Patienten

Mitentscheidend für die Wahl des Verfahrens bei Gallensteinen ist die Dringlichkeit. Einige Krankheitsbilder verlangen ein sofortiges oder baldiges chirurgisches Eingreifen, um (unter Umständen lebensbedrohliche) Komplikationen zu verhindern oder zu behandeln).

Ein Beispiel für die Notwendigkeit des sofortigen Eingreifens: Ein Gallenstein blockiert den Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse. Als Gefahr droht die akute, lebensbedrohliche Entzündung dieser Drüse. Am wenigsten eingreifend ist hier die Entfernung mithilfe eines Endoskops (optischen Geräts zur Magen-Darm-Spiegelung). Es wird über Mund und Speiseröhre in den Dünndarm geführt. Mit verschiedenen Instrumentarien geht man in den Mündungsgang ein und versucht, den Gallenstein einzufangen, eventuell auch zu zerkleinern, um ihn über die kritische Stelle herauszuziehen.

Ist eine solche Komplikation eingetreten, empfiehlt es sich, zu einem späteren Zeitpunkt eine komplette Entfernung der Gallenblase anzuschließen, um ein zweites Ereignis sicher zu verhindern.

So beugen Sie Gallensteinen vor

Durch eine gallebewusste Ernährung, Normalgewicht, Zwischenmahlzeiten, geringe Cholesterinaufnahme und reichliches Trinken kann jeder in einem gewissen Ausmaß Gallensteinleiden vorbeugen.

Gegen etliche Risikofaktoren ist hingegen keine ursächliche Vorbeugung möglich (zum Beispiel weibliches Geschlecht, steigendes Alter, Veranlagung). Umso wichtiger ist es, die möglichen vorbeugenden Maßnahmen zu nutzen, besonders bei Gallensteinen als Zufallsbefund oder wenn nach Steinauflösung ein Wiederauftreten verhindert werden soll.

Tipps für die Ernährung bei Neigung zu Gallensteinen

Folgende Ernährungsgewohnheiten sind empfehlenswert, um Gallensteinen vorzubeugen:

  • Reichlich trinken: Mineralwasser, vor allem sulfathaltige regen den Gallenfluss an; empfehlenswert sind auch leichte Tees.

  • Möglichst weitgehender Verzicht auf Zucker und Weißmehl

  • Mehrere kleinere Zwischenmahlzeiten, kein Verzicht auf das Frühstück!

  • Sehr mäßig genossener Alkohol (Männer maximal 30 Gramm reinen Alkohol/Tag, Frauen maximal 25 Gramm). Geringe Alkoholmengen wirken der Gallensteinbildung entgegen, da sie den (guten) HDL-Cholesterinspiegel steigern und so dazu beitragen, den Cholesterinspiegel in der Gallenblase zu senken. Zu viel Alkohol dagegen lässt den HDL-Cholesterinspiegel steigen.

  • Vegetarier leiden deutlich seltener an Gallensteinen. Deshalb ist eine mehr pflanzlich betonte Ernährung  mit reichlich Obst und Gemüse zur Vorbeugung von Gallenseinen sinnvoll.

  • Normalgewicht anstreben (Einfluss auf Risikofaktor Übergewicht)

  • Keine radikalen Abnehm-Diäten oder Fasten. Derartige Kuren fördern die Steinbildung durch verminderte Entleerung der Gallenblase.

  • So lange keine Beschwerden eintreten, ist mäßiger Kaffeegenuss sinnvoll, da er die Entleerung (Reinigung) der Gallenblase anregt.

  • Cholesterinbewusst essen: pflanzliche Nahrungsmittel enthalten kein Cholesterin, deshalb den Genuss tierischer Nahrungsmittel zugunsten von Gemüse, Kartoffeln, Reis, Obst und Ähnlichem einschränken.

  • Vorbeugung des Wiederauftretens von Gallensteinen nach steinauflösender Behandlung (Medikamente, Schall-Steinzertrümmerung). Zusätzlich Verzicht auf Östrogen-Präparate und Lipidsenker vom Clofibrat-Typ.  Der Hausarzt kann Sie zu alternativen Präparaten beraten.

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