Akute oder chronische Entzündung des Kehlkopfs

Kehlkopfentzündung: Wenn die Stimme wegbleibt

Schmerzen beim Schlucken, trockener Husten und es kommt nur noch ein heiseres Krächzen aus dem Hals. Schuld an diesen Symptomen sind meist typische Erkältungsviren, die zu einer Entzündung des Kehlkopfs führen. Welche Ursachen außerdem hinter der Kehlkopfentzündung stecken, wie die Erkrankung behandelt wird und was Sie jetzt selbst für Ihre Genesung tun können.

Kehlkopfentzündung (Laryngitis): Wenn die Stimme wegbleibt
Bei einer Kehlkopfentzündung gilt: Stimme schonen und viel trinken.
© iStock.com/martin-dm

Der Kehlkopf (Larynx) erfüllt im menschlichen Körper bedeutende Aufgaben: Er ist an unserem Atemprozess beteiligt, schützt die tiefer gelegenen Atemwege beim Schlucken und spielt mit seinen Stimmbändern und -lippen eine große Rolle bei der Stimmbildung. Doch wie wichtig dieses Verbindungsstück zwischen Rachen und Luftröhre ist, merken wir erst dann, wenn es bereits schmerzt und die Stimme ihren Dienst quittiert. Allerhöchste Zeit, dem Kehlkopf schon vorbeugend mehr Aufmerksamkeit zu schenken, aufgetretene Erkrankungen vollständig auszukurieren und chronische Verläufe zu verhindern.

Artikelinhalte auf einen Blick:

Was ist eine Kehlkopfentzündung?

Bei einer Kehlkopfentzündung handelt es sich um eine Infektion, die häufig durch Viren oder Reizungen, seltener auch durch Bakterien ausgelöst wird. "Die Schleimhaut ist gerötet und geschwollen, die Funktion des Kehlkopfs deshalb beeinträchtigt", erklärt Dr. med. Uwe Hölscher, Hals-Nasen-Ohren-Facharzt der Praxis "HNO Sonnenstraße" in München und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für H-N-O und Kopf- und Halschirurgie.

In der medizinischen Fachsprache wird die Kehlkopfentzündung als Laryngitis bezeichnet. Sie manifestiert sich in unterschiedlichen Formen, als akute oder als chronische Kehlkopfentzündung, für die verschiedene Ursachen als Auslöser infrage kommen. Außerdem gibt es einige Sonderformen, dazu gehören zum Beispiel folgende:

  • Pseudokrupp (stenosierende Laryngitis): Schwellung des Kehlkopfs und der Stimmbänder, die zur Verengung der Atemwege führt und vor allem am Abend oder nachts einen anfallartigen Husten auslöst. Es sind Säuglinge und Kleinkinder bis zu einem Alter von drei Jahren betroffen, bei Erwachsenen kommt Pseudokrupp sehr selten vor.
  • Echter Krupp (Diphtherie): Infektionskrankheit, die eine schwere Entzündung des Rachens auslöst, die Atemwege einengt und zu Erstickungsanfällen führen kann. Um der Ansteckung vorzubeugen, wird bereits im Kindesalter eine Impfung empfohlen, weshalb diese Erkrankung bei uns heute nur noch sehr selten auftritt.
  • Kehldeckelentzündung (Epiglottitis): rasch zunehmende Anschwellung des Kehldeckels durch die Infektion mit Bakterien. Innerhalb kürzester Zeit kommt es zu Atemnot und es besteht Erstickungsgefahr.
  • Reinke-Ödem: dauerhafte Schwellung der Stimmlippen, die durch Rauchen, hohe Stimmbelastungen wie Singen oder aufgrund von Sprechberufen verursacht wird. Die Reizung ruft eine heisere, tiefe "Whisky-Stimme" hervor.
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Ursachen der Kehlkopfentzündung

"Die akute Kehlkopfentzündung tritt häufig als Begleiterscheinung einer Erkältungserkrankung auf", sagt der HNO-Arzt Hölscher. Oft handelt es sich dabei um grippale Infekte und Atemwegsbeschwerden wie eine Schleimhautentzündung der Bronchien (Bronchitis), Schnupfen (Rhinitis), Nasennebenhöhenentzündung (Sinusitis) oder Rachenentzündung (Pharyngitis). "Ob sich aus einem Infekt der Atemwege eine Kehlkopfentzündung entwickelt, hängt jedoch auch von der individuellen Anfälligkeit des Patienten ab. Es kann, muss aber nicht sein! Bei manchen wird der Kehlkopf, bei anderen werden zum Beispiel die Ohren während einer Erkältung in Mitleidenschaft gezogen."

Ist eine virus- oder bakteriell bedingte Erkrankung für die Kehlkopfentzündung verantwortlich, ist diese ansteckend – etwa durch Husten oder Niesen. Denn solche Infekte werden durch Tröpfen- oder Schmierinfektionen übertragen. Personen mit einem geschwächten Immunsystem sollten sich von Erkrankten sicherheitshalber fernhalten. Um andere nicht anzustecken, gilt für die Betroffenen zudem: Hygienemaßnahmen beachten! Regelmäßiges Händewaschen ist besonders wichtig.

Aber eine Kehlkopfentzündung muss nicht zwangsläufig die Begleiterscheinung einer Erkältung sein. Reizstoffe können ebenfalls als Auslöser für die Symptome infrage kommen. Begünstigende Faktoren sind zum Beispiel Rauchen, ein schneller Klimawechsel, sehr trockene Luft, Allergien oder eine behinderte Nasenatmung. In diesen Fällen wird von einem nicht-infektiösen Reizzustand des Kehlkopfs gesprochen.

Eine chronische Kehlkopfentzündung ist Folge einer dauerhaft geschädigten Kehlkopfschleimhaut. Sie kann durch Umwelteinflüsse wie Giftstoffe in Form von Gasen, Dämpfen oder Staub, sowie bedingt durch Allergien auftreten. Hoher Nikotin- und Alkoholkonsum oder eine konstitutionelle Schleimhautschwäche kommen als Ursachen ebenfalls in Betracht.

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"Auch der Reflux ist häufiger für eine Kehlkopfentzündung verantwortlich, als man vielleicht vermuten mag", sagt HNO-Experte Hölscher. "Dabei steigt nicht etwa die Magensäure selbst, sondern saurer Dampf über Speiseröhre bis zum Kehlkopf hinauf und ruft Reizungen hervor." Dies geschehe vor allem im liegenden Zustand, also überwiegend nachts. Bei einer Schleimhautentzündung des Kehlkopfs, die durch einen Reflux hervorgerufen wird, sprechen Experten von einer Laryngitis posterior oder von einer Laryngitis gastrica. Laut Deutschem Ärzteblatt sind geschätzt etwa neun bis 26 Prozent der Bevölkerung davon betroffen.

Symptome der Kehlkopfentzündung

Durch die entzündliche Verdickung der Stimmlippen haben Betroffene einer Kehlkopfentzündung Probleme beim Sprechen. Es kann zu einer Stimmstörung mit tief klingender Stimme (Dysphonie) oder gar zu einer Tonlosigkeit (Aphonie) kommen.

Weitere Symptome einer Kehlkopfentzündung sind:

  • Schmerzen beim Sprechen und Schlucken
  • Trockener, rauer oder bellender Reizhusten
  • Hustenreiz
  • Räusperzwang
  • Globusgefühl: Fremdkörpergefühl im Hals (vor allem bei chronischer Kehlkopfentzündung)
  • Atemnot (in schweren Fällen)

"Es ist möglich, dass der Patient unter einem allgemeinen Krankheitsgefühl oder Fieber leidet. Viele Patienten zeigen abgesehen von der Heiserkeit aber keine weiteren Symptome", so Hölscher.

Bei einer chronischen Kehlkopfentzündung haben sich die Symptome meist schon seit Jahren bemerkbar gemacht. Jedoch wurde kein Arzt zur Diagnose aufgesucht, sodass die Reizung zu einer bleibenden Belastung werden konnte.

Verlauf und Dauer einer Kehlkopfentzündung

Bei einer "normalen" akuten Kehlkopfentzündung tritt als erstes, eindeutiges Zeichen die Heiserkeit auf – sie kann sich im Verlauf der Erkrankung bis zum Stimmverlust entwickeln. Wie lange die Beschwerden anhalten, hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Sind Viren für die Infektion verantwortlich, heilt sie bei Beachtung entsprechender Schonmaßnahmen innerhalb einiger Tage wieder aus. Ein schwerer Verlauf ist bei einer fibrinösen Laryngitis zu erwarten. Hier sind die Stimmlippen mit Fibrinbelägen, also mit einem weißlichen Wundschorf bedeckt, die wie ein Geschwür wirken und den Heilungsprozess erschweren. Diese Komplikation der Kehlkopfentzündung kann durch die starke Schwellung eine Atemnot hervorrufen.

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Diagnose der Kehlkopfentzündung

"Halten die Beschwerden mehr als zwei bis drei Tage an, sollte ein HNO-Arzt aufgesucht werden", sagt der Experte aus München. "Er kann abklären, welche Ursachen die Beschwerden haben und eine entsprechende Behandlung einleiten". Dazu schaut sich der Facharzt den Rachenraum mithilfe eines Endoskops an. Bei dieser Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie) erkennt er die veränderten Verhältnisse wie eine gerötete und geschwollene Schleimhaut.

Liegt eine chronische Kehlkopfentzündung oder ein unklarer Befund vor, muss eine Tumorerkrankung (Kehlkopfkrebs) ausgeschlossen werden. Prof. Dr. Stefan Dazert von der Ruhr-Universität Bochum rät in einem Bericht des Deutschen Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. dazu, jede Heiserkeit, die länger als drei Wochen andauert, medizinisch abklären zu lassen. Es heißt, dass Heiserkeit das führende Symptom für Kehlkopfkrebs ist.

Behandlung: Was tun bei einer Kehlkopfentzündung?

Akute Kehlkopfentzündungen infolge einer viralen Infektion heilen nach einer konservativen Therapie der Grunderkrankung von selbst aus, bakterielle Infektionen können eine Antibiotikagabe erfordern. Ansonsten gilt: Ruhig bleiben – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wer von einer Kehlkopfentzündung betroffen ist, sollte seiner Stimme bis zur vollständigen Ausheilung eine Pause gönnen und von Beginn an schonen. Sprechen im Flüsterton ist dazu übrigens kontraproduktiv. Wenn Sie unbedingt reden müssen, dann nur in einer entspannten Stimmlage. Auch ständiges Räuspern sollten Sie vermeiden – das reizt die Stimmbänder nur noch mehr.

Personen, die ihre Stimme aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit stark beanspruchen, müssen besonders aufpassen: Lieber noch ein paar Tage länger warten, statt die Stimme zu früh wieder extremen Belastungen auszusetzen – bis zu zwei Wochen kann der Genesungsprozess dauern.

Bleiben nach Abklingen des Infekts Beeinträchtigungen der Stimme erhalten, hört sie sich etwa kraftloser an, ist leiser oder weniger belastbar, kann eine Stimmtherapie die Regeneration fördern. Dabei werden logopädische Übungen durchgeführt, um die Stimmfunktion wiederherzustellen oder zu verbessern.

Bei chronischen Kehlkopfentzündungen müssen die auslösenden Faktoren unbedingt identifiziert und zukünftig vermieden werden.

Kehlkopfentzündung: Hausmittel und Selbsthilfemaßnahmen

Um die Kehlkopfentzündung loszuwerden, können Sie selbst viel zur Heilung beitragen. Sind Sie Raucher, gilt jetzt allem voran, dass Sie den Nikotinkonsum einstellen. Schleimlösende und entzündungshemmende Medikamente dürfen zur Linderung eingesetzt werden. "Außerdem ist Feuchtigkeit das A und O", erklärt Hölscher. "Patienten, denen es abgesehen von der Heiserkeit körperlich gut geht, können dazu die Dampfsauna besuchen. Allen anderen ist das Inhalieren mit Salzwasser zu empfehlen – das ist praktisch und kann in Minutenschnelle zu Hause erledigt werden." Um das trockene Gefühl im Hals zu lindern, können Sie Bonbons lutschen oder Tee trinken. "Dazu sind alle Kräutertees geeignet. Außer Kamille, denn diese trocknet die Schleimhäute zusätzlich aus."

Kehlkopfentzündung vorbeugen

Da Kehlkopfentzündungen oftmals in Verbindung mit Erkältungen auftreten, ist es sinnvoll diesen grippalen Infekten vorzubeugen. Das bedeutet: Machen Sie Ihr Immunsystem stark. Eine ausgewogene, gesunde und vitaminreiche Ernährung bringt die Abwehrkräfte auf Hochtouren. Genau wie Bewegung, frische Luft, ausreichend Schlaf, wenig Stress, der Verzicht auf Nikotin und ein moderater Alkoholkonsum.

Wer diese Maßnahmen beachtet, wappnet sich bestens vor einer Ansteckung – gerade, wenn im Winter ein höheres Risiko dafür besteht. Und falls einen die Erkältung trotzdem erwischt hat? Facharzt Hölscher rät: "Ist die Erkältung einmal da, sollten Sie vorbeugend die Stimme schonen, viel trinken und dafür sorgen, dass die Schleimhäute nicht austrocknen. Dann kann die Kehlkopfentzündung im besten Fall verhindert werden."

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