Wenn dem Gehirn der Sauerstoff ausgeht

Synkope: Wie es zur kurzzeitigen Ohnmacht kommt

Erhält das Gehirn vorübergehend zu wenig Sauerstoff, kommt es zu einer Synkope, auch Ohnmacht oder kurzzeitige Bewusstlosigkeit genannt. Schwindel oder Übelkeit können Vorzeichen sein, manchmal treten Synkopen auch plötzlich auf. Oft sind die Ursachen harmlos, doch können auch lebensbedrohliche Auslöser hinter einem Kreislaufkollaps stecken.

Frau mit Schwindel kurz vor Ohnmacht
Eine Synkope ist eine plötzliche und kurzzeitige Bewusstlosigkeit, weil das Gehirn vorübergehend zu wenig Sauerstoff bekommt.
© iStock.com/klebercordeiro

Artikelinhalte im Überblick

Schwindel: Erste-Hilfe-Tipps

Was ist eine Synkope?

Unter einer Synkope verstehen Mediziner einen plötzlichen Bewusstseinsverlust. Diese Ohnmacht dauert in der Regel bis zu 20 Sekunden und endet im Normalfall von selbst. Ist die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigt und es erhält somit zu wenig Sauerstoff, tritt schon nach einigen Sekunden eine Bewusstlosigkeit ein.

Eine Ohnmacht kann jedoch auch ganz schlagartig erfolgen. Oftmals kommt es bei Ohnmachtsanfällen zu Stürzen, Verkehrsunfällen und Verletzungen. Laut Studien erleiden circa 40 bis 50 Prozent aller Menschen in ihrem Leben mindestens eine Synkope. Für die meisten Menschen bleibt es nicht bei einer einzelnen Bewusstlosigkeit und so können auch psychische Beeinträchtigungen folgen.

Was ist eine Präsynkope?

Bei einer Präsynkope, also einer Beinahe-Synkope, ist die Gehirndurchblutung nur etwas vermindert, zum Beispiel nach einem zu schnellen Aufrichten aus einer liegenden Körperposition. Es kommt zu Schwindel, Benommenheit und eventuell zu Sehstörungen, aber nicht zum vollständigen Verlust des Bewusstseins.  

Ursachen von Synkopen

Aufgrund der verschiedenen möglichen Auslöser für eine plötzliche Bewusstlosigkeit werden Synkopen in Gruppen eingeteilt:

  • Reflexvermittelte oder vasovagale Synkopen: Das vegetative Nervensystem reagiert auf einen Reiz mit Reflexen. Diese führen dazu, dass sich die Blutgefäße erweitern, der Blutdruck abfällt, das Herz langsamer schlägt und das Blut aus dem Kopf in die Beine "sackt". Sauerstoffmangel oder stickige Luft in Räumen, Kälte, Angst oder Stress, langes Stehen oder auch Schmerzen können auslösende Reize sein.

  • Orthostatisch oder vaskulär bedingte Synkopen: Es kommt zu Blutdruckschwankungen durch Änderung der Körperlage, zum Beispiel beim schnellen Aufstehen. Dem autonomen Nervensystem gelingt es nicht, die Gefäße schnell genug zu verengen, um den Blutdruck anzupassen. Das Blut fließt vorwiegend in die Beine, dem Gehirn fehlt es kurzzeitig an Sauerstoff. Sehr schlanke oder auch große Menschen mit niedrigem Puls sind häufiger betroffen. Auslöser können außerdem eine niedrige Spannung in den Beingefäßen oder ein niedriges Blutvolumen sein – durch zu wenig Trinken, Medikamente oder eine Blutspende. Auch Krampfadern oder Nervenschädigungen durch Diabetes mellitus können orthostatische Synkopen verursachen.

  • Herzbedingte oder kardiale Synkopen: Herzrhythmusstörungen können die Sauerstoffversorgung des Gehirns beeinträchtigen und zur Bewusstlosigkeit führen. Bei einer Bradykardie schlägt das Herz zu langsam, bei einer Tachykardie schlägt es zu schnell. Die Folge ist, dass es nicht mehr genügend Blut in den Kreislauf pumpt und so kurzzeitig zu wenig Sauerstoff ins Gehirn gelangt. Auch andere Erkrankungen des Herzens können zu einem Kreislaufkollaps führen: eine Verengung der Aortenklappe, Herzinsuffizienz (Herzschwäche), Herzinfarkt oder Herzfehler. Eine vom Herzen verursachte Ohnmacht kann lebensgefährlich sein.

  • Synkopen durch strukturelle Herz-/Lungen-Erkrankungen: Eine Verengung der großen Körperschlagader (Aortenstenose) oder Lungenerkrankungen wie die Lungenembolie können die Durchblutung und Sauerstoffversorgung stark einschränken und so zu Ohnmachtsanfällen führen.

  • Vom Gehirn ausgehende oder zerebrovaskuläre Synkopen: In seltenen Fällen können Probleme des Gehirns – zum Beispiel bei einer Epilepsie – oder der Gefäße, die das Gehirn betreffen, seine schlechte Durchblutung verursachen.

  • Synkopen durch Medikamente: Bestimmte Medikamente und Wirkstoffe können Ohnmachtsanfälle begünstigen oder sogar auslösen. Dazu zählen zum Beispiel Arzneimittel gegen Herzrhythmusstörungen, hohen Blutdruck oder Depressionen sowie Betäubungsmittel wie Alkohol oder K.O.-Tropfen (Gamma-Hydroxybuttersäure).

  • Synkopen in der Schwangerschaft: Durch hormonelle Schwankungen haben Schwangere häufig mit Kreislaufbeschwerden zu kämpfen. Die Blutmenge nimmt zu, die Gefäße weiten sich. Das Herz muss also mehr Arbeit leisten. Gerade in der ersten Hälfte der Schwangerschaft sinkt meist der Blutdruck. Schwankungen des Blutzuckerspiegels können ebenfalls zu Schwindel oder Bewusstseinsstörungen führen. Im letzten Drittel der Schwangerschaft zeigt sich immer wieder das sogenannte Vena-cava-Kompressionssyndrom: Das ungeborene Kind hat bereits entsprechend an Größe und Gewicht zugenommen und drückt so auf die Vena cava, die untere Hohlvene der Mutter. Dies beeinträchtigt den Blutfluss zum Herzen. Wird ihr Herz nicht mehr ausreichend mit Blut gefüllt, kann dies bei der Schwangeren eine Ohnmacht auslösen. Da die Vena cava hinter der Gebärmutter liegt, ist die Gefahr für eine Bewusstlosigkeit durch längeres Liegen in Rückenlage größer. Deshalb sollten Schwangere beim Liegen die Seitenlage bevorzugen.

Symptome und Vorzeichen: Wie kündigt sich eine Ohnmacht an?

Häufig kündigt sich eine Ohnmacht mit Warnzeichen an wie Schwindel, Schwäche, plötzliches Schwitzen, Übelkeit, Blässe der Haut, wacklige Knie oder schwache Beine, es treten Sehstörungen auf oder Gefühlsstörungen in Armen und Beinen. In diesem Fall sollten sich Betroffene schnell hinsetzen oder hinlegen; oft hilft es, die Beine erhöht auf etwas aufzulegen. Frische Luft ist förderlich. In machen Fällen hilft es, etwas Wasser zu trinken und eine Prise Salz zu sich zu nehmen.

Bei der Synkope selbst kippt der Betroffene bewusstlos um und ist dabei unter Umständen für mehrere Sekunden nicht ansprechbar.

Wie gefährlich ist eine Synkope?

Eine kurze, meist nur wenige Sekunden dauernde Bewusstlosigkeit ist in den meisten Fällen harmlos. Unkontrollierte Stürze können jedoch zu mehr oder weniger schweren Verletzungen führen. Eine längere Bewusstlosigkeit führt dazu, dass das Gehirn über diesen Zeitraum schlecht durchblutet wird und es so zu einem dauerhaften Schaden kommen kann. Das wiederum kann zu neurologischen Störungen führen wie Sprachstörungen, einer Beeinträchtigung der Sinne oder der Muskelkraft in den Armen oder Beinen. In diesem Fall sollte man sofort den Notdienst verständigen.

Erste Hilfe: Wie reagiert man bei einer Ohnmacht?

Wenn ein Mensch plötzlich das Bewusstsein verliert, sollte man ihn auf den Rücken legen und die Beine erhöht lagern. So verbessert man die Durchblutung und die Blutzufuhr zum Gehirn. Dabei sollte man prüfen, ob die Person ansprechbar ist. In den meisten Fällen kommt der Ohnmächtige so schnell wieder zu sich. Falls er nicht reagiert, ist es wichtig, den Notarzt zu rufen. Wenn keine Atemgeräusche zu hören sind, prüft der Ersthelfer, ob die Atemwege frei sind und beginnt mit der Herzdruckmassage, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Bei einem Verdacht auf Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall als Auslöser der Ohnmacht gilt es ebenfalls, sofort den Notarzt zu rufen.

Diagnose: Wie findet man die Ursache einer Synkope?

Ein Arzt kann die Ursache für die Synkope am besten klären, wenn der Betroffene möglichst viele Informationen rund um die Ohnmacht oder ihre Vorzeichen geben kann. Dazu gehören neben den Warnzeichen selbst auch Ort, Tageszeit und die Situation, in der man sich befand.

Neben einer körperlichen Untersuchung wird der Arzt den Blutdruck des Betroffenen im Liegen und Stehen messen, vermutlich ein EKG erstellen sowie den Gehalt an Sauerstoff und Zucker im Blut ermitteln. Aufschluss kann auch die sogenannte Kipptischuntersuchung geben. Dabei kann man testen, inwiefern sich Blutdruck und Herzfrequenz mit dem Wechsel der Körperhaltung verändern.

Um Herzerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen abzuklären, werden ein Langzeit-EKG sowie ein Ultraschall des Herzens erfolgen. Besonders Patienten mit zugrunde liegender Herzerkrankung können schnell zum Notfall werden.

Synkopen richtig behandeln

Die richtigen Therapien bei Synkopen sind so variantenreich wie ihre Ursachen. In vielen Fällen empfiehlt es sich, den oder die Auslöser möglichst zu vermeiden, beispielsweise überfüllte, stickige Räume, langes Stehen oder zu schnelles Aufstehen. Beim Auftreten von Vorzeichen kann es helfen, durch ein Kreuzen und Anspannen der Beine sowie ein Anspannen der Arm- und Bauchmuskulatur Blutdruck und Herzzeitvolumen zu steigern und somit das Ohnmächtigwerden zu verhindern.

Bei orthostatisch bedingter Bewusstlosigkeit ohne sonstige Krankheiten legt man meist den Fokus auf eine ausreichende Trinkmenge und Salzzufuhr, Stützstrümpfe sowie das Schlafen mit erhöhtem Kopf und meidet heiße Bäder. Eventuell sind auch Medikamente hilfreich. Herzbedingte Synkopen sind unbedingt von einem Kardiologen zu behandeln. Je nach Erkrankung stehen hier Medikamente bis hin zum Herzschrittmacher zur Verfügung.

Wie kann man Synkopen vorbeugen?

Betroffene sollten bekannte Auslöser wie beispielsweise langes Stehen, schlecht belüftete Räume oder heiße Bäder meiden. Auch Alkohol und Stress sind Faktoren, die es möglichst zu vermeiden gilt. Generell, aber besonders bei einem eher niedrigen Blutdruck, ist es wichtig, das Kreislaufsystem zu trainieren. Regelmäßig Sport treiben sowie Wechselduschen mit kaltem und warmem Wasser regen den Kreislauf an. Wem es beim Aufstehen schwindelig wird, dem hilft Morgengymnastik im Bett und anschließend ein nicht zu überstürztes Aufstehen. Betroffene sollten zudem auf die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit, je nach Temperatur und Tätigkeiten täglich 2‒2,5 Liter Wasser, achten.


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