Blutdruck außer Kontrolle

Hypertensive Krise: Wenn der Blutdruck nach oben schnellt

Blutdruckwerte über 180 mmHg in der Systole (oberer Blutdruckwert) können Anzeichen verschiedener ernster Erkrankungen sein und gelten als Notfall. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen hypertensiver Krise, also der akuten Blutdruckentgleisung, und dem hypertensiven Notfall, bei dem hohe Blutdruckwerte als Begleitsymptom einer akuten Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems auftreten.

Hypertensive Krise
Schockmoment: Bei einer hypertensiven Krise schießt der Blutdruck plötzlich auf Werte über 180/120 mmHg, begleitet von weiteren Symptomen wie Kopfschmerzen oder Übelkeit.
iStock

Bluthochdruck (Hypertonie) ist klar definiert: Die Werte liegen über 140/90 mmHg, je nach Bluthochdruck-Grad noch weitaus höher. Steigt der Blutdruck plötzlich noch weiter (Blutdruckentgleisung), ist das immer ein Alarmzeichen. In den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie werden Werte von mehr als 230/120 mmHg als hypertensive Krise bezeichnet, die europaweit geltende Definition beginnt sogar bereits bei 180/120 mmHg.

So messen Sie Ihren Blutdruck richtig

Allerdings bedeutet nicht jeder Blutdruck von über 180 mmHg, dass eine hypertensive Krise vorliegt. Die stark erhöhten Blutdruckwerte können nämlich Anzeichen zweier verschiedener Krankheiten sein, die der Laie oft verwechselt:

  • Hypertensive Krise
  • Hypertensiver Notfall

Beide Krankheiten müssen sofort behandelt werden. Lebensgefahr und das Risiko von akuten Organschädigungen bestehen jedoch meistens nur beim hypertensiven Notfall. Hier ist der stark erhöhte Blutdruck Symptom einer akuten Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die hypertensive Krise ist zwar ebenfalls immer eine ernste Situation, jedoch kaum akut lebensbedrohlich und leicht behandelbar.

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Lifeline/Wochit

Diese Ursachen führen in die hypertensive Krise

Vor allem Männer sind für den plötzlichen Blutdruckanstieg gefährdet: In Stress- und Belastungssituationen werden ihre Gefäße mit Blutdruck erhöhenden Hormonen geradezu überflutet. Ursachen für Blutdruckwerte von über 180 mmHg sind:

  • Entgleisung einer bereits bestehenden Hypertonie, etwa durch Stress, massiven Ärger, Panikattacke
  • Fehldosierung von Blutdruck-Medikamenten durch Vergessen oder Unterbrechen der gewohnten medikamentösen Behandlung eines Bluthochdrucks
  • Akute Nierenerkrankungen
  • Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung)
  • Alkoholkonsum oder Alkoholentzug
  • aufputschende Drogen wie Kokain

Hohe Blutdruckwerte bei einem hypertensiven Notfall hingegen sind das Symptom einer Störung des Herz-Kreislauf-Systems und werden durch akute Erkrankungen wie Schlaganfall, akutes Lungenödem oder akute Herzschwäche und Herzinfarkt verursacht.

Die Anzeichen der hypertensiven Krise

Weil die deutliche Blutdrucksteigerung plötzlich einsetzt, bemerken die Betroffenen das meist recht schnell. Die wichtigsten Anzeichen der hypertensiven Krise sind:

Brustschmerz, Atemnot oder Sprachstörungen, taube Haut und Lähmungen treten selten auf. Sie sind Symptome eines hypertensiven Notfalls und richten sich danach, welches Organ betroffen ist. So stehen beim Schlaganfall zusätzlich zum enorm hohen Blutdruck neurologische Ausfälle im Vordergrund, beim Herzinfarkt der Brustschmerz.

Plötzlicher, starker Blutdruckanstieg – immer ein Fall für den Arzt

Wichtigste Maßnahme bei allen Blutdruckentgleisungen ist: Bleiben Sie ruhig und regen Sie sich nicht noch weiter auf. Rufen Sie sofort den Arzt! Der Laie kann nicht unterscheiden, ob die Anzeichen zu einer hypertensiven Krise oder einem hypertensiven Notfall gehören. Für Letzteren ist eine sofortige Behandlung oft überlebenswichtig. Bei der hypertensiven Krise sollte die Behandlung spätestens 24 Stunden nach dem Auftreten einsetzen, da sich unbehandelt daraus ein Herzinfarkt oder Schlaganfall entwickeln kann.

Meist sind Menschen betroffen, die bereits Bluthochdruck haben und deshalb ein Messgerät besitzen. Messen Sie dann Ihren Blutdruck. Am sichersten gehen Sie also, wenn Sie bei Werten über 180 den Arzt informieren und eine Praxis oder Klinik aufsuchen.

Hilfe im Notfall: Die Therapie der hypertensiven Krise

Anhand der Beschreibung dieser Anzeichen und Blutdruckmessen kann der Arzt meist schnell unterscheiden, ob es sich um eine hypertensive Krise oder einen hypertensiven Notfall handelt. Ziel der Behandlung beider Erkrankungen ist es, den Blutdruck innerhalb der nächsten 24 Stunden langsam zu senken. Dies geschieht häufig stationär in einer Klinik. Überwachungsgeräte kontrollieren dabei, wie sich der Blutdruck verhält, also inwiefern die Medikamente anschlagen. Bei der Behandlung einer hypertensiven Krise durch den Arzt kommen vor allem folgende Medikamente zum Einsatz:

  • Bei Hypertonikern: Als erster Schritt meist der Blutdrucksenker, der bisher eingenommen wurde, als zusätzliche Dosis
    • ACE-Hemmer
    • Diuretika
  • Falls der Blutdruck damit nicht sinkt, steht Nitroglycerin zur Verfügung, das als Spray in den Mund verabreicht wird
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Lifeline/Dr. Heart

Eine kontrollierte Blutdrucksenkung im Notfall erfolgt stets über intravenös gespritzte Medikamente. Als Mittel der Wahl gilt hier der Wirkstoff Urapidil. Die Blutdruckveränderung muss engmaschig überwacht werden, da ein zu schnelles Absenken zur Minderversorgung des Gehirns oder anderer Organe führen und Kopfschmerzattacken auslösen kann.

Die Prognose bei der hypertensiven Krise ist gut. Es gelingt mit den Medikamenten, den Blutdruck innerhalb von 24 bis 48 Stunden langsam auf unter 160/90 mmHg zu senken.

Anders steht es um Behandlung und Prognose bei einem hypertensiven Notfall. Hier sind Organe, meist Herz, Hirn und Nieren, akut gefährdet und deshalb muss der Blutdruck schnellstmöglich gesenkt werden. Dabei steht aber immer die Behandlung der akuten Grunderkrankung, also Herzinfarkt, Schlaganfall, Angina pectoris oder Herzschwäche im Vordergrund, wodurch der Blutdruck indirekt gesenkt wird. Dies kann zusätzlich medikamentös weiter unterstützt werden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 08. Dezember 2015
Durch: ag
Quellen: M. Middeke: Arterielle Hypertonie, Georg Thieme Verlag; Leitlinienfür das Management der arteriellen Hypertonie, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie und Deutsche Hochdruckliga; H. Olschewski · M.M. Hoeper, M.M. Borst, R. Ewert, E. Grünig, F.-X. Kleber, B. Kopp, C. Opitz, F. Reichenberger, A. Schmeisser, D. Schranz, I. Schulze-Neick, H. Wilkens, J. Winkler, H. Worth: Clinical Research in Cardiology, Band 96, Nr. 5 Clin Res Cardiol 96:301–330 (2007)

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