Behandeln oder operieren?

Knieschmerzen: Diese Therapien können Ihnen helfen

Von Knieschmerzen sind viele Menschen mindestens einmal im Lauf des Lebens betroffen. Die Ursachen reichen von Sportverletzungen wie ein Meniskusschaden oder eine Verrenkung des Kniegelenks über altersbedingten Gelenkverschleiß bis zu Krankheiten wie Rheuma und Gicht. Bei den einen schmerzt das Knie akut, bei anderen chronisch. Bei manchen tut es nur unter Belastung weh, bei anderen auch in Ruhe, wenn sie auf der Couch liegen. Welche Behandlung bei Knieschmerzen hilft, hängt von der Ursache ab.

Knieschmerz_schematisch
Knieschmerzen sind zumeist Folge einer Gelenkschädigung, die unterschiedliche Bereiche des Knies betreffen kann.
© 2009 - Eric Cote

Millionen von Bundesbürgern haben Knieschmerzen. Sie treten im Bereich des Kniegelenks auf und oft kommen noch weitere Beschwerden hinzu, zum Beispiel eine Rötung, Schwellung und Überwärmung dieses Gelenks. Probleme im Knie schränken die Beweglichkeit, Alltagstätigkeiten und damit die Lebensqualität der Betroffenen oft erheblich ein. Dabei äußern sich die Schmerzen ganz unterschiedlich: Manche verspüren sie nur bei Belastung, andere in Ruhe oder, wenn sie eine Bewegung beginnen. Man spricht vom sogenannten „Anlaufschmerz“. Knieschmerzen können zudem plötzlich und akut einsetzen, sich aber auch schleichend entwickeln, immer wiederkehren und chronisch werden. Dann bleibt der Schmerz im Knie längerfristig bestehen.

15 sanfte Hilfen gegen den Schmerz

Das Knie muss im Lauf des Lebens erheblichen Belastungen standhalten, etwa beim Sport oder, wenn Sie schwere Lasten tragen. Dafür ist das Gelenk speziell konstruiert. Es besteht aus mehreren Bauteilen und Strukturen, die es gut beweglich machen: der knöchernen Kniescheibe, dem Gelenkknorpel und einem knorpelartigen Bindeglied, dem Meniskus.

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Das Kniegelenk verbindet die Knochen des Ober- und Unterschenkels miteinander und seine knöchernen Strukturen sind von einem schützenden Gelenkknorpel überzogen. Dieser verhindert, dass Knochen auf Knochen reibt und Schmerzen verursacht. Zudem halten Bänder, Muskeln und Sehnen das Kniegelenk zusammen und stabilisieren es. Alle Strukturen gemeinsam sorgen dafür, dass das Kniegelenk beim Gehen, Laufen und anderen Tätigkeiten ausreichend beweglich ist.

Woher rühren Knieschmerzen? Die häufigen Ursachen

Meist sind Strukturen des Kniegelenks geschädigt. Die Ursachen für diese Schädigungen sind vielfältig. Sie können einerseits im Kniegelenk selbst liegen, etwa wenn Sie sich beim Sport verletzen. Manchmal sind die Gründe für die Schmerzen aber auch außerhalb des Kniegelenks zu suchen. Das gilt zum Beispiel für bestimmte (Stoffwechsel-)Erkrankungen, die zusätzlich das Kniegelenk in Mitleidenschaft ziehen und so Schmerzen auslösen.

Folgende Erkrankungen und Verletzungen als mögliche Ursachen:

  • Gelenkverschleiß (Arthrose): Die Abnutzung des schützenden Gelenkknorpels, der die knöchernen Gelenkhälften überzieht, ist eine normale Alterserscheinung; nahezu jeder Mensch leidet ab einem gewissen Alter unter dem Gelenkverschleiß; bestimmte Faktoren können die Arthrose fördern, zum Beispiel eine übermäßige Belastung oder langfristige Fehlhaltungen.

  • Verletzungen/Brüche der knöchernen Kniegelenksstrukturen durch heftige mechanische Einwirkungen, etwa bei einem Unfall; die Kniescheibe sowie der Ober- oder Unterschenkel im Kniegelenksbereich können betroffen sein.

  • Verrenkung des Knies oder der Kniescheibe

  • Bänder- und Sehnenverletzungen: Bänderriss, Sehnenriss

  • Meniskusverletzungen

Knieschmerzen als Folge von Gelenksentzündung (Arthritis)

Ärzte unterscheiden – je nach Ursache – verschiedene Formen der Arthritis:

  • Bakterielle Arthritis, zum Beispiel, wenn Keime nach einer Knieverletzung oder Knieoperation eindringen.

  • Arthritis infolge anderer Infektionskrankheiten (postinfektiöse Arthritis): Ein Beispiel ist die Lyme-Arthritis, die sich als Spätfolge einer Borreliose entwickelt; die Lyme-Arthritis kann auch Jahre später noch entstehen, nachdem ein Mensch von einer mit Borrelien infizierten Zecke gestochen wird.

  • Reaktive Arthritis: Sie tritt nach einer Infektion auf, die nicht die Gelenke, sondern den Magen, Darm, die Harnwege oder Geschlechtsorgane betroffen hat. Beispiele sind eine Salmonelleninfektion, Tripper (Gonorrhoe) oder eine Chlamydieninfektion. Eine Sonderform der reaktiven Arthritis ist das Reiter-Syndrom, das zusätzlich mit Augenentzündungen verbunden ist.

Eine Arthritis kann sich auch jenseits von Infektionen mit bestimmten Erregern entwickeln – nämlich als Folge bestimmter Grunderkrankungen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis (Volksmund: Rheuma)
  • Gelenkverschleiß (Arthrose)
  • Stoffwechselerkrankungen, etwa Gicht oder gichtähnliche Erkrankungen (Pseudogicht)
  • Beinfehlstellungen, beispielsweise O- oder X-Beine
  • Knorpelkrankheit der Kniescheibe (Chondropathia patellae)
  • Erkrankung knöcherner Gelenkstrukturen (Osteochondrose, Osteonekrose)
  • Läuferknie („runners knee“, Iliotibiales Bandsyndrom)
  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis)
  • Aussackungen der Kniegelenkskapsel (Baker Zyste)
  • Sehnenentzündung (Tendinitis)
  • Tumoren

Plötzlich auftretende (akute), starke Knieschmerzen, die nicht verletzungsbedingt sind, stehen häufig im Zusammenhang mit folgenden Ursachen:

  • Gichtanfall
  • Überlastungsbedingte Ergussbildung (aktivierte Arthrose)
  • Rheumatoide Arthritis
  • Akute bakterielle Infektion
  • Reaktive Arthritis

Falls Sie unter Schmerzen im Knie leiden, suchen Sie besser einen Arzt auf. Er kann den Ursachen mit bestimmten Diagnosemethoden auf den Grund gehen.

So stellt der Arzt die Diagnose

Das Arzt-Patienten-Gespräch steht immer am Anfang der Diagnose. Der Arzt befragt Sie zu Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte. Diese Anamnese liefert oft schon erste Hinweise auf die Ursache.

Folgende Punkte sind unter anderem wichtig für den Arzt:

  • Seit wann leiden Sie unter Knieschmerzen?

  • Wie intensiv sind diese?

  • In welchen Situationen treten die Schmerzen auf? In Ruhe, bei Bewegung, unter starker Belastung oder, wenn Sie eine Bewegung beginnen?

  • Wo genau würden Sie die Schmerzen lokalisieren? Vorderer Schmerz, seitlicher Schmerz, Schmerzen im gesamten Knie?

  • Gibt es Zeitpunkte, zu denen das Knie besonders schmerzt, zum Beispiel morgens?

  • Gibt es noch weitere Symptome, zum Beispiel Gelenksteifigkeit, Rötung, Schwellung, Überwärmung?

  • Sind andere Krankheiten und Risikofaktoren bei Ihnen bekannt, welche die Schmerzen erklären könnten? Beispiele sind eine Borreliose nach Zeckenstich, starke Belastung des Kniegelenks im Beruf oder beim Sport, Verletzungen, Unfälle oder eine frühere Knieoperation?

  • Sind Grunderkrankungen bei Ihnen bekannt, etwa Rheuma, Gicht oder Arthrose?

  • Nehmen Sie Medikamente ein? Wenn ja: Welche sind das?

  • Gibt es Stoffwechselkrankheiten oder rheumatische Erkrankungen in Ihrer Familie?

Diese körperlichen Untersuchungen macht der Arzt

  • zum Lexikon

    Im Lifeline-Lexikon sind Diagnosen von A wie Angiographie bis Z wie Zystoskopie ausführlich und auch für medizinische Laien verständlich beschrieben.

Bei der körperlichen Untersuchung begutachtet der Arzt das schmerzende Kniegelenk genauer. Er sucht nach Deformitäten, Fehlstellungen, Ergüssen sowie nach Entzündungszeichen wie Schwellungen, Rötungen oder Überwärmung des Kniegelenks. Zudem testet der Arzt, ob das Kniegelenk auf Druck schmerzt und prüft seine Beweglichkeit. Daneben untersucht er auch die anderen Gelenke, um Hinweise auf Erkrankungen als Ursache zu bekommen, zum Beispiel rheumatoide Arthritis oder Gicht.

Je nach Befund folgen manchmal noch weitere Untersuchungen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Blutuntersuchungen zur Bestimmung von Entzündungswerten, Rheumafaktoren oder Harnsäurewerten (bei Verdacht auf Gicht)
  • Röntgenuntersuchung des schmerzenden Kniegelenks (routinemäßig)
  • Magnetresonanztomographie (MRT = Kernspintomographie)
  • Computertomographie (CT)
  • Gelenkpunktion und Untersuchung der Gelenkflüssigkeit
  • Gelenkultraschall (Gelenksonographie)
  • Gelenkspiegelung (Arthroskopie)
  • Knochenszintigrafie (spezielle Knochenuntersuchung)

Behandlungen, die Ihnen bei Knieschmerz helfen

Die Behandlung hängt von der jeweiligen Ursache ab. So wird eine Knieverletzung, etwa durch einen Sportunfall, anders behandelt als eine rheumatoide Arthritis oder die Stoffwechselkrankheit Gicht. Hier finden Sie einen Überblick über die verschiedenen Therapien bei Knieschmerzen – von Schmerzmitteln, orthopädischen Hilfsmitteln bis hin zur Operation.

Medikamente bei Knieschmerzen

Schmerzen im Knie lassen sich kurzzeitig mit Schmerzmitteln behandeln. Die Arzneien gibt es als Tabletten, Schmerzpflaster zum Aufkleben sowie als Salben oder Gels, die Sie lokal auf das Knie auftragen. Manche Schmerzmittel lindern nicht nur die Schmerzen, sondern wirken zusätzlich entzündungshemmend und abschwellend. Häufig werden Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) eingesetzt. Beispiele für Wirkstoffe aus dieser Gruppe sind Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen.

In manchen Fällen helfen Gelenkspülungen und Gelenkinjektionen mit Kortison oder Schmerzmitteln. So lassen sich Entzündungen und Schmerzen direkt vor Ort bekämpfen. Infektionen des Kniegelenks behandeln Ärzte mit Antibiotika, die gezielt Bakterien attackieren und beseitigen. Bei Arthrose können Ärzte knorpelaufbauende Präparate injizieren, etwa Hyaluronsäure. Bei manchen Patienten ist dies eine Möglichkeit, den Schmerz im Knie zu lindern. Sind spezielle Grunderkrankungen die Auslöser, therapieren Ärzte zunächst diese. Das gilt zum Beispiel bei rheumatoider Arthritis oder Gicht.

Ergänzende Behandlungen bei Knieschmerzen

Die Schmerzen lassen sich ergänzend mit folgenden Maßnahmen behandeln:

  • Elektrotherapie: Anwendung eines schwachen Reizstroms

  • Wärme- oder Kälteanwendungen

  • Bewegungsbäder

  • Massagen

  • Bewegungsschulung

  • Physiotherapie (früher Krankengymnastik)

  • Orthopädische Hilfsmittel: Nach Sportverletzungen, bei denen die Bänder, Sehnen, Kniescheibe oder der Meniskus in Mitleidenschaft gezogen wurden, setzen Ärzte oft Bandagen, Schienen oder Orthesen ein. Sie fixieren, stabilisieren und entlasten das betroffene Kniegelenk. Solche Hilfsmittel lassen sich individuell anpassen. Bei Fehlstellungen der Beine, die langfristig Knieschmerzen verursachen, helfen zum Beispiel spezielle Einlagen.

  • Ernährung: Patienten mit Stoffwechselerkrankungen wie Gicht, aber auch rheumatoider Arthritis hilft manchmal auch eine Ernährungsumstellung, um die Knieschmerzen in den Griff zu bekommen.

Eine Operation ist manchmal hilfreich

Manchmal ist eine Operation notwendig, um die Ursache wirksam zu behandeln oder zu verhindern, dass die Gelenkschädigung fortschreitet. Viele Operationen führen Ärzte heute schonend im Rahmen der Gelenkspiegelung (Arthroskopie) durch. Beispiele sind die Entfernung des Meniskus, entzündeter Gelenkinnenhaut (Synovektomie) oder anderer Gewebsbestandteile aus dem Gelenk. Bei fortgeschrittener Arthrose müssen Ärzte das Kniegelenk manchmal teilweise oder sogar vollständig ersetzen.

Tipp! Lassen Sie heftige oder anhaltende Knieschmerzen immer von einem Arzt abklären. Er findet die Ursache heraus und kann gezielt behandeln. Im schlimmsten Fall drohen die Zerstörung des Kniegelenks und ein Funktionsverlust – beide Prozesse sind nicht mehr umkehrbar.

So schützen Sie Ihre Knie

Autor:
Letzte Aktualisierung: 14. September 2017
Durch:
Quellen: http://www.egms.de/static/en/meetings/degam2015/15degam131.shtml; https://www.aerzteblatt.de/archiv/67922/Epidemiologie-Aetiologie-Diagnostik-und-Therapie-der-Gonarthrose; http://deutsch.medscape.com/artikel/4902340 (Aufruf 4.9.2017); http://bjsm.bmj.com/content/50/14/844.full (Aufruf 4.9.2017); https://www.sportklinik.de/knieschmerzen.html

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