Verletzungen des Kniegelenks

Kreuzbandriss

Bei einem Kreuzbandriss ist eines der beiden Kreuzbänder im Kniegelenk gerissen. Das vordere Kreuzband ist dabei zehn mal häufiger betroffen als das hintere.

Kreuzbandriss
Fußball gehört zu den Sportarten, bei denen das Risiko für einen Kreuzbandriss erhöht ist.

Mit Kreuzbandriss wird, wie der Name schon sagt, ein Riss eines der beiden Kreuzbänder im Kniegelenk bezeichnet. Das Kniegelenk ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers. Dem Körpergewicht und starken Hebelwirkungen ausgesetzt, weist dieses Drehscharniergelenk einen umfangreichen Bandapparat auf, bestehend aus nahezu einem Dutzend Bändern (Ligamenten).

So schützen Sie Ihre Knie

Eine Besonderheit sind die sogenannten Kreuzbänder. Das vordere und das hintere Kreuzband ziehen sich bei einer Länge von je vier Zentimetern und einer Dicke von etwa einem halben Zentimeter jeweils schräg nach oben und überkreuzen sich mitten im Kniegelenk. Sie sollen aus dieser Lage heraus eine mittige (zentrale) Stabilisation des Kniegelenks gewährleisten und die Überstreckung und die Drehung begrenzen.

Kniegelenk am stärksten gefährdet

Die Kreuzbänder stehen außerdem in einer ausgeprägten Beziehung zur Kniegelenkkapsel. Indem sie großzügig mit der Kapsel verwachsen sind, entsteht mit den restlichen Kniegelenkbändern der stärkste Kapselapparat des Menschen. Das Knie ist nicht durch Muskeln oder Weichteile umhüllt, es liegt also leicht tastbar unter der Haut. Möglicherweise ist dieser fehlende Schutz ein Grund dafür, dass dem Kniegelenk die meisten Erkrankungen und Unfälle aller Gelenke (etwa 25 Prozent) widerfahren. Eine dieser Verletzungen ist der Kreuzbandriss. Von einem solchen Riss ist das vordere Kreuzband zehn Mal öfter betroffen als das hintere.

Kreuzbandriss: Diese Symptome sind typisch

Unmittelbar nach einem Kreuzbandriss entstehen meist deutliche Schmerzen. Betroffene können die genaue Lage des Schmerzpunktes nicht deuten, da das gesamte Gelenk schmerzt und sehr empfindlich auf Berührung reagiert. Verletztes Gewebe verursacht beim Kreuzbandriss ein Einbluten in das Gelenk, welches zu einer Schwellung führt. Dadurch entsteht ein Entzündungszustand, das Knie wird fühlbar wärmer, und durch die Wärme wird zusätzlich Gelenkflüssigkeit produziert, die wiederum die Schwellung begünstigt.

Hörbarer Knall deutet auf Kreuzbandriss hin

Durch die akute Schmerzempfindlichkeit und die Schwellung sind in dieser Phase Funktionstests nur sehr schwer durchführbar. Nachdem die Schwellung abgeklungen ist, gibt der Betroffene ein Gefühl der Instabilität im Kniegelenk an. Dies äußert sich als „Wegrutschen" der Gelenkanteile, also als Unsicherheit im Kniegelenk. Sehr erfahrene Sportler können aufgrund des Unfallmechanismus in Verbindung mit einem für den Betroffenen hörbaren Knall im Knie Rückschlüsse ziehen und ahnen oft schon, dass ihnen gerade ein Kreuzbandriss widerfahren ist.

Kreuzbandriss: Ursachen und Risikofaktoren

Sind die Kreuzbänder nicht schon vorbelastet, bedarf es einer starken Gewalteinwirkung, um einen Kreuzbandriss herbeizuführen. Sehr oft geschieht dies beim Sport, wenn die Füße und Unterschenkel durch bestimmte Sportgeräte fixiert sind (Skischuhe und Skier, Fußballschuhe mit Stollen). Kommt es bei gebeugtem Kniegelenk zu einer Drehung unter großer Belastung, kann ein Kreuzbandriss entstehen. Beispielsweise landet ein Fußballer nach einem Sprung mit deutlich mehr als dem Körpergewicht in einer Drehbewegung, verhindern die Stollen im Rasen ein Mitdrehen des Unterschenkels und ein vorderer Kreuzbandriss entsteht.

Fortschrittliche Sportgeräte machen Kreuzbandriss häufiger

Andere Ballsportarten mit schnellen Beschleunigungs- und Abstoppkomponenten sind auch häufig Risikofaktoren (zum Beispiel Squash, Kampfsportarten, Volleyball, Tennis). Die vermehrte Häufigkeit des Kreuzbandrisses im Vergleich zu früher erklärt sich zum einen durch den technischen Fortschritt der Sportgeräte, insbesondere der modernen Ski- und Fußballschuhe. Zum anderen werden durch immer moderne Diagnoseverfahren heutzutage auch mehr Kreuzbandrisse erkannt als früher.

Sollten die Kreuzbänder durch mehrere solcher traumatischer Ereignisse vorbelastet sein, etwa durch Überdehnungen (Distorsionen) oder Anrisse (Teilrupturen), wird der Bandapparat instabiler, und es kann demnach leichter zu einem Kreuzbandriss kommen. Ebenso neigt ein vorgeschädigtes Gelenk dazu, mit der Zeit eher Abnutzungserscheinungen (Arthrose) zu entwickeln. Wie alle Schäden im Kniegelenk, die man von außen nicht sehen kann, nennt man einen Kreuzbandriss einen „Binnenschaden". Ein Kreuzbandriss kann durchaus ohne Beteiligung anderer Strukturen (isoliert) entstehen. Häufiger sind jedoch Kombinationen mit einem betroffenen Seitenband oder Meniskus, manchmal auch in Verbindung mit einem Bruch (Fraktur) des Schienbeinkopfs, der anteilig die Gelenkflächen mitbildet.

Kreuzbandriss: So läuft die Diagnose ab

Es gibt einige Funktionstests zur Diagnostik eines Kreuzbandrisses, die der Arzt am Betroffenen durchführt. Einer davon ist das sogenannte Schubladenphänomen, bei dem der Betroffene auf dem Rücken liegt und das betroffene Bein anstellt. Der Untersuchende kann nun mit den Händen das obere Ende des Unterschenkels umgreifen und diesen wie eine Schublade nach vorne ziehen. Der Lachman-Test beschreibt ebenfalls ein solches Gleitphänomen bei ähnlicher Ausgangsposition. Auch durch zusätzliche Rotation während der Gleitbewegung werden zusätzliche Erkenntnisse gewonnen. Durch die vielen Möglichkeiten und die verschiedenen Strukturen, die mitbetroffen sein können (Seitenband, Meniskus, Gelenkkapsel, Bruch), gibt es dementsprechend viele Testmöglichkeiten.

Bildgebende Verfahren festigen die Diagnose

Letztendlich liefert jedoch die Gerätemedizin nachweisbare Beweise für einen Kreuzbandriss. Beim Röntgen wird festgestellt, ob am knöchernen Anteil des Kniegelenks eine Schädigung (knöcherner Ausriss des Kreuzbands) entstanden ist, die die Gelenkflächen nachhaltig schädigen können (Arthrose). Mit der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) lassen sich Bänder und Menisken darstellen, Ultraschall ist ebenso eine Möglichkeit. Im Zweifelsfall oder bei kompliziertem Befund kann eine Kniespiegelung (Arthroskopie) die genaue Diagnose liefern, wobei dann idealerweise direkt eine eventuell notwendige Operation durchgeführt wird. Darüber hinaus wird bei der Diagnose zwischen „altem" und „frischem" Kreuzbandriss unterschieden. Diese werden nicht unbedingt auf gleiche Art behandelt. Ebenso kann eine Bindegewebeschwäche ein Kreuzband regelrecht ausleiern lassen. So vielfältig sich ein Kreuzbandriss zeigen kann, so umfangreich ist das Potenzial, das die Gerätemedizin liefert.

Kreuzbandriss: Welche Therapie-Optionen gibt es?

Der Kreuzbandriss steht einem sehr großen Therapiespektrum gegenüber, dessen Vielfalt sich von medikamentösen über physikalische bis hin zu operativen Behandlungsformen erstreckt. Der Physiotherapie fällt in jedem Fall eine maßgebliche Rolle während des gesamten Therapieverlaufs zu. Meist wird ein Kreuzbandriss zunächst konservativ behandelt und mit einer Beinschiene (Orthese) versorgt. Im Verlauf der akuten Phase wird zunächst mit Lymphdrainage und abschwellenden Medikamenten behandelt. Sind die Entzündungszeichen und die Schwellung vergangen, wird mit krankengymnastischen Maßnahmen an Muskelaufbau, Koordination und Verbesserung der Beweglichkeit gearbeitet. Sehr behutsam werden hier die Belastungsgrenzen immer neu abgesteckt. Nach bis zu sechs Monaten wird erkennbar, ob die durch den Kreuzbandriss entstandene Instabilität durch Muskelaufbau kompensiert werden konnte. Eine Operation könnte somit vermieden werden.

Operation des Kreuzbandrisses

Sollte dennoch operiert werden müssen, stehen hierzu wieder mehrere Möglichkeiten und Techniken zur Auswahl. Eine Bandplastik aus künstlichem Material ist genauso möglich wie körpereigenes Sehnenmaterial aus der Knievorderseite (Patellarsehne) oder der Rückseite (Semitendinosussehne). Nach dem Eingriff beginnt wieder die Physiotherapie wie in der akuten Phase beschrieben. Anschließend beginnt das Kräftigen des betroffenen Beines unter regelmäßiger postoperativer Kontrolle. Ein umfangreiches Therapieprogramm ebnet den Weg bis zur vollen Belastbarkeit.

Eine normale Belastung ist im Normallfall nach spätestens sechs Monaten wieder möglich. Ein unbehandelter Kreuzbandriss kann für ein Kniegelenk unter Umständen verheerende Folgen haben und Spätschäden wie Arthrose: Was tun bei schmerzhaftem Gelenkverschleiß? nach sich ziehen.

Kreuzbandriss vorbeugen: So schützen Sie Ihre Knie

Einem Kreuzbandriss kann man nur bedingt vorbeugen. Werden besagte Sportarten vermieden, sinkt natürlich das Risiko. Einen Kreuzbandriss kann man sich beim Laufen (Joggen) auf unebenem Untergrund ebenso zuziehen wie beim Stolpern auf der Treppe oder beim abrupten Abstoppen aus einer Drehbewegung.

Krafttraining kann Risiko für Kreuzbandriss senken

Bei Sportlern kann gezieltes Kraft- und Koordinationstraining ein wenig dazu beitragen, das Risiko eines Kreuzbandrisses zu senken. Bei angeborener Bindegewebsschwäche sind die Belastungsgrenzen niedriger anzusetzen, ebenso nach traumatischer Vorbelastung (, Anriss).

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