Schmerzhaftes Knieleiden

Patellaspitzensyndrom: Schmerzen an der Patellasehne

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Beim Patellaspitzensyndrom handelt es sich um eine Reizung der Kniescheibensehne. Meist tritt das sogenannte Springerknie (englisch: Jumper's knee) bei Menschen auf, die regelmäßig sprungintensive Sportarten ausüben. Wie das Patellaspitzensyndrom entsteht und was Betroffene selbst zur Besserung beitragen können.

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© Getty Images/Galeanu Mihai

Das Patellaspitzensyndrom ist vor allem unter Sportler*innen zwischen 20 und 40 Jahren weit verbreitet: Schätzungsweise rund 40 Prozent aller professionellen Basketball- und Volleyballspieler*innen sind betroffen. Nicht selten ist das Springerknie Ursache für längere Sport- oder Wettkampfpausen. Manchmal bedeutet die Diagnose das frühzeitige sportliche Karriereende. Wird die Erkrankung im Anfangsstadium erkannt und therapiert, bestehen jedoch gute Heilungschancen.

Artikelinhalte im Überblick:

Gonarthrose: Knieschmerzen bei Belastung

Was ist das Patellaspitzensyndrom?

Das Patellaspitzensyndrom (PSS) entsteht, wenn die Sehne der Kniescheibe (Patella) durch ungewohnte oder heftige Zugbeanspruchung gereizt wird. Die Erkrankung ist meist auf eine chronische Überlastung der Patellasehne zurückzuführen und tritt vor allem bei Menschen auf, die besonders sprungintensive Sportarten ausüben. Ebenso erkranken Läufer*innen häufig an einem Patellaspitzensyndrom, weshalb die Erkrankung manchmal auch als Läuferknie (englisch: Runner's knee) bezeichnet wird.

Für das Patellaspitzensyndrom werden oft synonyme Begriffe verwendet, wie:

  • Jumper's Knee
  • Runner's Knee
  • Springerknie
  • Läuferknie
  • Patellartendinopathie
  • Enthesiopathie der Patellasehne

Wie entsteht das Patellaspitzensyndrom?

Die Patellasehne verbindet den Oberschenkelmuskel (Quadrizeps) über die Kniescheibe (Patella) mit dem Schienbein (Tibia). Ihre Hauptaufgabe ist die Kraftübertragung vom Oberschenkelmuskel auf den Unterschenkel. Die Patellasehne wird bei jeder Bewegung des Kniegelenks beansprucht. Besonders groß ist die Belastung auf die Quadrizeps-Sehne allerdings bei Sprüngen.

Durch eine dauerhafte Überlastung, zum Beispiel infolge regelmäßiger sportlicher Aktivitäten, die mit vielen Sprungbewegungen verbunden sind, kann es zu Reizungen und degenerativen Veränderungen der Sehne kommen.

Die genauen Ursachen für die Schmerzen sind noch nicht abschließend geklärt. Fachleute gehen aber davon aus, dass infolge der übermäßigen Krafteinwirkung kleine Verletzungen (Mikrorupturen) in der Sehne entstehen. Diese sind auch unter dem Mikroskop sichtbar.

Neuen Erkenntnissen zufolge kann das Patellaspitzensyndrom zudem durch ein partielles Einklemmen der Sehne am unteren Rand der Kniescheibe ("Impingement") hervorgerufen werden. Entzündungen scheinen hingegen nicht oder nur selten Ursache der Erkrankung zu sein.

Wen betrifft das Springerknie am häufigsten?

Einige Menschen sind besonders gefährdet, ein Springerknie zu entwickeln. In erster Linie sind vor allem ambitionierte Freizeit- und Spitzensportler*innen betroffen.

Zu den Sportarten, die häufig ein Patellaspitzensyndrom auslösen, gehören:

  • Sprungsportarten: Hoch- und Weitsprung, Volleyball, Basketball
  • Sportarten mit vielen Stop-and-Go-Bewegungen: Tennis, Squash
  • Sportarten mit schnellen Richtungswechseln: Fußball, Handball

Weitere Risikofaktoren für ein Patellaspitzensyndrom

Aber auch Menschen, die weniger sportlich aktiv sind, können Beschwerden an der Patellaspitze entwickeln. Weitere Einflussfaktoren, die ein Patellaspitzensyndrom begünstigen, sind:

  • angeborene Bandschwäche
  • Dysbalancen (beispielsweise durch Muskelverkürzungen oder Beinlängendifferenzen)
  • Hochstand der Kniescheibe
  • unpassendes Schuhwerk
  • harter Untergrund (Asphalt oder Beton)
  • intensive körperliche Trainingseinheiten
  • falsche Technik beim Sport

Symptome und Schweregrade des Patellaspitzensyndroms

Typisch für ein Patellaspitzensyndrom sind Schmerzen an der Kniescheibenspitze. Diese sind bei Streckung des Knies besonders stark ausgeprägt. Bei vielen Betroffenen kommt es sehr plötzlich zu den Symptomen, beispielsweise nach einem Sprung oder starker Belastung. Ein Patellaspitzensyndrom kann sich aber auch schleichend entwickeln.


Die Knieschmerzen beginnen in der Regel an der unteren Patellaspitze. Schreitet die Erkrankung fort, breiten sich die Schmerzen aus und nehmen an Intensität zu. In 20 bis 30 Prozent der Fälle betrifft das Patellaspitzensyndrom beide Knie.

Das Patellaspitzensyndrom wird in vier Schweregrade unterteilt:

  • Grad 1: Der Schmerz tritt ausschließlich nach starker Belastung, also zum Beispiel direkt nach dem Laufen, auf.

  • Grad 2: Die Beschwerden bestehen bereits zu Beginn der körperlichen Betätigung, lassen aber nach dem Aufwärmen nach.

  • Grad 3: Personen leiden an einem andauernden Schmerz, der ein normales Trainieren unmöglich macht.

  • Grad 4: Die Beschwerden sind chronisch. Auch alltägliche Bewegungen wie Treppensteigen oder Autofahren gehen mit starken Schmerzen einher. In Extremfällen kann es zu einem Patellasehnenriss kommen.

Wie wird ein Patellaspitzensyndrom diagnostiziert?

Zu Beginn der Diagnose steht meist ein ausführliches Gespräch (Anamnese), in welchem mögliche Ursachen und die genauen Beschwerde sowie deren Dauer erfragt werden. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei betastet die*der Ärztin*Arzt das Knie, um festzustellen, wo die Schmerzen ihren Ursprung haben. Bei einem Patellaspitzensyndrom treten diese am vorderen Teil des Knies, direkt unter der Kniescheibe auf. Typisch sind außerdem Schmerzen, wenn Betroffene den Unterschenkel gegen Widerstand strecken. Äußerliche Symptome wie Schwellungen oder Rötungen sind hingegen nur selten feststellbar.

In einigen Fällen können zusätzlich bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen. Mittels Ultraschall (Sonografie) lassen sich Veränderungen der Sehne nachweisen. Röntgenaufnahmen, eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Computertomografie (CT) dienen dem Ausschluss anderer Erkrankungen.

Mögliche Differentialdiagnosen bei einem Springerknie

Es gibt viele Krankheiten, die ähnliche Symptome wie das Patellaspitzensyndrom auslösen. Dazu gehören unter anderem:

  • Morbus Osgood Schlatter: Es handelt sich um eine im Wachstumsalter auftretenden schmerzhaften Reizung am Ansatz der Kniescheibensehne, bei der sich knöcherne Befestigungen der Kniescheibensehne vom Schienbein lösen.

  • Morbus Sinding Larsen Johansson: Die Schmerzen werden – wie beim Springerknie – durch eine Reizung der Kniescheibensehne ausgelöst, die Erkrankung tritt aber vor allem bei Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 14 Jahren auf.

  • Entzündung des Hoffa-Fettkörpers: Der Hoffa-Fettkörper liegt direkt hinter der Kniescheibe. Die Symptome können daher denen des Patellaspitzensyndroms ähneln.

  • Ilio-tibiales Bandsyndrom (ITBS): Zwar wird auch das Patellaspitzensyndrom als Läuferknie bezeichnet, meist ist mit dem Begriff jedoch das Ilio-tibiale Bandsyndrom gemeint. Dem Schmerzsyndrom liegt eine Reizung des Tractus iliotibialis (flächiger, bindegwebiger Faserzug an der Außenseite des Oberschenkels) auf Höhe des Kniegelenkes zugrunde.

Behandlung des Springerknies: Was hilft bei einem Patellaspitzensyndrom?

Bei akuten Beschwerden gilt es, die Belastung sofort und drastisch zu reduzieren. Patient*innen sollten das Kniegelenk für etwa 3 bis 12 Wochen schonen und auf sportliche Aktivitäten verzichten. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Knie komplett ruhiggestellt werden sollte. Stattdessen empfehlen sich vorsichtige Dehnungen und Bewegungen, beispielsweise durch ein spezielles Trainingsprogramm. Meist wird das Patellaspitzensyndrom zusätzlich konservativ behandelt. Nur in schweren Fällen ist eine operative Behandlung notwendig.

Konservative Behandlung eines Patellaspitzensyndroms

Es gibt eine Reihe an Maßnahmen, mit denen sich die Knieschmerzen lindern lassen:

  • Medikamente: Zur akuten Schmerzlinderung werden meist nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac verschrieben.

  • Salben: Entzündungshemmende Cremes oder Salben, die äußerlich auf das Knie aufgetragen werden, können ebenfalls Schmerzen lindern.

  • Injektionen: Die Injektion von thrombozytenreichem Plasma (PRP-Therapie) konnte in Studien gute Ergebnisse erzielen. Allerdings wird diese Therapie bisher nicht von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt. Injektionen mit Kortison werden hingegen nicht mehr empfohlen, da sie das Risiko für einen Sehnenriss (Ruptur) erhöhen.

  • Wärme- oder Kälteanwendungen: Das Kühlen des Knies, beispielsweise mit kalten Umschlägen, wirkt schmerzlindernd. Wärme verbessert die Durchblutung im Sehnenansatz und fördert die Heilung.

  • Physiotherapeutische Behandlung: Vor allem die Kombination aus fokussierter extrakorporaler Stoßwellentherapie (ESWT) der Sehne und radialer Stoßwellentherapie der Oberschenkelmuskulatur hat sich als hilfreich erwiesen. Zudem können Physiotherapeut*innen Massagen durchführen, die die Durchblutung im Bereich um die Patellasehne fördern und Verspannungen lösen.

  • Bandagen: Medizinische Tapes und Orthesen stabilisieren Kniegelenk und Patellasehne und reduzieren so die Schmerzen.

  • Einlagen: Orthopädische Einlagen sind vor allem bei Fußfehlstellungen wie einem Knickfuß sinnvoll. Sie unterstützen das Fußgewölbe und verteilen den Druck bei jedem Schritt.

Trainingsprogramm: Übungen bei Patellaspitzensyndrom für zu Hause

Ergänzend hat sich ein selbst durchführbares Trainingsprogramm, das sogenannte exzentrische Training, bei Patellartendinopathien als effektiv erwiesen. Dieses umfasst verschiedene Übungen zur Kräftigung und Dehnung der Oberschenkelmuskulatur. Wer die Möglichkeit hat, mit einer Beinpresse zu trainieren, kann dieses Trainingsgerät zur Hilfe nehmen, es sind jedoch auch Übungen ohne Geräte möglich.

Bei den Übungen dürfen leichte Schmerzen auftreten. Bei starken Schmerzen sollten die Durchläufe allerdings reduziert werden. Da sich der Heilungsprozess über viele Wochen erstrecken kann, ist bei den Übungen Geduld nötig. Es kann länger als 4 Wochen dauern, bis sich eine erste Verbesserung bemerkbar macht. Tritt keine Besserung ein oder verstärken sich die Beschwerden, ist eine ärztliche Rücksprache empfehlenswert.

Beispielübung: Exzentrisches Training bei Patellasehnenreizung

In der Ausgangslage (Bild 1) steht das betroffene Bein mit der Ferse auf einem dicken Buch oder Schrägbrett mit einer Neigung von etwa 25 Grad. Das andere Bein ist leicht angehoben (Einbein-Stand). Nun erfolgt mit dem Standbein eine langsame Kniebeuge bis zu einem Winkel von 60 Grad (Bild 2). Diese Position sollte für 3 Sekunden gehalten werden. Anschließend wird wieder die Ausgangsposition eingenommen. Die Übung sollte 3-mal täglich mit jeweils 15 Wiederholungen durchgeführt werden.

Patella-Übung
© Lifeline

Wichtige Hinweise:

  • Das Trainingsprogramm sollte mit der*dem Ärztin*Arzt oder einem*einer Physiotherapeut*in abgesprochen werden.

  • Die Übungen sind langsam und kontrolliert durchzuführen.

  • Nach der Übung sollte das betroffene Knie 3-mal für jeweils 10 Minuten (mit jeweils einer Pause dazwischen) gekühlt werden.

  • Ist die Durchführung beschwerdefrei möglich, kann das Training durch Zusatzgewichte intensiviert werden. Hierfür eignen sich beispielsweise Langhanteln oder ein schwerer Rucksack.

  • Es gilt, eine zu hohe Trainingsintensität zu vermeiden, da sich die Beschwerden ansonsten verschlimmern können.

Operative Therapie bei einem Patellaspitzensyndrom

Bessern sich die Beschwerden trotz konservativer Therapie nicht oder besteht ein Patellasehnenriss, ist eine operative Behandlung notwendig. Zur Entfernung von Verwachsungen oder entzündetem Gewebe kann eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung) durchgeführt werden. Hierzu wird ein kleiner Einschnitt längs der Sehne unter der Kniescheibe gemacht. Die minimal-invasive Behandlung wird entweder mit lokaler Betäubung oder unter Vollnarkose durchgeführt.

Bei einem Patellasehnenriss ist eine aufwendigere Operation erforderlich. In diesem Fall muss die Patellasehne rekonstruiert werden.

Prognose des Patellaspitzensyndroms

Bei einem Patellaspitzensyndrom, das gut auf die konservative Behandlung anspricht, ist die Prognose im Allgemeinen gut. Allerdings kann die Behandlung – je nach Schweregrad – sehr langwierig sein und in einigen Fällen das Ende der sportlichen Profikarriere bedeuten.

Operationen erzielen bei etwa 60 bis 70 Prozent der Betroffenen gute Ergebnisse. Bis die volle Sportfähigkeit wiederhergestellt ist, kann es jedoch 6 bis 12 Monate dauern.

Lässt sich ein Patellaspitzensyndrom vorbeugen?

Um einem Patellaspitzensyndrom vorzubeugen, empfiehlt es sich, die Muskeln vor dem Training zu dehnen und aufzuwärmen. Darüber hinaus sollte der Muskulatur zwischen den Trainingseinheiten genügend Zeit zur Regeneration gelassen werden.

Übergewicht stellt eine Belastung für das Kniegelenk dar. Um einem Jumper's Knee vorzubeugen, sollte daher auf ein gesundes Körpergewicht geachtet werden. Dazu tragen eine gesunde und ausgewogene Ernährung und regelmäßiger Sport bei. Zu den knieschonenden Sportarten gehören beispielsweise Nordic Walking, Aquajogging, Rudern oder Crosstraining.

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