Ausgerenkte Knochen

Luxation: Wenn das Gelenk ausgekugelt ist

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Luxation ist der medizinische Fachbegriff für das Auskugeln oder die Verrenkung von Gelenken. Dabei verlieren die Knochen, die ein Gelenk bilden, den Kontakt zueinander – meist durch starke Belastung oder einen Unfall. Wann der Arzt das Gelenk wieder einrenken kann und wann eine Operation notwendig ist.

Gelenkschmerzen
Neben Schulter und Ellenbogen ist die Patella (Kniescheibe) besonders häufig von einer Luxation (Ausrenkung) betroffen.
© iStock.com/dragana991

Je beweglicher ein Gelenk ist, desto häufiger ist es von einer Luxation betroffen: In der Hälfte der Fälle handelt es sich um eine Schulterluxation, aber auch der Ellenbogen, die Hüfte und die Patella (Kniescheibe) lassen sich relativ leicht ausrenken. Bei Ballsportarten sind oft die Finger betroffen, seltener treten Luxationen des Kiefers oder an der Wirbelsäule auf. Ist das Gelenk nur unvollständig ausgerenkt, spricht man von einer Subluxation.

Artikelinhalte im Überblick:

Zehn Tipps gegen Gelenkschmerzen

Arten und Ursachen von Luxationen

Fachleute unterscheiden vier Arten von Luxationen:

  • Die traumatische Luxation entsteht durch Gewalteinwirkung, beispielsweise bei einem Unfall oder Sturz. Durch die plötzliche und starke Krafteinwirkung auf das Gelenk kommt es hierbei oft zu weiteren Verletzungen an Knorpel, Knochen, Muskeln, Gefäßen und/oder Nerven.

  • Die habituelle Luxation resultiert aus einer angeborenen oder erworbenen Instabilität des Gelenks. Sind die Gelenke übermäßig flexibel, genügt oft schon eine minimale Belastung, um sie auszurenken.

  • Manche Menschen kommen mit einer angeborenen Luxation auf die Welt. Hier liegt eine Fehlstellung (Dysplasie) des Gelenks vor, die es immer wieder auskugeln lässt.

  • Eine pathologische Luxation entsteht durch eine chronische Gelenkschädigung, Gelenkentzündung mit Kapselüberdehnung oder eine Gelenkzerstörung. Auch Muskellähmungen können die Ursache sein.

Bei jungen Menschen treten Luxationen vor allem beim Sport auf, in höherem Alter stecken oft Muskel- oder Bindegewebsschwächen dahinter. So ist eine mangelhafte Stabilisierung durch die sogenannte Rotatorenmanschette oft der Auslöser für eine Luxation der Schulter.

Symptome einer Luxation

Plötzlich auftretende, massive Schmerzen sind das offensichtlichste Symptom einer Luxation – vor allem beim Versuch, das verletzte Gelenk zu belasten oder zu bewegen. Meist ist die ursprüngliche Funktion eingeschränkt oder gar nicht mehr ausführbar. In manchen Fällen sind die Knochen sichtbar verschoben, dann sieht das Gelenk verdreht oder verbogen aus.

Da manchmal auch das Gewebe um das Gelenk herum verletzt ist, treten in diesen Fällen Schwellungen und Blutergüsse auf. Wenn die Nerven in Mitleidenschaft gezogen sind, kann es zu einem Taubheitsgefühl im betroffenen Körperteil kommen.

Erste Hilfe bei Luxationen

Eine Luxation bedarf unbedingt der Untersuchung und Behandlung durch einen Arzt. Das Gelenk sollte so schnell wie möglich wieder eingerenkt werden, um Weichteilschäden zu vermeiden. Bis zum Eintreffen oder Erreichen eines Arztes sind folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen angeraten:

  • Das betroffenen Gelenk sollte möglichst schmerzfrei ruhiggestellt werden, Wickel oder elastische Binden können hierbei helfen. Dabei sollte immer von körperfern nach körpernah gewickelt werden.

  • Hochlagern und Kühlen des Gelenks lindern die Schmerzen und reduzieren die Schwellung. Je geringer die Schwellung ist, desto leichter ist das spätere Einrenken. Coolpacks oder Eiswürfel dürfen dabei niemals direkt auf die Haut gelegt werden.

Diagnose: So erkennt der Arzt eine Luxation

Besteht der Verdacht auf eine Luxation, empfiehlt sich der Gang in die Notaufnahme eines Krankenhauses, mindestens aber zu einem Orthopäden oder Unfallchirurgen. Dieser wird den Betroffenen zum Unfallhergang befragen und eine ausführliche körperliche Untersuchung vornehmen. Nach einem optischen Vergleich der gesunden und der verletzten Körperhälfte wird das betroffene Gelenk abgetastet und in seiner Beweglichkeit überprüft. Auch die Durchblutung und die Sensibilität werden kontrolliert, um Schäden an Blutgefäßen und Nerven auszuschließen. Wenn diese Untersuchungen zu schmerzhaft sind, wird ein Schmerzmittel verabreicht oder gespritzt.

Um die Diagnose abzusichern und die Luxation genauer einordnen zu können, wird im nächsten Schritt eine Röntgenaufnahme gemacht. Diese erfolgt immer aus mindestens zwei verschiedenen Winkeln, um die Lage der Knochen zueinander beurteilen zu können. Bei Verdacht auf weitere Verletzungen wird zusätzlich ein MRT angefertigt, um auch Bänder, Sehnen und Muskeln zu überprüfen. In seltenen Fällen wird auch eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) vorgenommen.

Behandlung einer Luxation

Eine Luxation wird entweder konservativ oder operativ behandelt. Handelt es sich um eine Erst-Luxation ohne Begleitverletzung, wird das betroffene Gelenk vom Arzt wieder eingerenkt (reponiert). Diese sogenannte geschlossene Reposition erfolgt durch Ziehen und/oder Drehen am Gelenk und kann sehr schmerzhaft sein – deshalb wird sie oft unter Schmerzmitteln oder Kurznarkose vorgenommen. Im Anschluss wird eine Kontroll-Röntgenaufnahme gemacht, um sicherzustellen, dass die Knochen sich wieder in der richtigen Position befinden.

Ist die konservative Behandlung nicht erfolgreich oder geht die Luxation mit Verletzungen der Knochen, Muskeln, Nerven und/oder Bänder einher, ist meist eine Operation erforderlich (offene Reposition). Dieser Eingriff wird unter Narkose vorgenommen und ist oft mit einem Krankenhausaufenthalt verbunden. Währenddessen richtet der Arzt nicht nur das Gelenk, sondern behandelt auch andere geschädigte Strukturen.

Sowohl nach der geschlossenen als auch nach der offenen Reposition wird das betroffene Gelenk ruhiggestellt. Hierzu werden meist Gipsverbände, Schlingen oder Schienen verwendet. Die Ruhigstellung sollte sich möglichst nicht über mehr als drei Wochen erstrecken, da sonst eine dauerhafte Gelenkversteifung droht. So früh wie möglich sollte mit Physiotherapie begonnen werden, um Beweglichkeit und Kraft zu erhalten oder zurückzugewinnen.

Komplikationen und Prognose bei einer Luxation

Viele Luxationen heilen nach einer entsprechenden Therapie innerhalb weniger Wochen oder Monate komplikations- und folgenlos ab. In manchen Fällen kommt es jedoch zu einer bleibenden Instabilität des Gelenks und/oder einer erneuten Ausrenkung (Reluxation). Auch chronische Schmerzen, Knorpel- oder Nervenschäden, Arthrose oder eine eingeschränkte Beweglichkeit gehören zu den möglichen Folgen einer Luxation. Grundsätzlich hängt die Prognose von den Begleitverletzungen, der Therapie, der Weiterbehandlung, dem Alter und der Mitarbeit des Betroffenen ab.

So lässt sich einer Luxation vorbeugen

Muskeln, Bänder und Sehnen stabilisieren die Gelenke, und ein stabiles Gelenk renkt nicht so leicht aus. Regelmäßige Kräftigungs- und Koordinationsübungen reduzieren daher das Risiko für Luxationen. Defensives Verhalten und eine entsprechende Schutzausrüstung verhindern das Verletzungsrisiko beim Sport. Wer zu Luxationen neigt, sollte bestimmte Risikosportarten besser meiden oder auf stabilisierende Bandagen zurückgreifen.

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