Bakerzyste: Wenn die Kniekehle geschwollen ist und schmerzt

Eine Bakerzyste ist eine flüssigkeitsgefüllte Vorwölbung in der Kniekehle. Die Folge sind Schmerzen, Druck und Bewegungseinschränkungen. Bereitet die Bakerzyste Knieprobleme, kann in den meisten Fällen eine konservative Behandlung helfen – eine Operation ist nur selten notwendig.

Arzt untersucht Kniegelenk von Mann
Die Bakerzyste ist eine flüssigkeitsgefüllte Ausstülpung in der Kniekehle, die Schmerzen verursacht.
© iStock.com/gilaxia

Die Bakerzyste im Knie wird auch Poplitealzyste genannt, da sie in der Kniekehle (lat. fossa poplitea) zu finden ist. Es handelt sich um eine Ausstülpung der Gelenkkapsel des Kniegelenks, die mit Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit) gefüllt ist. Die typische Stelle, an der die Zyste sicht- und fühlbar ist, ist die Innenseite der Kniekehle.

Artikelinhalte im Überblick:

Was ist eine Bakerzyste?

Wenn im Kniegelenk aus unterschiedlichen Gründen dauerhaft vermehrt Gelenkflüssigkeit gebildet wird, entsteht ein Überdruck innerhalb der Gelenkkapsel. Diese wird dadurch nach außen hin ausgedehnt. Aufgrund der anatomischen Begebenheiten ist die Gelenkkapsel im Bereich der Kniekehle besonders anfällig und kann dort dem Druck nicht standhalten. Es kommt zu einer Aussackung, die über einen sogenannten Zystenstiel weiterhin mit der Gelenkhöhle verbunden bleibt.

Im Bereich der Kniekehle befindet sich ein Schleimbeutel, der eine Pufferfunktion zwischen den harten und weichen Strukturen des Kniegelenks hat. Es kann auch passieren, dass die Synovialflüssigkeit in diesen Schleimbeutel hineinfließt und so zu einer Ausweitung des Schleimbeutels führt. Auch der flüssigkeitsgefüllte Schleimbeutel dehnt die Gelenkkapsel aus und bildet eine Bakerzyste.

Zusätzlich verhindert manchmal ein Ventilmechanismus den Rückfluss der Gelenkflüssigkeit aus dem Schleimbeutel oder der Aussackung. Im Laufe der Zeit bildet sich durch die Dehnung der Gelenkkapsel oder des Schleimbeutels eine deutliche Vorwölbung in der Kniekehle, Bakerzyste oder Poplitealzyste genannt.

Es werden zwei Klassen von Bakerzysten unterschieden:

  • Primäre Bakerzysten werden bereits in der Kindheit sichtbar, treten aber sehr selten auf. Sie gelten als angeboren und sind größtenteils beschwerdefrei.

  • Sekundäre Bakerzysten entstehen infolge anderer Kniegelenkserkrankungen, wie beispielsweise Gelenkverschleiß (Arthrose) oder Strukturschäden durch Verletzungen. Sekundäre Bakerzysten treten hauptsächlich in mittlerem bis höherem Lebensalter auf. Es können aber auch schon junge Erwachsene betroffen sein. Insgesamt leiden zirka fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung an einer solchen Zyste.

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Ursachen: Wie entsteht eine Bakerzyste?

Es gibt zahlreiche Ursachen, die für die vermehrte Produktion von Gelenkflüssigkeit und damit für die Entstehung von Bakerzysten verantwortlich sein können. In Studien zeigte sich, dass bei nahezu allen untersuchten Patienten mit einer Bakerzyste ein Knieschaden nachgewiesen werden konnte. Andere Untersuchungen offenbarten, dass in über 80 Prozent der Untersuchten mit einer Bakerzyste Meniskusschäden (allein oder in Kombination mit anderen Verletzungen und Abnutzungserscheinungen) zu finden waren.

Als typische Ursachen für Bakerzysten werden folgende Erkrankungen angesehen:

  • rheumatoide Arthritis (Rheuma)
  • Arthrose (Gelenkverschleiß)
  • Läsionen der Kreuzbänder
  • chronische Meniskusschäden

Als Reaktion auf Entzündungen und Reizungen wird im Kniegelenk vermehrt Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit) gebildet. Diese Erhöhung des Drucks innerhalb des Kniegelenks führt zur Aussackung der Gelenkkapsel und zur Bildung der Bakerzyste.

Personen mit erhöhtem Risiko für Verletzungen und Verschleißerscheinungen im Knie laufen besonders Gefahr, eine Bakerzyste zu entwickeln. Dazu zählen neben Sportlern insbesondere Menschen mit Berufen, welche die Knie stark belasten, wie beispielsweise Fliesenleger. Gelegentlich sind auch vorausgegangene Knieoperationen wie Knieprothesen oder Kreuzbandrekonstruktionen Auslöser für die Entstehung von Poplitealzysten. Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Gefahr von Abnutzungserscheinungen innerhalb der Kniegelenke und somit auch die Gefahr, eine Bakerzyste zu entwickeln.

Symptome: Wie erkennt man eine Bakerzyste?

In vielen Fällen ist eine Bakerzyste völlig schmerzlos. Erst ab einer Größe von etwa zwei Zentimetern im Durchmesser wird die Poplitealzyste unter der Haut der Kniekehle sicht- und tastbar. Die Symptome der Zyste sind Schmerzen und Spannungsgefühl, manchmal Bewegungseinschränkungen des Knies.

Betroffene nehmen die Bakerzyste oft als Spannungsgefühl und Druck in der Kniekehle wahr, was sich meist nur bei Bewegung, Laufen oder ganz gebeugtem oder durchgestrecktem Knie bemerkbar macht. Dieses unangenehme Gefühl kann, wenn die Bakerzyste gereizt und sehr geschwollen ist, bis in die Wade ausstrahlen und schmerzhaft sein sowie die Beweglichkeit des Knies einschränken. In Extremfällen kann eine Bakerzyste durch den Druck auf Blutgefäße und Nerven zu einem Taubheitsgefühl oder gar leichten Lähmungen vom Knie abwärts führen.

Die Beschwerden, die eine Bakerzyste auslöst, werden durch starke Belastung des Knies meist deutlich schlimmer. Dies ist allerdings oft schwer von den Beschwerden einer vorliegenden Knieerkrankung abzugrenzen, die ebenfalls durch Belastung schlimmer wird.

Diagnose: Wie kann man eine Bakerzyste nachweisen?

Die Diagnose einer Poplitealzyste ist meist sehr einfach und geschieht durch das Betrachten und das Abtasten der Kniekehle. Im Allgemeinen ist das Betasten der Kniekehle schmerzhaft. Der Verdacht kann durch gezielte Fragen, wie etwa nach der Entwicklung der Schwellung, etwaigen Vorerkrankungen des Knies und der Zunahme der Beschwerden durch Belastung, schnell erhärtet werden.

Der nächste Schritt ist die Durchführung einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Kniekehle, die Aufschluss über die Größe und Ausbreitung der Bakerzyste liefert. Außerdem kann im Ultraschall die vermehrte Ansammlung von Gelenkflüssigkeit dargestellt werden und es können sich Hinweise auf Knieerkrankungen zeigen, die die Bakerzyste auslösen.

Um einen absolut eindeutigen Befund zu erhalten, wird in manchen Fällen eine Magnetresonanztomografie (MRT) des betroffenen Knies durchgeführt. So kann die Zyste in allen Ebenen angeschaut werden, was zusätzlich die Beurteilung des Knies hinsichtlich Meniskus- oder Kreuzbandverletzungen sowie entzündlichen Schwellungen erlaubt.

Um eine Arthrose als Grund für die vermehrte Bildung von Gelenkflüssigkeit nachzuweisen, wird eine Röntgenuntersuchung des Knies gemacht. Eine Bakerzyste lässt sich allerdings auf einem Röntgenbild nicht darstellen.

Kann eine Bakerzyste platzen?

Ist eine Poplitealzyste mit sehr viel Flüssigkeit prall angefüllt und wird diese dann großem Druck ausgesetzt, kann sie platzen. Dies nennt man eine Ruptur. Auslöser dieser Rupturen sind meist längeres Sitzen oder heftiges Beugen des Knies. Wenn die Beschwerden in der Kniekehle vorher sehr massiv waren, kommt es nach der Ruptur schnell zu einer Besserung von Spannungsgefühl, Druck und Bewegungseinschränkung.

Ist eine Bakerzyste geplatzt, ergießt sich der Zysteninhalt in das umliegende Gewebe. Dort kommt es manchmal zu einer Entzündung und Schmerzen. Der Schwerkraft folgend fließt die Gelenkflüssigkeit dann in die Unterschenkelmuskulatur oder sogar bis in die Region der Knöchel. Es kann zu, teilweise schmerzhaften, Schwellungen im Bereich des Knies und der Wade kommen.

Die Therapie einer rupturierten Bakerzyste ist in der Regel konservativ. Sie besteht in Hochlagerung des betroffenen Beins, Kühlen von Kniekehle und Unterschenkel sowie der Gabe von sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika, wie beispielsweise Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen.

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Vielfältige Möglichkeiten der Therapie

Eine Bakerzyste, die keine Beschwerden verursacht, muss nicht behandelt werden. Frühzeitig erkannt, reicht bei einer geringgradigen Bakerzyste Physiotherapie oft aus.

Bestehen aber Schmerzen, so stehen zahlreiche Therapien zur Verfügung. In den meisten Fällen ist eine konservative Bakerzyste-Behandlung mit einer Kombination aus Medikamenten und Physiotherapie ausreichend, sogenannte invasive Maßnahmen wie Punktion, Verödung oder Operation müssen nicht immer durchgeführt werden. In manchen Fällen sind diese therapeutischen Maßnahmen allerding unumgänglich.

  • Medikamente: Zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung werden nichtsteroidale Antirheumatika sowie COX-2-Hemmer eingesetzt. So können Schmerzen und Entzündungsprozesse im Zusammenhang mit einer Bakerzyste behandelt werden. Nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung kommt auch Kortison zur Anwendung. In den meisten Fällen wird das Kortison direkt ins Kniegelenk gespritzt.
  • Physiotherapie: Durch individuell ausgewählte physiotherapeutische Maßnahmen kann die Muskulatur rund um das Kniegelenk gekräftigt und somit die Reizsituation samt Beschwerden reduziert werden. Durch Physiotherapie werden auch die auslösenden Knieerkrankungen gelindert und so die Bakerzyste mitbehandelt.

  • Bakerzyste tapen: Bei manchen Betroffenen zeigt eine Kinesio-Tape-Lymphanlage gute Wirkung. Sie kann das Volumen der Poplitealzyste zeitweise reduzieren und dadurch die Beschwerden und Schmerzen lindern. Stabilisierende Tape-Verbände können beim Sport die Belastung des Kniegelenkes vermindern und Verletzungen stabilisieren.

  • Punktion (Absaugen des Zysteninhalts): Die Punktion der Zyste ist nur bei starker Füllung sinnvoll. Sie führt zu einer zeitweisen Entlastung. Es besteht aber eine starke Tendenz, dass sich die Bakerzyste wieder füllt.

  • Verödung: Findet man den Übergang zwischen Zyste und Gelenk (Zystenstiel), kann dieser vernäht oder verödet werden. Auf diese Weise kann keine Gelenkflüssigkeit mehr nachfließen, nachdem sie abgesaugt wurde. Die Beschwerden bessern sich.

  • Operation: Um die Bakerzyste operativ zu entfernen, werden offene Methoden über die Kniekehle oder arthroskopische Operation (Arthroskopie, Kniespiegelung) angewendet. Ziel beider Operationstechniken ist die vollständige Entfernung der ausgesackten Gelenkkapsel oder des ausgedehnten Schleimbeutels. Insbesondere bei den offenen Operationen kann es zu einem Wiederauftreten der Bakerzyste (Rezidiv) kommen. Dennoch ist diese Bakerzyste-Operation in manchen Fällen unumgänglich und gilt als die die sicherste Methode, eine Poplitealzyste endgültig loszuwerden.

  • Strahlentherapie: Seit 2019 laufen Studien, ob der Einsatz von Strahlentherapie die Größe von Bakerzysten reduzieren kann. Bei Untersuchungen am Universitätsklinikum Regensburg konnte so bei 75 Prozent der Versuchspersonen eine Größenreduzierung der Zyste um 25 Prozent erreicht werden.

Was kann man selbst tun, um eine Bakerzyste zu vermeiden?

Die einzige Möglichkeit, einer Bakerzyste vorzubeugen, besteht darin, die Knie vor Gelenkschäden zu schützen. Dazu zählen eine gut trainierte Muskulatur und regelmäßige Bewegung. Verletzungen der Kniegelenke sollten frühzeitig behandelt werden und vor erneuter Belastung ausheilen. Wenn schon Knieprobleme bestehen, sollten bei einer Bakerzyste Sportarten wie Radfahren bevorzugt und die Gelenke in den Knien vor übermäßiger Belastung geschützt werden.

Übermäßigen Spannungen der Muskulatur und der Faszien im Knie werden ein großer Anteil an der Entstehung von Bakerzysten zugeschrieben. Besonders die Muskulatur der Oberschenkel sowie der Waden verursachen eine erhöhte Spannung in der Kniekehle und sollten durch regelmäßige Übungen entspannt und gedehnt werden. Insbesondere Personen, die sehr viel sitzen, profitieren von diesen Übungen.

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