Häufige Sportverletzung

Bänderriss am Fuß: Wie lange krank?

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Ein Bänderriss am Fuß gehört zu den häufigsten Sport- und Unfallverletzungen. Welche Ursachen haben Bänderrisse am Sprunggelenk, gibt es typische Symptome und wie behandelt man die Sprunggelenksdistorsion?

Bänderriss Sprungelenk
Bänderrisse am Sprunggelenk entstehen zum Beispiel durch Umknicken beim Sport in unwegsamem Gelände.
© iStock.com/olegbreslavtsev

Das Sprunggelenk wird umgangssprachlich auch als Knöchel bezeichnet. Bei einem starken Überdehnen können ein oder mehrere Bänder reißen (Sprunggelenksdistorsion).

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Bänderriss am Fuß: Häufige Fragen und Antworten

Welche Arten von Bänderrissen am Fuß gibt es?

Man unterscheidet bei einem Bänderriss am Fuß nach ihrer Lage die besonders häufig betroffenen Außenbänder von den Innenbändern. Knickt der Fuß nach innen um, bezeichnet man dies als Supinationstrauma. Dabei sind die Außenbänder betroffen. Knickt der Fuß nach außen, spricht man von einem Pronationstrauma und die Gewalteinwirkung betrifft die Innenseite (Innenband).

Kann man mit einem Bänderriss am Fuß laufen?

Wer einen Bänderriss am Sprunggelenk hat und keine knöchernen Verletzungen aufweist, erhält meist für vier bis sechs Wochen eine Schiene, die das Gelenk stabilisiert. Auch wenn eine Orthese den betroffenen Fuß entlastet, sollte man das Gelenk nicht überanstrengen. In einigen Fällen empfehlen Ärzte, beim Gehen zusätzlich Gehstützen zu nutzen, um die Belastung auf den Fuß zu mindern. Betroffene sollten je nach Schmerzen keinesfalls nur sitzen. Beim Gehen sollten sie den Fuß vielmehr möglichst normal, dafür etwas langsamer und vorsichtiger abrollen. Auf diese Weise verhindern sie einen starken Muskelabbau und Verklebungen der Bindegewebsstrukturen in der Heilungsphase.

Krankschreibung nach Bänderriss am Fuß?

Wie lange eine Krankschreibung nach einem Bänderriss am Fuß nötig ist, hängt stark vom Beruf ab. Meist erhalten Patienten eine Krankschreibung für ein bis sechs Wochen. Wer eine sitzende Tätigkeit ausübt, kann oft schon nach wenigen Tagen wieder arbeiten. Bei Berufen mit einer leichten körperlichen Tätigkeit sind Auszeiten von drei bis vier Wochen üblich. Treten dabei jedoch Schmerzen auf, gilt es, eine Pause einzulegen, die Belastung zu reduzieren oder ganz abzubrechen. Je nach Heilungsprozess können Mediziner eine Krankschreibung auch verlängern.

Sport und Autofahren nach Bänderriss am Sprunggelenk?

Circa zwölf Wochen nach einem Bänderriss am Fuß ist das Gelenk meist wieder voll einsetzbar und auch im Sport belastbar. Das beurteilt der behandelnde Arzt je nach Sportart und Heilungsstand jedoch individuell. Autofahren empfiehlt sich generell erst, sobald der Betroffene die Orthese nach etwa vier bis sechs Wochen abnimmt. Je nach Schweregrad der Verletzung kann es auch sinnvoll sein, mit dem Fahren von Fahrzeugen länger zu warten, da eine plötzliche Maximalbelastung – beispielsweise bei einer Vollbremsung – die Heilung auf jeden Fall negativ beeinflusst.

Ursachen: Woher kommt ein Bänderriss am Fuß?

Im Sprunggelenk treffen Schienbein, Wadenbein und Sprungbein aufeinander und verbinden so den Unterschenkelknochen mit den Fußwurzelknochen.

Von einer Sprunggelenksdistorsion spricht man, wenn eine starke Krafteinwirkung wie das abrupte Umknicken dazu führt, dass die elastischen Bänder im Sprunggelenk über ihre Dehnbarkeit hinaus überdehnt werden und anreißen oder reißen. Oftmals passiert das bei Ballsportarten mit schnellen Start-, Stopp- und Drehbewegungen wie Handball und Basketball. Auch ein Tritt gegen das Sprunggelenk, beispielsweise beim Fußballspielen, kann dessen Bänder verletzen.

Doch nicht nur Sportler sind betroffen. Auch ein unachtsamer Tritt auf eine Treppenstufe oder einen Stein, Umknicken beim Gehen über Kopfsteinpflaster mit hohen Schuhen sowie ein schnelles Umdrehen können schon einen Bänderriss am Sprunggelenk zur Folge haben. Generell neigen Menschen mit einer Bindegewebsschwäche eher zum Umknicken.

Symptome: Wie erkennt man einen Bänderriss am Fuß?

Ein Bänderriss am Sprunggelenk zeigt sich vor allem mit einem schlagartig einsetzenden starken Schmerz. Die Schmerzen können nach einiger Zeit manchmal wieder etwas nachlassen, die Instabilität des Gelenks aber bleibt. Meist schwillt das Fußgelenk eiförmig an und verfärbt sich durch einen Bluterguss bläulich. Wenn sich kein Blut ins Gewebe einlagert, kommt es auch nicht zum Hämatom.

Mögliche Symptome bei einem Bänderriss am Fuß auf einen Blick:

  • plötzliche Schmerzen im betroffenen Gelenk
  • Druck oder Bewegung des Gelenks verschlimmern die Schmerzen
  • Schwellung des Gelenks
  • Blaufärbung des Gewebes, Bluterguss, Hämatom
  • Einschränkung der Beweglichkeit des Gelenks
  • Entzündung
  • Rötung

Diagnose: Wie stellt der Arzt einen Bänderriss am Sprunggelenk fest?

Bei Verdacht auf einen Bänderriss am Fuß sind Orthopäden, Unfallchirurgen oder Sportmediziner die richtigen Ansprechpartner. Sie stellen bei der Anamnese Fragen zum Unfall selbst, zu den Schmerzen sowie eventuellen früheren Verletzungen und untersuchen das Fußgelenk auf Symptome, auf seine Durchblutung und Motorik. Der sogenannte Schubladentest dient beispielsweise dazu, das Fußgelenk auf die Stabilität seiner Außenbänder zu prüfen: Dabei versucht der Arzt, den Fuß bei gebeugtem Knie und fixiertem Schienbein nach vorne zu schieben. Je nach Schwellung, Hämatom, Beweglichkeit und Schmerz beurteilt der Mediziner, ob zudem eine Röntgendiagnostik nötig ist.

Röntgen bei Bänderriss am Sprunggelenk

Zum sicheren Ausschluss knöcherner Verletzungen ist Röntgen erforderlich. Damit erkennt man beispielsweise, ob Knochenbrüche (Frakturen), knöcherne Bandausrisse oder Gelenkkapselrisse vorliegen. Bei Sprunggelenksdistorsionen sind gehaltene Röntgenaufnahmen sinnvoll, um eine Bänderdehnung von einer kompletten Ruptur zu unterscheiden: Dabei untersucht der Arzt das Auseinanderklaffen der Gelenkspaltfuge mit Hilfe von Bildern in verschiedenen Ebenen. In bestimmten Fällen können auch ein Ultraschall oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) hilfreich sein, um Bindegewebsstrukturen sichtbar zu machen.

Behandlung beim Bänderriss am Fuß

Bänderrisse am Fuß sollten schnell und angemessen behandelt werden, um eventuelle Folgeschäden zu vermeiden.

PECH-Regel: Erste Hilfe bei Bänderrissen

Beim Verdacht auf eine Bänderriss am Fuß gilt die sogenannte PECH-Regel. Wer schnell reagiert, kann bei einem Bänderriss mit den Sofortmaßnahmen Schmerzen, Schwellungen und das Risiko für Einblutungen vermindern:

  • P wie Pause: Bewegung oder Belastung stoppen

  • E wie Eis: Das Knie mit Eis oder einer Kühlpackung kühlen, um Blutungen und Schwellungen einzugrenzen und Schmerzen zu reduzieren; das Eis dabei nicht direkt auf die Haut legen, sondern in ein Handtuch wickeln

  • C wie Compression: Einen nicht zu straffen Verband anlegen, um den Austritt von Gewebsflüssigkeit und Blut zu vermindern

  • H wie Hochlagern: Das Bein hochlegen, um eine starke Schwellung und das Risiko von Einblutungen zu verringern

Schmerzmittel und Physiotherapie bei Bänderriss am Sprunggelenk

Schmerzmittel: Gegen die Schmerzen können bei Bedarf Schmerzmittel wie Ibuprofen helfen.


Ruhigstellung: Die anschließende Therapie erfolgt abhängig vom Schaden an den verletzten Bändern. In den meisten Fällen empfehlen Mediziner eine vier bis sechs Wochen andauernde konservative Behandlung. Dabei stellen sie das Gelenk mit einer abnehmbaren Schiene ruhig. Je nach Schweregrad kann es sinnvoll sein, die Belastung des Sprunggelenks anfangs zusätzlich durch Gehstützen (Krücken) zu verringern.

Physiotherapie: Nach der akuten Phase der Verletzung raten Ärzte in der Regel zu physiotherapeutischen Behandlungen, um die volle Beweglichkeit wieder herzustellen, das Sprunggelenk muskulär zu stabilisieren und so das Risiko einer erneuten Verletzung zu senken.

Bei sehr ausgeprägter Schwellung können auch Lymphdrainagen zur Therapie gehören.

Operation bei Bänderriss am Fuß?

Operationen bei einem Bänderriss am Fuß sind nur in bestimmten Fällen ratsam, beispielsweise bei offenen Bandverletzungen, einer zusätzlichen Fraktur (Bruch eines Knochens) oder auch knöchernen Bandausrissen bei Kindern. Bei einer Ruptur aller drei Außenbänder sowie bei Leistungssportlern gibt es keine klare operative Therapieempfehlung. Tendenziell scheint die operative Therapie zu einer höheren Kapselbandstabilität zu führen, allerdings auch zu einer höheren Steifigkeit, zu einer längeren Arbeitsunfähigkeit und zu einem leicht erhöhten Risiko für eine spätere Arthrose.

Dauer und Spätfolgen beim Bänderriss am Fuß

Wird die Sprunggelenksdistorsion nicht rasch und angemessen behandelt, können bleibende Schäden entstehen – zum Beispiel eine Instabilität des Fußgelenks und langfristig sogar ein Verschleiß des betroffenen Gelenks (Arthrose).

Wie lange dauert ein Bänderriss am Fuß?

Je nach Schweregrad des Bänderrisses am Fuß dauert die Heilung mit einer Orthese meistens etwa vier bis sechs Wochen. Danach sollte man mit einer Sportpause von mehreren Wochen bis Monaten rechnen. Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen stellen Ärzte auch im späteren Verlauf noch eine Instabilität oder Schmerzen bei Belastung fest. Physiotherapeuten empfehlen, zeitnah mit Koordinations- und Kräftigungsübungen zu beginnen, um Muskulatur und Bänder an Bein und Fuß zu stärken und den Heilungsprozess zu beschleunigen.

Gibt es Spätfolgen nach einem Bänderriss am Sprunggelenk?

Wird ein Bänderriss am Fuß sofort erkannt und behandelt, haben Rupturen eine gute Prognose und sind meist nach vier bis sechs Wochen folgenlos ausgestanden.

Betroffene, die mit dem Sprunggelenk jedoch immer wieder umknicken, weisen häufig eine dauerhafte Bandinstabilität oder eine unvollständige Heilung auf. Auch Beschwerden durch kleine Überbeweglichkeiten im Sprunggelenk können ein Zeichen für eine Bandschwäche sein. Etwa zehn Prozent aller Patienten mit Außenbandverletzungen sind von einer chronischen Instabilität des Sprunggelenks betroffen. Die immer wieder eintretenden Verletzungen im Sprunggelenk können dann den Gelenkknorpel schädigen und schließlich zu seinem Verschleiß (Arthrose) führen.

Kann man Bänderrissen am Fuß vorbeugen?

Vorbeugen kann man einem Bänderriss nur bedingt. Koordinative und kräftigende Übungen können aber die Muskulatur um das Sprunggelenk stärken und die Bänder stabilisieren. Auch für Nicht-Sportler ist es wichtig, die Muskeln zu trainieren. Denn der Aufbau von Muskulatur rund um die Gelenke unterstützt die Fasern der Bänder und stabilisiert so den Gelenkapparat zusätzlich. Eine gute Koordination führt ebenfalls zu einem deutlich geringeren Verletzungsrisiko.

Bei der Physiotherapie nach einer Bänderverletzung stehen daher stets Koordinationsübungen und die Kräftigung der Fuß- und Beinmuskulatur im Vordergrund. Manche Physiotherapeuten empfehlen gezielte Kraft- und Balanceübungen auf dem Wackelbrett oder einem Schaumstoffpad.

Die richtigen Schuhe

Beim Sport sollte man unbedingt auf die richtigen Schuhe achten. Je nach Sportart wirken unterschiedliche Belastungen auf die Sprunggelenke. Eine gute Fachberatung beim Kauf von Sportausrüstung ist deshalb sehr wichtig. Während des Alltags empfehlen sich stabile Schuhe, die das Umknicken nicht begünstigen, wie es beispielsweise Schuhe mit hohen Absätzen tun. Ob knöchelhohe Schuhe empfehlenswert sind, spezielle Einlagen oder Pronationsstützen, sollte der behandelnde Arzt individuell klären.

Bandagen stabilisieren

Innerhalb eines Jahres nach der Bandverletzung ist die Wahrscheinlichkeit für ein erneutes Umknicken erhöht. Wer zum Umknicken neigt, Sportarten oder Aktivitäten mit höherem Risiko ausübt oder eine Instabilität im Gelenk fühlt, kann sein Sprunggelenk mit einer Sportbandage oder einem Tape stützen. Vor dem Sport sollte man gerade die Fußgelenke außerdem ausreichend aufwärmen:

Übungen: Sprunggelenke aufwärmen und stärken

  • Häufiger Wechsel zwischen Fersenstand und Zehenspitzenstand

  • Fußkreisen in beide Richtungen

  • Abwechselnd auf einem Bein stehen

  • Ein elastisches Latexband zu einer Schlaufe legen, einen Fuß in die Schlaufe stecken, den anderen auf die aufeinandergelegten Enden des Bandes stellen, nun den Fuß in der Schlaufe gegen den Zugwiderstand des gespannten Bandes nach außen ziehen und das gestreckte Bein etwa 15 Mal anheben.

  • Gummiband um den Vorfuß wickeln, Fuß anziehen und beide Enden mit den Händen halten, sodass das Band angespannt ist, nun den Fuß im Sitzen gegen den Widerstand des Bandes vom Körper weg nach vorne unten strecken, 15 Mal wiederholen.

  • Gummiband um den Vorfuß wickeln und beide Enden mit den Händen halten, auf dem Rücken liegend mit in der Luft rechtwinklig angewinkeltem Bein, der Unterschenkel dabei parallel zum Boden, nun den Fuß gegen den Widerstand nach vorne weg strecken, 15 Mal wiederholen.

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