Folgen einer Infektion

Reaktive Arthritis: Symptome und Behandlung der Gelenkentzündung

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Die reaktive Arthritis ist eine nicht-bakterielle Gelenkentzündung, die in vielen Fällen mit einer Harnröhren- und Bindehautentzündung einhergeht. Ursache ist ein gelenkferner bakterieller Infekt. Meist heilt eine reaktive Arthritis folgenlos aus, die Krankheit kann jedoch auch chronisch werden.

Frau mit Gelenkentzündung im Knie
© Getty Images/krisanapong detraphiphat

Tritt als Reaktion auf eine gelenkferne Infektion die Entzündung eines oder mehrerer Gelenke auf, spricht man von einer reaktiven Arthritis. Sie zählt zu den entzündlichen Gelenkerkrankungen (Arthritiden). Früher wurde die reaktive Arthritis auch Morbus Reiter genannt – dieser Name ist jedoch umstritten, da er vom nationalsozialistischen Arzt Hans Reiter geprägt wurde.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist eine reaktive Arthritis?

Auslöser für eine reaktive Arthritis sind oft bakterielle Infektionen des Darmes, der Harn- oder Geschlechtsorgane (beispielsweise Salmonellen oder Chlamydien). In seltenen Fällen steckt auch eine Infektion der Atemwege hinter der Erkrankung.

Die reaktive Arthritis ist weltweit verbreitet, die Mehrheit der Betroffenen ist jünger als 40 Jahre. Bis zu 30 Prozent der Menschen entwickeln nach einer Magen-Darm-Infektion mit Enterobakterien eine reaktive Arthritis, nach einem Harnwegsinfekt mit Chlamydien sind bis zu drei Prozent betroffen.

Symptome: So äußert sich die reaktive Arthritis

Die typischen Symptome der reaktiven Arthritis treten meist zwei bis vier Wochen nach der auslösenden Infektion auf. Die Betroffenen leiden unter Schmerzen, Schwellungen und Überwärmung in den großen Gelenken der unteren Extremität – also in den Hüft-, Knie- und Sprunggelenken. In seltenen Fällen sind auch andere Gelenke betroffen, bei HLA-B27-positiven Menschen auch das Achsenskelett. HLA-B27 ist ein Eiweiß, das eine Rolle bei der Immunaktivierung spielt und als Risikofaktor für einen längeren Krankheitsverlauf und eine Entzündung des Achsenskeletts (vom Schädel bis zum Steißbein) gilt.

Meist schmerzen nur ein oder wenige Gelenke, in diesem Fall spricht man von einer Mono- oder Oligoarthritis. Sind fünf oder mehr Gelenke entzündet, liegt eine Polyarthritis vor. Manchmal wandert die Entzündung auch von einem Gelenk zum anderen.

In den meisten Fällen bleibt es nicht bei den Gelenkbeschwerden, sondern es liegt eine Kombination von Symptomen (Syndrom) vor. Diese ist typisch für Morbus Reiter, deshalb sprechen Fachleute hier auch von der "Reiter-Trias":

Kommt es darüber hinaus auch noch zu Hautveränderungen (wie Ausschläge oder Verhornung) beispielsweise an den Fußsohlen, sprechen Fachleute von der "Reiter-Tetrade". Manchmal treten zusätzlich Veränderungen an der Mundschleimhaut oder schmerzhafte, rötlich-blaue Knoten an Sprunggelenken und Unterschenkeln (Erythema nodosa) auf.

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Ursachen und Risikofaktoren der Gelenkerkrankung

Die reaktive Arthritis ist eine postinfektiöse Arthritis, die als Folge einer bakteriellen Infektion an einer anderen Stelle des Körpers auftritt. Abhängig von der Primärinfektion werden folgende Formen der Gelenkerkrankung unterschieden:

  • postenteritisch: nach einem Magen-Darm-Infekt mit Campylobacter, Salmonellen, Shigellen oder Yersinien

  • posturethritisch: nach einer urogenitalen Infektion mit Chlamydien, Gonorrhoe oder Mykoplasmen

Auch nach einer Infektion der Atemwege kann sich in seltenen Fällen eine reaktive Arthritis entwickeln.

Wie genau die reaktive Arthritis als Folge einer anderen Infektion entsteht, ist noch unklar. Fachleuten ist es jedoch gelungen, bestimmte Bakterien oder Bakterienbestandteile in den Gelenken von Menschen mit reaktiver Arthritis nachzuweisen. Es wird vermutet, dass diese inaktiven Erreger als Fremdstoffe erkannt werden und eine Entzündung auslösen.

Ob es zu dieser Immunreaktion kommt, hat eine genetische Komponente: Bei etwa der Hälfte der Patient*innen ist der Erbfaktor HLA-B27 nachweisbar, den in Deutschland nur acht Prozent der Bevölkerung haben.

Diagnose bei Verdacht auf reaktive Arthritis

Immer wenn bei einem relativ jungen Menschen eine Entzündung eines oder mehrerer großer Gelenke auftritt, denken Fachleute an eine reaktive Arthritis. In diesem Fall werden sie die betroffene Person zunächst nach zurückliegenden Magen-Darm-, Harnwegs- oder Atemwegs-Infektionen fragen. Da die primäre Infektion jedoch manchmal unbemerkt bleibt, werden Urin und Stuhl im nächsten Schritt auf die auslösenden Erreger untersucht. Liegt die Infektion bereits länger zurück, gelingt dieser Nachweis manchmal nicht – in diesem Fall erfolgt eine Blutuntersuchung auf spezifische Antikörper gegen den Erreger. Hier lassen sich auch allgemeine Entzündungswerte – wie die Blutsenkungsgeschwindigkeit und der CRP-Wert – sowie der Erbfaktor HLA-B27 erfassen.

Um eine Infektion des Gelenkes mit Bakterien auszuschließen, wird es in einigen Fällen punktiert, um die Gelenksflüssigkeit untersuchen zu können (Synoviaanalyse). Außerdem werden die Rheumafaktoren bestimmt, um eine andere rheumatische Erkrankung auszuschließen. Mithilfe von Ultraschall- oder Röntgenaufnahmen wird das Ausmaß der Entzündung definiert und ein Gelenkverschleiß (Arthrose) als Ursache für die Entzündung ausgeschlossen.

Therapie: So wird die reaktive Arthritis behandelt

Die Therapie einer reaktiven Arthritis beginnt – sofern der ursprüngliche Erreger bekannt ist – zunächst mit einer Behandlung der zugrundeliegenden Infektion, beispielsweise mithilfe von Antibiotika. Steckt eine Chlamydien-Infektion hinter der reaktiven Arthritis, muss der*die Sexualpartner*in mitbehandelt werden, um eine wechselseitige Wiederansteckung zu verhindern.

Gegen die Gelenkbeschwerden werden nicht-steroidale Antirheumatika (NRSA) wie Diclofenac oder Ibuprofen eingesetzt. Diese wirken sowohl schmerzstillend als auch entzündungshemmend. Bei schweren Verläufen kann eine kurzzeitige Behandlung mit Kortison erforderlich sein – dieses kann direkt in das betroffene Gelenk gespritzt werden.

Klingen die Beschwerden trotz dieser Behandlung über mehrere Monate hinweg nicht ab, spricht man von einem chronischen Verlauf. In diesem Fall greift man oft zu einer Behandlung mit immununterdrückenden Medikamenten (Immunsuppressiva) oder einer speziellen antirheumatischen Therapie (disease-modyfying anti-rheumatic drugs, DMARDs).

Ergänzend zu der Behandlung mit Medikamenten können Physio- und/oder Kältetherapie die Schmerzen lindern, die Beweglichkeit erhalten und einem Muskelverlust vorbeugen. Sind auch die Augen von der reaktiven Arthritis betroffen, muss unbedingt eine augenärztliche Praxis aufgesucht werden, um spätere Sehstörungen zu verhindern.

Verlauf und Prognose

In den meisten Fällen heilt eine reaktive Arthritis innerhalb weniger Monate vollständig aus, die mittlere Erkrankungsdauer beträgt sechs Monate. In circa 20 Prozent der Fälle kommt es jedoch zu einem chronischen Verlauf, vor allem bei HLA-B27-positiven Patient*innen. Bei ihnen kommt es auch häufiger zu Rückfällen.

Ernährung bei reaktiver Arthritis

Da die reaktive Arthritis mit Entzündungsprozessen einhergeht, empfiehlt sich eine entzündungshemmende Ernährung. Diese beinhaltet unter anderem:

  • Omega-3-Fettsäuren (in Kaltwasserfischen wie Lachs, Makrele, Hering)

  • wasserlösliche Ballaststoffe (in Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten)

  • Gewürze und Kräuter

  • sekundäre Pflanzenstoffe (in roten Weintrauben, Ananas, roten Zwiebeln)

  • probiotische Lebensmittel (Sauerkraut, Kefir, Miso)

  • Verzicht auf rotes oder verarbeitetes Fleisch, gesättigte Fettsäuren und Lebensmittel mit hohem glykämischen Index

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