Wenn Parasiten krank machen

Toxoplasmose: Infektion in der Schwangerschaft besonders gefährlich

Bei Toxoplasmose siedelt sich der Parasit Toxoplasma gondii im Körper an und löst grippeähnliche Symptome aus. Besonders gefährlich ist Toxoplasmose für Schwangere und ihr Ungeborenes.

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Durch Kontakt mit Katzen und insbesondere Katzenkot kann man sich mit Toxoplasmose infizieren.
© iStock.com/Warchi

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch den einzelligen Parasiten Toxoplasma gondii ausgelöst wird. Sie gehört zu den Zoonosen. Dabei handelt es sich um Infektionen, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Endwirt und damit Hauptüberträger sind Katzen.

Die Toxoplasmose kommt in allen Regionen der Welt vor. Entsprechend weit ist sie verbreitet: In Deutschland sind durchschnittlich 50 Prozent der Erwachsenen mit Toxoplasmose infiziert (Seroprävalenz). Mit zunehmendem Alter steigt die Durchseuchungsrate an und erreicht bei den über 70-Jährigen mehr als 70 Prozent. Eine Meldepflicht der Infektion besteht nur für angeborene Infektionen, nicht aber für Infektionen, die im Laufe des Lebens auftreten. Der Name der betroffenen Person muss dabei nicht genannt werden.

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Welche Symptome bei Toxoplasmose?

Die Erstinfektion mit Toxoplasmose verläuft bei gesunden Menschen in der Regel ohne oder nur mit schwach ausgeprägten Symptomen. Zeigen sich Beschwerden, sind sie meist nicht eindeutig zuzuordnen. Häufig kommt es zu einem grippeähnlichen Gefühl mit leichtem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Am Hals schwellen meist die Lymphknoten an, die dann als vergrößerte Knoten tastbar sind. Meist wird die Infektion mit Toxoplasmose jedoch von Betroffene nicht als solche bemerkt. In seltenen Fällen kann die Toxoplasmose auch die Augen oder andere Organe wie die Lunge oder das Gehirn betreffen. Dann kommt es zu Entzündungen des jeweiligen Organs.

Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem verläuft die Infektion schwerer mit ausgeprägten Symptomen. Dazu gehört ein schweres Grippegefühl mit starken Kopf- und Gliederschmerzen und hohem Fieber. Es kann außerdem zu Nackensteifheit, Bewusstseinsstörungen und Lähmungen kommen. Bei Patienten mit HIV-Infektion und AIDS macht sich die Toxoplasmose am häufigsten als Gehirnentzündung (Enzephalitis) bemerkbar. Je nachdem, welche Region des Gehirns betroffen ist, äußern sich die Symptome unterschiedlich: Von Kopfschmerzen über veränderte Wesenszüge bis hin zu Lähmungen kann sich die Gehirnentzündung zeigen.

Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Tritt eine Erstinfektion mit Toxoplasmose in der Schwangerschaft auf, kann das Ungeborene geschädigt werden. Mit zunehmender Dauer der Schwangerschaft steigt das Risiko der Übertragung von Toxoplasma gondii auf den Fötus. Je nach Stadium der Schwangerschaft sind Schädigungen des zentralen Nervensystems (ZNS) oder der Organe (zum Beispiel der Augen) beim Ungeborenen möglich.

Tritt die Infektion im ersten Schwangerschaftsdrittel ein, ist das Risiko einer Fehl- oder Totgeburt besonders groß. Kommt es dagegen im zweiten oder dritten Schwangerschaftsdrittel zu einer Infektion mit Toxoplasmose, verläuft diese meist symptomlos. Erst im späteren Verlauf ihres Lebens leiden die betroffenen Kinder an Spätfolgen wie Epilepsie, Schielen oder Taubheit.

Toxoplasma gondii: Wie kann Toxoplasmose übertragen werden?

Der Parasit Toxoplasma gondii ist der Verursacher von Toxoplasmose. Über zwei Hauptwege wird die Infektion auf den Menschen übertragen:

  1. Verzehr von rohem oder ungenügend gegartem Fleisch
  2. Schmutz- und Schmierinfektionen durch beispielsweise Gartenarbeit oder Kontakt zu Katzen

Besonders groß ist die Ansteckungsgefahr für Menschen durch den Verzehr von rohem oder nicht ausreichend gegartem Fleisch und Fleischprodukten. Häufige Quellen für Toxoplasma gondii sind Schweine-, Schaf- und Ziegenfleisch sowie Wild und Geflügel. Weitere mögliche Ansteckungswege sind durch Schmutz- und Schmierinfektionen mit unzureichend gewaschenem rohem Gemüse und Salat sowie Früchten, die in der Nähe des Erdbodens wachsen, zum Beispiel Erdbeeren. Vor allem in feuchter Erde können die Parasiten lange überleben. Daher kann man sich zum Beispiel bei der Gartenarbeit mit Toxoplasmose infizieren.

Auch im Kot von frisch mit Toxoplasmose infizierten Katzen kann sich Toxoplasma gondii befinden. Unter günstigen Bedingungen kann der Parasit einige Monate überleben und ist damit ein möglicher Übertragungsweg für den Menschen. Wenn Hunde Katzenkot, der Toxoplasma gondii enthält fressen, können auch sie den Parasiten auf den Menschen übertragen.

In seltenen Fällen erfolgt die Übertragung durch die Plazenta während der Schwangerschaft von der infizierten Mutter auf das Ungeborene. Dies geschieht normalerweise nur bei Erstinfektionen in der Schwangerschaft. Wenn sich die werdende Mutter bereits vor der Schwangerschaft mit Toxoplasmose infiziert hatte, besteht dagegen kaum Gefahr für das Kind. Denn in diesem Fall werden die Antikörper der Mutter auch an das Ungeborene weitergegeben und schützen dieses vor einer Ansteckung mit Toxoplasmose. Möglich ist zudem die Übertragung des Parasiten im Rahmen einer Organtransplantation.

Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen

Der Parasit Toxoplasma gondii befällt nach einer Inkubationszeit von etwa zwei bis drei Wochen überall im menschlichen Körper Zellen und ruft Entzündungen hervor.

Diagnose von Toxoplasmose: Test auf Antikörper

Die Diagnose von Toxoplasmose erfolgt über eine Blutuntersuchung. Im Rahmen eines Tests werden dafür Antikörper gegen den ursächlichen Parasiten Toxoplasma gondii im Blut nachgewiesen. Befinden sich sowohl das IgG- als auch das IgM-Antigen in der Blutprobe, gilt eine Infektion mit Toxoplasmose als sicher. Ob es sich um eine frische oder bereits zurück liegende Infektion handelt, kann der Arzt anhand der Art und Menge der Antikörper sagen.

Fällt der Nachweis von Antikörpern negativ aus, erfolgt der Nachweis von Toxoplasma gondii im Rahmen einer Stufendiagnostik durch verschiedene spezifische Antikörper-Tests. Dies gilt insbesondere bei Betroffenen mit Immunschwäche, da ihr Körper nicht genügend Antikörper herstellen kann und diese entsprechend nicht nachgewiesen werden.

Obwohl ein Test auf Toxoplasmose nur bei Verdacht auf eine Infektion durchgeführt wird, sollten sich Frauen mit Kinderwunsch oder in der frühen Phase der Schwangerschaft untersuchen lassen, um eine Infektion und mögliche Folgeschäden für ihr Ungeborenes zu vermeiden.

Direkter Nachweis von Toxoplasmose

Oft wird bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem der direkte Erregernachweis durchgeführt. Dazu werden Gewebeproben oder Körperflüssigkeiten auf den Parasiten selbst oder DNA von Toxoplasma gondii untersucht. Bei Verdacht auf eine Infektion während der Schwangerschaft können das Fruchtwasser oder Nabelschnurblut untersucht werden, um eine Infektion mit Toxoplasmose des Ungeborenen festzustellen.

Therapie mit Medikamenten

Bei einem gesunden Immunsystem kann der Körper die Infektion meist selbst abwehren, zumal die Erstinfektion mit Toxoplasma gondii häufig gar nicht bemerkt wird. Zeigen sich dagegen starke Symptome, werden Medikamente eingesetzt. Eine Therapie wird außerdem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem sowie bei einer Toxoplasmose während der Schwangerschaft und nach der Geburt durchgeführt.

Alle Medikamente, die zur Behandlung eingesetzt werden, hemmen bestimmte Stoffwechselvorgänge (Folsäure- und Proteinsynthese) des Toxoplasmose-Erregers. Ärzte setzen bestimmte Antibiotika und Antiparasitika mit den Wirkstoffen Spiramycin, Pyrimethamin, Sulfadiazin, Clindamycin und Atovaquone sowie Folsäure-Antagonisten ein. In der Regel dauert die Behandlung vier Wochen.

Therapie bei Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Kommt es während der Schwangerschaft zu einer Erstinfektion mit Toxoplasmose, ist eine Behandlung zwingend erforderlich. Wird während der Schwangerschaft eine Frau mit Folsäure-Antagonisten behandelt, sollte eine Supplementation mit Folsäure durch Folinsäure ersetzt werden. Andernfalls könnte die Therapie der Toxoplasmose nicht anschlagen, wenn weiterhin Folsäure supplementiert wird, wovon auch der Parasit profitieren kann.

Verlauf der Infektion mit Toxoplasmose

In der Regel verläuft Toxoplasmose harmlos. Lediglich die angeschwollenen Lymphknoten können noch mehrere Wochen nach Abheilung der Infektion fortbestehen. Nach der Erstinfektion mit Toxoplasmose besteht ein lebenslanger Immunschutz.

Bei einer Immunschwäche ist die Prognose abhängig von der Schwere der Infektion sowie vom Allgemeinzustand.

Einfache Maßnahmen zur Vorbeugung

Eine Infektion mit Toxoplasma gondii lässt sich nicht sicher verhindern. Jedoch verringert man die Wahrscheinlichkeit einer Toxoplasmose erheblich, wenn man Hygiene- und Verhaltensregeln einhält.

Typische Risikofaktoren für Toxoplasmose vermeiden:

  • Kein Genuss von rohem oder ungenügend gegartem Fleisch

  • Rohes Obst und Gemüse vor dem Verzehr waschen oder schälen

  • Küchengeräte und Schneidebretter nach dem Gebrauch gründlich spülen

  • Hände vor dem Essen waschen

  • Bei der Gartenarbeit Handschuhe tragen

  • Nach der Gartenarbeit oder dem Besuch von Sandspielplätzen Hände waschen

  • Kein direkter Kontakt mit Katzenkot; insbesondere Schwangere sollten darauf achten

  • Schwangere und immungeschwächte Menschen sollten freilaufende Katzen nicht streicheln

Bei Halten einer Katze innerhalb der Wohnung in der Umgebung der Schwangeren sollte diese mit Dosen- und/oder Trockenfutter und nicht mit rohem Fleisch ernährt werden. Empfehlenswert ist die regelmäßige Reinigung der Katzentoilette mit heißem Wasser. Während einer Schwangerschaft sollte auf das Säubern der Katzentoilette verzichtet werden. Wenn das nicht möglich ist, ist es ratsam, dabei Handschuhe zu tragen.

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