Ehrlichiose: Durch Zecken übertragene Infektion

Ehrlichiosen sind Infektionskrankheiten, die von Zecken auf den Menschen übertragen werden. Die Ehrlichien können zu schweren akuten oder chronischen Infektionen mit Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskel-, Gelenkschmerzen, Leber- und Nierenfunktionsstörungen führen.

Holzbock (Zecke) auf Finger
Zecken, wie hier der Holzbock, können Ehrlichiose auf den Menschen übertragen.
(c) iStockphoto/ArtBoyMB

Ehrlichien sind kugelförmige Bakterien. Von den bisher bekannten Ehrlichien-Arten können vier über Zecken auf den Menschen übertragen werden.

Ehrlichiosen gehören zu den neu aufgetretenen Infektionskrankheiten (Emerging Infectious Diseases), die bisher eher selten diagnostiziert wurden. Der erste bekannte schwere Fall beim Menschen trat 1986 in den USA auf. Bis dahin war die Ehrlichiose nur bei Tieren bekannt, etwa Hunden. Bei hohem Fieber unklarer Ursache sollte während der Zeckensaison an eine Ehrlichiose gedacht werden. Es gibt verschiedene Arten von Ehrlichien.

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Inkubationszeit und Symptome einer Ehrlichien-Infektion

Nach einer Ansteckung mit Ehrlichien dauert es mitunter wenige Tage bis zu vier Wochen, bis sich erste Symptome zeigen. Die Beschwerden sind in der Regel zunächst unspezifisch und können grippeähnlich, aber sehr stark ausgeprägt sein: Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit. Dazu treten womöglich Schüttelfrost oder Schweißausbrüche, oft sehr starke Kopfschmerzen sowie Muskel- und Gelenkschmerzen auf. Oft kommt es auch Magen-Darm-Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Auch unter Lungenentzündung mit trockenem Husten kann ein Teil der Betroffenen leiden. Bei Kindern treten unter Umständen Hautausschläge auf. Ehrlichiose kann zu vielen Komplikationen führen und im schlimmsten Fall sogar tödlich enden.

Neben dem symptomischen Verlauf gibt es auch einen asymptomatischen, das heißt die Infektion mit Ehrlichien läuft in über der Hälfte aller Fälle unbemerkt ab.

Überblick der möglichen Symptome

  • Frösteln
  • Übelkeit
  • hohes Fieber
  • starke Kopfschmerzen
  • Unwohlsein/Übelkeit
  • Muskelschmerzen
  • Gelenkbeschwerden
  • Erbrechen
  • Atmungsbeschwerden bis hin zur Luftnot
  • Blutvergiftungsähnliche Beschwerden
  • Hautausschlag (selten)

Übertragung und Risikogruppen der Ehrlichiose

Vom Infektionsweg her ist die Ehrlichiose als Zoonose anzusehen, die von verschiedenen Wildtieren ausgeht und der Mensch durch Zecken angesteckt wird, die als Überträger fungieren. Beim Menschen ruft die Ehrlichiose unter Umständen schwerwiegende Beschwerden hervor.

Die humane granulozytäre Ehrlichiose (HGE) wird von einer besonderen Ehrlichien-Art hervorgerufen. Die kugelförmigen Ehrlichien gehören zur Bakterienfamilie der Rickettsien. Ehrlichien werden per Zeckenbiss auf den Menschen übertragen.

Sind die Ehrlichien in die Blutbahn des Wirts gelangt, dann befallen sie eine bestimmte Form weißer Blutkörperchen (Granulozyten), die eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen. Sie werden nicht wie andere Bakterienarten von den Granulozyten umschlossen und mit Hilfe von Enzymen unschädlich gemacht (Phagozytose). Die Ehrlichien sind in der Lage, dem Abwehrmechanismus der Granulozyten zu entgehen, indem sie in diese eindringen und sich in ihnen vermehren. Auf diese Weise verhindern die Ehrlichien, dass die infizierten Granulozyten andere Bakterien unschädlich machen können und so ihre Abwehrfunktion nicht mehr ausüben können.

Eine Zecke kann bei einem Stich auch mehrere Erreger übertragen, sodass Doppelinfektionen (neben Ehrlichiose beispielsweise auch oder ) übertragen werden können.

Risikogruppen

Zur Risikogruppe für Ehrlichiosen zählen Menschen, die sich beruflich bedingt viel im Wald aufhalten, zum Beispiel Waldarbeiter und Förster. Aber auch bei Freizeitaktivitäten in Wald und Flur besteht ein Übertragungsrisiko.

Wie schwer die Erkrankung letztendlich abläuft, hängt vor allem vom Lebensalter der Person und von dem Zustand ihres Immunsystems ab.

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Wie findet der Arzt heraus, ob man an Ehrlichiose leidet?

Die Diagnose einer humanen granulozytären Ehrlichiose besteht neben der körperlichen Untersuchung aus Blutuntersuchungen, immunologischen Untersuchungen des Blutserums und molekularbiologische Methoden.

Im Blutbild zeigt sich eine vorliegende HGE typischerweise durch eine erhöhte Leukozytenzahl (Zahl der weißen Blutkörperchen) und eine erniedrigte Anzahl an Thrombozyten (Blutplättchen). Außerdem können auch die Leberwerte erhöht sein.

Zur Diagnosesicherung wird der Erreger durch die Bestimmung von Antikörpern im Blutserum sowie durch die Polymerase-Chain-Reaction (PCR beziehungsweise Polymerase-Kettenreaktion), einer besonderen molekularbiologischen Methode, festgestellt. Mittels PCR wird ein kurzes Stück der Erbsubstanz (DNA) des Erregers vervielfältigt. Durch die anschließende Untersuchung der molekularen Bausteine, aus denen sich dieses DNA-Stück zusammensetzt, lässt sich dann nachweisen, ob es sich tatsächlich um das gesuchte Bakterium handelt oder nicht.

Da die Symptome unspezifisch sind und zudem sehr unterschiedlich sein können, müssen einige ähnlich verlaufende Erkrankungen, wie Borreliose, Babesiose oder Typhus, ausgeschlossen werden. Deshalb werden bei Symptomen wie Abgeschlagenheit, Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen und einem vorangegangenen Zeckenbiss Blutuntersuchungen eingeleitet, die nach verschiedenen Erregern suchen.

Ergibt sich bereits aus den Befunden der körperlichen Untersuchung sowie aus den Laborwerten ein begründeter Verdacht, dass der Betroffene unter einer Ehrlichiose leidet, dann sollte bereits mit der Therapie begonnen werden, bevor die Untersuchungen zur Diagnosesicherung abgeschlossen sind.

Antibiotika bei Ehrlichiose notwendig

In manchen Fällen kann das Immunsystem des Patienten eine Ehrlichiose ohne Behandlung überwinden. Normalerweise ist der Ehrlichienbefall aber so stark, dass das Immunsystem es selbst nicht schafft, die Erreger zu vernichten, sondern ein Antibiotikum eingesetzt werden muss. Geeignete Antibiotika sind Doxycyclin (aus der Gruppe der Tetracycline) oder Rifampicin.

Eine einzelne Zecke kann auch Überträger von mehreren Krankheitserregern gleichzeitig sein. Ist beispielsweise eine Zecke sowohl mit Ehrlichien als auch mit Borrelia burgdorferi, dem Erreger der Borreliose, infiziert, steigt das Risiko für eine Doppelinfektion, je später die Zecke nach dem Befall entdeckt wird. In diesem Fall ist es möglich, dass die wesentlich ernstere Borreliose durch eine Beschwerden machende Ehrlichiose überdeckt wird. Daher verabreichen einige Ärzte dem Betroffenen Antibiotika über einen vierwöchigen Zeitraum, um beide Erkrankungen auszuheilen.

Wie verläuft eine Ehrlichiose?

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In der Regel gehen die Beschwerden der Ehrlichiose nach Beginn der Antibiotika-Behandlung innerhalb von 24 bis 48 Stunden zurück. Nach dieser Zeit ist meist ein rascher Abfall des Fiebers zu beobachten. Bis zur vollständigen Ausheilung der Ehrlichiose kann es allerdings Wochen dauern.

Je nachdem, wie stark der Ehrlichienbefall, wie schwach das Immunsystem des Betroffenen und wie alt dieser ist, kann sich die Anfälligkeit für andere Erkrankungen erhöhen. In der Folge nimmt die Ehrlichiose einen schweren Krankheitsverlauf und endet unter Umständen tödlich.

Wie kann ich Zecken und somit einer Ehrlichiose vorbeugen?

Da eine Ehrlichiose durch Bakterien ausgelöst wird, ist eine Impfung nicht möglich. Die beste Vorbeugung ist ein Schutz gegen Zeckenbisse. Besonders in Waldgebieten und hohem Gras sollten zur Zeckensaison lange Hosen und langärmelige Shirts getragen werden. Helle Kleidung ist dabei empfehlenswert, da sie das Zeckenrisiko senkt und es leicht macht, die kleine, noch laufenden Tierchen gleichzeitig zu entdecken und vor dem Zubeißen zu entfernen.

Außerdem helfen Abwehrmittel gegen Zecken (), die auf nackte Haut und auch auf die Kleidung aufgetragen werden sollten. Diese verlieren nach einiger Zeit ihre Wirkung und sollten deshalb regelmäßig neu aufgetragen werden.

Hat sich eine Zecke festgebissen, sollte diese möglichst schnell sorgfältig entfernt werden, um einer Übertragung von Ehrlichien zuvorzukommen. Diese benötigen nämlich für eine wirkungsvolle Übertragung eine Saugzeit von etwa 24 Stunden.

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