Extreme Stimmungsschwankungen

Borderline-Syndrom: Achterbahnfahrt der Gefühle

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Das Borderline-Syndrom ist eine ernsthafte psychische Erkrankung. Sie kann das Leben und den Alltag Betroffener und auch der Mitmenschen erheblich beeinträchtigen. Was ist Borderline, was sind die Ursachen und wie kann die Persönlichkeitsstörung behandelt werden?

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© Getty Images/StefaNikolic

Borderline wird auch als Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS), Borderline-Störung oder Borderline-Syndrom bezeichnet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ordnet die psychische Erkrankung den emotional instabilen Persönlichkeitsstörungen zu.

Schätzungen zufolge betrifft eine Borderline-Störung etwa drei Prozent der Bevölkerung. Erste Anzeichen entwickeln sich oft schon in jungem Alter. Die meisten Betroffenen erkranken zwischen 15 und 45 Jahren. Die Borderline-Störung trifft Frauen und Männer vermutlich gleichermaßen. Allerdings vertrauen sich mehr Frauen als Männer einer*einem Ärztin*Arzt an, sodass die Diagnose Borderline häufiger bei Frauen gestellt wird.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist Borderline?

Das Borderline-Syndrom ist eine Persönlichkeitsstörung, die von Fachleuten als ein sehr schweres psychiatrisches Krankheitsbild eingestuft wird. Der Begriff "Borderline" kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt so viel wie Grenzlinie. Seinen Ursprung hat der Name darin, dass Menschen mit Borderline sowohl Symptome einer Neurose als auch einer Psychose zeigen, also an der Grenze oder im Übergangsbereich zwischen beiden Krankheitsbildern liegen.

Menschen mit Borderline fällt es schwer, ihre oft intensiven Gefühle unter Kontrolle zu halten. Sie leiden unter heftigen Gefühlsausbrüchen und Stimmungsschwankungen, die ihren Alltag, das Leben ihrer Mitmenschen sowie sämtliche zwischenmenschlichen Beziehungen erheblich beeinflussen. Die Gefühle und Gedanken von Menschen mit Borderline-Syndrom können sich schon beim geringsten Anlass von einer Minute zur nächsten ändern. Charakteristisch für Borderline sind Impulsivität und emotionale Instabilität, also beispielsweise plötzliche Wutanfälle.

Symptome: Borderline erkennen

Ein Borderline-Syndrom äußert sich in vielfältigen Symptomen, die Betroffene individuell unterschiedlich erleben. Die American Psychiatric Association (APA) beschreibt in ihrem "Diagnostischen und statistischen Handbuch psychischer Störungen" (DSM) neun typische Symptome der Borderline-Persönlichkeistsstörung:

  • Angst vor dem Verlassenwerden: Menschen mit BPS versuchen verzweifelt, Trennungen und Einsamkeit zu vermeiden.

  • Intensive, aber instabile Beziehungen: Aufgrund der Angst, verlassen zu werden, ist die Beziehung von Personen mit Borderline zu ihren Partner*innen anfangs meist sehr intensiv (Idealisierung). Die anfängliche Bewunderung kann aber schnell in Abwertung umschlagen (Entwertung). Später gerät die Partnerschaft wegen der starken Gefühlsschwankungen in Gefahr.

  • Störung der Identität: Betroffene stellen sich selbst und ihren Körper infrage. Ihre Selbstwahrnehmung ist gestört. Sie sind unsicher und verlieren sich in einem Vorgang der Selbstfindung.

  • Impulsivität: Eine starke Impulsivität geht oft mit Rücksichtslosigkeit einher. Menschen mit Borderline sind schnell reizbar und zeigen eine erhöhte Bereitschaft, sich Gefahren auszusetzen.

  • Selbstverletzung und angedrohter Suizid : Selbstverletzungen sind oft der verzweifelte Versuch von Menschen mit Persönlichkeitsstörungen, den Kontakt zur Realität wiederherzustellen. Auch dient das selbstverletzende Verhalten (zum Beispiel "Ritzen") dazu, die innere Anspannung und den Druck zu lindern. Drohungen mit einem Suizid oder Versuche, sich das Leben zu nehmen, geschehen häufig nach oder bei erwarteten Zurückweisungen.

  • Stimmungsschwankungen: Menschen mit Borderline erleben sowohl positive als auch negative Emotionen sehr intensiv, wobei negative Gefühlszustände meist überwiegen und auch länger andauern.

  • Andauerndes Gefühl von Leere: Für Betroffene erscheinen Dinge oft sinnlos und langweilig. Eine innere Leere führt zum Verlust der Identität und lässt sie verzweifeln.

  • Wut: Menschen mit Borderline besitzen oft eine sehr niedrige Reizschwelle. Sie können Wutanfälle schlecht kontrollieren und sind sogar zu körperlichen Auseinandersetzungen bereit.

  • Stressabhängiger Realitätsverlust: Oft sind Betroffene anderen Personen gegenüber sehr misstrauisch eingestellt.

Man spricht von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, wenn bei einem Menschen mindestens fünf dieser Symptome auftreten.

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Ursachen und Auslöser der Borderline-Störung

Es gibt verschiedene Ursachen für die Entstehung von Borderline. Fachleute gehen heute davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, damit sich die Krankheit entwickelt. Es ist anzunehmen, dass Gene eine wichtige Rolle spielen: Erbliche Faktoren beeinflussen, ob ein Mensch emotional instabil ist, eine erhöhte Empfindlichkeit besitzt oder das Selbstbild und die Selbstwahrnehmung gestört sind. Kommen ungünstige Umwelteinflüsse hinzu, etwa Gewalterfahrungen oder Traumata, wie zum Beispiel ein sexueller Missbrauch, kann eine Borderline-Persönlichkeitsstörung entstehen.

Kindheitserlebnisse als Auslöser von Borderline

Die Wurzeln der Störung können in der Kindheit liegen. So zeigen sich erste Anzeichen für  Borderline oft schon im Jugendalter. Mögliche Faktoren, die zur Entwicklung der psychischen Krankheit beitragen, sind:

  • Ungeordnete, schwierige Familienverhältnisse
  • Sexueller Missbrauch
  • Körperliche und seelische Vernachlässigung
  • Gewalterfahrungen
  • Psychische Belastungen

Allerdings kann sich eine Borderline-Störung auch bei Menschen entwickeln, die in intakten Familienverhältnissen aufwachsen. Ein mangelndes Selbstwertgefühl hat ebenfalls eine Bedeutung. Menschen, die in ihrer Kindheit traumatische Erlebnisse hatten, besitzen als Erwachsene oft kaum Selbstbewusstsein. Sie sind generell anfälliger für psychische Erkrankungen.


Diagnose: So lässt sich eine Borderline-Störung feststellen

Fachleute der Psychiatrie oder Psychotherapie können eine Borderline-Störung durch Gespräche, gezielte Fragen, die Beobachtung von Verhaltensweisen und typischen Persönlichkeitsmerkmalen erkennen. Das setzt ein Vertrauensverhältnis zwischen Patient*in und Arzt*Ärtzin voraus.

Kriterien für die Borderline-Diagnose

Im ausführlichen Gespräch können beispielsweise folgende Fragen gestellt werden:

  • Haben Sie Angst, allein zu sein oder verlassen zu werden?
  • Idealisieren oder entwerten Sie nahestehende und geliebte Menschen?
  • Wie nehmen Sie sich selbst wahr?
  • Wie impulsiv sind Sie? Wichtige Anhaltspunkte sind zum Beispiel Ihr Kaufverhalten, eine rücksichtslose Fahrweise oder übersteigerte Sexualität.
  • Verletzen sie sich selbst oder haben Sie Suizidgedanken?
  • Verspüren Sie öfter eine innere Leere?
  • Haben Sie häufiger Wutanfälle?
  • Leiden sie in stressigen Situationen unter paranoiden Vorstellungen?

Oft helfen schon Gespräche weiter

Wurde anhand der Symptome und Krankengeschichte (Anamnese) die Diagnose Borderline gestellt, wird gemeinsam mit Betroffenen eine individuelle Therapie beschlossen. Damit die Behandlung erfolgreich ist, muss sie gezielt auf die speziellen Probleme und die Persönlichkeitsstruktur der Person zugeschnitten sein.

Psychotherapie wichtig bei Behandlung von Borderline

Menschen mit einer Borderline-Diagnose profitieren in der Regel von einer Psychotherapie. Wie diese genau aussieht, ist individuell verschieden. Es hängt unter anderem von der vermuteten Ursache der Störung ab, etwa ob Traumata in der Kindheit vorliegen, die es aufzuarbeiten gilt.

Auch Familie und Freunde sind wichtige Stützen in der Behandlung. Die Bezugspersonen helfen zusätzlich bei der Bewältigung täglicher Probleme und bannen Gefahren, die im selbstverletzenden Verhalten lauern.

Wichtig ist es, dass die Psychotherapie regelmäßig durchgeführt und nicht plötzlich abgebrochen wird. Aufgrund der starken Stimmungsschwankungen liegt hierin ein erhöhtes Risiko, das Betroffene und ihr Umfeld im Auge behalten sollten.

Medikamente gegen Borderline

Ob und welche medikamentöse Therapie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung sinnvoll ist, hängt unter anderem von den Symptomen ab. Bei schweren Angstzuständen oder Aggressionen – besonders gegen sich selbst – sowie bei Depressionen setzen Ärzt*innen zum Beispiel Antidepressiva ein. Diese hellen die Stimmung auf, beruhigen und lösen Angstzustände.

Verlauf bei Borderline

Wie eine Borderline-Störung verläuft, lässt sich im Einzelfall nicht vorhersagen. Da das Syndrom seine Wurzeln häufig in der Kindheit hat, zeigen sich möglicherweise schon in diesem Alter erste Anzeichen. Sie verstärken sich oft im Lauf der Persönlichkeitsentwicklung bis zum Erwachsenenalter und nehmen dann wieder ab. Noch unklar ist, ob sich stattdessen andere Symptome ausprägen, zum Beispiel ein Alkohol- oder Tablettenmissbrauch.

Eine Psychotherapie sowie ein stabiles soziales Umfeld, in dem die Familie und Freunde unterstützen, wirken sich positiv auf den Verlauf der Borderline-Persönlichkeitsstörung aus. In vielen Fällen bessern sich die Symptome oder sie verschwinden völlig. Allerdings ist die Suizidrate bei Menschen mit Borderline erhöht. Umso wichtiger ist es, das Krankheitsbild zu diagnostizieren und zu behandeln.

Kann man einem Borderline-Syndrom vorbeugen?

Einer Borderline-Persönlichkeitsstörung kann nicht direkt vorgebeugt werden. Suchen Sie sich frühzeitig Hilfe, wenn Sie seelische Probleme oder starke Gefühls- und Stimmungsschwankungen bei sich feststellen. Das gleiche gilt, wenn Sie in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen sind oder in Ihrer Kindheit traumatische Erfahrungen gemacht, etwa Gewalt oder sexuellen Missbrauch erlebt haben. Sprechen Sie am besten auch mit Ihrer Familie und wichtigen Bezugspersonen über psychische Probleme oder Symptome, die auf eine seelische Störung hinweisen könnten.

Vermeiden Sie Stress

Achten Sie darauf, dass Sie sich positive Erlebnisse verschaffen, die Ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl stärken. Nehmen Sie sich Auszeiten und sorgen Sie dafür, dass Sie nicht zu viel Stress in Beruf und Alltag haben. Erlernen Sie am besten eine Entspannungstechnik wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung. Wer gut entspannen kann, reagiert auch in schwierigen Situationen gelassener und behält einen kühlen Kopf.

Lassen Sie bestehende Erkrankungen behandeln, zum Beispiel ADHS. Denn manche Krankheiten können eine Persönlichkeitsstörung wie Borderline begünstigen.

Rat und Hilfe für Menschen mit Borderline

Der erste Schritt bei Borderline ist, sich Angehörigen oder nahestehenden Personen anzuvertrauen. Umgekehrt sollten Familienmitglieder oder Freunde auch selbst die Initiative ergreifen und Betroffene ansprechen, wenn sie sein Verhalten auffällig finden. Denn gerade bei einer psychischen Störung ist die Fähigkeit, Probleme bei sich selbst zu erkennen und sich selbst zu helfen, eingeschränkt.

Viele Kliniken bieten Hilfe bei einer Borderline-Störung an. Therapeut*innen helfen dabei, die richtige Therapie zu finden.

Auch im Internet finden Sie Tipps zur (Selbst-)Hilfe bei Borderline:

Portal zum Thema Borderline für Deutschland, Österreich, Schweiz

• Das Borderline-Netzwerk e.V. ist der erste europaweite Selbsthilfeverein zum Thema Borderline

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