Cannabisabhängigkeit

Cannabis als Droge: Wie gefährlich ist Kiffen wirklich?

Immer mehr Menschen befürworten die Legalisierung von Cannabis, doch Kiffen ist nicht ungefährlich. Alles über die Wirkung von Cannabis, mögliche Risiken und wie der Entzug bei einer Sucht gelingt.

Cannabis
THC ist der Hauptbestandteil in Haschisch und Marihuana. Es wirkt berauschend und entspannend.
© iStock.com/MmeEmil

Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge weltweit. Laut Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung geben etwa 27 Prozent aller Deutschen an, bereits einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert zu haben. Unter den 15- bis 34-Jährigen konsumieren etwa 14 Prozent sogar regelmäßig Cannabis. Dennoch fallen Marihuana, Haschisch und andere Produkte aus Cannabis unter das Betäubungsmittelgesetz. Damit sind der Konsum, Besitz und Anbau von Cannabis illegal.

Artikelinhalte im Überblick:

20 Fakten über Cannabis: Hätten Sie’s gewusst?

Was ist Cannabis?

Cannabis ist der lateinische Name der Hanfpflanze, die seit etwa 4.000 Jahren zur Herstellung von Kleidung, als Droge und Heilpflanze genutzt wird.

Es gibt unterschiedliche Hanfsorten:

  • Cannabis sativa ist besonders reich am Wirkstoff Cannabidiol (CBD)
  • Cannabis indica enthält deutlich mehr berauschendes Tetrahydrocannabinol (THC)
  • Cannabis ruderalis enthält weniger THC

Die meisten Cannabispflanzen sind heute Neuzüchtungen und Kreuzungen aus alten Sorten, um eine stärkere Wirkung zu erzielen.

Die berauschende Wirkung von Cannabis

Cannabis wird ausschließlich aus der weiblichen Hanfpflanze gewonnen. Die Blüten und Blätter sondern ein klebriges Harz ab, das eine berauschende und bewusstseinserweiternde Wirkung hat. Die psychogenen Wirkstoffe des THC binden im Körper an spezielle Cannabinoidrezeptoren, die im Gehirn die Freisetzung von Neurotransmittern wie Dopamin, Acetylcholin und GABA beeinflussen.

Cannabis gehört aufgrund seiner Wirkweise zu den Beruhigungsmitteln (Sedativa). Die Wirkung kann abhängig von der Person, der Art und Menge des Konsums sowie vom THC-Gehalt variieren:

  • psychotrop (die Psyche beeinflussend)
  • halluzinogen (die Sinneseindrücke verändernd)
  • euphorisierend
  • schmerzlindernd (analgetisch)
  • muskelentspannend
  • appetitanregend
  • Steigerung der Kreativität und Vorstellungskraft
  • Befreiung von Ängsten
  • gesteigerte Berührungsempfindlichkeit, geschärfte Sinne
  • Reduzierung von Aggressionen während der Wirkungsdauer

Kiffen und Haschkekse: Konsum von Cannabis

Geht es um den Konsum von Cannabis wird grundsätzlich unterschieden zwischen Haschisch und Marihuana. Der THC-Anteil von Haschisch liegt etwas über dem von Marihuana.

  • Marihuana: getrocknete Blüten und Blattspitzen, andere Namen dafür sind Gras, Heu, Weed oder Pot

  • Haschisch: zu Platten gepresstes Harz, auch als Shit oder Dope bezeichnet

Die häufigste Art, Cannabis zu konsumieren, ist Kiffen. Dabei werden Marihuana oder Haschisch meist mit Tabak vermischt und in Form von Zigaretten (Joints) oder mit einer Art Wasserpfeife ohne Schlauch (Bong) geraucht. Cannabiskenner schätzen besondere Sorten, die aus speziellen Anbaugebieten und Klimaregionen kommen. Bekannt sind sie unter Namen wie "Schwarzer Afghane", "Roter Libanese" oder "Blonder Marokkaner".

Eine weitere Möglichkeit des Konsumierens ist das Inhalieren von Haschisch-Öl oder cannabishaltigen Liquids über spezielle Rauchgeräte oder E-Zigaretten. Darüber hinaus kann Haschisch auch in Form von aschkeksen oder Haschischkuchen gegessen und über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden.

Die Wirkung tritt beim Rauchen innerhalb weniger Minuten ein, beim Verzehr etwas verzögert, nach etwa einer halben Stunde.

Risiken und Nebenwirkungen bei Cannabiskonsum

Sowohl beim einmaligen Gebrauch als auch bei regelmäßigem Konsum von Cannabis kann es zu Nebenwirkungen kommen. Häufig treten auf:

Wechselwirkungen treten häufig in Verbindung mit Alkohol auf, es kann zu psychotischen Störungen und Herz-Kreislauf-Problemen kommen. Auch die Fahrtüchtigkeit kann eingeschränkt sein, weshalb man nach Konsum von Cannabis das Auto für mindestens 12 Stunden stehen lassen sollte.

Folgen bei hoher Dosierung oder Dauergebrauch:

  • Per­sön­lich­keits­verän­de­run­gen
  • Wahnvorstellungen, Angstzustände, Paranoia
  • Psychosen
  • Depressionen
  • Beeinträchtigung der kognitiven Entwicklung bei Jugendlichen
  • Lang­jäh­rige Cannabis-Raucher können durch den Nikotinkosum geschädigt werden, zum Beispiel Raucherhusten, COPD, Lungenkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Bei il­le­gal er­worbenem Cannabis besteht Vergiftungsgefahr (Intoxikation) durch Ver­unreinigun­gen und Streck­mit­tel
  • Konsum in der Schwangerschaft beeinträchtigt die embryonale Entwicklung und erhöht ­­das Risiko für Geburts­kompli­kationen
  • Gefahr der Entwicklung einer Cannabisabhängigkeit

Vor allem Jugendliche von Cannabis-Psychose betroffen

Die Droge kann wie jede andere psychoaktive Substanz eine Psychose auslösen, vor allem bei Menschen mit entsprechender Veranlagung. Die Wirkstoffe im Cannabis greifen in den Dopaminhaushalt des Körpers ein, was bereits bei einmaligem hochdosierten Gebrauch zu einem psychotischen Schub führen kann.

Bei langjährigen Gewohnheitskiffern, die in besonders jungem Alter angefangen haben, besteht darüber hinaus die Gefahr einer sich über lange Zeit hinweg schleichend entwickelnden Psychose oder Schizophrenie. Betroffene sollten sich schnellstmöglich Hilfe bei einem erfahrenen Psychotherapeuten oder Psychiater suchen.


Behandlung von Depressionen: Hilfen & Tipps

Amotivationales Syndrom: Antriebslos durch Kiffen?

In Verbindung mit langanhaltendem Cannabiskonsum wird häufig das amotivationale Syndrom beschrieben: ein Symptomkomplex aus Antriebslosigkeit, Gleichgültigkeit, fehlendem Arbeitswillen und allgemeinem Desinteresse an der Umwelt. Klinische Studien konnten bisher allerdings nicht bestätigen, dass diese Antriebslosigkeit auf den exzessiven Cannabiskonsum zurückzuführen ist und nicht auf andere Ursachen, etwa soziale Probleme.

Macht Kiffen dumm?

Eine verminderte Intelligenzleistung aufgrund langjährigem, intensivem Cannabismissbrauch wird immer wieder diskutiert, konnte aber in bisherigen Studien nie belegt werden. Zwar wirkt sich Cannabis bei bestehendem Konsum nachweislich negativ auf Aufmerksamkeit, Konzentration und Merkfähigkeit aus. Diese Einschränkungen waren bei Erwachsenen aber bereits nach einmonatiger Abstinenz nicht mehr nachweisbar.

Anders sieht die Situation aus, wenn bereits im frühen Jugendalter mit dem Kiffen begonnen wird. Eine neuseeländische Langzeitstudie konnte nachweisen, dass Personen, die bereits vor der Volljährigkeit regelmäßig Cannabis konsumiert hatten, durchschnittlich im Erwachsenenalter einen um acht Prozentpunkte niedrigeren Intelligenzquotienten hatten und einen Verlust an axonalen Nervenbahnen vorwiesen.

Gehirn: Mythen und überraschende Fakten

Legalisierung von Cannabis?

In Deutschland sind Besitz, Handel und Anbau von Marihuana sowie Haschisch illegal. Die praktische Handhabung sieht etwas anders aus: Der Besitz von geringen Mengen für den Eigenbedarf wird strafgerichtlich nicht verfolgt.

Eine Lockerung der Gesetzgebung wird seit Jahren immer wieder diskutiert. Seit 2017 dürfen Ärzte Patienten Cannabis auf Rezept bei starken Schmerzen und anderen schweren Erkrankungen verschreiben. Gegner warnen jedoch davor, dass die Gefahren von Cannabis häufig unterschätzt werden und eine Legalisierung die Zahl der Cannabsiabhängigen weiter erhöhen könnte.

Cannabisabhängigkeit: Die Sucht erkennen und behandeln

Die körperliche Abhängigkeit von Cannabis ist als gering einzuschätzen, selbst wenn sich bei langem Gebrauch eine gewisse Toleranz einstellt und die Dosis deshalb oft erhöht wird. Das psychische Abhängigkeitspotential wird hingegen von den Konsumenten häufig unterschätzt. Vor allem der langjährige, intensive und hochdosierte Gebrauch von Cannabis sowie der Konsumbeginn im Jugendalter kann zur Abhängigkeit führen.

Merkmale einer Cannabisabhängigkeit:

  • Das Kiffen belastet die Beziehung und Freundschaften
  • Probleme in der Schule, am Arbeitsplatz oder zu Hause treten infolge des Konsums auf
  • Erhöhte Toleranz gegenüber der Droge: bis die erwünschte Wirkung eintritt, muss immer mehr konsumiert werden
  • Erfolglose Versuche, den Konsum zu reduzieren oder ganz zu stoppen
  • Ist die Droge nicht greifbar, treten Entzugserscheinungen wie Reizbarkeit, Angst, Schlafstörungen und Heißhunger auf. Ärzte sprechen vom spezifischen Cannabisabhängigkeitssyndrom.

Ursachen: Wie kommt es zu einer Cannabisabhängigkeit?

Nicht jeder, der ab und zu einen Joint raucht, ist gefährdet, cannabissüchtig zu werden. Problematisch wird der Konsum, wenn der Rausch zur Gewohnheit wird und als Alltagsflucht dient. In dieser Hinsicht ist Cannabis dem Alkohol sehr ähnlich: Der Weg zwischen maßvollem Genuss und Sucht ist schmal. Typische Gründe für exzessiven Cannabiskonsum bei Jugendlichen können sein:

  • Gruppenzwang
  • Versagensängste
  • generalisierte Lebensangst
  • Alltagsflucht
  • Schulprobleme
  • familiäre Probleme
  • Langeweile

Nachweis von Cannabis über Blut- und Urintest

Eine Abhängigkeit von der Droge Cannabis zu erkennen, ist nicht immer leicht, da hohe Verleugnungstendenzen bei den Süchtigen bestehen. Ärzte und Suchtbeauftragte greifen bei der Diagnose auf Verhaltensbeobachtung zurück. Gespräche über Menge und Höhe des Cannabiskonsums werden ebenso herangezogen wie ein Nachweis über den Cannabisgebrauch in Form eines Drogenscreenings.

Der Nachweis von Cannabis kann durch einen Urintest, Bluttest oder eine Laboruntersuchung der Haare erfolgen. Nach einmaligem Konsum ist Cannabis im Blut ein bis zwei Tage nachweisbar, im Urin bis zu 12 Tage. Bei Gewohnheitsrauchern verlängert sich die Zeit des Urinnachweises auf bis zu sechs Wochen. Durch eine Haaranalyse lässt sich regelmäßiger Cannabiskonsum auch über Monate hinweg nachweisen.

Therapie bei Cannabissucht

Erster Pfeiler der Suchtbekämpfung ist immer der Entzug, begleitet von einer entsprechenden Suchttherapie. Psychotherapeutische Verfahren bilden die Grundlage für die Behandlung von Cannabisabhängigen:

  • Die besten Ergebnisse zeigt derzeit die kognitive Verhaltenstherapie.
  • Bei Jugendlichen hat sich unterstützend außerdem eine systemische Familientherapie als hilfreich erwiesen.
  • Auch Kurztherapien mit motivationaler Gesprächsführung können bereits einen positiven Effekt zeigen.
  • Bei schwerem Enzugssyndrom und begleitender psychischer Störung ist eine stationäre Behandlung empfelenswert.

Hilfe bekommen Betroffene bei allen Drogenberatungsstellen:

Meistgeklickt zum Thema
Mythen und Fakten über die Vagina
Medizinwissen

G-Punkt, Muskelwunder, Scheidenkrampf: Interessantes bis Skurriles über die Vagina mehr...

Alkohol und Medikamente: Bei diesen Pillen müssen Sie aufpassen
Gefährliche Wechselwirkungen

Mittel gegen Diabetes, Bluthochdruck, Cholesterin werden durch Alkohol unter Umständen gefährlich mehr...

20 Fakten über Cannabis: Hätten Sie es gewusst?
Medizinwissen

Über Cannabis kursieren eine Menge Gerüchte. Was stimmt über Cannabis, Marihuana und Haschisch? mehr...

Haben Sie eine Frage?

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Adventskalender: Tolle Gewinne warten!

Wir versüßen das Warten auf Weihnachten: Öffnen Sie jeden Tag ein Türchen und gewinnen Sie tolle Preise

mehr lesen...
Artikel zum Thema
Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren

Zum Seitenanfang

afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2012/Monat: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über Gong Verlag GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: www.lifeline.de

Unser Angebot erfüllt die afgis-Transparenzkriterien.
Das afgis-Logo steht für hochwertige Gesundheitsinformationen im Internet.