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Endoskopisch Retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP)

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Eine ERCP ist eine minimalinvasive Diagnostik- und Therapiemethode zur Untersuchung der Bauchspeicheldrüsen- und Gallengänge. Dabei können Gallensteine und Tumore entfernt sowie Gewebeproben entnommen werden. Wie läuft eine ERCP ab und welche Risiken gibt es?

ERCP: Ablauf des Eingriffs
© Getty Images/Shannon Fagan

Kurzübersicht: ERCP

Was ist eine ERCP? Bei einer ERCP handelt es sich um eine Untersuchungs- und Behandlungsmethode der Ausführgänge von Galle und Bauchspeicheldrüse (Pankreas).

Wann wird eine ERCP durchgeführt? Steinentfernung in Gallenwegen oder im Pankreasgang, Behandlung von Engstellen und Tumoren in den Gängen der Galle, Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), Abklärung von Gelbsucht (Ikterus), Entnahme von Gewebeproben (Biopsie)

Risiken einer ERCP: Blutungen, Allergie, Unverträglichkeiten, Schmerzen im Rachen, Reizungen, Bauchspeicheldrüsenentzündung

ERCP: Ambulant oder stationär? In der Regel kann man nach einer Endoskopisch retrograden Cholangiopankreatikographie noch am selben Tag nach Hause gehen, sie findet ambulant statt. Nur selten müssen Erkrankte noch länger zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben.

Im Überblick:

Verbotene Lebensmittel bei Bauchspeicheldrüsenentzündung

Was ist eine ERCP?

ERCP ist die Abkürzung für Endoskopisch Retrograde Cholangiopankreatikographie. Bei einer ERCP werden die Gallengänge, die Gallenblase sowie die Bauchspeicheldrüsengänge mithilfe eines Endoskops darstellt. Das Endoskop ist ein Schlauch mit einer Kamera und Lichtquelle am Ende, zudem lassen sich über Arbeitskanäle Instrumente für operative Eingriffe einbringen.

Der Schlauch wird dabei durch den Mund eingeführt und über den Magen bis in den Zwölffingerdarm geschoben. Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang münden in der sogenannten Vaterschen Papille. Ein Schließmuskel an der Mündung kontrolliert die Abgabe von Galle in den Darm. Durch diesen Schließmuskel wird bei ERCP entgegen der Fließrichtung von Verdauungssäften ein Kontrastmittel injiziert. Nun können die Ausführungsgänge der Galle und der Bauchspeicheldrüse sowie etwaige Verengungen etwa durch Gallensteine oder Tumoren mithilfe von Röntgenstrahlen sichtbar gemacht werden.

Im Gegensatz zur Cholangioskopie handelt es sich bei der ERCP nicht um eine direkte Untersuchung des Gallengangsystems: Das Kontrastmittel wird eingespritzt und es wird geröngt, der endoskopische Schlauch mit Kamera wird aber nicht direkt in die Ausführungsgänge eingebracht. Es wird kein direktes Videobild erstellt. Falls eine noch genauere Betrachtung der Gallenwege notwendig ist, wird die ERCP deshalb oft um die Cholangioskopie erweitert.

Ablauf und Vorbereitungen

Die ERCP ist ein minimal-invasiver Eingriff und kann in der Regel ambulant durchgeführt werden: Patient*innen müssen also meist nicht mit einem längeren Aufenthalt im Krankenhaus rechnen.

Die ERCP muss nüchtern erfolgen, deshalb sollte etwa acht bis sechs Stunden vorher nichts gegessen werden. Um eine Reizung des Rachens zu vermeiden, ist auch ein Rauchverzicht empfehlenswert. Wenn nicht anders ärztlich verordnet, sind gerinnungshemmende Medikamente wie Acetylsalicylsäure rund 10 Tage vor der Untersuchung abzusetzen. So soll schwer stillbaren Blutungen vorgebeugt werden.

Die Untersuchung erfolgt in Bauchlage und auf einem Röntgentisch. Mithilfe von Medikamenten wird eine leichte Sedierung erreicht: Schmerzen werden so unterdrückt; Patient*innen befinden sich in einem schlafähnlichen Zustand.

Die ERCP dauert etwa 30 Minuten, bei operativen Eingriffen auch länger. Nach dem Aufwachen ist eine weitere Überwachung für einige Stunden, nach einem operativen Eingriff zum nächsten Tag, ratsam. Damit sich die Bauchspeicheldrüse erholen kann, sollte für rund 12 Stunden nichts gegessen werden. Erst sechs bis acht Stunden nach dem Eingriff dürfen Betroffene erst wieder Flüssigkeit wie Wasser zu sich nehmen.

Wann wird eine ERCP durchgeführt?

Früher wurde die ERCP vorwiegend zu Untersuchungszwecken eingesetzt, heute wurde das invasive Untersuchungsverfahren weitgehend von anderen diagnostischen Möglichkeiten wie der Endosonographie und der Magnetresonanztomographie (MRT) abgelöst.

Durch die technischen Entwicklungen der vergangenen Jahre sind therapeutische Möglichkeiten entwickelt worden, die eine ganze Reihe von aufwändigen Operationen im Gangsystem durch die ERCP ersetzen und unnötig machen. Angewendet wird eine ERCP etwa

  • zur Darstellung und Entfernung von Gallensteinen oder Verengungen im Gallengang,

  • bei speziellen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Bauchspeicheldrüsenentzündung),

  • zur Entfernung von Tumoren und Zysten,

  • bei Entzündungen der Gallenblase (Cholezystitis) oder

  • bei Entzündungen der Gallengänge (Cholangitis).

Um einen Eingriff wie eine Entfernung von Steinen in den Gallenwegen durchführen zu können, muss oftmals der Schließmuskel der Papille eingeschnitten werden, Fachleute sprechen auch von einer Papillotomie. So lassen sich weitere chirurgische Instrumente wie kleine Körbchen aus Metall leichter durch die enge Öffnung schleusen. Ärzt*innen können dann Engstellen durch Entzündungsnarben oder Tumoren aufweiten und mit Drainagen oder Platzhalterröhrchen (Stents) versorgen. Polypen oder auffälliges Gewebe lässt sich entfernen und zum Ausschluss von Krebs untersuchen.

Risiken und Komplikationen der ERCP

Die ERCP gilt als risiko- und schmerzarme Untersuchungs- und Behandlungsmethode. Die häufigste Komplikation ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis). Diese verläuft meist mild, nur selten kommt es zu Schwellungen im Pankreasgang, was eine erneute Operation erforderlich macht.

Weitere Risiken und Komplikationen sind:

  • Schluckbeschwerden 
  • Heiserkeit
  • Halsschmerzen
  • Verletzung und Blutungen der Speiseröhre sowie Magen- und Darmwand
  • Reizungen und Entzündungen der Gallenblase, Gallengänge und der Bauchspeicheldrüse
  • Allergien auf das Röntgenkontrastmittel oder Narkosemedikament
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