Erkrankung der Speicheldrüsen

Speichelstein: Entstehung, Behandlung und Selbsthilfe

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Ein Speichelstein ist ein kleiner Stein, der sich in den Drüsen des Mundbereichs bildet und die Ausführungsgänge verstopft. Oftmals verursacht er keinerlei Beschwerden. Speichelsteine können jedoch auch zu schmerzhaften Schwellungen und Entzündungen führen. Wie entstehen die sogenannten Sialolithen und wie lassen sie sich behandeln?

Junge Frau leidet an Beschweden durch Speichelstein.
© Getty Images/seb_ra

Speichelsteine (medizinisch: Sialolithen) sind für die Hälfte aller Erkrankungen der Speicheldrüsen verantwortlich: In Deutschland erkranken jährlich etwa 5.000 Menschen an einer sogenannten Sialolithiasis. Während kleinere Ablagerungen oftmals mit konservativen Maßnahmen gelöst werden können, müssen bei größeren Steinen operative Maßnahmen in Betracht gezogen werden.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist ein Speichelstein?

Ein Speichelstein bildet sich aus Bestandteilen des Speichels, unter anderem aus Kalziumkarbonat und Kalziumphosphat. Die Verkalkungen können die Ausführgänge der Speicheldrüsen verengen oder blockieren und den Speichelfluss behindern. Das hängt vor allem von ihrer Größe ab: Speichelsteine können einen Durchmesser von wenigen Millimetern bis zu zwei Zentimetern erreichen. Ihre Form ist rund oder oval, die Beschaffenheit glatt oder höckerig.

Kommt es infolge des Speichelstauung zu Schwellungen oder Entzündungen der Speicheldrüsen, wird dies in der Medizin als Sialadenitis bezeichnet. Häufig treten Speichelsteine zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf, sie sind aber auch bei Kindern möglich.

Wo treten Speichelsteine häufig auf?

Der Mensch hat drei wichtige Speicheldrüsen, die Speichel in die Mundhöhle abgeben. Ihre Aufgabe ist es, aufgenommene Nahrung zu verflüssigen und die Schleimhaut im Mund zu schützen und zu reinigen. Die im Speichel enthaltenen Stoffe spielen zudem eine zentrale Rolle für den Verdauungsprozess.

Am größten ist die sogenannte Ohrspeicheldrüse, die sich beidseitig am Gesichtsrand vor den Ohren befindet. Die Unterkieferspeicheldrüse ist paarig im Kopf-Halsbereich angelegt. Die kleinste der Speicheldrüsen, die Unterzungenspeicheldrüse, liegt unter der Zunge.

Meist sind die Steinchen im Bereich des Ausführungskanals der Drüsen lokalisiert. Innerhalb der Drüsen kommen Sialolithen eher selten vor. Speichelsteine können in jeder Speicheldrüse entstehen, es ergibt sich jedoch folgende Verteilung:

  • 83 Prozent: Unterkieferspeicheldrüse (Glandula submandibularis)
  • 10 Prozent: Ohrspeicheldrüse (Glandula parotidea, auch Parotis genannt)
  • 7 Prozent: Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis)

Die Unterkieferspeicheldrüse besitzt einen besonders langen und breiten Ausführungskanal, der einen Speichelstau begünstigt. Daher kommt es hier besonders oft zu einer Steinbildung.

Ursachen: Wie entstehen Speichelsteine?

Die genauen Ursachen für die Bildung von Sialolithen sind nicht abschließend geklärt. Die Entstehung der Ablagerungen wird jedoch vor allem mit einer veränderten Zusammensetzung des Speichels (beispielsweise infolge von Stoffwechselerkrankungen) in Verbindung gebracht. Ebenso wird eine verminderte Speichelproduktion als Ursache vermutet: Durch eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme verdickt der Speichel und die Drüsen werden nicht mehr richtig durchgespült. Die Folge: Einzelne Stoffe verklumpen und es bilden sich sogenannte Konkremente (Ablagerungen) in den Speichelgängen.

Risikofaktoren, die die Entstehung von Speichelsteinen begünstigen:

  • geringe Trinkmenge
  • Mumps-Erkrankung (Speicheldrüsenentzündung, die vor allem im Kindesalter auftritt und zu einer Verengung der Ausführungsgänge führen kann)
  • Mukoviszidose (Erkrankung, die mit zähflüssigen Körperflüssigkeiten einhergeht)
  • angeborene oder erworbene Verengungen der Ausführungsgänge (zum Beispiel durch Verletzungen, Entzündungen)
  • Medikamente (wie Anticholinergika), die die Speichelproduktion verringern und etwa zur Behandlung von COPD oder Harninkontinenz zum Einsatz kommen

Nicht jeder Speichelstein geht mit einer Entzündung der Speicheldrüsen (Sialadenitis) einher. Kommt es jedoch zu Verstopfungen der Drüsen und gerät der Speichelfluss ins Stocken, können Bakterien und andere Erreger leichter aus der Mundhöhle in die Speicheldrüsengänge gelangen und dort Entzündungen auslösen. Begünstigt wird eine Infektion durch mangelnde Mundhygiene.

Welche Symptome verursacht ein Speichelstein?

Ein Speichelstein kann lange unbemerkt bleiben, er verursacht nicht immer Symptome. Zudem wächst er nur langsam. Oftmals werden die Steine zufällig, beispielsweise im Rahmen einer zahnärztlichen Kontrolluntersuchung entdeckt.


Zu Beschwerden kommt es meist erst, wenn die Konkremente den Speichelfluss blockieren. Typisch ist dann eine Schwellung und ein Spannungsgefühl im Bereich der Wange oder in der Nähe des Ohres. Am stärksten ausgeprägt sind die Beschwerden vor allem während oder nach der Nahrungsaufnahme. Denn beim Kauen wird vermehrt Speichel produziert, der dann nicht mehr abfließen kann. Die Schwellung ist jedoch in der Regel vorübergehend und bildet sich nach einigen Stunden wieder zurück.

Bleiben die Sialolithen lange unbehandelt, können die Drüsen verhärten und dauerhaft geschwollen bleiben. Zudem kann Mundtrockenheit auftreten.

Im Falle einer Speicheldrüsenentzündung kommen noch weitere Symptome hinzu, wie:

  • äußere Rötung
  • Schmerzen im Mund, Hals und Unterkiefer
  • Druckempfindlichkeit

Unter Umständen tritt zudem Eiter aus den Drüsen aus. Spätestens dann sollte ein Besuch in der Arztpraxis nicht hinausgezögert werden.

Wie lassen sich Speichelsteine diagnostizieren?

Bei Verdacht auf einen Speichelstein sollten Betroffene eine*einen HNO-Ärztin*Arzt aufsuchen. Meist kann eine Sialolithiasis schon anhand der beschriebenen Symptome festgestellt werden. Zur Sicherung der Diagnose kommen darüber hinaus oftmals verschiedene bildgebende Verfahren wie Computertomografie, eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) und – inzwischen seltener – eine Sialografie zum Einsatz. Bei der Sialografie wird ein Kontrastmittel in die Ausführungsgänge der betroffenen Drüse gespritzt, wodurch sich in der Röntgenaufnahme die genaue Lage des Steines erkennen lässt.

Zum wichtigsten Diagnoseverfahren gehört mittlerweile aber die Speichelgangendoskopie (SGE, Sialendoskopie). Bei der Mitte der 1990er-Jahre entwickelten Methode wird ein Endoskop vorsichtig in die Öffnung des Speichelgangs eingeführt. Über die angebrachte Kamera kann der*die Mediziner*in so Steine und entzündliche Veränderungen erkennen. Meist wird die Untersuchung, die etwa 15 Minuten dauert, unter lokaler Betäubung durchgeführt, nur in Einzelfällen ist eine Vollnarkose notwendig. Der große Vorteil der Sialendoskopie ist, dass das Verfahren nicht nur für diagnostische Zwecke, sondern auch therapeutisch genutzt werden kann – kleinere Speichelsteine können gleich entfernt werden.

Wie lassen sich Speichelsteine behandeln?

Die Behandlung eines Speichelsteins ist abhängig von seiner Lage, Form und Größe. Bei kleineren Speichelsteinen hilft es oftmals bereits, die Speichelbildung anzuregen. Darüber hinaus stehen verschiedene konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Selbsthilfe bei Speichelsteinen

Ein erhöhter Speichelfluss reinigt die Speicheldrüse und kleinere Sialolithen können unter Umständen herausgespült werden. Um die Speichelproduktion anzuregen, empfiehlt sich daher:

  • Lutschen von sauren Bonbons
  • Kauen von Kaugummis
  • Trinken von sauren Säften (zum Beispiel Zitronensaft)

Ebenso können Betroffene versuchen, die verstopften Ausführungsgänge der Speicheldrüse sanft zu massieren und somit den Speichelstein herauszulösen. Verursacht der Druck jedoch Schmerzen, sollte das Massieren umgehend abgebrochen werden. Es sollte keinesfalls versucht werden, den Speichelstein gewaltsam auszudrücken.

Allgemein haben Hausmittel und Selbstmaßnahmen ihre Grenzen: Bessern sich die Beschwerden nicht oder verschlimmern sie sich, sollten Speichelsteine immer ärztlich behandelt werden.

Nicht-operative Behandlung bei Speichelsteinen

Bei einer akuten Speicheldrüsenentzündung verschreibt die*der HNO*Ärztin*Arzt in der Regel Schmerzmittel (sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika) und bei einer bakteriellen Infektion Antibiotika. Liegt der Speichelstein am Ausgang der Drüse, kann die*der Mediziner*in versuchen, diesen mit leicht massierenden Bewegungen zu lösen und in Richtung Drüsenausgang zu schieben. Darüber hinaus stehen weitere Möglichkeiten zur Verfügung:

  • extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL): Befindet sich ein kleinerer Stein (bis 8 Millimeter) weit im Gang, kann eine Stoßwellentherapie zum Einsatz kommen. Bei diesem Verfahren werden die Verkalkungen durch Ultraschallwellen zertrümmert. Die zerkleinerten Teile werden innerhalb der nächsten Tage durch den natürlichen Speichelfluss ausgespült. Es sind meist bis zu 3 Sitzungen (etwa 45 bis 90 Minuten) im Abstand von 4 bis 12 Wochen notwendig.

  • Speichelgangendoskopie: Das Verfahren kann neben der Diagnosestellung ebenfalls zur Behandlung genutzt werden. Dazu wird am Endoskop ein Fangkörbchen angebracht, mit dessen Hilfe der Stein entfernt wird. Voraussetzung für diese Methode ist, dass der Speichelstein mit dem Endoskop erreichbar und nicht zu groß ist.

Operative Entfernung von Speichelsteinen

Zeigen konservative Behandlungsverfahren, wie das Anregen der Speichelproduktion oder die Behandlung mittels Ultraschallwellen keinen Erfolg, müssen die Speichelsteine operativ entfernt werden. Es sind verschiedene Eingriffe möglich:

  • Operative Gangschlitzung: Eine Möglichkeit zur operativen Therapie ist die Gangschlitzung. Dafür wird ein kleiner Schlitz an der Öffnung der Speicheldrüse gemacht, sodass der Stein die Engstelle überwinden und ausgespült oder chirurgisch geborgen werden kann. Anschließend näht die*der Ärztin*Arzt den Schlitz wieder zu. Die Gangschlitzung wird in den allermeisten Fällen unter örtlicher Betäubung durchgeführt.

  • Kombiniert endoskopisch-operatives Vorgehen: Größere Steine (über 8 Millimeter) stellen eine größere Herausforderung dar. Meist wird in diesem Fall eine Speichelgangendoskopie mit der offenen operativen Steinentfernung kombiniert.

  • Operative Entfernung der Drüse: Als letzte Therapieoption bleibt eine operative Entfernung der kompletten Speicheldrüse. Diese Möglichkeit wird beispielsweise in Betracht gezogen, wenn sich immer wieder neue Speichelsteine bilden und Beschwerden verursachen. Da die restlichen Speicheldrüsen noch genügend Speichel bilden, ist meist mit keinen Einschränkungen nach dem chirurgischen Eingriff zu rechnen. Wie bei allen chirurgischen Eingriffen bestehen jedoch Risiken, wie beispielsweise die Verletzung von Gesichtsnerven.

Verlauf und Prognose einer Sialolithiasis

Bei einer rechtzeitigen Behandlung ist die Prognose von Speichelsteinen gut. Die Drüsenfunktion regeneriert sich nach Beseitigung des Abflusshindernisses wieder vollständig. Bei längerer Entzündung besteht hingegen die Gefahr, dass sich ein Abszess (eingekapselte Eiteransammlung) bildet. Bricht diese auf und breitet sich die Entzündung aus, kann es im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohliche Sepsis (Blutvergiftung) kommen.

Um dies zu verhindern, sollten Beschwerden durch Speichelsteine immer frühzeitig ärztlich abgeklärt werden. Mit einer entsprechenden Behandlung nehmen die Symptome rasch ab.

Speichelsteine gehen nicht mit einem erhöhten Risiko für Nieren- oder Gallensteine einher.

Lassen sich Speichelsteine vorbeugen?

Die effektivste Möglichkeit zur Vorbeugung von Speichelsteinen besteht durch das Anregen des Speichelflusses. Dieser übt eine Reinigungsfunktion aus und sorgt dafür, dass kleine Ablagerungen ausgespült werden. Dazu empfiehlt sich:

  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt mindestens 1,5 Liter pro Tag.

  • regelmäßige Einnahme von Mahlzeiten, um eine ausgeglichene Speichelbildung zu gewährleisten.

  • gründliche Pflege der Zähne und Mundhygiene: So können Infektionen im Mundraum vermieden werden.

Ansonsten sollte bei Verdacht auf einen Speichelstein rechtzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden, um Komplikationen wie eine Speicheldrüsenentzündung zu vermeiden.

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