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Ohrenschmerzen

Otalgie

Ohrenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden in den Arztpraxen und können je nach Ursache sehr stark und anhaltend sein. Die Betroffenen gehen meist frühzeitig zum Arzt.

Lexikon-Ohrenschmerzen
Besonders eine Mittelohrentzündung ist sehr schmerzhaft.
(c) Stockbyte

Unter dem Begriff Ohrenschmerzen (Otalgie) werden Schmerzen im Bereich der Ohrmuschel, des äußeren Gehörgangs, des Trommelfells, des Mittelohrs sowie des ohr-nahen Schädels zusammengefasst. Nicht immer gehen Ohrenschmerzen auf  Erkrankungen des Ohrs selbst zurück (wie zum Beispiel Mittelohrentzündung, Fremdkörper im Gehörgang, Verletzungen). Häufig haben die Schmerzen in anderen Organen oder Regionen im Kopf-Hals-Bereich ihren Ursprung (zum Beispiel Mandelentzündung , Kiefergelenkschädigung). Die Schmerzen strahlen in diesen Fällen lediglich ins Ohr aus oder werden durch Nervenbahnen, die durch das Ohr verlaufen,  dorthin fortgeleitet.

Ohrenschmerzen zählen zu den häufigsten Beschwerden in Arztpraxen

Die Schmerzen sind insbesondere bei Mittelohrentzündung ausgesprochen stark, in der Regel anhaltend und sprechen oft nur begrenzt auf Schmerzmittel an. Patienten mit Ohrenschmerzen suchen deshalb vielfach frühzeitig Hilfe beim Haus- oder Hals-Nasen-Ohrenarzt.

Die Ursachen für Ohrenschmerzen sind vielfältig, wobei eine gewisse Häufung bestimmter Auslöser bei unterschiedlichem Lebensalter zu beobachten ist. So erkranken Säuglinge und Kinder besonders oft an Mittelohr- oder Rachenentzündungen. Bei Jugendlichen stehen hingegen Entzündungen des äußeren Ohrs im Vordergrund. Erwachsene wiederum leiden vermehrt an Kiefergelenkserkrankungen, die ins Ohr ausstrahlen.

Aufgrund der Verbindung von Innenohr und Gleichgewichtsorgan kommen bei Ohrerkrankungen nicht nur Schmerzen und Beeinträchtigungen des Hörvermögens vor. Zusätzlich können auch Gleichgewichtsprobleme auftreten. Diese äußern sich z.B. als Schwindelgefühl, Gang- und Standunsicherheit oder Übelkeit.

Weitere schwerwiegende Komplikationen bei Erkrankungen des Ohrs können zudem Entzündungen des Schädelknochens und Hirnhautentzündungen sein.

Insofern gilt: Bei Ohrenschmerzen ist eine Abklärung der Ursachen beim Arzt und eine möglichst frühzeitige Einleitung einer passenden Behandlung ratsam.

Ursachen für Ohrenschmerzen

Ohrenschmerzen sind ein typisches Symptom für eine Mittelohrentzündung. Doch nicht immer gehen die Schmerzen vom Ohr selbst aus. Auch Erkrankungen der Zähne oder Infektionen im Hals-Rachenraum können Schmerzen am Ohr verursachen.

Häufig spielen zum Beispiel auch die Zähne (Karies (Zahnfäule)), eine Kiefergelenksentzündung oder auch eine Halsentzündung eine Rolle. Im Zweifelsfall sollten die Ursachen für Ohrenschmerzen immer vom Arzt abgeklärt werden.

Ursachen für Ohrenschmerzen, die vom Ohr selbst ausgehen:

  • Mittelohrentzündung (Otitis media): Heftige, plötzlich auftretende Ohrenschmerzen, meist einseitig. Typisch ist auch Schwerhörigkeit und eitriger Ausfluss aus dem Ohr, eventuell auch Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel. Eine Mittelohrentzündung tritt oft während und auch nach einer Erkältung auf.
  • Entzündung des äußeren Gehörgangs (äußere Ohrentzündung), typisch sind Schmerzen, Juckreiz und eitriges Ohrenlaufen. Auslöser können kleinste Verletzungen sein (zum Beispiel durch Wattestäbchen) oder auch Tauchen oder Baden (daher auch der Begriff „Swimmer´s Ear“).
  • Warzenfortsatzentzündung (Mastoiditis): Meist einseitige Ohrenschmerzen, starke Druckempfindlichkeit der geschwollenen Stelle hinter dem Ohr (Warzenfortsatz), eitriger Ausfluss, abstehende Ohrmuschel als Folge der Schwellung.
  • Tubenkatarrh (Unterdruck im Mittelohr mit anschließender Entzündung, wenn ein Druckausgleich durch den Verbindungsgang zum Rachen nicht erfolgen kann, etwa aufgrund einer Racheninfektion mit Schwellung) – tritt aufgrund der Druckveränderungen in der Flugzeugkabine insbesondere nach Flugreisen auf; typisch ist ein Druckgefühl und ein Rauschen im Ohr, sowie Schwerhörigkeit.
  • Furunkel im äußeren Gehörgang oder an der Ohrmuschel
  • Trommelfellverletzungen  (nach lautem Knall in Ohrnähe oder nach Explosionen: „Knalltrauma“)
  • Fremdkörper im Gehörgang ( Ohrschmalz, aber auch Insekten, Hülsenfrüchte, Murmeln, Spielzeug etc.)
  • Verletzung (Trauma) des Ohrs

Erkrankungen/ Ursachen, die zu einer Schmerzausstrahlung bis ins Ohr führen:

  • Mumps (Entzündung der Ohrspeicheldrüse, Parotitis) – betroffen sind vorwiegend Säuglinge und Kinder; typisch ist eine Schwellung vor und unter dem Ohr, Schmerzen beim Essen und Kauen sowie Fieber.
  • Rachenentzündung (Halsentzündung (Pharyngitis)) mit Hustenreiz und Kratzen im Hals
  • Mandelentzündung (Tonsillitis) mit den charakteristischen, starken Schluckbeschwerden und weißlich-gelben Belegen auf den Rachenmandeln
  • Durchbrechen der Weisheitszähne
  • Kiefergelenkserkrankungen (Kiefergelenksarthropathie)
  • Karies (Zahnfäule) der Backenzähne und andere Zahnschäden
  • Nervenschmerzen im Bereich des Gesichtsnerven (Trigeminusneuralgie), die sich blitzartig einstellen und meist kaum erträglich sind.
  • Nervenbeeinträchtigung im Bereich der Halswirbelsäule (Zervikalneuralgie)
  • Gürtelrose (Herpes zoster) im Bereich des Ohrs
  • Krebserkrankungen im Rachenraum (Rachenkrebs (Pharynxkarzinom) )

So untersucht der Arzt bei Ohrenschmerzen

Gerade weil Ohrenschmerzen nicht selten besonders heftig und anhaltend auftreten, suchen Erkrankte recht bald einen Arzt auf. Der klärt mittels verschiedener Diagnoseverfahren, was die Ursache der Schwerzen ist.

Die Diagnose bei Ohrenschmerzen stützt sich auf die Krankengeschichte, die körperliche Untersuchung, die Ohrspiegelung (Otoskopie) sowie die Ermittlung des Hörvermögens (Audiometrie). Blutanalysen und bildgebende Verfahren wie Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen spielen können mitunter ebenfalls herangezogen werden.

Ohrenschmerzen sollten in der Regel durch einen Arzt abgeklärt werden, da es aufgrund der Empfindlichkeit des Hörorgans selbst bei vielen harmlos erscheinenden Erkrankungen zu Komplikationen und bleibenden Hörschäden kommen kann. Bagatellerkrankungen, die nicht unbedingt einen Arztbesuch erfordern wie beispielsweise ein schmerzender Pickel im Gehörgang, sollten regelmäßig kontrolliert werden. Breitet sich die Entzündung aus, sollte mit einem Arztbesuch nicht gezögert werden, damit die Erkrankung nicht auf das Mittelohr oder den Ohrknorpel übergreift.

Die körperliche Untersuchung – insbesondere von Kopf und Hals – und die Krankheitsgeschichte der Betroffenen weisen in der Regel bereits den Weg zur Ursache von Ohrenschmerzen. Dabei ist von besonderem Interesse, ob sich der Schmerz langsam oder schnell entwickelte, einseitig oder beidseitig auftritt, anhaltend ist oder schwankt und ob Hörbeeinträchtigungen vorliegen und wie lange diese bereits bestehen. Schwellungen, Rötungen und Druckempfindlichkeit zeigen oft den genauen Ausgangspunkt der Beschwerden an.

Mittels Ohrspiegelung (Otoskopie) können die inneren Abschnitte des äußeren Gehörgangs und Veränderungen am bzw. hinter dem Trommelfell beurteilt werden. Die Audiometrie erfasst Beeinträchtigungen des Hörvermögens.

In manchen Fällen können zusätzliche Untersuchungsverfahren wie beispielsweise eine Laboruntersuchung oder auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall-  oder Röntgenuntersuchung angezeigt sein.

Behandlung: Was hilft bei Ohrenschmerzen?

Bei starken Ohrenschmerzen sind Medikamente zur Linderung die erste Wahl. Aber auch Hausmittel können helfen.

Die Behandlung von Ohrenschmerzen richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. Wichtig ist immer eine ausreichende Schmerztherapie. Dazu wird entweder die Schmerzursache behoben (z.B. ein Furunkel eröffnet und der Eiter abgeleitet) oder eine Behandlung mit Schmerzmitteln vorgenommen. In manchen Fällen sind Antibiotika angezeigt.

Aufgrund der oft starken Beschwerden durch Ohrenschmerzen ist eine rasche und wirksame Schmerzlinderung besonders wichtig. Im Idealfall geschieht das durch Beheben der Schmerzursache. Dazu können etwa Fremdkörper aus dem Ohr entfernt, Verletzungen chirurgisch behandelt oder Nervenbeeinträchtigungen im Bereich der Halswirbelsäule durch Physiotherapie gebessert werden. Eventuell ist auch eine Zahnbehandlung  – zum Beispiel bei Karies oder bei Problemen mit den Wexiheitszähnen nötig.

Mitunter kommen Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen zum Einsatz.

Bei der vor allem im Säuglings- und Kindesalter häufigen Mittelohrentzündung haben sich mitunter abschwellende Nasentropfen zur Tubenbelüftung bewährt. Auch Antibiotika oder (seltener) ein Trommelfellschnitt können als Therapieoptionen in Frage kommen – hier sollte im individuellen Fall gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entschieden werden.

Hausmittel bei Ohrenschmerzen

Zur Selbsthilfe haben sich verschiedene Hausmittel bewährt. So lindern warme Zwiebelwickel die Ohrenschmerzen. Die ätherischen Öle der Zwiebel wirken dabei schmerz- und entzündungshemmend. Die Zwiebelwickel mehrmals täglich für etwa 30 Minuten auf das betroffene Ohr aufgelegt werden. Auch eine Behandlung mit Wärme, zum Beispiel mit einer Rotlicht-Lampe, kann die Schmerzen lindern. Zugluft sollte auf alle Fälle vermieden werden.

Erste Hilfe bei Ohrenschmerzen leisten auch abschwellende Nasentropfen. Diese sorgen für eine Druckentlastung des zugeschwollenen Ohres über den Mund-Rachen-Raum.

Vorbeugend gegen Ohrenschmerzen wirkt Kaugummikauen. Durch die Kieferbewegung beim Kauen wird die "Belüftung" des Ohres gefördert. Vermieden werden sollte hingegen der Gebrauch von Wattestäbchen. Diese tragen eher zu einer Verstopfung des Ohres bei, als dass sie der Hygiene dienen.

Tipps für gesunde Ohren

Autor:
Letzte Aktualisierung: 22. März 2017
Durch: / Lifeline
Quellen: Siddiq MA, Samra MJ. 10-MINUTE CONSULTATION. Otalgia. BMJ 2008; 336: 276-7. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2223060/pdf/bmj-336-7638-prac-00276.pdf Ely JW, et al. Diagnosis of Ear Pain. Am Fam Physician. 2008; 77: 621-8. URL: http://www.aafp.org/afp/2008/0301/p621.pdf Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. DEGAM Leitlinie Nr. 7. Ohrenschmerzen. Stand: 09/2005. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-009_S3_Ohrenschmerzen_Lang_09-2005_12-2010.pdf

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